Hiranyagarbha Sukta Upanishad

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Die Hiranyagarbha Sukta Upanishad (Sanskrit: हिरण्यगर्भसूक्तोपनिषत्, Hiraṇyagarbhasūktopaniṣat), auch Hiranyagarbha Sukta genannt, ist die Schöpfungshymne Ṛgveda 10.121. Hiraṇyagarbha bedeutet „goldener Keim“, „goldener Embryo“ oder „goldener Schoß“. Der Text fragt in neun aufeinanderfolgenden Refrains: kasmai devāya haviṣā vidhema – „Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?“ Der zehnte Vers nennt diesen höchsten Schöpfer Prajāpati.

Die Hiranyagarbha Sukta Upanishad ist ursprünglich ein Sūkta des Rigveda, keine eigenständige Upanishad der Muktika-Liste. Ihr upanishadischer Rang ist inhaltlich zu verstehen. Sie sucht hinter den vielen Göttern nach dem einen Ursprung, der Leben und Kraft gibt, Himmel und Erde trägt und selbst über den Göttern steht.

Die Hiranyagarbha Sukta Upanishad beschreibt den goldenen Keim als Ursprung und Träger der Welt.

Der Refrain enthält ein berühmtes Wortspiel. Kasmai heißt grammatisch „welchem?“, doch Ka – „Wer?“ – wurde in der späteren vedischen Auslegung auch als Name Prajāpatis verstanden. Die Frage richtet sich dadurch zugleich offen nach dem unbekannten Gott und ehrfürchtig an „Ka“, den geheimnisvollen Schöpfer.

Hiranyagarbha Sukta Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Die vollständige Rigveda-Fassung umfasst zehn Verse. Jeder Vers wird einzeln übersetzt; auch der in den Versen 1–9 wiederkehrende Refrain wird jedes Mal vollständig erklärt.

Verse 1–5 – Der eine Träger der Welt

Vers 1 – Der goldene Keim
hiraṇyagarbhaḥ samavartatāgre bhūtasya jātaḥ patireka āsīt |
sa dādhāra pṛthivīm dyāmutemām kasmai devāya haviṣā vidhema || 1 ||

Hiraṇyagarbha entstand am Anfang. Geboren war er der eine Herr des Gewordenen. Er trug diese Erde und den Himmel. Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: hiraṇya-garbhaḥ – goldener Keim, goldener Schoß; sam – zusammen, vollständig; avartata – entstand, entwickelte sich; agre – am Anfang; bhūtasya – des Gewordenen, der Wesenwelt; jātaḥ – geboren; patiḥ – Herr; ekaḥ – der eine; āsīt – war; saḥ – er; dādhāra – trug, stützte; pṛthivīm – Erde; dyām – Himmel; uta – und auch; imām – diese; kasmai – welchem, dem Gott Ka; devāya – Gott; haviṣā – mit Opfergabe; vidhema – wollen wir dienen, verehren.

Vers 2 – Geber von Selbst und Kraft
ya ātmadā baladā yasya viśva upāsate praśiṣam yasya devāḥ |
yasya cchāyāmṛtam yasya mṛtyuḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 2 ||

Er gibt Selbst und Lebenskraft; seiner Weisung folgen alle Götter. Sein Schatten ist Unsterblichkeit, sein Schatten ist Tod. Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – welcher; ātma-dāḥ – Selbst, Lebensgeist gebend; bala-dāḥ – Kraft gebend; yasya – dessen; viśve – alle; upa-āsate – verehren, folgen; pra-śiṣam – Weisung, Gebot; yasya – dessen; devāḥ – Götter; yasya – dessen; chāyā – Schatten; amṛtam – Unsterblichkeit; yasya – dessen; mṛtyuḥ – Tod; kasmai – welchem, dem Ka; devāya – Gott; haviṣā – mit Opfergabe; vidhema – wollen wir dienen.

