Ganapati Sukta

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Ganapati Sukta (Sanskrit: गणपतिसूक्तम्, IAST: gaṇapatisūktam, n.) – eine vedische Anrufung zum guten Beginn. Die Verse wenden sich im Rigveda an Indra und Brahmanaspati; in der Puja erklingen sie zur Verehrung Ganeshas. Wer eine Aufgabe beginnt, kann mit ihnen um Weisheit bitten: Wem soll mein Tun dienen?

Ganesha: Die vedischen Verse werden später auch bei seiner Verehrung verwendet.

Zu Beginn einer Puja rufen wir Ganesha an. Wir bitten um seinen Segen, um Weisheit und um die Kraft, Hindernisse zu überwinden. Das Ganapati Sukta verbindet zwölf vedische Verse zu einer Anrufung. Sie sprechen von göttlicher Hilfe, Großzügigkeit und dem machtvollen Wort. Dabei begegnen uns auch die Namen Indra und Brahmanaspati, des Herrn des heiligen Gebets. Im zehnten Vers erklingt das vertraute „Gananam Tva Ganapatim Havamahe“. Ganapati bedeutet „Herr der Scharen“. In der Verehrung Ganeshas wenden wir uns mit diesem Mantra an den, der unsere Kräfte sammelt und unserem Tun eine gute Richtung gibt.

Herkunft und Verwendung

Rigveda: Verse 1–9 dieser Zusammenstellung = RV 8.81.1–9; Vers 10 = RV 2.23.1; Verse 11–12 = RV 10.112.9–10. Om und der Shanti-Ruf gehören zum Rezitationsrahmen.

Die Verse 1–9 und 11–12 sprechen im Rigveda zu Indra; Vers 10 ruft Brahmanaspati an. Ihre spätere Verwendung bei der Ganesha-Verehrung ist eine liturgische Aneignung. Der Titel behauptet daher keine ursprüngliche Ganesha-Zuschreibung sämtlicher Verse.

Vollständiger Sanskrittext in IAST

oṃ ā tū na indra kṣumantaṃ citraṃ grābhaṃ saṃ gṛbhāya |
mahāhastī dakṣiṇena || 1 ||

vidmā hi tvā tuvikūrmiṃtuvideṣṇaṃ tuvīmagham |
tuvimātramavobhiḥ || 2 ||

na hi tvā śūra devā na martāso ditsantam |
bhīmaṃ na gāṃ vārayante || 3 ||

etonvindraṃ stavāmeśānaṃ vasvaḥ svarājam |
na rādhasā mardhiṣannaḥ || 4 ||

pra stoṣadupa gāsiṣacchravatsāma gīyamānam |
abhirādhasājugurat || 5 ||

ā no bhara dakṣiṇenābhi savyena pra mṛśa |
indra māno vasornirbhāk || 6 ||

upakramasvā bhara dhṛṣatā dhṛṣṇo janānām |
adāśūṣṭarasya vedaḥ || 7 ||

indra ya u nu te asti vājo viprebhiḥ sanitvaḥ |
asmābhiḥ sutaṃ sanuhi || 8 ||

sadyojuvaste vājā asmabhyam viśvaścandrāḥ |
vaśaiśca makṣū jarante || 9 ||

gaṇānāṃ tvā gaṇapatiṃ havāmahe kaviṃ kavīnāmupamaśravastamam |
jyeṣṭharājaṃ brahmaṇāṃ brahmaṇaspata ā naḥ śṛṇvannūtibhissīda sādanam || 10 ||

ni ṣu sīda gaṇapate gaṇeṣu tvāmāhurvipratamaṃ kavīnām |
na ṛte tvatkriyate kiṃ canāre mahāmarkaṃ maghavañcitramarca || 11 ||

abhikhyāno maghavannādhamānāntsakhe bodhi vasupate sakhīnām |
raṇaṃ kṛdhi raṇakṛtsatyaśuṣmābhakte cidā bhajā rāye asmān || 12 ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Om.

1 Komm, Indra, du mit der mächtigen Hand! Ergreife mit deiner Rechten für uns eine herrliche Fülle nährender Gaben.

2 Wir kennen dich als mächtig im Wirken, reich im Geben, überreich an Schätzen, groß in deiner helfenden Kraft.

3 Wenn du geben willst, o Held, können dich weder die Devas, die göttlichen Wesen, noch die Sterblichen zurückhalten: wie einen gewaltigen Stier hält dich niemand auf.

4 Kommt, lasst uns Indra preisen, den Herrn der Schätze, den aus eigener Macht Regierenden. Möge er uns seine Gaben nicht vorenthalten.

5 Lasst den Lobgesang beginnen und den Gesang ihm folgen. Möge er den erklingenden Saman, den heiligen Gesang, hören und uns mit seiner Fülle antworten.

6 Bringe uns Gaben mit deiner Rechten, berühre uns auch mit deiner Linken. Indra, lass uns unseren Anteil an der Fülle empfangen.

7 Tritt herzu, du Kühner, und bringe mit kühnem Zugriff den Reichtum jenes Menschen, der von allen am wenigsten zu geben bereit ist.

8 Indra, die Fülle, die bei dir bereitliegt und durch die inspirierten Sänger zu gewinnen ist: Gewinne sie gemeinsam mit uns.

9 Deine Gaben eilen herbei, sie erfreuen uns alle. Rasch stimmen sie mit unseren Wünschen überein.

10 Dich, den Herrn der Scharen, rufen wir an, den Seher unter den Sehern, dessen Ruhm alle überragt, den höchsten König der heiligen Gebete. O Brahmanaspati, höre uns, komme mit deiner Hilfe und nimm hier deinen Platz ein.

