Aduhkha Navami – Gauri um Entlastung von Leid und um Familienwohl bitten

Aus Yogawiki

Aduhkha Navami – Gauri um Entlastung von Leid und um Familienwohl bitten gibt bedrückenden Sorgen einen Ort vor der göttlichen Mutter. Beim Aduhkha Navami-Vrata wird Gauri als nährende, Leid mindernde Gefährtin Shivas verehrt. Die Festordnung fällt auf Bhadrapada Shukla Navami. Die gelobende Frau beginnt zuhause nach dem Morgenbad, hält eine Nachtwache und beschließt die Feier mit Gästen am folgenden Morgen. Diese Anleitung folgt dem Puja Samuccaya.

Vorbereitung

Vereinbare mit einem Acharya oder kundigen Brahmanen die Erzählung und den Abschluss. Benötigt werden Gauris Darstellung, ein Ganesha-Bild, Krug, Teller, geschmückte Altarnische, Blumen für elf Körpergaben, Festkleidung einschließlich Bluse, Kurkuma, Kumkum und Schmuck als Gaben sowie süße Speisen und Früchte für die Verehrung und die Gäste. Für die Bildverehrung: sauberes Wasser, Löffel und Auffangschale; kleines Tuch und Baumwollfaden; Sandelduft, ungebrochene Reiskörner und Blumen; Räucherwerk; eine gefüllte Lampe mit Docht und Ghee (bzw. Pflanzenöl); vegetarische Speise, Betelblatt und Arekanuss als rituelle Gabe sowie eine Geldgabe. Pflanzenöl ist die heutige vegane Alternative. Verzehrbare Gaben werden nach der Verehrung als Prasad geteilt; aufgefangenes Wasser kommt an einen geeigneten sauberen Ort, Blumen werden kompostiert. Für die Badegaben bereite Panchamrita aus Milch (bzw. Pflanzenmilch), Joghurt (bzw. pflanzlichem Joghurt), Ghee (bzw. Pflanzenöl), Honig (bzw. Pflanzensirup) und Zucker vor. Die pflanzlichen Zutaten sind eine heutige Anpassung. Sanskritverse und ihre wörtliche Bedeutung behalten die überlieferten Stoffe bei. Bei einem gemalten Bild werden die Badegaben davor in einer Schale angeboten; eine wasserfeste Murti kann damit gebadet und anschließend mit Wasser gereinigt werden.

Durchführung

1. Morgenbad und stiller Beginn
Bade am Morgen und vollziehe deine gewohnte Morgenpraxis. Kehre, wenn du an einem Gewässer gebadet hast, schweigend nach Hause zurück. Der deutsche Sankalpa lautet als praktische Fassung: „Zur Freude Gauris vollziehe ich Aduhkha Navami und bitte um das Nachlassen von Leid, um Wohlergehen und ein gutes Leben für meine Kinder und Enkel.“

2. Den Festplatz eröffnen
Grüße zunächst Ganesha. Stelle die fünf Gaben Duft, Blüte, Räucherwerk, Licht und etwas Speise nacheinander vor sein Bild; sprich bei jeder Gabe: oṃ gaṇapataye namaḥ |

ॐ गणपतये नमः ।

Om, Verehrung dem Herrn der Scharen. Die fünf Gaben bilden hier eine einfache Ausführung der im Ritualtext vorausgesetzten Ganesha-Verehrung. Stelle dann den Kalasha mit reinem Wasser bereit. Bitte im Herzen um die heiligende Gegenwart der göttlichen Kräfte und besprenge dich und die Gaben mit etwas Wasser. Diese kurze deutsche Vorbereitung ersetzt keine individuell eingeübte längere Liturgie. Bereite eine kleine geschmückte Nische oder Überdachung am gereinigten Altarplatz vor. Der Quelltext nennt Kuhdung zum Reinigen des Bodens; eine sauber gewischte Unterlage ist die heutige häusliche Anpassung. Stelle einen Kalasha mit Wasser auf, lege einen Teller darüber und darauf Gauris Darstellung.