Vers 3 – König des Atmenden
yaḥ prāṇato nimiṣato mahitvaika idrājā jagato babhūva |
ya īśe asya dvipadaścatuṣpadaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 3 ||

Er allein wurde durch seine Größe König der atmenden und blinzelnden, der bewegten Welt. Er herrscht über alles Zwei- und Vierfüßige. Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – welcher; prāṇataḥ – des Atmenden; ni-miṣataḥ – des Blinzelnden; mahi-tvā – durch Größe; ekaḥ – allein; it – eben; rājā – König; jagataḥ – der bewegten Welt; babhūva – wurde; yaḥ – welcher; īśe – herrscht; asya – über dieses; dvi-padaḥ – Zweifüßige; catuḥ-padaḥ – Vierfüßige; kasmai – welchem; devāya – Gott; haviṣā – mit Opfergabe; vidhema – wollen wir dienen.

Vers 4 – Berge, Meer und Himmelsrichtungen
yasyeme himavanto mahitvā yasya samudram rasayā sahāhuḥ |
yasyemāḥ pradiśo yasya bāhū kasmai devāya haviṣā vidhema || 4 ||

Seine Größe sind diese schneebedeckten Berge; sein, so sagt man, ist das Meer samt der Rasā. Diese Himmelsrichtungen sind seine Arme. Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: yasya – dessen; ime – diese; hima-vantaḥ – schneebedeckten Berge; mahi-tvā – Größe, Herrlichkeit; yasya – dessen; samudram – Meer; rasayā – mit der Rasā, dem mythischen Weltstrom; saha – zusammen mit; āhuḥ – sie nennen, sagen; yasya – dessen; imāḥ – diese; pra-diśaḥ – Himmelsrichtungen; yasya – dessen; bāhū – beide Arme; kasmai – welchem; devāya – Gott; haviṣā – mit Opfergabe; vidhema – wollen wir dienen.

Vers 5 – Stützer von Himmel und Erde
yena dyaurugrā pṛthivī ca dṛḷhā yena svaḥ stabhitam yena nākaḥ |
yo antarikṣe rajaso vimānaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 5 ||

Durch ihn sind der gewaltige Himmel und die Erde fest, durch ihn die Lichtwelt und die Himmelshöhe gestützt. Er misst den Luftraum im Zwischenraum aus. Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: yena – durch welchen; dyauḥ – Himmel; ugrā – gewaltig; pṛthivī – Erde; ca – und; dṛḷhā – fest; yena – durch welchen; svaḥ – Lichtwelt, Himmel; stabhitam – gestützt; yena – durch welchen; nākaḥ – Himmelshöhe; yaḥ – welcher; antarikṣe – im Zwischenraum; rajasaḥ – des Luftraums; vi-mānaḥ – Ausmesser, Ordner; kasmai – welchem; devāya – Gott; haviṣā – mit Opfergabe; vidhema – wollen wir dienen.

Verse 6–10 – Wasser, Schöpfung und Prajāpati

Vers 6 – Die beiden Welten und die Sonne
yam krandasī avasā tastabhāne abhyaikṣetām manasā rejamāne |
yatrādhi sūra udito vibhāti kasmai devāya haviṣā vidhema || 6 ||

Auf ihn blickten die beiden bebenden Welten, durch seine Hilfe gestützt, in ihrem Geist. Über ihm strahlt die aufgegangene Sonne. Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: yam – welchen; krandasī – die beiden tönenden oder bebenden Welten, Himmel und Erde; avasā – durch Hilfe, Macht; tastabhāne – gestützt, sich stützend; abhi – auf, zu; aikṣetām – beide schauten; manasā – mit dem Geist; rejamāne – bebend, sich bewegend; yatra – wo, über welchem; adhi – darüber; sūraḥ – Sonne; ut-itaḥ – aufgegangen; vi-bhāti – erstrahlt; kasmai – welchem; devāya – Gott; haviṣā – mit Opfergabe; vidhema – wollen wir dienen.

