Kirana Tantra 108 Verse für die spirituelle Praxis
Kirana Tantra 108 Verse für die spirituelle Praxis erschließt ausgewählte Lehren über Bewusstsein, Gnade und Befreiung in einfacher deutscher Übersetzung. Die Verse können das Nachdenken über Yoga und die eigene Meditation vertiefen. Auch Fragen und Einwände gehören zu diesem Weg: Die ausgewählten Dialogfolgen sind deshalb als Gespräch zu lesen.
Die Auswahl stammt aus dem in Kirana Tantra bearbeiteten Teilbestand: aus den Kapiteln 1–7, 9–11 des Erkenntnisteils und aus einer Unterweisung zur Mantrawiederholung in Ritualkapitel K2. Sie besteht aus 108 unterschiedlichen vollständigen Originalstrophen. Ihre neue laufende Zählung ist keine Originalzählung. Sanskrit und ausführlichere Übersetzung stehen im Hauptartikel; die genaue Zuordnung aller Einträge folgt am Ende dieser Seite. Unter der gesamten Versfolge steht der Abschnitt „Mantras aus dem Kirana Tantra“.

108 Verse für die spirituelle Praxis
1. Lehre mich die höchste Erkenntnis Shivas, mich, der ich dir ergeben bin und mich fürchte. Alle Menschen, die sie erlangen, gelangen zur ungeteilten Befreiung.
2. Auf diese Bitte antwortete Hara, dessen Mondsichel hell auf dem Scheitel leuchtete: „Deine Frage ist gut. Höre die Erkenntnis, die großes Heil eröffnet.
3. Das große Tantra mit dem Namen Kirana schenkt die Freude des höchsten Unsterblichen. Es ist rein, erweist allen Gnade und macht die Gegenstände seiner Lehre deutlich sichtbar.
4. Es lehrt die Untersuchung der Erkenntnis von gebundener Seele, Bindung und Herrn. Es schließt Ritual und geregelte Lebensführung ein und bringt eine Fülle yogischer Vollkommenheiten hervor.“
5. „Wenn das so ist, erkläre zunächst die gebundene Seele: Wie ist sie beschaffen? Wie wird sie gebunden, und wie findet sie Befreiung? Räume meinen Zweifel aus.“
6. „Die gebundene Seele ist ewig und körperlos. Sie besitzt weder Erkenntnis noch Tätigkeit, weder die Eigenschaften der Urnatur noch eigene Herrschaft. Sie ist überall gegenwärtig, befindet sich im Inneren der Maya und sucht nach Möglichkeiten des Erlebens.
7. Mit dieser unreinen Seele verbindet sich die von Shiva ausgehende begrenzte Handlungsfähigkeit. Dadurch wird ihr Bewusstsein gestärkt; die begrenzte Erkenntnisfähigkeit macht ihr die Gegenstände zugänglich.
8. Verlangen färbt die Seele. Ihre Verbindung mit der Urnatur und deren Eigenschaften sowie mit den Werkzeugen des Erkennens, beginnend bei der unterscheidenden Einsicht, bindet sie.
9. Die festlegende Ordnung beschränkt sie sogar im Hinblick auf das, was sie selbst erworben hat. Die Zeit verstrickt sie in das Erleben von Wirkungen, die nach Zeitabschnitten bemessen sind.
10. So binden die Wirklichkeitsprinzipien und ihre Kräfte die Seele. Sie weiß wenig und trägt einen Körper. Vom Erleben der Maya umfasst, geht sie darin auf; die angeborene Unreinheit verhüllt sie.
11. Dann erlebt sie Freude und alles andere so, wie es ihrem eigenen Karma entspricht. Wenn nach dem Verstreichen von Zeit ihre karmischen Kräfte ins Gleichgewicht kommen
12. und sie durch das machtvolle Herabkommen der göttlichen Kraft von einem Guru eingeweiht wird, ist sie wie Shiva allwissend; ihr begrenztes Wissen ist überwunden.
13. Ihr Shiva-Sein tritt vollständig hervor. Sie ist dann nicht mehr dem Kreislauf der Wiedergeburten unterworfen. So, wie sie schrittweise gebunden wurde, wird sie in entsprechender Folge befreit.
14. Drei Zustände der Seele werden gelehrt: der isolierte, der mit begrenzenden Bestandteilen verbundene und der reine. Damit ist die gebundene Seele beschrieben. Was möchtest du außerdem wissen?“
15. „Du hast die Seele als begrenzt wissend und Shiva als allwissend bezeichnet. Erkläre den Grund dafür, dass der eine rein und die andere unrein ist.“
16. „Die Seele heißt begrenzt wissend, weil ihre Verbindung mit der Unreinheit keinen Anfang hat. Shiva ist allwissend, weil er seit anfangsloser Zeit von dieser Unreinheit frei ist.
17. Eine Ursache wird erst angenommen, wenn ein zeitlicher Anfang feststeht. Reinheit und Unreinheit werden als die tatsächliche Beschaffenheit dieser beiden gelehrt.
18. Warum ist ein Kristall rein, warum haftet dem Kupfer Dunkles an? Wie hierfür keine Ursache angegeben wird, so auch nicht für die jeweilige Beschaffenheit Shivas und der Seele.“
19. „Warum wird die Seele dann noch einmal durch die begrenzte Handlungsfähigkeit und die weiteren Prinzipien gebunden? Du hast sie im Inneren der Maya verortet und zugleich allgegenwärtig genannt, Allmächtiger.
