Medha Sukta

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Medha Sukta (Sanskrit: मेधासूक्तम्, IAST: medhāsūktam, n.) – eine Rezitationsfolge aus der Taittiriya-Tradition des Yajurveda zur Verehrung von Medha, der Kraft des Verstehens und Erinnerns. Sie eignet sich als Gebet vor dem Schriftstudium: Möge das Gehörte nicht nur im Gedächtnis bleiben, sondern in der eigenen Sprache lebendig werden.

Saraswati – ein Bild der Weisheit und der Fähigkeit zu lernen.

Medha ist die Fähigkeit, das Gehörte aufzunehmen, zu verstehen und zu bewahren. Das Medha Sukta verehrt diese Kraft als Göttin und ruft Sarasvati, Indra, die Ashvins, Agni und Surya an. Es bittet um geistige Klarheit, eine gute Sprache und die Kraft zum Lernen. Für das Studium der Schriften ist das ein wertvolles Gebet. Wir möchten die Lehren tief verstehen und in unserem Leben verwirklichen. Die Rezitation beginnt mit dem Gebet „Yash Chandasam“ und schließt mit der Hamsa-Gayatri. Hamsa, der Schwan, ist ein Bild für das Selbst und für spirituelle Unterscheidungskraft.

Herkunft und Verwendung

Krishna-Yajurveda. Eingangsgebet: Taittiriya-Aranyaka 7.4.1, entsprechend Taittiriya-Upanishad 1.4.1. Haupttext: Taittiriya-Aranyaka 10.41–44. Abschluss: Hamsa-Gayatri als liturgisches Anschlussmantra. Om und die Shanti-Rufe gehören zum Rezitationsrahmen.

Vollständiger Sanskrittext in IAST

oṃ yaśchandasāmṛṣabho viśvarūpaḥ |
chandobhyo'dhyamṛtātsambabhūva |
sa mendro medhayā spṛṇotu |
amṛtasya deva dhāraṇo bhūyāsam |
śarīraṃ me vicarṣaṇam |
jihvā me madhumattamā |
karṇābhyāṃ bhūriviśruvam |
brahmaṇaḥ kośo'si medhayāpihitaḥ |
śrutaṃ me gopāya |
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

oṃ medhādevī juṣamāṇā na āgādviśvācī bhadrā sumanasyamānā |
tvayā juṣṭā nudamānā duruktān bṛhadvadema vidathe suvīrāḥ |
tvayā juṣṭa ṛṣirbhavati devi tvayā brahmā'gataśrīruta tvayā |
tvayā juṣṭaścitraṃ vindate vasu sā no juṣasva draviṇo na medhe ||

medhāṃ ma indro dadātu medhāṃ devī sarasvatī |
medhāṃ me aśvināvubhāvādhattāṃ puṣkarasrajā |
apsarāsu ca yā medhā gandharveṣu ca yanmanaḥ |
daivī medhā sarasvatī sā māṃ medhā surabhirjuṣatāṃ svāhā |
ā māṃ medhā surabhirviśvarūpā hiraṇyavarṇā jagatī jagamyā |
ūrjasvatī payasā pinvamānā sā māṃ medhā supratīkā juṣantām ||

mayi medhāṃ mayi prajāṃ mayyagnistejo dadhātu mayi medhāṃ mayi prajāṃ mayīndra indriyaṃ dadhātu mayi medhāṃ mayi prajāṃ mayi sūryo bhrājo dadhātu ||

oṃ haṃsa haṃsāya vidmahe paramahaṃsāya dhīmahi |
tanno haṃsaḥ pracodayāt ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Die Zahlen in der deutschen Übersetzung gliedern die Rezitation in Sinnabschnitte. Der Sanskrittext selbst ist nicht nummeriert.

Eingangsgebet

Om. Er, der die vedischen Verse überragt, der alle Gestalten trägt, der aus den unsterblichen Veden hervorgegangen ist: Dieser Indra möge mich mit Medha erfüllen. O Deva, möge ich das Unsterbliche in mir bewahren. Möge mein Körper kraftvoll und tüchtig sein. Möge meine Zunge voller Süße sein. Möge ich mit meinen Ohren viel hören. Du bist die Hülle Brahmans, vom Denken verhüllt. Bewahre in mir, was ich gehört habe.

Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.

Hymne an Medha

1 Om. Möge die Göttin Medha zu uns kommen, uns zugeneigt, allumfassend, segensreich und wohlgesinnt. Von dir gesegnet, mögen wir schlechte Worte hinter uns lassen und in der heiligen Versammlung kraftvoll das Große aussprechen. Wem du dich zuwendest, o Göttin, der wird zum Rishi; durch dich wird er ein Kenner des Veda, durch dich erlangt er Glück und Fülle. Von dir gesegnet, gewinnt er vielfältigen Reichtum. Sei uns gewogen, Medha, und beschenke uns mit deinen Gaben.

2 Indra schenke mir Medha, Medha schenke mir die Göttin Sarasvati. Die beiden Ashvins, mit Lotusgirlanden geschmückt, mögen Medha in mir begründen. Die Medha in den Apsaras, den himmlischen Tänzerinnen, und die Geisteskraft in den Gandharvas, den himmlischen Musikern, die göttliche Medha, Sarasvati: Diese wohlduftende Medha möge mir ihre Gunst schenken. Svaha.

3 Möge Medha zu mir kommen, wohlduftend und alle Gestalten tragend, golden leuchtend, die Welt durchwaltend und allen zugänglich, voller Kraft und von nährender Milch überströmend. Diese Medha mit dem schönen Antlitz möge mir gewogen sein.