Vers 7 – Der Keim in den Wassern
āpo ha yadbṛhatīrviśvamāyangarbham dadhānā janayantīragnim |
tato devānām samavartatāsurekaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 7 ||

Als die großen Wasser das All durchdrangen, den Keim trugen und Agni gebaren, da entstand aus ihnen der eine Lebensgeist der Götter. Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: āpaḥ – Wasser; ha – wahrlich; yat – als; bṛhatīḥ – die großen; viśvam – das All; āyan – durchdrangen, erreichten; garbham – Keim, Embryo; dadhānāḥ – tragend; janayantīḥ – gebärend; agnim – Agni, Feuer; tataḥ – daraus, damals; devānām – der Götter; sam – zusammen, vollständig; avartata – entstand; asuḥ – Lebensgeist; ekaḥ – der eine; kasmai – welchem; devāya – Gott; haviṣā – mit Opfergabe; vidhema – wollen wir dienen.

Vers 8 – Gott über den Göttern
yaścidāpo mahinā paryapaśyaddakṣam dadhānā janayantīryajñam |
yo deveṣvadhi deva eka āsītkasmai devāya haviṣā vidhema || 8 ||

Er überschaute in seiner Größe die Wasser, die schöpferische Fähigkeit trugen und das Opfer gebaren. Er allein war der Gott über den Göttern. Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – welcher; cit – eben, wahrlich; āpaḥ – Wasser; mahinā – durch Größe; pari-apaśyat – rings überschaute; dakṣam – schöpferische Fähigkeit, Geschick; dadhānāḥ – tragend; janayantīḥ – gebärend; yajñam – Opfer; yaḥ – welcher; deveṣu – unter den Göttern; adhi – darüber; devaḥ – Gott; ekaḥ – der eine; āsīt – war; kasmai – welchem; devāya – Gott; haviṣā – mit Opfergabe; vidhema – wollen wir dienen.

Vers 9 – Bitte an den Schöpfer
mā no hiṃsījjanitā yaḥ pṛthivyā yo vā divam satyadharmā jajāna |
yaścāpaścandrā bṛhatīrjajāna kasmai devāya haviṣā vidhema || 9 ||

Nicht möge uns schädigen, wer die Erde hervorbrachte, wer nach wahrer Ordnung den Himmel erzeugte und wer die glänzenden, großen Wasser hervorbrachte. Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: – nicht möge; naḥ – uns; hiṃsīt – schädigen; janitā – Erzeuger; yaḥ – welcher; pṛthivyāḥ – der Erde; yaḥ – welcher; – oder, auch; divam – Himmel; satya-dharmā – von wahrer Ordnung; jajāna – erzeugte; yaḥ – welcher; ca – und; apaḥ – Wasser; candrāḥ – glänzend; bṛhatīḥ – groß; jajāna – erzeugte; kasmai – welchem; devāya – Gott; haviṣā – mit Opfergabe; vidhema – wollen wir dienen.

Vers 10 – Anrufung Prajāpatis
prajāpate na tvadetānyanyo viśvā jātāni pari tā babhūva |
yatkāmāste juhumastanno astu vayam syāma patayo rayīṇām || 10 ||

Prajāpati, kein anderer als du hat all diese entstandenen Dinge rings umfasst. Was wir begehren, wenn wir dir opfern, das möge uns zuteilwerden. Mögen wir Herren der Lebensgüter sein.

Wort-für-Wort-Erläuterung: prajā-pate – o Prajāpati, Herr der Geschöpfe; na – nicht; tvat – außer dir, von dir; etāni – diese; anyaḥ – ein anderer; viśvā – alle; jātāni – entstandenen Dinge; pari – ringsum; – sie; babhūva – umfasste, wurde; yat-kāmāḥ – welche Wünsche habend; te – dir; juhumaḥ – wir opfern; tat – das; naḥ – uns; astu – möge sein; vayam – wir; syāma – mögen sein; patayaḥ – Herren, Hüter; rayīṇām – der Güter, Lebensfülle.