20. Wenn sie überall gegenwärtig ist, wie kann sie dann im Inneren der Maya sein? Das eine widerspricht dem anderen. Wie lässt sich beides verstehen?“
21. „Die Seele wird gebunden, damit sie Befreiung erlangen kann; auf andere Weise entsteht diese für sie nicht. Solange sie noch nicht mit einem Körper verbunden ist, kann sie nicht erfahren.
22. Diese Maya bildet ihren Leib. Ohne ihn gibt es keine Befreiung. Durch die verschiedenen Abhängigkeiten wird die bereits unreine Seele weiter verunreinigt.
23. Wie ein beschmutztes Gewand in einem reinigenden Stoff sauber wird, so kann auch die unreine Seele rein werden, obwohl sie sich im Inneren der Maya befindet.
24. Das Innere der Maya umfasst die Prinzipien von der begrenzten Handlungsfähigkeit bis zur Erde. Wenn von einem Aufgehen darin gesprochen wird, ist damit der feine Körper gemeint.“
25. „Du sagst, die Unreinheit habe keinen Anfang. Ist sie aus Maya gebildet, eine Eigenschaft der Seele oder von ihr verschieden? Sage mir, was diese Unreinheit ist.“
26. „Die grundlegende Unreinheit ist angeboren; die aus den Wirkungen der Maya entstandene kommt hinzu. Maya verblendet nicht aus sich selbst. Durch ihre Wirkungen macht sie etwas sichtbar.
27. Indem die Seele mit den Wirkungen der Maya verbunden wird, leuchtet ihr Bewusstsein auf. Maya bricht die Unreinheit auf und bringt das Bewusstsein teilweise zum Vorschein.
28. Durch ihre Wirkungen erweist Maya sich als erhellend, nicht als verhüllend. Offenbarwerden bedeutet Erhellung; Unreinheit bedeutet Verhüllung.
29. Doch auch diese begrenzte Offenbarung der Seele wird Unreinheit genannt; das Verhältnis ist so deutlich wie das von Lampe und Dunkelheit. Maya heißt außerdem verblendend, weil sie den Genuss der Sinnesgegenstände vermittelt.
30. Wo auch immer die Seele ist, ihre eigene Unreinheit und ihr Karma bewirken die aus Maya entstehende Bindung. Diese Bindung hat also einen bestimmten Anlass.
31. Sonst müsste sie auch Shiva treffen, der seit anfangsloser Zeit frei von Unreinheit ist. Deshalb ist Maya nicht die grundlegende Unreinheit. Die Überlegung zeigt, dass diese von Maya verschieden ist.“
32. „Wie könnte die mit Erkenntnis verbundene Seele Nichtwissen als Eigenschaft angenommen haben?“ – „Die Unreinheit ist keine Eigenschaft ihres Wesens. Wäre sie es, würde sich das Wesen der Seele erkennbar verändern.
33. Die Seele ist ihrem Wesen nach Bewusstsein; Unreinheit gehört nicht zu diesem Wesen. Andernfalls wäre sie veränderlich. Bei einer Seele zeigt sich Erkenntnis, bei einer anderen bleibt sie verborgen.“
34. Die dunkle Anhaftung ist dem Kupfer von Natur aus verbunden. Dennoch vergeht mit ihr nicht das Kupfer selbst. So, wie diese Anhaftung am Kupfer schwindet, schwindet auch die Unreinheit der Seele.
35. Wie die Unreinheit der Seele keinen Anfang hat, so hat auch ihr Karma keinen Anfang. Wäre das nicht so, wodurch ließe sich dann die Verschiedenheit der Wesen erklären?
36. Deshalb sind Karma, Maya und der Kreislauf der Existenzen anfangslos. Ebenso anfangslos ist Shiva, der die ganze Welt hervorbringt.
37. „Du bezeichnest Shiva als den Handelnden. Wie lässt er sich erkennen, Herr? Wie kann er handeln, wenn er weder Sinneswerkzeuge noch einen Körper besitzt?“
38. „Auch die körperlose Zeit bringt, wie man sieht, Wirkungen hervor. Ebenso bringt der körperlose Shiva durch seinen Willen hervor, was entstehen soll.
39. Sein Werkzeug ist allein der Wille, wie bei einem vollkommenen Yogi. Auch ein anziehender Körper kann ohne Sinne ein eingedrungenes Eisenteil herausziehen. Eine Betätigung ist nicht sichtbar; aus der Wirkung wird der Wille erkannt.
40. Eine grobe und vielfältige Wirkung könnte sonst ebenso wenig entstehen wie ein Topf. Deshalb muss es einen Urheber geben.“ – „Könnte das Karma dieser Urheber sein?“ – „Nein, denn Karma ist unbewusst.
41. Shiva wird ohne Teile, in grober Gestalt und zugleich mit und ohne Teile beschrieben. Je nach seinen Aufgaben unterscheidet er sich als Isha, Sadashiva und der Friedvolle.
42. Auch in seiner gegliederten Gestalt ist Shiva keine gebundene Seele, denn seine Bestandteile sind nicht aus Maya gebildet. Weil er rein ist, dürfen ihm keine unreinen Teile zugeschrieben werden.
