Rudra Dhyana

Aus Yogawiki

Rudra Dhyana (Sanskrit: रुद्रध्यानम्, IAST: rudradhyānam, n.) – eine Meditation auf Rudra vor der Rezitation des Shri Rudram. Shiva erscheint als Lichtsäule, die die Welten durchdringt. Wer die Verse langsam liest, kann zunächst nur bei diesem Bild bleiben, bevor die Anrufung Ganapatis und die Segensbitten des Chamakam erklingen.

Shiva: Die spätere Verehrung verbindet ihn mit dem vedischen Rudra.

Dhyana ist Meditation. Diese Verse lassen das Shiva-Linga als eine Lichtsäule aufleuchten, die alle Welten durchdringt. Danach erscheinen die vielen Gestalten Rudras, und die Rezitation wendet sich an Ganapati. Das anschließende Gebet umfasst Gesundheit, Erkenntnis, Furchtlosigkeit und ein gutes Leben. Es ist auch im Chamakam enthalten und wird hier vollständig mitgesprochen, weil es zu dieser Meditationsfolge gehört.

Herkunft und Verwendung

Meditationsverse aus der überlieferten Vorbereitung des Shri Rudram, nach Vedamantramanjari 1. Ganapati-Mantra: Rigveda 2.23.1. Das Gebet „śaṃ ca me“ ist Taittiriya-Samhita 4.7.3, der dritte Anuvaka des Chamakam.

Die eigentlichen Meditationsverse beschreiben Shiva in einer später ausgestalteten Bildsprache. Dazu treten Rigveda 2.23.1 und ein Abschnitt des Chamakam. Diese Bestandteile werden als gemeinsame Rezitationsfolge überliefert, nicht als eine einzige ursprüngliche vedische Hymne.

Vollständiger Sanskrittext in IAST

āpātāḷanabhaḥ sthalāntabhuvanabrahmāṇḍamāvisphurajjyotiḥ sphāṭikaliṅgamauḷivilasatpūrṇenduvāntāmṛtaiḥ |
astokāplutamekamīśamaniśaṃ rudrānuvākāñjapan dhyāyedīpsitasiddhaye dhruvapadaṃ vipro'bhiṣiñcecchivam ||

brahmāṇḍavyāptadehā bhasitahimarucā bhāsamānā bhujaṅgaiḥ kaṇṭhe kālāḥ kapardākalita śaśikalāścaṇḍakodaṇḍa hastāḥ ||

tryakṣā rudrākṣamālāḥ prakaṭitavibhavāḥ śāmbhavā mūrtibhedā rudrāḥ śrīrudrasūktaprakaṭitavibhavā naḥ prayacchantu saukhyam ||

oṃ gaṇānāṃ tvā gaṇapatiṃ havāmahe kaviṃ kavīnāmupamaśravastamam |
jyeṣṭharājaṃ brahmaṇāṃ brahmaṇaspata ā naḥ śṛṇvannūtibhissīda sādanam ||

mahāgaṇapataye namaḥ ||

oṃ śaṃ ca me mayaśca me priyaṃ ca me'nukāmaśca me kāmaśca me saumanasaśca me bhadraṃ ca me śreyaśca me vasyaśca me yaśaśca me bhagaśca me draviṇaṃ ca me yantā ca me dhartā ca me kṣemaśca me dhṛtiśca me viśvaṃ ca me mahaśca me saṃvicca me jñātraṃ ca me sūśca me prasūśca me sīraṃ ca me layaśca ma ṛtaṃ ca me'mṛtaṃ ca me'yakṣmaṃ ca me'nāmayacca me jīvātuśca me dīrghāyutvaṃ ca me'namitraṃ ca me'bhayaṃ ca me sugaṃ ca me śayanaṃ ca me sūṣā ca me sudinaṃ ca me ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Das Licht und die Gestalten Rudras

Vom tiefsten Patala bis zur Höhe des Himmels durchdringt es die Welten und das Brahmanda: das aufstrahlende Licht in Gestalt eines kristallenen Linga. Der Vollmond, der auf seiner Spitze leuchtet, ergießt Amrita; reichlich wird es davon überströmt.

Über diesen einen Ishvara, die unverrückbare Stätte, meditiere der Weise unablässig, während er die Anuvakas des Rudra rezitiert. Um das Ersehnte zu verwirklichen, vollziehe er den Abhisheka Shivas.

Ihre Leiber durchdringen das Brahmanda. Sie leuchten weiß wie Asche und Schnee, geschmückt mit Schlangen. Ihre Hälse sind dunkel. In ihren geflochtenen Haaren tragen sie die Mondsichel, in ihren Händen gewaltige Bogen.

Dreiäugig, mit Rudraksha-Ketten geschmückt, offenbaren sie ihre Herrlichkeit: die vielfältigen Gestalten Shambhus, die Rudras, deren Größe im Shri Rudra Sukta verkündet wird. Mögen sie uns Wohlergehen schenken.

Ganapati und das Gebet um Segen

Om. Dich, den Herrn der Scharen, rufen wir an, den Seher unter den Sehern, von höchstem Ruhm, den erhabenen König der Gebete. Brahmanaspati, höre uns und nimm mit deiner Hilfe hier Platz. Verehrung dem großen Ganapati.