Rezitation des Hiraṇyagarbha Sūkta, Ṛgveda 10.121

Hiranyagarbha Sukta Upanishad: Einordnung, Datierung, Inhalt und Bedeutung

Name, Seher, Gottheit und Form

Der Name Hiraṇyagarbha verbindet hiraṇya, Gold, mit garbha, Keim, Embryo, Schoß oder innerer Raum. „Golden“ bezeichnet im Veda Glanz, Kostbarkeit und schöpferische Lichtkraft. Der goldene Keim ist daher nicht einfach ein materielles Ei. Er ist das erste lebendige Zentrum, in dem die noch unentfaltete Welt gegenwärtig ist.

Die traditionelle Anukramaṇī nennt Hiraṇyagarbha, den Sohn Prajāpatis, als Seher; die angerufene Gottheit wird als „Ka“ oder Prajāpati bezeichnet. Alle zehn Verse stehen im Triṣṭubh-Metrum. Die ersten neun enden mit derselben Frage. Vers 10 ersetzt den Refrain durch die direkte Anrede prajāpate und eine Bitte um die ersehnten Lebensgüter.

Diese formale Abweichung ist philologisch bedeutsam. Viele Forscher betrachten Vers 10 als sekundären Abschluss, der die offene Frage der ersten neun Verse mit Prajāpati beantwortet. „Sekundär“ bedeutet hier nicht wertlos oder unecht: Der Vers gehört zur vollständig überlieferten Rigveda-Saṃhitā und dokumentiert eine frühe inner-vedische Deutung der Hymne.

Datierung

Ṛgveda 10.121 steht im relativ jungen zehnten Maṇḍala des Rigveda. Ein genaues Entstehungsjahr ist bei einem mündlich gewachsenen Text nicht feststellbar. Sprachliche und religionsgeschichtliche Gründe führen gewöhnlich zu einer Einordnung in die späte rigvedische Zeit, grob gegen Ende des zweiten Jahrtausends v. Chr., häufig ungefähr 1200–1000 v. Chr.

Der Text ist jünger als viele an einzelne Gottheiten gerichtete Familienhymnen. Seine Suche nach einem höchsten Schöpfergott und die abstrahierende Verbindung von Lebensgeist, kosmischer Stützung und Wasserkeim stehen in der Entwicklung hin zu den Brāhmaṇas und Upanishaden. Die Datierung bleibt dennoch eine relative wissenschaftliche Rekonstruktion.

Inhalt und Leitgedanken

Ein Ursprung und Herr des Gewordenen
Vers 1 setzt Hiraṇyagarbha an den Anfang. Sobald er entsteht, ist er der eine Herr des Gewordenen und trägt Erde und Himmel. Der Text erzählt nicht ausführlich, wer ihn hervorbringt. Er konzentriert sich darauf, dass kosmische Ordnung und räumliche Welt in einem ersten lebendigen Prinzip ihren Halt finden.

Leben, Kraft, Tod und Unsterblichkeit
Vers 2 nennt den Gesuchten ātma-dā und bala-dā, Geber des Lebensgeistes beziehungsweise Selbstes und Geber von Kraft. Tod und Unsterblichkeit sind seine „Schatten“. Das Bild stellt sie nicht als zwei voneinander unabhängige Mächte dar; beide gehören zum Wirkungsbereich des einen Ursprungs.

Kosmos als Leib
In den Versen 3–5 sind atmende und blinzelnde Wesen, Zwei- und Vierfüßige, Berge, Meer und Himmelsrichtungen Ausdruck seiner Größe. Die Richtungen heißen seine Arme. Wie im Purusha Sukta wird der Kosmos körperhaft vorgestellt, doch der Akzent liegt weniger auf der Aufteilung eines Urwesens als auf der tragenden Herrschaft des Einen.

Wasser, Feuer und der Lebensgeist der Götter
Die Verse 7 und 8 führen zu den großen Urwassern. Sie tragen den Keim, gebären Agni, enthalten dakṣa, schöpferische Fähigkeit, und bringen das Opfer hervor. Aus ihnen entsteht der eine asu, Lebensgeist, der Götter. Wasser ist hier keine bloße chemische Substanz, sondern das dichterische Bild einer ungeschiedenen, fruchtbaren Möglichkeit.

