Pancha Ganapati
Pancha Ganapati – fünf Tage für Ganesha und ein friedlicheres Familienleben: Pancha Ganapati ist ein häusliches Dezemberfest, das die Verehrung Ganeshas mit konkreter Versöhnung verbindet. An fünf Tagen nimmt die Familie nacheinander ihre Beziehungen zuhause, zu Freunden, im Arbeitsleben, zur Kultur und zum Göttlichen in den Blick. Geschenke gehören dazu, bleiben jedoch bis zum letzten Tag ungeöffnet. Das von Sivaya Subramuniyaswami begründete Fest lädt dazu ein, einander nicht nur etwas zu geben, sondern auch alte Kränkungen zu lösen und hilfreiche Gewohnheiten neu zu beginnen.
Zeit, Tradition und Vorbereitung
Pancha Ganapati wird jährlich vom 21. bis 25. Dezember gefeiert. Es gehört zur modernen Hauspraxis der Himalayan Academy und ihrer shaivischen Tradition. Die Familie gestaltet es gemeinsam zuhause; auch Kinder übernehmen altersgemäße Aufgaben. Die hier ausgeführte Form verwendet die in dieser Tradition ausdrücklich zulässige einfache Puja mit Licht, Blumen, Namenrezitation und Festgaben.
Richte im Wohn- oder Altarraum ein Bild oder eine Figur Ganeshas auf. Eine fünfgesichtige Ganapati-Figur ist passend, aber nicht erforderlich. Bereite Tücher oder Schmuck in Gelb, Blau, Rot, Grün und Orange vor, dazu Blumen, eine Lampe, Räucherwerk, Obst und vegetarische Süßigkeiten. Verwende beim Zubereiten gegebenenfalls Milch (bzw. Pflanzenmilch) und Ghee (bzw. Pflanzenöl). Die pflanzlichen Zutaten sind eine heutige Praxisalternative. Kleine selbstgemachte Geschenke genügen.
Die vollständige einfache Verehrung
Führt diese Folge am Beginn jedes Festtages und zu den unten genannten Zeiten des fünften Tages aus.
1. Vor Ganesha zusammenkommen
Wascht die Hände, ordnet den Platz und entzündet die Lampe. Verneigt euch. Die ausführliche Hauspuja-Lehre Subramuniyaswamis erlaubt ausdrücklich auch eine einfache Verehrung mit Licht und Blume; Sanskritkenntnisse sind dafür keine Zugangsvoraussetzung.
2. Blumen und Festgaben darbringen
Legt eine Blume vor Ganesha. Bringt Räucherduft dar und stellt das vorbereitete Tablett mit Früchten und Süßigkeiten vor ihn. Kinder können das Tablett gemeinsam mit einem Erwachsenen reichen.
3. Seinen Namen anrufen
Sprecht oder singt ruhig:
oṃ śrīgaṇeśāya namaḥ |
Übersetzung: „Om, Verehrung dem heiligen Ganesha.“
Wiederholt die Anrufung für eine kurze, gemeinsam gewählte Zeit. Bodhinatha Veylanswami nennt sie ausdrücklich als geeignete einfache Ganesha-Verehrung. Eine besondere feste Zahl schreibt die Festbeschreibung nicht vor.
4. Danken und teilen
Bleibt einen Augenblick still, verneigt euch und reicht die Speise als Prasad weiter. Die Lampe bleibt nur unter Aufsicht entzündet. Danach beginnt die jeweilige Tagesaufgabe.
Die fünf Festtage
21. Dezember – Gelb: die Familie
Schmückt Ganesha gelb und vollzieht die Verehrung. Setzt euch anschließend zusammen. Jeder darf benennen, was ihn im vergangenen Jahr verletzt hat, und eigenes Fehlverhalten eingestehen. Bittet um Verzeihung, ohne eine sofortige Antwort zu erzwingen. Sprecht danach über gute Eigenschaften der anderen. Legt Geschenke ungeöffnet vor Ganesha.