43. Seine Bestandteile sind Mantras, und das Wesen dieser Mantras ist Shiva. Aus ihnen bildet er seinen großen eigenen Körper, in dem reine Wahrnehmungsvermögen gegenwärtig sind.
44. Solange er dies nicht tut, gibt es keine Folge von Gurus. Indem er einen Körper annimmt, erweist er allen verkörperten Wesen Gnade.
45. Die Kraft eines Yogis wirkt sowohl beim Ergreifen als auch beim Freigeben. Auf diese Weise sind auch das Ergreifen und Freigeben durch den allmächtigen Herrn zu verstehen.
46. Der mit Teilen Versehene wird durch Gesten, Mandalas und Mantras, durch Handlungen zur dreifachen Vollendung und durch Meditation erkannt; auch daran, dass alle Erkenntnis von ihm ausgeht.
47. Die andere Gottheit, die beide Naturen verbindet, heißt nicht schlechthin teilfrei. Nur im Verhältnis zur großen Körpergestalt wird sie als ohne Teile bezeichnet.
48. So ist der Herr unmittelbar die Grundlage des Yoga für die Yogis. Ohne einen Gegenstand gibt es weder Yoga noch den Weg durch die feinen Bahnen noch Konzentration.
49. Um den Seelen Gnade zu schenken, nimmt der Höchste eine niedrigere Erscheinungsform an. Er ist im Klang, im Punkt, im leeren Raum, in den Mantra-Wesen, in der Kraft, in der Keimsilbe und am Ende der Lautteile gegenwärtig.
50. Wie ein Yogi erkennt er den Dienst, den man ihm erweist; allwissend schenkt er die entsprechende Frucht. Weil er durch seinen Willen Gnade wirkt, besitzt er die Zustände des Ruhens, des Genießens und der Amtsausübung.“
51. „Durch Shivas Kraft, so heißt es, wird Ananta erweckt. Diese erweckende Kraft soll überall gegenwärtig sein.
52. Warum erweckt sie dann die anderen nicht, obwohl sie auch ihnen nahe ist? Wenn sie nur den Geeigneten hilft, wäre Shiva doch von Vorliebe bestimmt.“
53. „Warum öffnen sich nicht alle Lotusblüten gleich, wenn Sonnenstrahlen sie berühren? Einige öffnen sich, andere überhaupt nicht.
54. Die Sonne empfindet dabei weder Zuneigung noch Abneigung. Ebenso ist es beim Herrn. Ananta wird seinem Amt entsprechend beauftragt; ohne Auftrag besteht dieses Amt nicht.“
55. Weil Maya unbewusst ist, muss sie für die Zwecke der Seelen in Bewegung gesetzt werden. Sie verändert sich deshalb nicht von sich aus: Ananta gibt ihr den Anstoß.
56. Der Wind bewegt nur die Oberfläche des Ozeans. Ebenso zeigt die in ihrer Grundlage unerschütterliche Maya Veränderungen in Gestalt der begrenzten Handlungsfähigkeit und der weiteren Prinzipien.
57. Wenn Maya ohne Bewegung nichts hervorbringt, bedeutet ihre Erregung, dass sie in Bewegung versetzt wird. Von Ananta angestoßen, bringt ihre Kraft fortwährend Wirkungen hervor.
58. Maya ist übergeordnet und durchdringt ihre Wirkungen; für deren Gesamtheit auf dem kosmischen Weg gilt dies nicht. Weil sie die begrenzte Handlungsfähigkeit und die übrigen Gebilde durchdringt und selbst bestehen bleibt, nennt man sie unerschütterlich.
59. Die feine Kraft, die diese Wirkungen hervorbringt, heißt Handlungskraft. Obwohl sie fein ist, ist sie in den groben Wirkungen gegenwärtig, wie im Samen eines Feigenbaumes.
60. Ohne Körper gibt es weder Befreiung noch die Erfahrung, die Erkenntnis und Handeln lehrt. Auch dies bewirkt Shambhu aus seiner Freiheit und Herrschaft. Friedvoll erweist er allen Gnade; jede Frucht steht in seiner Macht.
61. „Einweihung entsteht durch das Herabkommen der Kraft. Doch wie könnte eine allgegenwärtige Kraft herabfallen? Sie ist mit Shiva untrennbar verbunden und deshalb immer schon in der Seele gegenwärtig.
62. Wenn diese Kraft stets vorhanden ist, warum endet dann nicht der Kreislauf der Existenzen? Kommt es auf die Zeit an? Welche Zeit wäre das? Und wenn die Zeit entscheidet, wozu braucht es Shiva?“
63. „Worte werden auch hier in übertragenem Sinn gebraucht. So sagt man, die allgegenwärtige Seele gehe von einem Ort zum anderen, und nennt die ewige Seele vergänglich.
64. Man spricht vom Zerschneiden der Bindungen und nennt den göttlichen Shiva den König der Mantras. Ebenso ist auch das Herabkommen der Kraft bildlich zu verstehen.