Die Frage „Welchem Gott?“
Der Refrain ist keine beiläufige Wiederholung. Nach jeder neuen Beschreibung fragt die Hymne erneut, wem das Opfer gelten soll. Keine einzelne Eigenschaft erschöpft den Gesuchten. So entsteht Erkenntnis durch eine Folge von Annäherungen: Ursprung, Lebensspender, König, kosmischer Leib, Stützer, Lichtgrund, Wasserkeim und Gott über den Göttern.

Bedeutung für Upanishaden und Vedanta

Die Hiranyagarbha Sukta Upanishad bereitet die Frage nach dem einen Grund hinter der göttlichen Vielheit vor. In späteren Texten kann Hiraṇyagarbha den kosmischen Geist, den zuerst geborenen Brahma oder die feinstoffliche Gesamtheit des Universums bezeichnen. Vedanta unterscheidet häufig das bedingte kosmische Prinzip Hiraṇyagarbha vom eigenschaftslosen höchsten Brahman. Diese systematische Unterscheidung steht noch nicht im rigvedischen Vers und sollte nicht in ihn zurückprojiziert werden.

Nahe steht die Hymne der Purusha Sukta Upanishad und der Nasadiya Sukta Upanishad, doch jede setzt einen anderen Akzent. Das Puruṣa Sūkta entfaltet die Welt aus dem kosmischen Opfer, das Nāsadīya Sūkta bewahrt radikale Ungewissheit, und das Hiraṇyagarbha Sūkta nähert sich dem einen Schöpfer durch wiederholte Anrufungsfragen.

Das Motiv des goldenen Keimes lebt in Upanishaden und Purāṇas weiter. Es kann kosmogonisch als erstes Weltei und kontemplativ als leuchtender Ursprung im Innern verstanden werden. Spirituell fruchtbar ist diese zweite Deutung nur, wenn sie den historischen Sinn nicht ersetzt, sondern als spätere Anwendung gekennzeichnet bleibt.

Bedeutung heute

Für heutige Aspiranten verbindet die Hiranyagarbha Sukta Upanishad Staunen mit Verantwortung. Der Ursprung ist nicht nur fern: Er gibt Atem und Kraft und trägt Erde, Wasser, Tiere und Menschen. Wer die Welt als von einem gemeinsamen Lebensgrund getragen sieht, kann Umwelt und Mitwesen nicht bloß als Mittel behandeln.

Der immer neue Refrain lehrt außerdem, eine spirituelle Antwort nicht zu früh festzuschreiben. Nach jeder Einsicht darf die Frage „Wem gilt meine Hingabe wirklich?“ erneut gestellt werden. Diese Haltung vertieft Bhakti durch Erkenntnis und schützt vor der Verwechslung eines einzelnen Bildes mit dem unerschöpflichen Göttlichen.

Vers 10 lenkt die Bitte schließlich auf verantwortete Lebensfülle. Rayi kann Besitz, Nahrung, Reichtum und Lebensgüter bedeuten. Die Bitte, „Herren“ dieser Güter zu sein, ist heute am sinnvollsten als gute Hüterschaft zu verstehen: Ressourcen so zu gebrauchen, dass sie Leben erhalten und geteilt werden.

Hiranyagarbha Sukta Upanishad – vollständiger Text in Devanagari

Vers 1
हिरण्यगर्भः समवर्तताग्रे भूतस्य जातः पतिरेक आसीत् ।
स दाधार पृथिवीं द्यामुतेमां कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥१॥

Vers 2
य आत्मदा बलदा यस्य विश्व उपासते प्रशिषं यस्य देवाः ।
यस्य च्छायामृतं यस्य मृत्युः कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥२॥

Vers 3
यः प्राणतो निमिषतो महित्वैक इद्राजा जगतो बभूव ।
य ईशे अस्य द्विपदश्चतुष्पदः कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥३॥

Vers 4
यस्येमे हिमवंतो महित्वा यस्य समुद्रं रसया सहाहुः ।
यस्येमाः प्रदिशो यस्य बाहू कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥४॥

Vers 5
येन द्यौरुग्रा पृथिवी च दृळ्हा येन स्वः स्तभितं येन नाकः ।
यो अंतरिक्षे रजसो विमानः कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥५॥

Vers 6
यं क्रंदसी अवसा तस्तभाने अभ्यैक्षेतां मनसा रेजमाने ।
यत्राधि सूर उदितो विभाति कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥६॥

Vers 7
आपो ह यद्बृहतीर्विश्वमायन्गर्भं दधाना जनयंतीरग्निं ।
ततो देवानां समवर्ततासुरेकः कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥७॥

Vers 8
यश्चिदापो महिना पर्यपश्यद्दक्षं दधाना जनयंतीर्यज्ञं ।
यो देवेष्वधि देव एक आसीत्कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥८॥

Vers 9
मा नो हिंसीज्जनिता यः पृथिव्या यो वा दिवं सत्यधर्मा जजान ।
यश्चापश्चंद्रा बृहतीर्जजान कस्मै देवाय हविषा विधेम ॥९॥

Vers 10
प्रजापते न त्वदेतान्यन्यो विश्वा जातानि परि ता बभूव ।
यत्कामास्ते जुहुमस्तन्नो अस्तु वयं स्याम पतयो रयीणां ॥१०॥

Hiranyagarbha Sukta Upanishad – vollständiger Text in IAST

Vers 1
hiraṇyagarbhaḥ samavartatāgre bhūtasya jātaḥ patireka āsīt |
sa dādhāra pṛthivīm dyāmutemām kasmai devāya haviṣā vidhema || 1 ||

Vers 2
ya ātmadā baladā yasya viśva upāsate praśiṣam yasya devāḥ |
yasya cchāyāmṛtam yasya mṛtyuḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 2 ||

Vers 3
yaḥ prāṇato nimiṣato mahitvaika idrājā jagato babhūva |
ya īśe asya dvipadaścatuṣpadaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 3 ||

Vers 4
yasyeme himavanto mahitvā yasya samudram rasayā sahāhuḥ |
yasyemāḥ pradiśo yasya bāhū kasmai devāya haviṣā vidhema || 4 ||

Vers 5
yena dyaurugrā pṛthivī ca dṛḷhā yena svaḥ stabhitam yena nākaḥ |
yo antarikṣe rajaso vimānaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 5 ||

Vers 6
yam krandasī avasā tastabhāne abhyaikṣetām manasā rejamāne |
yatrādhi sūra udito vibhāti kasmai devāya haviṣā vidhema || 6 ||

Vers 7
āpo ha yadbṛhatīrviśvamāyangarbham dadhānā janayantīragnim |
tato devānām samavartatāsurekaḥ kasmai devāya haviṣā vidhema || 7 ||

Vers 8
yaścidāpo mahinā paryapaśyaddakṣam dadhānā janayantīryajñam |
yo deveṣvadhi deva eka āsītkasmai devāya haviṣā vidhema || 8 ||

Vers 9
mā no hiṃsījjanitā yaḥ pṛthivyā yo vā divam satyadharmā jajāna |
yaścāpaścandrā bṛhatīrjajāna kasmai devāya haviṣā vidhema || 9 ||

Vers 10
prajāpate na tvadetānyanyo viśvā jātāni pari tā babhūva |
yatkāmāste juhumastanno astu vayam syāma patayo rayīṇām || 10 ||

Hiranyagarbha Sukta Upanishad – vollständige gut verständliche deutsche Übersetzung

Vers 1
Hiraṇyagarbha entstand am Anfang. Geboren war er der eine Herr des Gewordenen. Er trug diese Erde und den Himmel. Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?

Vers 2
Er gibt Selbst und Lebenskraft; seiner Weisung folgen alle Götter. Sein Schatten ist Unsterblichkeit, sein Schatten ist Tod. Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?

Vers 3
Er allein wurde durch seine Größe König der atmenden und blinzelnden, der bewegten Welt. Er herrscht über alles Zwei- und Vierfüßige. Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?

Vers 4
Seine Größe sind diese schneebedeckten Berge; sein, so sagt man, ist das Meer samt der Rasā. Diese Himmelsrichtungen sind seine Arme. Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?