Om. Heil sei mir geschenkt und Freude, Liebes und die Erfüllung meiner Wünsche, Verlangen und ein frohes Gemüt, Gutes, Besseres, das Beste und guter Ruf, Glück und Reichtum, Führung und Halt, Geborgenheit und Standhaftigkeit, Ganzheit und Größe, Einsicht und Erkenntnis, Zeugung und fruchtbares Hervorbringen, Pflug und Egge, Rita, die göttliche Ordnung, und Unsterblichkeit, Freiheit von Krankheit und Beschwerden, Lebenskraft und langes Leben, Freiheit von Feinden und Furchtlosigkeit, ein guter Weg und ein gutes Lager, ein schöner Morgen und ein guter Tag.

Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.

Vollständiger Sanskrittext in Devanagari

आपाताळनभः स्थलान्तभुवनब्रह्माण्डमाविस्फुरज्ज्योतिः स्फाटिकलिङ्गमौळिविलसत्पूर्णेन्दुवान्तामृतैः ।
अस्तोकाप्लुतमेकमीशमनिशं रुद्रानुवाकाञ्जपन् ध्यायेदीप्सितसिद्धये ध्रुवपदं विप्रोऽभिषिञ्चेच्छिवम् ॥

ब्रह्माण्डव्याप्तदेहा भसितहिमरुचा भासमाना भुजङ्गैः कण्ठे कालाः कपर्दाकलित शशिकलाश्चण्डकोदण्ड हस्ताः ॥

त्र्यक्षा रुद्राक्षमालाः प्रकटितविभवाः शाम्भवा मूर्तिभेदा रुद्राः श्रीरुद्रसूक्तप्रकटितविभवा नः प्रयच्छन्तु सौख्यम् ॥

ॐ गणानां त्वा गणपतिं हवामहे कविं कवीनामुपमश्रवस्तमम् ।
ज्येष्ठराजं ब्रह्मणां ब्रह्मणस्पत आ नः शृण्वन्नूतिभिस्सीद सादनम् ॥

महागणपतये नमः ॥

ॐ शं च मे मयश्च मे प्रियं च मेऽनुकामश्च मे कामश्च मे सौमनसश्च मे भद्रं च मे श्रेयश्च मे वस्यश्च मे यशश्च मे भगश्च मे द्रविणं च मे यन्ता च मे धर्ता च मे क्षेमश्च मे धृतिश्च मे विश्वं च मे महश्च मे संविच्च मे ज्ञात्रं च मे सूश्च मे प्रसूश्च मे सीरं च मे लयश्च म ऋतं च मेऽमृतं च मेऽयक्ष्मं च मेऽनामयच्च मे जीवातुश्च मे दीर्घायुत्वं च मेऽनमित्रं च मेऽभयं च मे सुगं च मे शयनं च मे सूषा च मे सुदिनं च मे ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Vertiefende Erläuterungen

Rigveda-Handschrift: Bildbeispiel vedischer Textüberlieferung; ein Beispiel für die handschriftliche Überlieferung.

Das Licht und die Gestalten Rudras

Du kannst das Linga als Licht im Herzen schauen. Dann lass dieses Licht weit werden, bis es den Körper und den Raum erfüllt. Der Amrita-Strom vom Mond verbindet die strahlende Kraft mit Kühlung und Frieden. Die vielen Rudras sind Gestalten des einen Shambhu. So führt die Meditation durch die Vielfalt zur Einheit. Beim Abhisheka kann das fließende Wasser zum sichtbaren Ausdruck dieses Segens werden.

Ganapati und das Gebet um Segen

Ganapati wird vor dem großen Rezitationstext angerufen. Wir bitten um Sammlung und darum, dass Hindernisse überwunden werden. Die anschließenden Wünsche reichen vom guten Lager bis zur Unsterblichkeit. Im Yoga Vedanta darf das ganze Leben vor Gott gebracht werden. Du kannst die einzelnen Bitten bewusst sprechen und dabei auch Menschen einschließen, denen gerade Kraft, Nahrung oder Schutz fehlen.

Video zur Vertiefung

Rudra - Name Shivas - Sanskrit Wörterbuch

Anregungen für die eigene Praxis

Swami Sivananda mit einer Mala: Rezitation, Sammlung und Hingabe können einander vertiefen.
  1. Richte dich vor der Rezitation auf Shiva aus und lies die Bedeutung des gewählten Abschnitts.
  2. Sprich auch wiederholte Anrufungen vollständig. Ihre Sorgfalt ist Teil dieser Praxis.
  3. Verweile bei einer Bitte um Güte, Schutz oder Befreiung und schließe andere Wesen ein.
  4. Prüfe, wie du deine eigene Kraft heute für Schutz und Hilfe einsetzen kannst.
  5. Sitze nach dem Schlussmantra still. Ein vollständiger Nyasa oder ein Abhisheka folgt der jeweils erlernten Ritualordnung.

Video zur begleitenden Praxis und Auslegung

Die 9 Bhakti Praktiken: Wie man Hingabe entwickelt

Abschließende Worte

Verweile bei dem Licht, durch das die vielen Gestalten Rudras miteinander verbunden sind.

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Rudra Dhyana“.
  • Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 27: „Rudra Dhyānam“.
  • Meditationsverse aus der überlieferten Vorbereitung des Shri Rudram, nach Vedamantramanjari 1. Ganapati-Mantra: Rigveda 2.23.1. Das Gebet „śaṃ ca me“ ist Taittiriya-Samhita 4.7.3, der dritte Anuvaka des Chamakam.

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