22. Dezember – Blau: Freunde und Verwandte
Erneuert den Schmuck in Blau und vollzieht die Verehrung. Nehmt Kontakt zu Freunden, Nachbarn oder weiter entfernt lebenden Verwandten auf. Klärt ein Missverständnis, bedankt euch oder bringt eine kleine Gabe. Eingehende Geschenke bleiben ebenfalls bis zum letzten Tag ungeöffnet.
23. Dezember – Rot: Arbeit und öffentliche Beziehungen
Verwendet roten Schmuck. Nach der Verehrung würdigt Menschen, mit denen ihr arbeitet oder von deren Arbeit ihr lebt. Begleicht mögliche Schulden, trefft verlässliche Absprachen und bemüht euch, offene Streitigkeiten fair zu lösen. Kinder können Menschen danken, die ihnen im Alltag helfen.
24. Dezember – Grün: Kunst und Kultur
Schmückt Ganesha grün und vollzieht die Verehrung. Gestaltet danach einen kleinen gemeinsamen Abend mit Musik, Gedichten, Tanz oder einer kurzen selbst gespielten Geschichte. Sprecht darüber, welche Formen von Dharma, Bildung und Kultur ihr im kommenden Jahr zuhause pflegen wollt.
25. Dezember – Orange: die Verbundenheit vertiefen
Schmückt Ganesha orange. Die neuere Festfassung nennt fünf Verehrungszeiten: 6, 9, 12, 15 und 18 Uhr. Wiederholt zu jeder dieser Zeiten die oben vollständig beschriebene Folge. Vor der ersten Verehrung bereitet jedes Familienmitglied eine eigene kleine Gabenschale vor. Danach erzählt, wofür ihr im vergangenen Jahr dankbar seid und wo ihr Hilfe erfahren habt. Wer möchte, fasst einen konkreten Vorsatz, eine schädliche Gewohnheit zu ändern.
Nach der letzten Verehrung sprecht die folgende vollständige Schlussfolge:
oṃ bhūr bhuvaḥ suvaḥ |
ekadantāya vidmahe |
vakratuṇḍāya dhīmahi |
tan no dantiḥ pracodayāt ||
Übersetzung: „Om, Erde, Zwischenraum und Himmelswelt. Wir möchten den Einzahnigen erkennen; wir betrachten den mit dem gebogenen Rüssel. Möge der Stoßzahntragende uns anregen.“
jai gaṇeśa |
jai pañcamukha gaṇapati |
jai gaṇeśa, jai, jai |
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ oṃ |
Bedeutung: „Heil Ganesha! Heil dem fünfgesichtigen Ganapati! Heil Ganesha, Heil, Heil! Om, Frieden, Frieden, Frieden, Om.“ Jai ist der volkssprachliche Jubelruf der Festquelle.
Öffnet nun gemeinsam die Geschenke und teilt die Festmahlzeit. Hebt danach den zeitweiligen Festschmuck auf; Ganeshas Bild kann am gewöhnlichen Hausaltar bleiben. Wählt einen überschaubaren Vorsatz, durch den die fünf Tage im Familienleben weiterwirken.
Devanagari
ॐ श्रीगणेशाय नमः ।
ॐ भूर्भुवः सुवः ।
एकदन्ताय विद्महे ।
वक्रतुण्डाय धीमहि ।
तन्नो दन्तिः प्रचोदयात् ॥
जय गणेश ।
जय पञ्चमुख गणपति ।
जय गणेश, जय, जय ।
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॐ ।
Quellen
- Himalayan Academy: Pancha Ganapati – The Family Festival of Giving, 2020, nach den Lehren Sivaya Subramuniyaswamis; fünf Tagesaufgaben, Farben, fünf Schlusszeiten und Abschlussgebet.
- Sivaya Subramuniyaswami: Loving Ganesha, Kapitel 12: Ganesha Puja; ausdrücklich erlaubte einfache Licht- und Blumenverehrung.
- Bodhinatha Veylanswami: Guru’s Wisdom, A Ten-Minute Spiritual Workout, Abschnitt zur einfachen Verehrung; Ganesha-Namensmantra.
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