65. Wie ein plötzlich herabfallender Gegenstand Furcht weckt, so heißt es vom Herabkommen der Kraft, dass es Furcht vor dem Kreislauf der Existenzen hervorruft.“
66. Wenn es kein Überwiegen und Zurücktreten der karmischen Kräfte mehr gibt, erreicht die göttliche Kraft ihren Ort. Das ist ihr Herabkommen. Wer davon berührt wird, zeigt eine besondere Hingabe.
67. Dieser Zeitpunkt ist dafür geeignet, dass die Kraft die Seele annimmt. Shiva wartet ihn ab, weil die Verbindung der Seele mit ihrem Karma anfangslos ist.
68. Man nennt diesen Augenblick eine Öffnung der Zeit; Shiva kennt ihn. Wie jemand, der ein bewegliches Ziel treffen möchte, auf einen bestimmten Augenblick wartet,
69. so wartet auch Shiva, der diesen Augenblick kennt, auf das Gleichgewicht. Ohne diese Voraussetzung müssten sonst alle zugleich befreit werden.
70. Würde diese geordnete Folge nicht anerkannt, wären Mittel und Praxis überflüssig. Shiva ist hier als Herr zu erkennen. Welche Herrschaft könnte ein einzelner Zeitmoment besitzen?
71. Herrschaft gehört dem, dessen Wesen Erkennen ist. Die unbewusste Zeit ist deshalb kein Herr. Zur geeigneten Zeit wirkt die Herrschaft, wie die Sonne beim Öffnen einer Lotusblüte.
72. Ohne den geeigneten Augenblick öffnet sich auch die Blüte nicht. Dennoch nennt man die Sonne diejenige, die den Lotus zum Aufblühen bringt.
73. Zeit bedeutet hier die geeignete Voraussetzung. Wenn man sie erhellend nennt, ist das bildlich gemeint. Auch wenn der Zeitpunkt das Gleichgewicht des Karmas ist, bleibt Shiva der Herr über das Herabkommen der Kraft.
74. „Wie kann die eine Kraft viele Menschen erwecken?“ – „Die Vielheit ist kein Hindernis. Weil die Kraft überall gegenwärtig ist, wird ihre Wirkung dadurch nicht begrenzt.“
75. Die Weihe gilt dem lebendigen Wesen, weder seiner Kaste noch seinem Körper. Gälte sie der Kaste, wären durch die Einweihung eines Einzelnen alle Angehörigen seiner Kaste eingeweiht.
76. Deshalb kann man die Weihe nicht der Kaste zuschreiben, ebenso wenig dem unbewussten Körper. Gelehrt wird die Begnadigung dessen, dessen Wesen Bewusstsein ist. Shiva erweist allen Gnade.
77. Je nach der Beschaffenheit der Menschen erweist der Herr ihnen Gnade, Garuda. Manche eignen sich für rituelles Handeln; auf diesem Weg erlangen sie Befreiung.
78. Andere eignen sich für Erkenntnis, wieder andere für geregelte Lebensführung. Jedem wird der Weg der Befreiung so gelehrt, wie er durch seine Verbindung mit dem Herrn angemessen ist.
79. Einweihung ist die Grundlage der Mittel, zu denen Erkenntnis und die anderen Wege gehören. Einweihung allein führt nicht notwendig zur Befreiung; das geeignete Mittel bestimmt den Weg.
80. Weil der Herr allen Gnade erweist, hat er diese verschiedenen Mittel gelehrt. Warum hätte er sonst nicht nur ein einziges genannt? Er hat aber mehrere gelehrt.
81. „Wenn die Mantras ewig sind, wie können sie unterschiedliche Gestalten besitzen? Ihre Verschiedenheit müsste doch bedeuten, dass sie vergänglich sind.“
82. „Sie heißen Wunscherfüller, weil sie Gestalten annehmen, die dem Übenden entsprechen. So, wie sein Wunsch ist, so gestalten sie sich.
83. Ihre Bewusstseinskraft verändert sich dadurch nicht in etwas anderes. Nur die äußerlich sichtbare Erscheinung wechselt, wie bei einem Schauspieler, Garuda.
84. Man sieht eine große Eidechse aus irgendeinem Anlass verschieden erscheinen. Ebenso verhält es sich hier: Die Kraft geht durch die wechselnden Gestalten nicht verloren.
85. So soll man den Mantras vertrauen, wie die Überlieferung sie beschreibt. Shivas Wille treibt sie an, auf dem ganzen kosmischen Weg zu wirken.“
86. „Der kosmische Weg heißt Weg. Doch wenn Shiva überall ist, kann es keinen Weg zu ihm geben. Einen solchen Weg anzunehmen würde seiner Allgegenwart widersprechen.“
87. „Die Entfaltung des Urschoßes bindet die Seelen. Ihre verblendende Herrlichkeit ist zu überwinden, denn Shiva liegt jenseits davon.
88. Obwohl Feuer überall vorhanden ist, sieht man es über einem Baumstamm aufsteigen. Ebenso verhält es sich mit Shiva: Aufgrund seiner Reinheit heißt er der Höhere.
89. Seine überragenden Eigenschaften machen ihn zum Höheren. Das Wort wird bildlich gebraucht, obwohl er überall gegenwärtig ist. Die Prinzipien von der Erde an sind Stätten der Erfahrung für verkörperte Wesen.
90. Diese Prinzipien sind zusammen mit ihren Welten in der entsprechenden Reihenfolge zu reinigen. Über einer Stätte liegt eine höhere, darüber wieder eine noch höhere.
