Kanimeitaviyar
Kanimeitaviyar (Tamil: கணிமேதாவியார், Kaṇimētāviyār) ist der überlieferte Verfasser des Elati, einer tamilischen Sammlung ethischer Verse. Als Autor im jainistischen Literaturumfeld verbindet er Bildung mit Gewaltlosigkeit, Freigebigkeit und der Sorge für Menschen ohne ausreichenden Schutz.

Leben und Hintergrund
Das Elati gehört zu den Patinenkilkanakku, den achtzehn kleineren klassischen Werken. Der Autor wird gewöhnlich in die nachsangamzeitliche Literatur eingeordnet; genaue Lebensdaten und viele Einzelheiten seines Lebens bleiben unbekannt. Auch die Namensform Kanimethaviyar ist verbreitet. Eine ausführliche persönliche Wunderlegende ist nicht zuverlässig überliefert.
Geschichten über Kanimeitaviyar
Eine Arznei aus guten Eigenschaften
Die Geschichten dieses Abschnitts erschließen Bilder des Elati; sie sind keine erfundenen Begebenheiten aus dem Leben seines Autors. Schon der Titel führt in eine anschauliche Welt: Elati bezeichnet eine traditionelle Mischung aus sechs Bestandteilen. Der Dichter verwendet dieses Arzneibild für Gruppen ethischer Einsichten. Was in der Sprache der Heilkunde eine Mischung ist, wird in der Dichtung zu einer Verbindung guter Eigenschaften.
Diese poetische Medizin ist keine medizinische Verordnung. Sie richtet sich an die Weise, wie Menschen handeln. Eine einzelne glänzende Eigenschaft genügt nicht immer. Großzügigkeit braucht Wahrhaftigkeit; Wissen braucht Rücksicht; Entschlossenheit braucht die Fähigkeit, niemanden unnötig zu verletzen. Das Bild einer sorgfältig abgestimmten Mischung erinnert daran, dass ein gutes Leben aus dem Zusammenwirken vieler Kräfte entsteht.
Nahrung, Kleidung und ein Platz zum Bleiben
Besonders eindringlich wird das Werk dort, wo es Bedürftigkeit konkret benennt. Es spricht von Essen, Unterkunft und Kleidung. Die Würde eines gebildeten Menschen zeigt sich nicht allein daran, wen er als ebenbürtigen Gelehrten anerkennt. Sie zeigt sich auch darin, ob er Menschen hilft, die gerade keine Gabe zurückbringen können.
Man kann die Verse langsam lesen und bei jedem dieser einfachen Dinge verweilen. Essen stillt eine gegenwärtige Not. Kleidung schützt und ermöglicht Teilhabe. Ein Platz zum Bleiben nimmt einem Menschen für eine Weile die Angst, sofort weitergeschickt zu werden. Der alte Text verankert Ethik in der materiellen Wirklichkeit. Ein schönes Wort wird nicht abgewertet; es soll sich aber mit einer hilfreichen Handlung verbinden.
Ein freundlicher Empfang
Vers 7 verbindet freundliche Ansprache, Zuwendung, einen angenehmen Platz und Nahrung mit Gastfreundschaft. Harte Worte sollen weichen. Der Bedürftige empfängt dadurch mehr als eine Portion: Er wird nicht zum störenden Fall gemacht. In Vers 6 erscheint der von guten Eigenschaften geprägte Mensch sogar im Bild einer Mutter für viele Lebewesen. Fürsorge wird zum Maßstab menschlicher Reife.[1]
Betrachtung: Das Herz kann etwas bereitstellen
Kanimeitaviyars Lebensumstände bleiben im Hintergrund, doch sein Werk lässt eine klare Richtung erkennen. Der Weg zum Guten führt nicht ausschließlich nach innen. Er führt auch zur Tür, an der jemand Hilfe braucht.
Für die eigene Praxis kann daraus eine stille Frage entstehen: Was kann ich verlässlich bereitstellen? Nicht alles, was ein anderer benötigt, liegt in meiner Macht. Aber vielleicht liegen eine Mahlzeit, ein warmer Empfang oder eine gut organisierte Hilfe darin. Eine solche Gabe muss sich nicht groß anfühlen, um das Leben eines Menschen zu erleichtern. Das Arzneibild des Dichters wird dann zu einer Einladung, Güte in tragfähigen kleinen Mengen in den Alltag einzubringen.

Spirituelle Bedeutung
Die starke Betonung von Ahimsa und fürsorglichem Handeln macht das Elati zu einer wichtigen Stimme tamilischer Ethik. Die jainistische Herkunft darf dabei neben hinduistischen Yoga-Lesarten eigenständig sichtbar bleiben.
Werke und weiterführende Texte
- Elati, zweites Werk der Datei, nach Kar Narpathu; tamilischer Volltext.
Das ebenfalls enthaltene Sirupanchamulam ist ein anderes Werk und wird nicht Kanimeitaviyar zugeschrieben.
Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten
Nallathanaar verwendet im Tirikatukam ein verwandtes Arzneibild. Vilambi Naganar ordnet ethische Gedanken im Nanmanikkatikai in Vierergruppen. Tiruvalluvar bietet einen weiteren großen Zugang zu Dharma und Ahimsa.
Anregungen für Yoga und Meditation
Gib eine kleine Hilfe so, dass sich der Empfänger dabei geachtet fühlt. Im Yoga lässt sich dies als bewusste Verbindung von Achtsamkeit, Mitgefühl und tätiger Verantwortung üben. Eine kurze Meditation kann damit beginnen, den Atem natürlich fließen zu lassen und die gewählte Anregung ohne Selbstverurteilung zu betrachten. Entscheidend ist anschließend eine kleine, tatsächlich ausgeführte Handlung.

Ein Gedanke für den Alltag
Eine Hilfe wird durch den freundlichen Umgang, in dem sie geschieht, noch kostbarer.
Videos zur Vertiefung
Diese Videos laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen.
Satsang und Meditation mit Sukadev - Yoga Vidya Live Ritual Kirtan singen 07:00 Uhr 26.07.2020
Anahata Chakra Pendel-Meditation für Liebe und Freude
Siehe auch
Quellen und Literatur
- ↑ Elati, besonders Verse 2, 6–9; tamilischer Text, zweites Werk der Datei.
Seminare
Gemeinsames Üben, Singen und Studieren kann die Inspiration dieser Texte im Alltag lebendig werden lassen.
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