Narayana Naivedya mit fünf Prana Mudras

Aus Yogawiki

Narayana Naivedya mit fünf Prana Mudras führt durch eine Vaishnava-Speisedarbringung, bei der die fünf Lebenskräfte mit Mudras geehrt werden. Die Gabe wird zu einer Erinnerung daran, dass Nahrung, Lebenskraft und göttliche Gegenwart zusammengehören.

Das Göttliche in der Nahrung ehren und empfangene Gaben teilen.

Umfang: In sich abgeschlossene Speisedarbringung mit vollständig ausgeschriebenen Formeln, fünf Prana-Mudras und Abschlusswasser.

Anlass, Voraussetzungen und Material

Für mit Puja und Mantra vertraute Menschen. Benötigt werden ein Narayana-Bild, eine kleine vegetarische Speise, Wasser, Blüte, Teller und Auffangschale. Dauer: ungefähr zehn bis fünfzehn Minuten. Diese Darbringung kann eigenständig oder als Speiseteil einer Puja vollzogen werden.

Die Speisedarbringung kann einen entsprechenden Teil der Krishna Puja oder der Großen Yoga Vidya Puja ergänzen. Das Narayana Sukta vertieft die Betrachtung Narayanas. Der hier beschriebene Ablauf ist in sich vollständig ausgeschrieben.

1. Speise und Wasser bereitstellen

Stelle eine kleine Portion frisch zubereiteter vegetarischer Speise auf einen sauberen Teller vor das Narayana-Bild. Bereite eine eigene Tasse frisches Wasser für die symbolischen Trinkgaben und eine Auffangschale vor. Lege eine Blüte bereit. Für die rituellen Wassertropfen genügen sehr kleine Mengen; Speise und Trinkwasser sollen sauber bleiben. Vergegenwärtige Narayana als den, der das Leben trägt.

Bringe vor der Speise drei kleine Wassergaben in die Auffangschale dar. Sprich bei jeder Gabe die zugehörige Formel vollständig:

Gabe Vollständige Formel Bedeutung
Wasser für die Füße oṃ namo nārāyaṇāya | etat pādyaṃ nārāyaṇāya namaḥ | Om. Verehrung Narayana. Dieses Fußwasser gilt Narayana.
Ehrenwasser oṃ namo nārāyaṇāya | idam arghyaṃ nārāyaṇāya namaḥ | Om. Verehrung Narayana. Dieses Ehrenwasser gilt Narayana.
Wasser zum Mundspülen oṃ namo nārāyaṇāya | idam ācamanīyaṃ nārāyaṇāya namaḥ | Om. Verehrung Narayana. Dieses Mundspülwasser gilt Narayana.

2. Die Speise rituell vorbereiten

Besprenge den Rand des Speisetellers mit wenigen Tropfen Wasser und sprich:

phaṭ

Phat: rituelle Abgrenzung.

Führe die rechte Hand als einfache Schutzgeste über den Teller. Sprich nacheinander:

yaṃ
raṃ
vaṃ

Yam, Ram und Vam sind die Bijas von Wind, Feuer und Wasser beziehungsweise Nektar.

Stelle dir bei Yam vor, dass störende Eindrücke verwehen; bei Ram, dass sie im Licht vergehen; bei Vam, dass die Gabe von Nektar durchdrungen wird. Diese Betrachtung ist rituell, keine Veränderung der Lebensmittelhygiene. Sprich danach achtmal:

oṃ namo nārāyaṇāya

Om. Verehrung Narayana.

Zeige die Dhenu-Mudra: Berühre mit der linken Zeigefingerspitze die rechte Mittelfingerspitze und mit der rechten Zeigefingerspitze die linke Mittelfingerspitze. Verbinde außerdem den linken Ringfinger mit dem rechten kleinen Finger und den rechten Ringfinger mit dem linken kleinen Finger. Halte die Daumen voneinander frei und die verbundenen Fingerspitzen nach unten. Halte die Hände kurz über den Teller und sprich vaṃ. Löse die Hände wieder.

3. Die Gabe Narayana überreichen

Lege die Blüte vor Narayana und sprich:

oṃ namo nārāyaṇāya

Om. Verehrung Narayana.

Stelle dir vor, dass Licht vom Angesicht Narayanas zur Gabe gelangt. Gib einen Wassertropfen neben den Speiseteller in die Auffangschale und sprich:

oṃ namo nārāyaṇāya svāhā

Om. Verehrung Narayana. Ihm sei diese Gabe dargebracht.