3. Gauri als Gast empfangen
Betrachtung
Wende dich der Göttin zu. divyapātradharāṃ devīṃ vibhūtiṃ ca trilocanām |
dugdhānnadānaniratāṃ gaurīṃ tvāṃ cintayāmyaham ||

दिव्यपात्रधरां देवीं विभूतिं च त्रिलोचनाम् ।
दुग्धान्नदाननिरतां गौरीं त्वां चिन्तयाम्यहम् ।।

Gauri, ich betrachte dich als Göttin mit himmlischem Gefäß, als göttliche Fülle, dreiäugig und dem Schenken von Milchreis hingegeben.

Einladung
Lege eine Blüte vor die Darstellung. gaurīṃ duḥkhaharāṃ devīṃ śivasyārdhāṅgasaṅginīm |
sunīlavastrasaṃyuktāṃ bhaktyā tvāvāhayāmyaham ||

गौरीं दुःखहरां देवीं शिवस्यार्धाङ्गसङ्गिनीम् ।
सुनीलवस्त्रसंयुक्तां भक्त्या त्वावाहयाम्यहम् ।।

Hingebungsvoll lade ich dich ein, Gauri, die Göttin, die Leid nimmt, die als Hälfte zu Shiva gehört und ein tiefblaues Gewand trägt.

Sitz
Biete den vorbereiteten Platz als Sitz an. prasannavadane mātar nityaṃ devarṣisaṃstute |
mayā bhāvena te dattam āsanaṃ pratigṛhyatām ||

प्रसन्नवदने मातर् नित्यं देवर्षिसंस्तुते ।
मया भावेन ते दत्तम् आसनं प्रतिगृह्यताम् ।।

Mutter mit freundlichem Gesicht, stets von Göttern und Weisen gepriesen, nimm den Sitz an, den ich dir von Herzen anbiete.

Fußwasser
Gib etwas Wasser in die Auffangschale. sarvatīrthāhṛtaṃ śuddhaṃ sarvabhūtopajīvanam |
mayā dattaṃ tu pānīyaṃ pādyārthaṃ pratigṛhyatām ||

सर्वतीर्थाहृतं शुद्धं सर्वभूतोपजीवनम् ।
मया दत्तं तु पानीयं पाद्यार्थं प्रतिगृह्यताम् ।।

Nimm dieses reine, aus allen heiligen Wasserstätten herbeigerufene, alle Wesen nährende Wasser als Fußwasser an.

Ehrenwasser
Gib Wasser mit Duft, Blüte und Reis in die Schale. gaṅgādipuṇyatīrthebhyo mayānītaṃ sunirmalam |
gandhapuṣpākṣatopetaṃ gṛhāṇārghyaṃ sureśvari ||

गङ्गादिपुण्यतीर्थेभ्यो मयानीतं सुनिर्मलम् ।
गन्धपुष्पाक्षतोपेतं गृहाणार्घ्यं सुरेश्वरि ।।

Herrin der Götter, nimm das reine Ehrenwasser mit Duft, Blüten und Reis an, das von Ganga und anderen heiligen Wasserstätten herbeigebracht ist.

Mundwasser
Biete getrennt einen Löffel Wasser an. karpūrāgurusaṃmiśraṃ nirmalaṃ śiśiraṃ jalam |
elośīrayutaṃ devi gṛhāṇācamanīyakam ||

कर्पूरागुरुसंमिश्रं निर्मलं शिशिरं जलम् ।
एलोशीरयुतं देवि गृहाणाचमनीयकम् ।।

Göttin, nimm dieses reine kühle Mundwasser an, mit Kampfer, Agaru, Kardamom und Ushira. Im Gebet wird die festliche Duftmischung innerlich angeboten; das praktische Wasser bleibt rein.


