Surya Sukta
Surya Sukta (Sanskrit: सूर्यसूक्तम्, IAST: sūryasūktam, n.) – ein Sonnenhymnus des Rigveda (1.50). Die Sterne weichen, Surya wird sichtbar, und die Seher wenden sich dem höchsten Licht zu. Beim morgendlichen Gebet verbindet sich der Dank für das Tageslicht mit einer ebenso persönlichen Bitte um Schutz und Heil.

Surya, die Sonne, erhebt sich vor den Augen aller Menschen. Sein Licht macht die Welt sichtbar, weckt das Leben und vertreibt die Nacht. Die Hymne führt vom äußeren Sonnenaufgang zur Sehnsucht nach dem höchsten Licht. Sie endet mit persönlichen Bitten um Heilung und Schutz. Für unsere Praxis bei Yoga Vidya ist sie ein Gebet zu jener göttlichen Kraft, die wir auch im Surya Namaskar verehren.
Herkunft und Verwendung
Rigveda, Samhita 1.50.1–13.
Vollständiger Sanskrittext in IAST
oṃ ud u tyaṃ jātavedasaṃ devaṃ vahanti ketavaḥ |
dṛśe viśvāya sūryam || 1 ||
apa tye tāyavo yathā nakṣatrā yanty aktubhiḥ |
sūrāya viśvacakṣase || 2 ||
adṛśram asya ketavo vi raśmayo janāṃ anu |
bhrājanto agnayo yathā || 3 ||
taraṇir viśvadarśato jyotiṣkṛd asi sūrya |
viśvam ā bhāsi rocanam || 4 ||
pratyaṅ devānāṃ viśaḥ pratyaṅṅ ud eṣi mānuṣān |
pratyaṅ viśvaṃ svar dṛśe || 5 ||
yenā pāvaka cakṣasā bhuraṇyantaṃ janāṃ anu |
tvaṃ varuṇa paśyasi || 6 ||
vi dyām eṣi rajas pṛthv ahā mimāno aktubhiḥ |
paśyañ janmāni sūrya || 7 ||
sapta tvā harito rathe vahanti deva sūrya |
śociṣkeśaṃ vicakṣaṇa || 8 ||
ayukta sapta śundhyuvaḥ sūro rathasya naptyaḥ |
tābhir yāti svayuktibhiḥ || 9 ||
ud vayaṃ tamasas pari jyotiṣ paśyanta uttaram |
devaṃ devatrā sūryam aganma jyotir uttamam || 10 ||
udyann adya mitramaha ārohann uttarāṃ divam |
hṛdrogam mama sūrya harimāṇaṃ ca nāśaya || 11 ||
śukeṣu me harimāṇaṃ ropaṇākāsu dadhmasi |
atho hāridraveṣu me harimāṇaṃ ni dadhmasi || 12 ||
ud agād ayam ādityo viśvena sahasā saha |
dviṣantam mahyaṃ randhayan mo ahaṃ dviṣate radham || 13 ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Vollständige deutsche Übersetzung
Om.
1 Seine Strahlen tragen ihn empor, den Deva, der alles Gewordene kennt: Surya, damit die ganze Welt ihn schaue.
2 Wie Diebe weichen die Sterne mit den Nächten vor Surya, dem Auge der Welt.
3 Sichtbar werden seine Lichtzeichen; seine Strahlen breiten sich über die Menschen aus, leuchtend wie flammende Feuer.
4 Du eilst dahin, allen sichtbar, Surya, du Schöpfer des Lichts. Den ganzen Himmelsraum durchstrahlst du.
5 Den Scharen der Devas zugewandt gehst du auf, den Menschen zugewandt, der ganzen Welt zugewandt, damit sie das Licht schaue.
6 Mit deinem reinigenden Auge, o Varuna, schaust du auf die Menschen, die geschäftig ihrem Tun nachgehen.
7 Du durchwanderst Himmel und weiten Luftraum, misst die Tage mit den Nächten und schaust, Surya, auf alles Geborene.
8 Sieben goldhelle Stuten ziehen deinen Wagen, Deva Surya, du Weitsichtiger, dessen Haar aus Flammen besteht.
9 Surya hat die sieben reinen Töchter des Wagens angeschirrt. Mit ihnen fährt er dahin, mit seinem eigenen Gespann.
10 Über das Dunkel hinaus schauen wir das höhere Licht. Wir sind zu Surya gelangt, dem Deva unter den Devas, zum höchsten Licht.
11 Heute gehst du auf, du Freundlichstrahlender, und steigst zum hohen Himmel empor. Surya, vertreibe mein Herzleiden und meine Gelbsucht.
12 Den Papageien und den Ropanakavögeln übergeben wir meine Gelbsucht; auch in die gelben Haridravavögel legen wir meine Gelbsucht hinein.
13 Dieser Aditya ist mit seiner ganzen Kraft aufgegangen. Er unterwirft mir den, der mich hasst. Möge ich dem Hassenden niemals unterliegen.
Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.
Vollständiger Sanskrittext in Devanagari
ॐ उद् उ त्यं जातवेदसं देवं वहन्ति केतवः ।
दृशे विश्वाय सूर्यम् ॥ १ ॥
अप त्ये तायवो यथा नक्षत्रा यन्त्य् अक्तुभिः ।
सूराय विश्वचक्षसे ॥ २ ॥
अदृश्रम् अस्य केतवो वि रश्मयो जनां अनु ।
भ्राजन्तो अग्नयो यथा ॥ ३ ॥
तरणिर् विश्वदर्शतो ज्योतिष्कृद् असि सूर्य ।
विश्वम् आ भासि रोचनम् ॥ ४ ॥
प्रत्यङ् देवानां विशः प्रत्यङ्ङ् उद् एषि मानुषान् ।
प्रत्यङ् विश्वं स्वर् दृशे ॥ ५ ॥
येना पावक चक्षसा भुरण्यन्तं जनां अनु ।
त्वं वरुण पश्यसि ॥ ६ ॥
वि द्याम् एषि रजस् पृथ्व् अहा मिमानो अक्तुभिः ।
पश्यञ् जन्मानि सूर्य ॥ ७ ॥
सप्त त्वा हरितो रथे वहन्ति देव सूर्य ।
शोचिष्केशं विचक्षण ॥ ८ ॥
अयुक्त सप्त शुन्ध्युवः सूरो रथस्य नप्त्यः ।
ताभिर् याति स्वयुक्तिभिः ॥ ९ ॥
उद् वयं तमसस् परि ज्योतिष् पश्यन्त उत्तरम् ।
देवं देवत्रा सूर्यम् अगन्म ज्योतिर् उत्तमम् ॥ १० ॥
उद्यन्न् अद्य मित्रमह आरोहन्न् उत्तरां दिवम् ।
हृद्रोगम् मम सूर्य हरिमाणं च नाशय ॥ ११ ॥
शुकेषु मे हरिमाणं रोपणाकासु दध्मसि ।
अथो हारिद्रवेषु मे हरिमाणं नि दध्मसि ॥ १२ ॥
उद् अगाद् अयम् आदित्यो विश्वेन सहसा सह ।
द्विषन्तम् मह्यं रन्धयन् मो अहं द्विषते रधम् ॥ १३ ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
Vertiefende Erläuterungen

