Murchhaya

Murchhaya (Sanskrit: मूर्च्छाय murcchāya m.) = Ohnmacht, Bewusstlosigkeit.
Der Sanskrit-Ausdruck „Murchhaya“ (auch „Murchha“ oder „Murchchha“ geschrieben) bedeutet wörtlich „Ohnmacht“, „Bewusstlosigkeit“ oder „das Schwinden der Sinne“. In der yogischen und spirituellen Tradition Indiens wird dieser Begriff jedoch nicht negativ als Verlust der Kontrolle verstanden, sondern als ein bewusst herbeigeführter Zustand tiefer Versenkung, in dem das gewöhnliche Wachbewusstsein und die äußeren Sinneswahrnehmungen zur Ruhe kommen. Es geht um ein „In-sich-Zurückziehen“, um den Geist von äußeren Reizen zu lösen und in eine höhere, innere Stille einzutauchen. Im Hinduismus und im Raja Yoga (dem „königlichen Pfad“ der Meditation) ist Murchhaya ein fortgeschrittenes Stadium der Konzentration, das der Samadhi (Erleuchtungseinheit) nahekommt.
Du kannst es dir wie einen „Schwellenzustand“ vorstellen: Dein Körper ist noch wach, aber dein Geist hat die Welt um dich herum vollständig ausgeblendet. In einer Yogastunde oder Meditation könnte eine solche Praxis so aussehen: Du setzt oder legst dich bequem hin, beginnst mit tiefen, langsamen Atemzügen und richtest deine Aufmerksamkeit auf einen Punkt zwischen den Augenbrauen (Ajna Chakra). Während du ausatmest, lässt du bewusst alle Gedanken und Körperempfindungen los. Mit jeder Runde wirst du „schwerer“ und ruhiger, bis du ein Gefühl von Schwerelosigkeit oder ein „Wegschmelzen“ der Körpergrenzen erlebst – das ist ein sanfter Vorgeschmack auf Murchhaya. Du bleibst dabei wach und bewusst, aber dein Geist ist leer und still.
Ein passendes Zitat von Swami Sivananda: „Meditation ist die Zunge der Seele und der Geist ist die Sprache der Meditation. Wenn der Geist in die Stille des Herzens eintaucht, erfährt er die Wahrheit jenseits aller Worte – das ist wahres Murchhaya, der Tod des Egos und die Geburt des Lichts.“