Vers 5
Durch ihn sind der gewaltige Himmel und die Erde fest, durch ihn die Lichtwelt und die Himmelshöhe gestützt. Er misst den Luftraum im Zwischenraum aus. Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?

Vers 6
Auf ihn blickten die beiden bebenden Welten, durch seine Hilfe gestützt, in ihrem Geist. Über ihm strahlt die aufgegangene Sonne. Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?

Vers 7
Als die großen Wasser das All durchdrangen, den Keim trugen und Agni gebaren, da entstand aus ihnen der eine Lebensgeist der Götter. Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?

Vers 8
Er überschaute in seiner Größe die Wasser, die schöpferische Fähigkeit trugen und das Opfer gebaren. Er allein war der Gott über den Göttern. Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?

Vers 9
Nicht möge uns schädigen, wer die Erde hervorbrachte, wer nach wahrer Ordnung den Himmel erzeugte und wer die glänzenden, großen Wasser hervorbrachte. Welchem Gott wollen wir mit der Opfergabe dienen?

Vers 10
Prajāpati, kein anderer als du hat all diese entstandenen Dinge rings umfasst. Was wir begehren, wenn wir dir opfern, das möge uns zuteilwerden. Mögen wir Herren der Lebensgüter sein.


Die fünf wichtigsten Empfehlungen der Hiranyagarbha Sukta Upanishad für ernsthafte Aspiranten

1. Beginne die Meditation mit der Ursprungsfrage.
Frage still: „Aus welcher Quelle steigen Atem, Kraft und Bewusstsein jetzt auf?“ Suche nicht sofort nach einem Bild. Verweile einige Minuten in wacher Offenheit und schließe mit dem Refrain kasmai devāya haviṣā vidhema.

2. Betrachte Leben und Tod im Licht eines größeren Ganzen.
Vers 2 nennt beide Schatten desselben Ursprungs. Diese Kontemplation soll Trauer nicht überspringen. Sie kann helfen, Vergänglichkeit ehrlich anzunehmen und das gegenwärtige Leben achtsam und mitfühlend zu führen.

3. Ehre den Lebensgrund in allen Wesen.
Er ist Herr des Zwei- und Vierfüßigen. Lass daraus konkrete Ahimsa entstehen: vermeide unnötige Schädigung, behandle Tiere verantwortlich und unterstütze Lebensbedingungen, in denen Menschen und andere Wesen gedeihen können.

4. Verbinde Bhakti mit fortgesetzter Erkenntnis.
Wiederhole einen göttlichen Namen, ohne zu behaupten, dieser Name erschöpfe das Göttliche. Nach der Verehrung kehre zur Frage zurück. So ergänzen sich Hingabe, Viveka und geistige Demut.

5. Verwalte Lebensgüter als anvertraute Gabe.
Prüfe regelmäßig deinen Umgang mit Geld, Nahrung, Wasser, Zeit und Wissen. „Herr der Güter“ zu sein heißt für einen Aspiranten nicht grenzenlose Verfügung, sondern Selbstbeherrschung, Dankbarkeit und großzügiges Teilen durch Seva.

Literatur und Quellen

  • Jamison, Stephanie W.; Brereton, Joel P.: The Rigveda. The Earliest Religious Poetry of India. Band 3. Oxford University Press, New York 2014. Zu Ṛgveda 10.121.
  • Geldner, Karl Friedrich: Der Rig-Veda aus dem Sanskrit ins Deutsche übersetzt. Teil 3. Harvard Oriental Series 35, Cambridge (Mass.) 1951.
  • Macdonell, Arthur Anthony: Vedic Mythology. Straßburg 1897.
  • Gonda, Jan: Prajāpati's Relations with Brahman, Bṛhaspati and Brahmā. Amsterdam 1989.
  • Ṛgveda 10.121 – Saṃhitā, Padapāṭha und Worttrennung
  • Rigveda, Maṇḍala 10 bei GRETIL – IAST-Text

Siehe auch

Weblinks

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