Rasavilola

Rasavilola (Sanskrit: rasavilola m. und adj.) = beschwingt; ein Name für Krishna.
Stell dir vor, du sitzt in der Stille deiner Meditation. Der Atem fließt ruhig, der Geist wird weit. Und plötzlich – ohne dass du es erzwingen könntest – durchströmt dich eine Welle purer Freude. Ein Kribbeln, ein Lächeln, ein Gefühl von tiefer Zufriedenheit. Genau das meint der Sanskrit-Ausdruck „Rasavilola“. Er setzt sich zusammen aus „Rasa“ (Saft, Essenz, Geschmack, aber auch die tiefe emotionale Schwingung) und „Vilola“ (zitternd, bewegt, hin- und herschwingend, voller Leben). Zusammen beschreibt Rasavilola also einen Zustand, in dem du von der Essenz des Lebens selbst durchschüttelt wirst. Du bist nicht mehr der stille Beobachter, sondern du schwingst mit, du bist bewegt von der inneren Süße des Seins.
In der Welt des Yoga und der Spiritualität begegnet dir dieser Begriff vor allem im Kontext der Hingabe, der Bhakti. Es ist die Qualität eines Herzens, das so weit geöffnet ist, dass es von der göttlichen Liebe förmlich überfließt. Du hältst dich nicht mehr an Kontrolle fest, sondern lässt dich von der Ekstase des Augenblicks tragen. Stell dir einen Tänzer vor, der vollkommen in der Musik aufgeht – sein Körper ist nicht mehr steif, sondern wird zum Instrument der Melodie. Genauso ist der Geist im Zustand des Rasavilola: Er ist nicht mehr starr, sondern lebendig, flexibel und erfüllt von einem tiefen, vibrierenden Glück.
In deiner eigenen Yogapraxis kannst du diesen Zustand zum Beispiel in einer tiefen Rückbeuge wie der Kamelhaltung (Ustrasana) erfahren. Wenn du dich langsam zurücklehnst, die Brust öffnest und das Herz dem Himmel entgegenstreckst, kann es passieren, dass eine Emotion in dir aufsteigt – vielleicht ein Schluchzen, vielleicht ein Lachen, vielleicht einfach nur ein stilles, überwältigendes Gefühl von Weite. Dieses „Bewegtwerden“ von innen heraus, dieses Zittern der Lebensenergie, das ist Rasavilola. Es ist die lebendige Antwort deines Herzens auf die Berührung des Göttlichen. Wie es in einem alten Bhajan so schön heißt: „Mein Herz ist wie eine Glocke, die nur von deinem Namen zum Klingen gebracht wird.“