Angavastra
Angavastra (Sanskrit: अङ्गवस्त्र aṅgavastra n.), in Südindien auch Angavastram, bedeutet „Körpertuch“ oder „Gewand für die Glieder“. Gemeint ist ein langes, meist ungenähtes Tuch, das über Schultern und Oberkörper gelegt wird. Der Begriff hat zwei Bedeutungen: Zum einen ist Angavastra ein traditionelles Kleidungsstück, besonders für Männer in Indien. Zum anderen bezeichnet er das Tuch, das in der Puja einer Gottheit als Gewand dargebracht wird.
Etymologie
- Anga (अङ्ग): Glied, Körperteil, Körper.
- Vastra (वस्त्र): Kleid, Gewand, Tuch; von der Wurzel vas = kleiden, bedecken.
Angavastra als Kleidungsstück
Das Angavastra ist ein schalartiges Obertuch aus Baumwolle oder Seide, oft mit verziertem Rand. Es wird lose über eine oder beide Schultern gelegt und meist zusammen mit einem Dhoti oder Veshti getragen.
Traditionell tragen es:
- Priester (Pujaris) und Brahmanen bei Ritualen
- Männer bei religiösen Festen, Hochzeiten und Zeremonien
- Lehrer und Gelehrte als Zeichen von Würde
Ein Angavastra zu überreichen, gilt in Indien als Ehrung. Gästen, Lehrern oder geachteten Persönlichkeiten wird es oft als Zeichen des Respekts um die Schultern gelegt.
Angavastra in der Puja
In der klassischen Verehrung mit sechzehn Gaben (Shodashopachara Puja) gehört das Darbringen eines Gewandes (Vastra) zu den festen Bestandteilen. Die Gottheit wird dabei wie ein hochverehrter Gast behandelt: Nach Begrüßung, Waschung und Abhisheka wird sie gekleidet und geschmückt.
Typische Abfolge: