Valli - Göttin
Valli (Tamil: வள்ளி, Vaḷḷi) ist eine der beiden Gemahlinnen Murugans in der tamilischen Überlieferung. Als Tochter aus der Welt der Bergbewohner und Hüterin eines Hirsefeldes verkörpert sie eine Gottesliebe, die mitten im einfachen Leben aufblüht.

Überlieferung und Hintergrund
Ihre ausführliche Liebesgeschichte steht im Kanda Puranam von Kachiyappa Shivachariyar. Sie gehört zur religiösen Erzählung, nicht zu einer datierbaren menschlichen Biografie. Neben der höfisch-himmlischen Welt Deivanais eröffnet Valli die Landschaft der Berge, Felder und kleinen Siedlungen.
Geschichten über Valli
Das Kind zwischen den Wurzeln
Am Berg Valli Malai entdeckt der Jägerführer Nambi ein verlassenes Mädchen. Die wundersame Vorgeschichte verbindet seine Geburt mit einer Hirschkuh. Gefunden wird das Kind an einer Stelle, an der essbare Valli-Wurzeln ausgegraben werden. Nambi und seine Frau nehmen es freudig auf; nach diesem Fund erhält es seinen Namen.
So beginnt die Geschichte nicht mit einem Palast. Ein Kind wird angenommen und wächst in einer Gemeinschaft heran, deren Leben von den Bergen und ihren Gaben geprägt ist. Als Valli größer ist, hütet sie das Hirsefeld. Sie vertreibt die Vögel, die sich an den Ähren nähren wollen. Die Arbeit ist einfach und notwendig. Gerade dort aber nähert sich der Gott.
Der fremde Jäger
Murugan erscheint als junger Jäger und spricht Valli an. Sie erkennt ihn zunächst nicht. Als ihr Vater mit Begleitern kommt, verwandelt sich der Besucher in einen Baum. Nach ihrem Weggang steht er wieder vor ihr. Die Begegnung führt durch wechselnde Gestalten; die göttliche Nähe lässt sich nicht schon an der ersten äußeren Erscheinung ablesen.
Später tritt Murugan als alter Asket auf. Valli begegnet ihm in dieser Rolle und hilft ihm. Als er jedoch um ihre Liebe wirbt, weist sie ihn zurück. Ihre Liebe gehört dem Gott, den sie verehrt, nicht einfach jedem fremden Mann, der sie darum bittet.
Der Elefant und das Wiedererkennen
Nun greift Ganesha in das göttliche Spiel ein. Er erscheint als bedrohlicher Elefant. Erschrocken sucht Valli beim vermeintlichen Asketen Schutz. Im weiteren Verlauf enthüllt Murugan seine wahre Gestalt. Sie erkennt den Geliebten, dem ihr Herz bereits zugewandt war.
Die Erzählung ist damit noch nicht zu Ende. Die Verbindung muss auch in der Welt ihrer Familie sichtbar werden. Es kommt zu Widerstand und Verfolgung; schließlich werden die Angehörigen in die Versöhnung einbezogen. Die Hochzeit besiegelt, was in der Sehnsucht bereits begonnen hatte. Valli wird nicht aus der heiligen Geschichte verdrängt, weil sie aus einer anderen Lebenswelt kommt. Diese Lebenswelt erhält durch sie einen bleibenden Platz an Murugans Seite.[1]
Betrachtung: Die Liebe auf dem Feld
Die Elefantenszene gehört zur eigentümlichen Dramaturgie dieses Mythos. Sie ist kein Vorbild dafür, einen Menschen durch Angst zur Liebe zu bewegen. Der geistige Reiz liegt in der schrittweisen Enthüllung des göttlichen Gegenübers und in der Würdigung Vallis beständiger Sehnsucht.
Ihr Hirsefeld bleibt dabei ein tröstliches Bild. Man muss den Alltag nicht erst hinter sich lassen, um für das Heilige offen zu werden. Auch die wiederkehrende Aufgabe kann ein Ort der Begegnung sein. Hingabe beginnt dort, wo ein Mensch tatsächlich lebt.

Spirituelle Bedeutung
Valli steht für die persönliche, sehnsüchtige Seite der Bhakti. Ihre Erzählung verbindet die Landschaft tamilischer Liebesdichtung mit der Verehrung Murugans.
Werke und weiterführende Texte
- Kanda Puranam: Vallis Hochzeit, tamilischer Originaltext.
- Tiruppugazh: Lieder Arunagirinathars, die Murugan vielfach als Vallis Geliebten anrufen.
- Kamil Zvelebil: Murugan and Valli, literaturwissenschaftliche Einordnung.
Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten
Murugan ist ihr göttlicher Gemahl, Deivanai seine andere Gemahlin. Ganesha hilft im Liebesspiel. Kachiyappa Shivachariyar überliefert die große dichterische Fassung. Vallimalai Satchidananda Swami verbindet die neuere Tiruppugazh-Praxis mit der Landschaft von Valli Malai.
Anregungen für Yoga und Meditation
Erinnere dich während einer alltäglichen Tätigkeit an ein Bild oder einen Namen, der dein Herz öffnet. Im Yoga lässt sich dies als bewusste Verbindung von Achtsamkeit, Mitgefühl und tätiger Verantwortung üben. Eine kurze Meditation kann damit beginnen, den Atem natürlich fließen zu lassen und die gewählte Anregung ohne Selbstverurteilung zu betrachten. Entscheidend ist anschließend eine kleine, tatsächlich ausgeführte Handlung.

Ein Gedanke für den Alltag
Schenke einer einfachen Aufgabe heute dieselbe Aufmerksamkeit, die du einem heiligen Ort schenken würdest.
Videos zur Vertiefung
Diese Videos laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen.
Ankommenssatsang - Kirtan, Mantra und Arati mit Sukadev - Yoga Vidya Live, 15.07.2022, 20:00 Uhr
Licht-Meditation mit Sukadev
Siehe auch
Quellen und Literatur
- ↑ Kanda Puranam, Daksha-Kandam, Valliyammai Tirumana Padalam, Verse 1801–2067; eigene Nacherzählung der klassischen Legende.
Seminare
Gemeinsames Üben, Singen und Studieren kann die Inspiration dieser Texte im Alltag lebendig werden lassen.
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