4 Agni begründe in mir Medha, schenke mir Nachkommen und Tejas, leuchtende Kraft. Indra begründe in mir Medha, schenke mir Nachkommen und Stärke. Surya begründe in mir Medha, schenke mir Nachkommen und strahlenden Glanz.

Hamsa Gayatri

Om. O Hamsa, mögen wir Hamsa erkennen. Über Paramahamsa, den höchsten Schwan, meditieren wir. Möge Hamsa unseren Geist erleuchten und führen.

Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.

Vollständiger Sanskrittext in Devanagari

ॐ यश्छन्दसामृषभो विश्वरूपः ।
छन्दोभ्योऽध्यमृतात्सम्बभूव ।
स मेन्द्रो मेधया स्पृणोतु ।
अमृतस्य देव धारणो भूयासम् ।
शरीरं मे विचर्षणम् ।
जिह्वा मे मधुमत्तमा ।
कर्णाभ्यां भूरिविश्रुवम् ।
ब्रह्मणः कोशोऽसि मेधयापिहितः ।
श्रुतं मे गोपाय ।
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

ॐ मेधादेवी जुषमाणा न आगाद्विश्वाची भद्रा सुमनस्यमाना ।
त्वया जुष्टा नुदमाना दुरुक्तान् बृहद्वदेम विदथे सुवीराः ।
त्वया जुष्ट ऋषिर्भवति देवि त्वया ब्रह्माऽगतश्रीरुत त्वया ।
त्वया जुष्टश्चित्रं विन्दते वसु सा नो जुषस्व द्रविणो न मेधे ॥

मेधां म इन्द्रो ददातु मेधां देवी सरस्वती ।
मेधां मे अश्विनावुभावाधत्तां पुष्करस्रजा ।
अप्सरासु च या मेधा गन्धर्वेषु च यन्मनः ।
दैवी मेधा सरस्वती सा मां मेधा सुरभिर्जुषतां स्वाहा ।
आ मां मेधा सुरभिर्विश्वरूपा हिरण्यवर्णा जगती जगम्या ।
ऊर्जस्वती पयसा पिन्वमाना सा मां मेधा सुप्रतीका जुषन्ताम् ॥

मयि मेधां मयि प्रजां मय्यग्निस्तेजो दधातु मयि मेधां मयि प्रजां मयीन्द्र इन्द्रियं दधातु मयि मेधां मयि प्रजां मयि सूर्यो भ्राजो दधातु ॥

ॐ हंस हंसाय विद्महे परमहंसाय धीमहि ।
तन्नो हंसः प्रचोदयात् ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Vertiefende Erläuterungen

Rigveda-Handschrift: Bildbeispiel vedischer Textüberlieferung; ein Beispiel für die handschriftliche Überlieferung.

Wenn du eine Schrift studierst, nimm dir Zeit, ihre Worte aufzunehmen. Lies einen Abschnitt, denke darüber nach und werde anschließend still. So können sich Shravana, das Hören der Lehre, Manana, das Nachdenken, und Nididhyasana, die tiefe Meditation, ergänzen.

Das Eingangsgebet bezieht den Körper und die Sinne ein. Wir bitten um Kraft zum Lernen, um aufmerksames Hören und um eine Sprache, die anderen guttut. Wissen bringt Verantwortung mit sich. Die Frage ist auch, wie wir über Menschen sprechen und wie wir das Erkannte weitergeben.

Die Bilder der Apsaras und Gandharvas erinnern daran, dass Medha ebenso in Musik, Gesang und schöpferischem Ausdruck lebendig ist. Sarasvati wird mit der Vina verehrt. Auch ein Kirtan kann unser Herz für eine Wahrheit öffnen, über die wir lange nachgedacht haben. Bitte die Göttin um ihren Segen und bringe deine eigene Aufmerksamkeit ein.

Video zur Vertiefung

Saraswati - Göttin der Weisheit - Sanskrit Wörterbuch

Anregungen für die eigene Praxis

Swami Sivananda mit einer Mala: Rezitation, Sammlung und Hingabe können einander vertiefen.
  1. Beginne eine Lernzeit mit dem Gebet und dem Wunsch, wirklich verstehen zu wollen.
  2. Lies einen überschaubaren Abschnitt; notiere eine Frage und einen Gedanken, den du verstanden hast.
  3. Höre einer erfahrenen Lehrperson aufmerksam zu und prüfe Unklares im Gespräch.
  4. Erkläre das Gelernte in eigenen Worten, ohne fremde Aussagen als eigene Erkenntnis auszugeben.
  5. Bleibe anschließend kurz still. Lernen, Nachdenken und Meditation dürfen einander ergänzen.

Video zur begleitenden Praxis und Auslegung

Svadhyaya im Patanjali Yoga Sutra – YVS514 – Kap. 2, Vers 44

Abschließende Worte

Woran erinnerst du dich nach dem Lesen? Sprich einen Gedanken mit eigenen Worten aus und lausche, ob du ihn wirklich verstanden hast.

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Medha Sukta“.
  • Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 6: „Medhā Sūktam“.
  • Krishna-Yajurveda. Eingangsgebet: Taittiriya-Aranyaka 7.4.1, entsprechend Taittiriya-Upanishad 1.4.1. Haupttext: Taittiriya-Aranyaka 10.41–44. Abschluss: Hamsa-Gayatri als liturgisches Anschlussmantra. Om und die Shanti-Rufe gehören zum Rezitationsrahmen.

Die Zahlen in der deutschen Übersetzung gliedern die Rezitation in Sinnabschnitte. Der Sanskrittext selbst ist nicht nummeriert.

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