4. Bad und festliche Ausstattung
Wasserbad
Biete Wasser zum Bad an. prabhāsādyāni tīrthāni gaṅgādyāś ca saridvarāḥ |
prārthyānītaṃ jalaṃ devi snānārthaṃ pratigṛhyatām ||

प्रभासाद्यानि तीर्थानि गङ्गाद्याश् च सरिद्वराः ।
प्रार्थ्यानीतं जलं देवि स्नानार्थं प्रतिगृह्यताम् ।।

Göttin, nimm zum Bad das Wasser an, das im Gebet von Prabhasa und den anderen heiligen Stätten, von Ganga und den großen Flüssen herbeigerufen wurde.

Panchamrita
Biete die vorbereitete Mischung an. Danach folgen Duftwasser und reines Wasser. pañcāmṛtaṃ mahādevi payodadhighṛtaṃ madhu |
śarkarāsahitaṃ bhaktyā dattaṃ devi gṛhāṇa me ||

पञ्चामृतं महादेवि पयोदधिघृतं मधु ।
शर्करासहितं भक्त्या दत्तं देवि गृहाण मे ।।

Große Göttin, nimm die von mir hingebungsvoll gegebene fünffache Mischung aus Milch, Joghurt, Ghee, Honig und Zucker an.

Ehre die Darstellung mit Duft, Blüte, Räucherwerk, Licht und einer kleinen Speise. Biete dann als Mahabhisheka nochmals reines Wasser an. Für dieses Bad nennt der Abschnitt keinen zusätzlichen Pflichttext. Trockne die Darstellung. Bringe Gewand, Bluse, Sandelduft, Reiskörner, Kurkuma, Kumkum, Schmuck und Blumen mit dem Namensgruß dar: gauryai namaḥ |

गौर्यै नमः ।

Verehrung Gauri.


5. Die Gestalt Gauris ehren
Lege je eine Blüte an die entsprechende Stelle des Bildes oder davor. Die Anga Puja richtet sich an die göttliche Gestalt.

gauryai namaḥ | pādau pūjayāmi |

गौर्यै नमः । पादौ पूजयामि ।

Verehrung Gauri; ich verehre die Füße.

dhātryai namaḥ | jānunī pūjayāmi |

धात्र्यै नमः । जानुनी पूजयामि ।

Verehrung Dhatri; ich verehre die Knie.

śivāyai namaḥ | ūrū pūjayāmi |

शिवायै नमः । ऊरू पूजयामि ।

Verehrung Shiva; ich verehre die Oberschenkel.

bhadrāyai namaḥ | kaṭī pūjayāmi |

भद्रायै नमः । कटी पूजयामि ।

Verehrung Bhadra; ich verehre die Hüften.

umāyai namaḥ | stanau pūjayāmi |

उमायै नमः । स्तनौ पूजयामि ।

Verehrung Uma; ich verehre die Brust.

durgāyai namaḥ | kaṇṭham pūjayāmi |

दुर्गायै नमः । कण्ठम् पूजयामि ।

Verehrung Durga; ich verehre den Hals.

kālyai namaḥ | bāhū pūjayāmi |

काल्यै नमः । बाहू पूजयामि ।

Verehrung Kali; ich verehre die Arme.

ambikāyai namaḥ | mukham pūjayāmi |

अम्बिकायै नमः । मुखम् पूजयामि ।

Verehrung Ambika; ich verehre das Gesicht.

bhavānyai namaḥ | netre pūjayāmi |

भवान्यै नमः । नेत्रे पूजयामि ।

Verehrung Bhavani; ich verehre die Augen.

rudrāṇyai namaḥ | śiraḥ pūjayāmi |

रुद्राण्यै नमः । शिरः पूजयामि ।

Verehrung Rudrani; ich verehre das Haupt.

śarvāṇyai namaḥ | sarvāṅgam pūjayāmi |

शर्वाण्यै नमः । सर्वाङ्गम् पूजयामि ।

Verehrung Sharvani; ich verehre die ganze Gestalt.