11 Nimm deinen Sitz inmitten der Scharen ein, Ganapati. Den Weisesten unter den Sehern nennen sie dich. Ohne dich geschieht nichts, auch in der Ferne. Lass den großen, herrlichen Lobgesang erklingen, du Freigebiger.

12 Blicke auf uns, du Freigebiger, die wir dich anrufen. Sei deinen Freunden ein Freund, du Herr der Schätze. Führe den Kampf, du Kämpfer von wahrer Stärke. Gib uns Anteil an dem Reichtum, der noch ungeteilt ist.

Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.

Vollständiger Sanskrittext in Devanagari

ॐ आ तू न इन्द्र क्षुमन्तं चित्रं ग्राभं सं गृभाय ।
महाहस्ती दक्षिणेन ॥ १ ॥

विद्मा हि त्वा तुविकूर्मिंतुविदेष्णं तुवीमघम् ।
तुविमात्रमवोभिः ॥ २ ॥

न हि त्वा शूर देवा न मर्तासो दित्सन्तम् ।
भीमं न गां वारयन्ते ॥ ३ ॥

एतोन्विन्द्रं स्तवामेशानं वस्वः स्वराजम् ।
न राधसा मर्धिषन्नः ॥ ४ ॥

प्र स्तोषदुप गासिषच्छ्रवत्साम गीयमानम् ।
अभिराधसाजुगुरत् ॥ ५ ॥

आ नो भर दक्षिणेनाभि सव्येन प्र मृश ।
इन्द्र मानो वसोर्निर्भाक् ॥ ६ ॥

उपक्रमस्वा भर धृषता धृष्णो जनानाम् ।
अदाशूष्टरस्य वेदः ॥ ७ ॥

इन्द्र य उ नु ते अस्ति वाजो विप्रेभिः सनित्वः ।
अस्माभिः सुतं सनुहि ॥ ८ ॥

सद्योजुवस्ते वाजा अस्मभ्यम् विश्वश्चन्द्राः ।
वशैश्च मक्षू जरन्ते ॥ ९ ॥

गणानां त्वा गणपतिं हवामहे कविं कवीनामुपमश्रवस्तमम् ।
ज्येष्ठराजं ब्रह्मणां ब्रह्मणस्पत आ नः शृण्वन्नूतिभिस्सीद सादनम् ॥ १० ॥

नि षु सीद गणपते गणेषु त्वामाहुर्विप्रतमं कवीनाम् ।
न ऋते त्वत्क्रियते किं चनारे महामर्कं मघवञ्चित्रमर्च ॥ ११ ॥

अभिख्यानो मघवन्नाधमानान्त्सखे बोधि वसुपते सखीनाम् ।
रणं कृधि रणकृत्सत्यशुष्माभक्ते चिदा भजा राये अस्मान् ॥ १२ ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Vertiefende Erläuterungen

Rigveda-Handschrift: Bildbeispiel vedischer Textüberlieferung; ein Beispiel für die handschriftliche Überlieferung.

Bevor du etwas beginnst, kannst du einen Augenblick innehalten und Ganesha anrufen. Was möchtest du tun? Wem soll es dienen? Welche Hilfe brauchst du? Diese Fragen geben deinem Vorhaben Klarheit. Mit dem Mantra bittest du zugleich um Führung durch eine Weisheit, die über deinen begrenzten Blick hinausgeht.

Die Hymne bittet sehr deutlich um Fülle. Zum Leben gehören Nahrung, Schutz und die Mittel, eine Aufgabe zu erfüllen. Zugleich fordert uns das Bild des Menschen heraus, der nichts hergeben will. Auch wir können an Besitz, Vorstellungen oder Ansprüchen festhalten. Für unsere Praxis liegt darin die Frage: Was kann ich teilen? Woran halte ich fest, obwohl es mich eng macht?

„Nimm hier deinen Platz ein“ ist eine persönliche Einladung. Du kannst sie mit dem Herzen sprechen. Lass Ganeshas Gegenwart in deinem Denken und Handeln wirksam werden. Dann gehe deine Aufgabe mit Vertrauen an.

Video zur Vertiefung

Ganesha Herr der Engel Sanskritlexikon

Anregungen für die eigene Praxis

Swami Sivananda mit einer Mala: Rezitation, Sammlung und Hingabe können einander vertiefen.
  1. Halte vor einem neuen Vorhaben inne und benenne, wem es dienen soll.
  2. Rezitiere die Anrufung aufmerksam und lasse die Namen Indra und Brahmanaspati im überlieferten Wortlaut stehen.
  3. Bitte in deiner persönlichen Ganesha-Verehrung um Weisheit und einen guten Anfang.
  4. Betrachte ein Hindernis nüchtern: Welchen kleinen Schritt kannst du selbst gehen, wo brauchst du Hilfe?
  5. Teile eine Fähigkeit oder eine Gabe mit anderen. So erhält die Bitte um Fülle eine großzügige Ausrichtung.

Video zur begleitenden Praxis und Auslegung

Homa - Feuerritual - Sanskrit Lexikon

Abschließende Worte

Die Bitte um Fülle wird im Teilen lebendig. Vielleicht gibt es gerade heute jemanden, dem du den Anfang erleichtern kannst.

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Ganapati Sukta“.
  • Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 1: „Gaṇapati Sūktam“.
  • Rigveda: Verse 1–9 dieser Zusammenstellung = RV 8.81.1–9; Vers 10 = RV 2.23.1; Verse 11–12 = RV 10.112.9–10. Om und der Shanti-Ruf gehören zum Rezitationsrahmen.

In Vers 2 steht tuvikūrmiṃ wie in Rigveda 8.81.2. In Vers 10 und 12 begegnen die rezitationsnahen Lautverbindungen „ūtibhis sīda“ und „ādhamānānt sakhe“.

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