Varuna Sukta

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Varuna Sukta (Sanskrit: वरुणसूक्तम्, IAST: varuṇasūktam, n.) – ein persönliches Gebet Vasishthas an Varuna aus dem Rigveda (7.88). Der Seher erinnert sich an eine gemeinsame Fahrt über das Meer und fragt, wo die einstige Nähe geblieben ist. Für Bhakti ist das ein kostbares Bild: Auch Sehnsucht und das Eingeständnis eines Fehlers dürfen Gebet werden.

Wasser und Weite erinnern an die Bilder der Varuna-Hymne.

Vasishtha erinnert sich an seine Nähe zu Varuna. Gemeinsam fahren sie über das Meer. Aus dieser Vertrautheit wächst die schmerzliche Frage, wo ihre Freundschaft geblieben ist. Die Hymne verbindet göttliche Schau, Selbsterforschung und die Bitte um Vergebung. Für unseren Bhakti Yoga erschließt sie eine sehr persönliche Beziehung zum Göttlichen.

Herkunft und Verwendung

Rigveda, Shakala-Samhita 7.88.1–7.

Vollständiger Sanskrittext in IAST

oṃ pra śundhyuvaṃ varuṇāya preṣṭhām matiṃ vasiṣṭha mīḷhuṣe bharasva |
ya īm arvāñcaṃ karate yajatraṃ sahasrāmaghaṃ vṛṣaṇam bṛhantam || 1 ||

adhā nv asya saṃdṛśaṃ jaganvān agner anīkaṃ varuṇasya maṃsi |
svar yad aśmann adhipā u andho 'bhi mā vapur dṛśaye ninīyāt || 2 ||

ā yad ruhāva varuṇaś ca nāvam pra yat samudram īrayāva madhyam |
adhi yad apāṃ snubhiś carāva pra preṅkha īṅkhayāvahai śubhe kam || 3 ||

vasiṣṭhaṃ ha varuṇo nāvy ādhād ṛṣiṃ cakāra svapā mahobhiḥ |
stotāraṃ vipraḥ sudinatve ahnāṃ yān nu dyāvas tatanan yād uṣāsaḥ || 4 ||

kva tyāni nau sakhyā babhūvuḥ sacāvahe yad avṛkam purā cit |
bṛhantam mānaṃ varuṇa svadhāvaḥ sahasradvāraṃ jagamā gṛhaṃ te || 5 ||

ya āpir nityo varuṇa priyaḥ san tvām āgāṃsi kṛṇavat sakhā te |
mā ta enasvanto yakṣin bhujema yandhi ṣmā vipra stuvate varūtham || 6 ||

dhruvāsu tvāsu kṣitiṣu kṣiyanto vy asmat pāśaṃ varuṇo mumocat |
avo vanvānā aditer upasthād yūyam pāta svastibhiḥ sadā naḥ || 7 ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Om.

1 Vasishtha, bring Varuna deinen lauteren, liebsten Gedanken dar, ihm, dem freigebigen Herrn. Dein Gebet möge den Verehrungswürdigen herbeirufen, den großen, kraftvollen Spender tausendfacher Gaben.

2 Zu seinem Anblick gelangt, erkenne ich in Varunas Antlitz das Antlitz Agnis. Möge der Herr der Dunkelheit mir das Himmelslicht im Felsen in seiner Schönheit zum Schauen nahebringen.

3 Als Varuna und ich das Boot besteigen, als wir hinausfahren in die Mitte des Meeres, als wir auf den Rücken der Wellen gleiten, schaukeln wir auf der Schaukel, voller Schönheit und Freude.

4 Varuna nahm Vasishtha in sein Boot. Durch seine großen Kräfte machte der kundige Herr ihn zum Rishi. Der Weise machte ihn zum Sänger glückverheißender Tage, solange die Himmel und die Morgenröten sich erstrecken.

5 Wo ist unsere Freundschaft geblieben, in der wir einst ohne Feindschaft miteinander lebten? Varuna, du Herr aus eigener Kraft, ich trat ein in dein großes Haus mit seinen tausend Türen.

6 Auch dein vertrauter, dir lieber Gefährte, dein Freund, kann sich gegen dich vergehen, Varuna. Lass uns vor dir, du Geheimnisvoller, die Schuld nicht büßen müssen. Gewähre dem Sänger deinen Schutz, du Weiser.

