Keshin Sukta

Aus Yogawiki

Keshin Sukta (Sanskrit: केशिन्सूक्तम्, IAST: keśinsūktam, n.) – die Hymne an den Langhaarigen im Rigveda (10.136). Die Menschen sehen den Leib des Muni; er selbst schildert eine Freiheit, weit wie der Wind. Die Begegnung mit Rudra gehört zur Bildwelt dieser Verse. Für die Meditation lohnt sich besonders die Frage, wem die Freiheit des Weisen dient.

Swami Sivananda: Hingabe und Erkenntnis gehören im Yoga Vedanta zusammen.

Keshin ist der Langhaarige; Muni bezeichnet den versenkten Weisen. Die Hymne schildert einen Menschen, der von göttlicher Kraft ergriffen ist und die gewöhnlichen Grenzen des Erlebens überschreitet. Wind, Himmelsraum und Rudra prägen seine Welt. Für Yoga Vidya gehört dieser Text zu den frühen vedischen Bildern eines Lebens der Versenkung und spirituellen Freiheit.

Herkunft und Verwendung

Rigveda, Shakala-Samhita 10.136.1–7.

Die Hymne beschreibt den Muni in dichterischer und mythischer Sprache. Die Begegnung mit Rudra und der Giftbecher sind Bestandteile dieses Textes; daraus ergibt sich keine praktische Anleitung zur Einnahme von Substanzen.

Vollständiger Sanskrittext in IAST

oṃ keśy agniṃ keśī viṣaṃ keśī bibharti rodasī |
keśī viśvaṃ svar dṛśe keśīdaṃ jyotir ucyate || 1 ||

munayo vātaraśanāḥ piśaṅgā vasate malā |
vātasyānu dhrājiṃ yanti yad devāso avikṣata || 2 ||

unmaditā mauneyena vātāṃ ā tasthimā vayam |
śarīred asmākaṃ yūyam martāso abhi paśyatha || 3 ||

antarikṣeṇa patati viśvā rūpāvacākaśat |
munir devasya-devasya saukṛtyāya sakhā hitaḥ || 4 ||

vātasyāśvo vāyoḥ sakhātho deveṣito muniḥ |
ubhau samudrāv ā kṣeti yaś ca pūrva utāparaḥ || 5 ||

apsarasāṃ gandharvāṇām mṛgāṇāṃ caraṇe caran |
keśī ketasya vidvān sakhā svādur madintamaḥ || 6 ||

vāyur asmā upāmanthat pinaṣṭi smā kunannamā |
keśī viṣasya pātreṇa yad rudreṇāpibat saha || 7 ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Om.

1 Der Langhaarige trägt Agni, der Langhaarige trägt das Gift, der Langhaarige trägt Himmel und Erde. Der Langhaarige macht das ganze Himmelslicht sichtbar. Der Langhaarige wird dieses Licht genannt.

2 Die Munis, mit dem Wind gegürtet, tragen gelbbraune, staubige Gewänder. Sie folgen dem raschen Zug des Windes, wenn die Devas in sie eingegangen sind.

3 Entrückt durch das Muni-Sein, haben wir die Winde bestiegen. Ihr Sterblichen seht nur unsere Körper.

4 Durch den Luftraum fliegt er und schaut alle Gestalten. Der Muni ist jedem Deva als Freund verbunden, um Gutes zu wirken.

5 Das Ross des Windes, der Freund Vayus, der von den Devas bewegte Muni: Er bewohnt beide Ozeane, den östlichen und den westlichen.

6 Auf den Wegen der Apsaras, der Gandharvas und der wilden Tiere geht der Langhaarige. Er kennt ihre Zeichen und ihre Absicht, ein Freund, lieblich und voller beglückender Kraft.

7 Vayu quirlt für ihn, Kunannama zerreibt, als der Langhaarige aus dem Giftbecher zusammen mit Rudra trinkt.

Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.

Vollständiger Sanskrittext in Devanagari

ॐ केश्य् अग्निं केशी विषं केशी बिभर्ति रोदसी ।
केशी विश्वं स्वर् दृशे केशीदं ज्योतिर् उच्यते ॥ १ ॥

मुनयो वातरशनाः पिशङ्गा वसते मला ।
वातस्यानु ध्राजिं यन्ति यद् देवासो अविक्षत ॥ २ ॥

उन्मदिता मौनेयेन वातां आ तस्थिमा वयम् ।
शरीरेद् अस्माकं यूयम् मर्तासो अभि पश्यथ ॥ ३ ॥

अन्तरिक्षेण पतति विश्वा रूपावचाकशत् ।
मुनिर् देवस्य-देवस्य सौकृत्याय सखा हितः ॥ ४ ॥

वातस्याश्वो वायोः सखाथो देवेषितो मुनिः ।
उभौ समुद्राव् आ क्षेति यश् च पूर्व उतापरः ॥ ५ ॥

अप्सरसां गन्धर्वाणाम् मृगाणां चरणे चरन् ।
केशी केतस्य विद्वान् सखा स्वादुर् मदिन्तमः ॥ ६ ॥

वायुर् अस्मा उपामन्थत् पिनष्टि स्मा कुनन्नमा ।
केशी विषस्य पात्रेण यद् रुद्रेणापिबत् सह ॥ ७ ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Vertiefende Erläuterungen

Rigveda-Handschrift: Bildbeispiel vedischer Textüberlieferung; ein Beispiel für die handschriftliche Überlieferung.

Der Muni erscheint zugleich körperlich und grenzenlos. Die Menschen sehen seinen Leib; er selbst erlebt die Weite des Windes. In dieser Spannung können wir etwas vom Geheimnis der Meditation ahnen.

Die Apsaras und Gandharvas sind himmlische Wesen. Rudra verbindet wilde Kraft mit göttlicher Tiefe. Der Giftbecher gehört zu dieser mythischen Begegnung. Kunannama erscheint als die Kraft, die den Trank zerreibt und bereitet. Diese Bilder bewahren ein Geheimnis; sie laden zur Betrachtung ein.

Ein Satz gibt der Freiheit des Muni eine klare Richtung: Er ist den Devas verbunden, „um Gutes zu wirken“. Für unseren Yoga ist das wesentlich. Tiefe Meditation darf sich in Liebe, Gelassenheit und hilfreichem Handeln ausdrücken.

Video zur Vertiefung

Mumukshutva - Sehnsucht nach Befreiung - Vedanta Lexikon

Anregungen für die eigene Praxis

Swami Sivananda mit einer Mala: Rezitation, Sammlung und Hingabe können einander vertiefen.
  1. Lies die Worte über Erkenntnis oder Befreiung als Einladung zur eigenen Betrachtung.
  2. Frage dich, welche Bindung an eine Vorstellung deinen Blick gerade verengt.
  3. Sprich den Text aufmerksam und verweile anschließend im Wahrnehmen der Gedanken, ohne ihnen allen zu folgen.
  4. Verbinde die Sehnsucht nach Freiheit mit einem ehrlichen und hilfreichen Umgang mit anderen.
  5. Bleibe bei einer regelmäßigen, überschaubaren Praxis. Ungewöhnliche Erfahrungen sind kein Maßstab für Erkenntnis.

Video zur begleitenden Praxis und Auslegung

Vedanta Vortrag von Sukadev

Abschließende Worte

Der Muni will Gutes wirken. So führt die Weite des Himmels am Ende wieder zu den Wesen, mit denen du lebst.

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Keshin Suktam“.
  • Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 62: „Keśin Sūktam“.
  • Rigveda, Shakala-Samhita 10.136.1–7.

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