91. Das reicht bis zu Shivas Stätte. Die Seele geht in Shiva auf; dies ist ihre Auflösung. Dabei bewegt sie sich nicht an einen anderen Ort, denn sie ist überall gegenwärtig.
92. Kupfer, das zu Gold geworden ist, wird Gold genannt. Ebenso erhält die Seele ihre Bezeichnung entsprechend dem Shiva-Sein, das sie erlangt hat.“
93. Maya ist zu überwinden, Shiva ist zu erkennen; die Seele ist die Erkennende. Shiva ist leer von den Eigenschaften der Maya, denn die Unreinheit der gebundenen Seelen haftet ihm nicht an.
94. Leerheit bedeutet hier nicht, dass etwas nicht existiert. Sie wird in Bezug auf etwas anderes ausgesagt: Wie ein Haus ohne seinen Herrn leer ist, so ist Shiva leer von den sattvischen Eigenschaften.
95. Punkt, Klang und Kraft werden im Hinblick auf diese Leerheit vorgestellt, damit der Geist Halt findet. Danach soll er im Ewigen fest werden.
96. Shiva übersteigt die Sinne, denn er ist äußerst fein und im Zustand der feinen Kraft gegenwärtig. Diese ist die Erkenntniskraft. Wer sie erkennt, erkennt auch ihn.
97. Sollte nicht auch das erfahrbar sein, was die äußeren Sinne übersteigt? Erfahrung ist als Wahrnehmung des Geistes bekannt, etwa beim Hunger und beim Durst.
98. Bei der Erfahrung von Hunger und Ähnlichem muss keine begriffliche Vorstellung entstehen. Auch eine Vorstellung hat eine wirkliche Grundlage; diese muss jedoch kein Ding wie ein Topf sein.
99. Die feine Vorstellung des Geistes geht in die Kraft der Leerheit ein. Dort ruhend, löst sie sich von anderem. Deshalb wird dieser Zustand als frei vom Denken bezeichnet.
100. Wenn Seele und Sinne zusammentreten, entsteht Erkenntnis. Die Seele handelt; der Geist ist ihre Tätigkeit. Shiva ist hier das zu erschließende Ziel: Obwohl er alles durchdringt, ist seine Natur einheitlich.
101. Beim unmittelbaren Sehen eines Baumes erfasst man seine Gestalt, aber nicht seinen Saft und alle weiteren Eigenschaften. Ebenso wird der Herr durch die Erkenntniskraft erfasst.
102. Der Herr verkündet die Tantras um der Befreiung willen. Ohne ein Mittel gibt es keine Befreiung. Weil die Tantras das geeignete Mittel darlegen, hat er sie gesprochen.
103. Wie eine Mutter ist die Lautmutter. Sie zeigt sich im Zählen, im Erkennen und in weiteren Formen. Sie ist in Logik, Dichtung und Geschichtsüberlieferung gegenwärtig und durchdringt alles.
104. In den Zweigen der Shiva-Erkenntnis trägt die eine Lautmutter verschiedene Namen. Wie eine Lotuspflanze vielfach gegliedert ist, erscheint sie in den Rudra-Zweigen verschieden und bleibt dennoch die Höchste.
105. Die Verschiedenheit der Erkenntnis ist deshalb bildlich zu verstehen; sie betrifft nicht ihren wesentlichen Gehalt. Dazu gehören Dichtungen in Prosa und Versen, Gesänge und die unterschiedlichen Sprachen der Länder.
106. Vagishvari, die Herrin der Sprache, geht als Kraft aus der Mantrakraft der als Bija, Pinda, Kala und Kuta bezeichneten Formen hervor. Sie durchdringt die gesamte sprachliche Welt des Herrn.
107. Erkenne in ihr die höchste Lautmutter, die Stätte aller Mantras. So habe ich dir erklärt, wie sich die eine Erkenntnis entfaltet.
108. Wiederhole den Mantra, solange du innerlich ruhig bleibst. Übe weder hastig noch schleppend, weder undeutlich noch mit zerstreutem Geist; bleibe bei der Wiederholung gesammelt.
Mantras aus dem Kirana Tantra
Im bearbeiteten Bestand wurde ein geeignetes vollständiges Gebet gesichert. Eine sicher aufgelöste, zur selbständigen Rezitation geeignete technische Mantraformel wird hier nicht angeboten. Die Erwähnung von Om, Mantranamen und verschlüsselte Buchstabenangaben genügen dafür nicht. Die folgenden Worte sind ausdrücklich ein Gebet.
Garudas Bitte um befreiende Erkenntnis
यदवाप्य नराः सर्वे मुक्तिमायान्ति केवलाम्
bhaktasya mama bhītasya śivajñānaṃ paraṃ vada
yadavāpya narāḥ sarve muktimāyānti kevalām
Übersetzung: Lehre mich, deinen ergebenen und furchtsamen Verehrer, die höchste Erkenntnis Shivas. Alle Menschen, die sie erlangen, gelangen zur uneingeschränkten Befreiung.
Stellung im Text: Garuda bittet Shiva um Unterweisung; auf die Bitte folgt der Lehrdialog. Der Vers wird hier als Gebet, nicht als technischer Mantra bezeichnet.