7 In deinen festen Wohnstätten mögen wir wohnen. Varuna löse die Fessel von uns. Aus Aditis Schoß erbitten wir Beistand. Ihr Devas, behütet uns allezeit mit eurem Segen.

Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.

Vollständiger Sanskrittext in Devanagari

ॐ प्र शुन्ध्युवं वरुणाय प्रेष्ठाम् मतिं वसिष्ठ मीऌहुषे भरस्व ।
य ईम् अर्वाञ्चं करते यजत्रं सहस्रामघं वृषणम् बृहन्तम् ॥ १ ॥

अधा न्व् अस्य संदृशं जगन्वान् अग्नेर् अनीकं वरुणस्य मंसि ।
स्वर् यद् अश्मन्न् अधिपा उ अन्धो ऽभि मा वपुर् दृशये निनीयात् ॥ २ ॥

आ यद् रुहाव वरुणश् च नावम् प्र यत् समुद्रम् ईरयाव मध्यम् ।
अधि यद् अपां स्नुभिश् चराव प्र प्रेङ्ख ईङ्खयावहै शुभे कम् ॥ ३ ॥

वसिष्ठं ह वरुणो नाव्य् आधाद् ऋषिं चकार स्वपा महोभिः ।
स्तोतारं विप्रः सुदिनत्वे अह्नां यान् नु द्यावस् ततनन् याद् उषासः ॥ ४ ॥

क्व त्यानि नौ सख्या बभूवुः सचावहे यद् अवृकम् पुरा चित् ।
बृहन्तम् मानं वरुण स्वधावः सहस्रद्वारं जगमा गृहं ते ॥ ५ ॥

य आपिर् नित्यो वरुण प्रियः सन् त्वाम् आगांसि कृणवत् सखा ते ।
मा त एनस्वन्तो यक्षिन् भुजेम यन्धि ष्मा विप्र स्तुवते वरूथम् ॥ ६ ॥

ध्रुवासु त्वासु क्षितिषु क्षियन्तो व्य् अस्मत् पाशं वरुणो मुमोचत् ।
अवो वन्वाना अदितेर् उपस्थाद् यूयम् पात स्वस्तिभिः सदा नः ॥ ७ ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Vertiefende Erläuterungen

Rigveda-Handschrift: Bildbeispiel vedischer Textüberlieferung; ein Beispiel für die handschriftliche Überlieferung.

Die Bootsfahrt ist ein Bild großer Nähe. Der Rishi spricht mit Varuna als seinem Freund. Das Meer trägt sie, die Wellen wiegen sie. Bhakti kennt solche Vertrautheit: Gott ist geliebter Gefährte, Zuflucht und Gegenüber.

Vasishtha verschweigt sein Versagen nicht. Er sucht die Beziehung neu und bittet darum, von der Fessel gelöst zu werden. Auch wir können im Gebet offen werden: Was belastet mein Herz? Wo habe ich gegen Dharma gehandelt? Welche Veränderung steht an?

Aditi ist die göttliche Weite, die Ungebundenheit. Ihr Schoß schenkt Geborgenheit. Verweile einen Augenblick in diesem Vertrauen. Du darfst deine Last vor Gott ablegen und mit neuer Aufrichtigkeit weitergehen.

Video zur Vertiefung

Satya - Wahrheit - Sanskrit Wörterbuch

Anregungen für die eigene Praxis

Swami Sivananda mit einer Mala: Rezitation, Sammlung und Hingabe können einander vertiefen.
  1. Sprich das Gebet ehrlich, auch wenn dir die Nähe zum Göttlichen gerade fern erscheint.
  2. Betrachte das Bild der Freundschaft und der gemeinsamen Bootsfahrt.
  3. Benenne eine eigene Verfehlung, ohne sie zu beschönigen oder dich darauf zu reduzieren.
  4. Wenn es möglich und angemessen ist, unternimm einen konkreten Schritt der Wiedergutmachung.
  5. Bleibe anschließend still und bitte um die Kraft, aufrichtig weiterzugehen.

Video zur begleitenden Praxis und Auslegung

Die 9 Bhakti Praktiken: Wie man Hingabe entwickelt

Abschließende Worte

Was würdest du Varuna auf dieser Bootsfahrt sagen? Lass die Antwort so ehrlich sein wie die Frage des Sehers.

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Varuna Suktam“.
  • Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 50: „Varuṇa Sūktam“.
  • Rigveda, Shakala-Samhita 7.88.1–7.

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