6. Bewirtung und Schlussgrüße
Biete nacheinander Räucherwerk und das bereits brennende Licht dar. Stelle süße Speise und Früchte hin, biete Wasser zur Mahlzeit und danach zum Mundspülen an. Es folgen Betel und Dakshina. Sprich bei jeder Gabe den oben ausgeschriebenen Gauri-Namen. Zeige die Lampe als Nirajana, umrunde den Altar und verneige dich. Sprich: namo devyai mahādevyai śivāyai satataṃ namaḥ |
namaḥ prakṛtyai bhadrāyai niyatāḥ praṇatāḥ sma tām ||

नमो देव्यै महादेव्यै शिवायै सततं नमः ।
नमः प्रकृत्यै भद्रायै नियताः प्रणताः स्म ताम् ।।

Verehrung der Göttin, der großen Göttin und immerdar der Gütigen. Der Urnatur und Segensreichen gilt unsere gesammelte Verneigung. Gib eine Handvoll Blüten: jayantī maṅgalā kālī bhadrakālī kapālinī |
durgā śivā kṣamā dhātrī svāhā svadhā namostute ||

जयन्ती मङ्गला काली भद्रकाली कपालिनी ।
दुर्गा शिवा क्षमा धात्री स्वाहा स्वधा नमोस्तुते ।।

Jayanti, Mangala, Kali, Bhadrakali, Kapalini, Durga, Shiva, Kshama, Dhatri, Svaha und Svadha: Verehrung dir. Bitte um Nachsicht: āvāhanaṃ na jānāmi na jānāmi visarjanam |
pūjāṃ caiva na jānāmi kṣamyatāṃ parameśvari ||

आवाहनं न जानामि न जानामि विसर्जनम् ।
पूजां चैव न जानामि क्षम्यतां परमेश्वरि ।।

Ich weiß nicht vollkommen einzuladen und nicht vollkommen zu verabschieden; auch die Verehrung kenne ich nicht vollkommen. Vergib mir, höchste Göttin.


7. Gastgabe, Erzählung und Nachtwache
Überreiche einem Brahmanen gekochte Speise, Früchte und die vorbereitete Gabe. Bitte ihn, die Geschichte dieses Gelübdes vorzutragen; die Rezitation wird vorab vereinbart, da das Kapitel keinen festen Katha-Text enthält. Verbringe den Tag im Gedenken an Gauri und halte das Gelübde. Die Quelle erlaubt statt vollständigen Fastens von selbst herabgefallene Früchte, Milch (bzw. Pflanzenmilch) oder einfache Gelübdespeise. Hier wird die zuletzt genannte Möglichkeit als schlichte gekochte Getreidespeise gewählt. Halte die Nacht mit Gesang und festlichem Zusammensein wach.

8. Am Morgen vollenden
Verehre Gauri am Morgen mit Duft, Blüten, Licht und Speise unter dem oben stehenden Namensgruß erneut. Bewirte eingeladene Brahmanen mit ihren Ehefrauen. Sprich zur Verabschiedung: skandamātar namas tubhyaṃ duḥkhavyādhivināśini |
uttiṣṭha yāhi bhavanaṃ varadā bhava pārvati ||

स्कन्दमातर् नमस् तुभ्यं दुःखव्याधिविनाशिनि ।
उत्तिष्ठ याहि भवनं वरदा भव पार्वति ।।

Mutter Skandas, Verehrung dir, die Leid und Krankheit überwindet. Erhebe dich, kehre in deine Wohnstatt zurück und sei gnädig, Parvati. Übergib dem Acharya die Dakshina. Teile die verbleibenden Festgaben und räume den Altar achtsam ab.

Innerer Abschluss

Gauri trägt im Eingangsbild ein Gefäß mit nährender Speise. Als freie Anregung: Überlege nach der Feier, welches Leid heute durch Nahrung, Zeit oder liebevolle Aufmerksamkeit gelindert werden kann. Manchmal beginnt Entlastung mit einer warmen Mahlzeit, die ein Mensch nicht allein essen muss.

Quellen und Vertiefung

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