Voraussetzungen: Die Stelle setzt Hingabe und das Verlangen nach befreiender Erkenntnis voraus. Sie schreibt für diesen Vers keine besondere Einweihung, Wiederholungszahl oder Rezitationszeit vor. Solche Vorschriften werden hier nicht ergänzt.
Heutige Anregung: Als heutige Anregung kann die Bitte vor einer Textlektüre in ihrer überlieferten Form gesprochen werden. Diese Verwendung ist eine heutige Übertragung, keine im Vers angeordnete Ritualpraxis.

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Konkordanz, Anmerkungen und Quellen
Die Auswahl folgt der Originalreihenfolge. Zusammengehörige Vergleichssätze bleiben auch über die neue Nummerierung hinweg verbunden. Jede Nummer bezeichnet eine vollständige Originalstrophe.
| Auswahl | Originalstelle im Hauptartikel | Leitquelle |
|---|---|---|
| 1 | 1.10 | G, KirT_1.10; elektronische Zeile 124 |
| 2 | 1.11 | G, KirT_1.11; elektronische Zeilen 144, 148 |
| 3 | 1.12 | G, KirT_1.12; elektronische Zeile 151 |
| 4 | 1.13 | G, KirT_1.13; elektronische Zeile 160 |
| 5 | 1.14 | G, KirT_1.14; elektronische Zeile 187 |
| 6 | 1.15 | G, KirT_1.15; elektronische Zeile 200 |
| 7 | 1.16 | G, KirT_1.16; elektronische Zeilen 224, 230 |
| 8 | 1.17 | G, KirT_1.17; elektronische Zeile 233 |
| 9 | 1.18 | G, KirT_1.18; elektronische Zeilen 239, 245 |
| 10 | 1.19 | G, KirT_1.19; elektronische Zeile 266 |
| 11 | 1.20 | G, KirT_1.20; elektronische Zeilen 288, 294 |
| 12 | 1.21 | G, KirT_1.21; elektronische Zeile 297 |
| 13 | 1.22 | G, KirT_1.22; elektronische Zeilen 299, 327 |
| 14 | 1.23 | G, KirT_1.23; elektronische Zeilen 329, 353 |
| 15 | 2.1 | G, KirT_2.1; elektronische Zeile 362 |
| 16 | 2.2 | G, KirT_2.2; elektronische Zeile 385 |
| 17 | 2.3 | G, KirT_2.3; elektronische Zeile 388 |
| 18 | 2.4 | G, KirT_2.4; elektronische Zeile 391 |
| 19 | 2.5 | G, KirT_2.5; elektronische Zeilen 397, 403 |
| 20 | 2.6 | G, KirT_2.6; elektronische Zeile 406 |
| 21 | 2.7 | G, KirT_2.7; elektronische Zeile 411 |
| 22 | 2.8 | G, KirT_2.8; elektronische Zeile 414 |
| 23 | 2.9 | G, KirT_2.9; elektronische Zeile 419 |
| 24 | 2.10 | G, KirT_2.10; elektronische Zeile 426 |
| 25 | 2.11 | G, KirT_2.11; elektronische Zeile 433 |
| 26 | 2.12 | G, KirT_2.12; elektronische Zeilen 437, 447 |
| 27 | 2.13 | G, KirT_2.13; elektronische Zeile 460 |
| 28 | 2.14 | G, KirT_2.14; elektronische Zeilen 464, 478 |
| 29 | 2.15 | G, KirT_2.15; elektronische Zeilen 482, 486 |
| 30 | 2.16 | G, KirT_2.16; elektronische Zeile 491 |
| 31 | 2.17 | G, KirT_2.17; elektronische Zeile 494 |
| 32 | 2.24 | G, KirT_2.24; elektronische Zeilen 549, 557 |
| 33 | 2.25 | G, KirT_2.25; elektronische Zeilen 563, 571 |
| 34 | 2.30 | G, KirT_2.30; elektronische Zeile 607 |
| 35 | 3.7 | G, KirT_3.7; elektronische Zeile 686 |
| 36 | 3.8 | G, KirT_3.8; elektronische Zeile 691 |
| 37 | 3.9 | G, KirT_3.9; elektronische Zeilen 697, 721 |
| 38 | 3.10 | G, KirT_3.10; elektronische Zeile 738 |
| 39 | 3.11 | G, KirT_3.11; elektronische Zeilen 744, 754, 752 |
| 40 | 3.12 | G, KirT_3.12; elektronische Zeilen 761, 811 |
| 41 | 3.13 | G, KirT_3.13; elektronische Zeile 822 |
| 42 | 3.16 | G, KirT_3.16; elektronische Zeilen 850, 856 |
| 43 | 3.17 | G, KirT_3.17; elektronische Zeilen 860, 864 |
| 44 | 3.18 | G, KirT_3.18; elektronische Zeilen 866, 870 |
| 45 | 3.19 | G, KirT_3.19; elektronische Zeile 877 |