Die Sonne scheint für alle. Wenn wir uns im Surya Namaskar vor ihr verneigen, können wir diese Weite im Herzen spüren. Das Licht, das den Körper wärmt, erinnert uns an das Bewusstsein, durch das wir wahrnehmen. Vers 10 führt unmittelbar in diese Meditation: Über das Dunkel hinaus wenden wir uns dem höchsten Licht zu.
Die Bitte um Heilung gehört ebenso zur Hymne. Der Mensch darf mit seinem kranken Körper und seiner Angst vor das Göttliche treten. Die Übertragung der Gelbsucht auf farbige Vögel ist ein altes rituelles Bild. In unserer Meditation können wir uns vorstellen, wie wir die Last dem Licht übergeben. Und die Bitte um Schutz möge uns die Kraft geben, auch in Bedrängnis am Dharma festzuhalten.
Video zur Vertiefung
Surya - Sonne und Sonnengott - Hinduismus und Astrologie Lexikon
Anregungen für die eigene Praxis

- Rezitiere am Morgen oder an einem anderen ruhigen Zeitpunkt. Nimm das Tageslicht wahr, ohne direkt in die Sonne zu schauen.
- Wähle einen Vers über Licht oder Erkenntnis und lies seine vollständige Bedeutung.
- Verbinde das Mantra mit der Bitte, eine konkrete Angelegenheit klarer zu sehen.
- Prüfe eine anstehende Entscheidung auf Wahrhaftigkeit und Rücksicht; so bekommt das Gebet eine praktische Antwort.
- Lass die Rezitation in Stille übergehen und widme ihre Frucht dem Wohl aller Wesen.
Video zur begleitenden Praxis und Auslegung
Gayatri Mantra - Om Bhur Bhuvah Swah mit Harry
Abschließende Worte
Schon der erste helle Streifen am Himmel kann an den Vers erinnern, der vom Dunkel zum Licht führt.
Siehe auch
Quellen und Literatur
- Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Surya Sukta“.
- Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 35: „Sūrya Sūktam“.
- Rigveda, Samhita 1.50.1–13.
- Sanskrittext zum Nachlesen: GRETIL: Rigveda, Mandala 1.
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