Anna Dana – Gäste vor der eigenen Mahlzeit mit Nahrung beschenken
Anna Dana – Gäste vor der eigenen Mahlzeit mit Nahrung beschenken: Das Anna Dana beginnt dort, wo ein hungriger Gast satt werden kann: Die gastgebende Person teilt ihre Nahrung, bevor sie selbst isst. Das Bhavishya Purana empfiehlt Anna Dana als tägliche Praxis des Hauslebens, entsprechend den vorhandenen Mitteln. Es nennt sowohl die Bewirtung religiöser Gäste als auch Menschen, die hungrig von weit her kommen. Die Freude des Rituals liegt im wirklichen Sattwerden des Gegenübers.
Vorbereitung
Die Nahrungsgabe kann täglich zuhause stattfinden; auch eine gemeinschaftliche Küche oder ein Tempel können das Anliegen in heutiger Form aufnehmen. Eine bestimmte Uhrzeit wird nicht festgelegt: Maßgeblich ist die Mahlzeit, vor der geteilt wird. Jede Person, die Nahrung anbieten kann, kann diesen Dienst tragen; eine priesterliche Leitung oder ein Feueropfer verlangt der hier beschriebene Abschnitt nicht.
Bereite ausreichend frische vegetarische Speise und Trinkwasser vor. Die Quelle bindet die tägliche Gabe nicht an ein einziges Menü. Als Festmahl nennt sie an anderer Stelle Ghee-Speisen und Milchreis; in der praktischen Zubereitung können Ghee (bzw. Pflanzenöl) und Milch (bzw. Pflanzenmilch) verwendet werden. Wähle verträgliche Speisen, frage nach Bedürfnissen und halte saubere Sitzplätze, Geschirr und Möglichkeiten zum Händewaschen bereit. Diese Vorkehrungen dienen der guten Ausführung der Gastfreundschaft.
Durchführung
1. Eine Portion für andere vorsehen
Plane vor deiner eigenen Mahlzeit die Gästebewirtung ein. Die Quelle lässt eine kleine Speisegabe ebenso zu wie eine vollständige Mahlzeit, jeweils nach den Mitteln. Schenke etwas, das du selbst für gut und nahrhaft hältst.
2. Den Gast willkommen heißen
Begrüße den Gast freundlich, biete einen Sitzplatz und Wasser an und frage, was er essen kann. Der Text rühmt ausdrücklich jene Haushalte, aus denen hungrig Angekommene gesättigt wieder gehen.
3. Die Gabe innerlich ausrichten
Betrachte das Essen als Träger von Lebenskraft. Wer eine kurze Quellenlesung wünscht, kann den folgenden Vers sprechen. Er wird hier als freiwillige Besinnung verwendet; der Abschnitt macht ihn nicht zum verpflichtenden Speisemantra:
annaṃ vai prāṇināṃ prāṇā annamojo balaṃ sukham |
etasmātkāraṇātsadbhirannadaḥ prāṇadaḥ smṛtaḥ ||
Übersetzung: Nahrung ist wahrhaft das Leben der Lebewesen. Nahrung ist Lebenskraft, Stärke und Wohlbefinden. Deshalb nennen die Guten den Nahrungsspender einen Lebensspender.
4. Aufmerksam bewirten
Reiche die Speisen und lass den Gast in Ruhe essen. Biete im Rahmen des Vorbereiteten nach, wenn er noch Hunger hat. Dränge weder zu weiterer Nahrung noch zur Teilnahme an einer Rezitation. Die Gabe erfüllt sich durch Zuwendung und tatsächliche Versorgung.
5. Eine zusätzliche Gabe überreichen, wenn vorgesehen
Die Erzählung von König Shveta verbindet die Bewirtung Agastyas mit einer anschließenden Dakshina. Bei einer solchen feierlichen Bewirtung überreiche die vorbereitete Wertgabe nach dem Essen. Für jede tägliche kleine Nahrungsgabe schreibt das Kapitel keinen festen Geldbetrag vor.
6. Dankbar abschließen und selbst essen
Verabschiede den Gast freundlich beziehungsweise lade ihn zum weiteren Verweilen ein. Nimm erst anschließend deine eigene Mahlzeit ein. Versorge übriggebliebene Lebensmittel sachgerecht und halte den Entschluss wach, bei künftigen Mahlzeiten wieder zu teilen.
Rezitation in Devanagari
अन्नं वै प्राणिनां प्राणा अन्नमोजो बलं सुखम् ।
एतस्मात्कारणात्सद्भिरन्नदः प्राणदः स्मृतः ॥
Bedeutung und Abschluss
Die Lehre dieses Dana ist sehr konkret: Hunger wartet nicht auf große Festtage. Wer Essen teilt, trägt unmittelbar zum Leben eines anderen bei. Die regelmäßige Übung kann zu Seva, einem selbstverständlichen Dienst, werden und die eigene Mahlzeit mit Dankbarkeit erfüllen.
Quellen und weiterführende Praxis
- Bhavishya Purana, Uttara Parva, Kapitel 169; Sanskritfassung bei Wikisource.
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