| 46 | 3.20 | G, KirT_3.20; elektronische Zeile 888 |
| 47 | 3.21 | G, KirT_3.21; elektronische Zeile 899 |
| 48 | 3.22 | G, KirT_3.22; elektronische Zeilen 903, 907 |
| 49 | 3.23 | G, KirT_3.23; elektronische Zeilen 909, 915 |
| 50 | 3.24 | G, KirT_3.24; elektronische Zeilen 955, 959 |
| 51 | 4.1 | G, KirT_4.1; elektronische Zeile 997 |
| 52 | 4.2 | G, KirT_4.2; elektronische Zeile 1000 |
| 53 | 4.3 | G, KirT_4.3; elektronische Zeile 1009 |
| 54 | 4.4 | G, KirT_4.4; elektronische Zeile 1012 |
| 55 | 4.17 | G, KirT_4.17; elektronische Zeile 1109 |
| 56 | 4.18 | G, KirT_4.18; elektronische Zeile 1120 |
| 57 | 4.19 | G, KirT_4.19; elektronische Zeilen 1124, 1131 |
| 58 | 4.20 | G, KirT_4.20; elektronische Zeile 1137 |
| 59 | 4.21 | G, KirT_4.21; elektronische Zeile 1142 |
| 60 | 4.29 | G, KirT_4.29; elektronische Zeilen 1233, 1238 |
| 61 | 5.1 | G, KirT_5.1; elektronische Zeilen 1246, 1260 |
| 62 | 5.2 | G, KirT_5.2; elektronische Zeilen 1270, 1274 |
| 63 | 5.3 | G, KirT_5.3; elektronische Zeile 1285 |
| 64 | 5.4 | G, KirT_5.4; elektronische Zeile 1288 |
| 65 | 5.5 | G, KirT_5.5; elektronische Zeile 1293 |
| 66 | 5.13 | G, KirT_5.13; elektronische Zeilen 1424, 1430 |
| 67 | 5.14 | G, KirT_5.14; elektronische Zeilen 1440, 1444 |
| 68 | 5.15 | G, KirT_5.15; elektronische Zeilen 1446, 1452 |
| 69 | 5.16 | G, KirT_5.16; elektronische Zeilen 1454, 1458 |
| 70 | 5.17 | G, KirT_5.17; elektronische Zeilen 1464, 1470 |
| 71 | 5.18 | G, KirT_5.18; elektronische Zeilen 1472, 1476 |
| 72 | 5.19 | G, KirT_5.19; elektronische Zeile 1479 |
| 73 | 5.20 | G, KirT_5.20; elektronische Zeilen 1481, 1486 |
| 74 | 5.21 | G, KirT_5.21; elektronische Zeilen 1492, 1496 |
| 75 | 6.3 | G, KirT_6.3; elektronische Zeilen 1616, 1620 |
| 76 | 6.4 | G, KirT_6.4; elektronische Zeile 1623 |
| 77 | 6.7 | G, KirT_6.7; elektronische Zeilen 1657, 1661 |
| 78 | 6.8 | G, KirT_6.8; elektronische Zeile 1664 |
| 79 | 6.9 | G, KirT_6.9; elektronische Zeile 1673 |
| 80 | 6.10 | G, KirT_6.10; elektronische Zeile 1678 |
| 81 | 7.17 | M, S. 21; PDF-S. 21 |
| 82 | 7.18 | M, S. 21; PDF-S. 21 |
| 83 | 7.19 | M, S. 21; PDF-S. 21 |
| 84 | 7.20 | M, S. 21; PDF-S. 21 |
| 85 | 7.21 | M, S. 21; PDF-S. 21 |
| 86 | 7.22 | M, S. 21; PDF-S. 21 |
| 87 | 7.23 | M, S. 22; PDF-S. 22 |
| 88 | 7.24 | M, S. 22; PDF-S. 22 |
| 89 | 7.25 | M, S. 22; PDF-S. 22 |
| 90 | 7.26 | M, S. 22; PDF-S. 22 |
| 91 | 7.27 | M, S. 22; PDF-S. 22 |
| 92 | 7.28 | M, S. 22; PDF-S. 22 |
| 93 | 9.2 | M, S. 36; PDF-S. 36 |
| 94 | 9.3 | M, S. 36; PDF-S. 36 |
| 95 | 9.4 | M, S. 36; PDF-S. 36 |
| 96 | 9.5 | M, S. 36; PDF-S. 36 |
| 97 | 9.6 | M, S. 36; PDF-S. 36 |
| 98 | 9.9 | M, S. 37; PDF-S. 37 |
| 99 | 9.10 | M, S. 37; PDF-S. 37 |
| 100 | 9.11 | M, S. 37; PDF-S. 37 |
| 101 | 9.12 | M, S. 37; PDF-S. 37 |
| 102 | 10.2 | M, S. 38; PDF-S. 38 |
| 103 | 11.6 | M, S. 41; PDF-S. 41 |
| 104 | 11.7 | M, S. 42; PDF-S. 42 |
| 105 | 11.8 | M, S. 42; PDF-S. 42 |
| 106 | 11.9 | M, S. 42; PDF-S. 42 |
| 107 | 11.10 | M, S. 42; PDF-S. 42 |
| 108 | K2.42 | H, handschriftlich S. 195; PDF-S. 198 |
Nachweis zum Gebet. Garudas Bitte um befreiende Erkenntnis: 1.10, Quelle G, elektronische Kennung KirT_1.10, Zeile 124 der bereitgestellten GRETIL-Datei. Der Nachweis bezieht sich auf die elektronische Fassung. Der vollständige Vers besteht aus zwei Halbversen; weder eine Anfangssilbe noch eine Schlussformel wurde hinzugefügt.
G – Kapitel 1–6. Dominic Goodall (Hg.), Bhaṭṭa Rāmakaṇṭha’s Commentary on the Kiraṇatantra. Volume I: Chapters 1–6. Critical Edition and Annotated Translation, Pondicherry 1998, Publications du Département d’Indologie 86.1. Benutzt wurde die vom Herausgeber bereitgestellte elektronische Fassung bei GRETIL, in der Grundtext und Kommentar getrennt erfasst sind. Hier steht nur der identifizierte Kirana-Grundtext. Die elektronische Eingabe trägt einen Hinweis auf fehlende Korrekturlektüre; eine vollständige Kontrolle am gedruckten Editionsbild erfolgte nicht. Die GRETIL-Datei nennt CC BY-NC-SA 4.0; dieser Quellenhinweis wird mitgeführt, ohne damit einen neuen Lizenzstatus sämtlicher hier zusammengestellter Bestandteile zu behaupten.
M – Kapitel 7–12. Kiraṇāgama, Maharishi University of Management Vedic Literature Collection, 44-seitige Devanagari-Datei des Erkenntnisteils, zugänglich über den Sivaagama-Katalog (PDF). Benutzt wurden die Seiten 19–44. Es handelt sich hier nicht um eine mit Variantenapparat ausgewiesene kritische Edition. Die für diese Ausgabe benutzten Seiten wurden am Quellenbild eingesehen; mehrere fehlerhafte oder unsichere Lesungen bleiben markiert.
N – Kapitel 60–61. Nina Mirnig, Liberating the Liberated. Early Śaiva Tantric Death Rites, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ISBN 978-3-7001-8331-0; der Verlagsdatensatz nennt als Erscheinungsjahr 2019. Sanskritedition in Anhang A, A.3.1–A.3.2: Kapitel 60, S. 232–235 (PDF-Seiten 16–19), Kapitel 61, S. 236–242 (PDF-Seiten 20–26). Diese elf Seiten wurden am Bild abgeglichen. Die benutzte nepalesische Handschrift NAK 5–893 / NGMPP A 40/3 bietet die Stellen auf Fol. 94r1–94v5 beziehungsweise 94v5–96v4. Die Devakottai-Druckausgabe zählt sie innerhalb des Yogateils als Kapitel 3 und 4; die Zuordnung beruht auf den Texten und Schlussformeln.
H – Leitquelle für Kriyāpāda 1–2 und ergänzende Vergleichsquelle. Dr. S. P. Sabharathnam, Kirana Agama, handschriftliche romanisierte Sanskritfassung mit englischer Übersetzung, Himalayan Academy, Copyrightvermerk 2006, bereitgestelltes PDF mit 761 Seiten. Die Herausgeberseite beschreibt die Romanisierung als Übertragung aus Grantha. Für die Erweiterung wurden PDF-Seiten 175–202 vollständig am Bild eingesehen: handschriftliche Seiten 174–199, mit zusätzlichen Copyright- und Titelblättern zwischen den fortlaufenden Seiten. K1 endet auf PDF-Seite 182 mit 20 Vollstrophen und einer zusätzlichen Halbstrophe; K2 endet auf PDF-Seite 201 mit 50 Vollstrophen und einer zusätzlichen Halbstrophe, die englische Erläuterung auf Seite 202. Sichtbare Korrekturen der Vorlage wurden berücksichtigt. Die Umschrift ist keine diplomatische Zeichenkopie oder unabhängig kollationierte kritische Edition. Problematische Lesungen sind dokumentiert; englische Erklärungen wurden nicht in Sanskrit zurückübersetzt.
Die Kennungen K1 und K2 unterscheiden die eigene Kapitelzählung des Ritualteils vom Erkenntnisteil. Die halben Schlussverse erscheinen als K1.20½ und K2.50½ entsprechend den Bereichsangaben der Vorlage. Bei Vergleichen mit anderen Editionen darf daraus keine ungeprüfte globale Kapitelnummer abgeleitet werden. Das Gesamt-PDF ist weiterhin nicht vollständig transkribiert. Seine übrigen Kapitel sind unbearbeitet, nicht verloren. Bei Vergleichen mit M werden abweichende Sanskritlesungen von H nicht stillschweigend eingesetzt.
Weitere Zugänge. Der Katalog der Agama Academy bietet eine Grantha-Druckfassung; die heruntergeladene Datei ließ sich teilweise nicht zuverlässig darstellen. Ein Muktabodha-Katalognachweis führte in dieser Bearbeitung nicht zu einem zugänglichen Volltext. Diese Zugänge sind keine Leitquellen des hier wiedergegebenen Wortlauts.
Redaktion und Übersetzung. Die deutsche Übersetzung wurde für diese Zusammenstellung aus dem erfassten Sanskrit erarbeitet. Die Kontrolle verbindet fortlaufende Textlektüre, Prüfung der nummerierten Einheiten und die ausdrücklich genannten Quellenbildabgleiche. Sie ist keine externe Fachbegutachtung. Der gesicherte Umfang der Übertragung ist von der Sicherheit einzelner Lesungen zu unterscheiden. Eine endgültig fehlerfreie kritische Neuedition wird nicht beansprucht.
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