Sprich anschließend:

oṃ namo nārāyaṇāya | etan naivedyaṃ nārāyaṇāya namaḥ |

Om. Verehrung Narayana. Diese Speisegabe gilt Narayana; Verehrung sei ihm.

Hebe den Teller etwas an und sprich:

oṃ nivedayāmi bhavate juṣāṇedaṃ havir hare |

Om. Ich bringe es dir dar. Nimm diese Opfergabe an, o Hari.

Stelle den Teller wieder ab. Überreiche symbolisch etwas Wasser, indem du es in die Auffangschale gibst, und sprich:

nārāyaṇāya etaj jalam amṛtopastaraṇam asi |

Dieses Wasser ist für Narayana bestimmt. Du, Wasser, bist die Unterlage aus Nektar.

4. Die fünf Prana-Mudras zeigen

Halte die linke Hand geöffnet wie eine Lotusschale; dies ist hier die Grasa-Geste des Empfangens. Bilde mit der rechten Hand nacheinander die fünf angegebenen Mudras und sprich jeweils die ganze Formel.

Prana Handlung der rechten Hand Vollständige Formel Bedeutung
Prana Kleinen Finger und Ringfinger an die Daumenspitze führen. oṃ prāṇāya svāhā Om. Der aufnehmenden Lebenskraft sei diese Gabe dargebracht.
Apana Zeigefinger und Mittelfinger an die Daumenspitze führen. oṃ apānāya svāhā Om. Der abwärts gerichteten Lebenskraft sei diese Gabe dargebracht.
Vyana Mittelfinger und Ringfinger an die Daumenspitze führen. oṃ vyānāya svāhā Om. Der sich im Körper verteilenden Lebenskraft sei diese Gabe dargebracht.
Udana Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger an die Daumenspitze führen. oṃ udānāya svāhā Om. Der aufwärts gerichteten Lebenskraft sei diese Gabe dargebracht.
Samana Alle vier Fingerspitzen an die Daumenspitze führen. oṃ samānāya svāhā Om. Der ausgleichenden Lebenskraft sei diese Gabe dargebracht.

Die Zuordnung von Vyana und Udana folgt bewusst dem Brihat Tantrasara; andere Ritualquellen ordnen diese beiden Handformen anders zu.

5. Die Gabe vollenden

Berühre an beiden Händen jeweils die Ringfingerspitze mit dem Daumen. Halte die Hände zur Speise und sprich:

ṭhrauṃ namaḥ parāya antarātmane aniruddhāya naivedyaṃ kalpayāmi |

Thraum. Verehrung dem Höchsten, dem inneren Selbst, Aniruddha: Ich bereite die Speisegabe.

Gib anschließend vier kleine Wassergaben in die Auffangschale. Sprich vor jeder Gabe vollständig:

oṃ namo nārāyaṇāya | nārāyaṇaṃ tarpayāmi |

Om. Verehrung Narayana. Ich erfreue Narayana durch diese Gabe.

Gib eine weitere kleine Wassergabe und sprich:

nārāyaṇāya etaj jalam amṛtāpidhānam asi |

Dieses Wasser ist für Narayana bestimmt. Du, Wasser, bist die Bedeckung aus Nektar.

Vergegenwärtige, wie das zur Gabe ausgestrahlte Licht in Narayanas Angesicht zurückkehrt. Biete abschließend symbolisch Wasser zum Spülen des Mundes an und sprich:

oṃ namo nārāyaṇāya | idam ācamanīyaṃ nārāyaṇāya namaḥ |

Om. Verehrung Narayana. Dieses Wasser zum Mundspülen gilt Narayana; Verehrung sei ihm.

6. Dank und Prasad

Verweile einen Augenblick in der Vorstellung, dass Narayana die Gabe annimmt. Verneige dich mit zusammengelegten Händen. Die Speise kann nun als Prasad geteilt und achtsam gegessen werden. Wenn die Darbringung Teil einer größeren Puja war, kehre zu deren bereits festgelegtem Abschluss zurück; für sich ist diese Speiseandacht mit dem Dank beendet.

Vertiefung

Yoga-Vidya-Vortrag über die Einheit von Atman und Brahman. Der Beitrag ergänzt die Anleitung; der konkrete Ritualablauf steht oben.

Siehe auch

Seminare

Hinduistische Rituale

20.12.2026 - 20.12.2026 Gita Jayanti

Die Bhagavad Gita hat Geburtstag. Immer Ende November bis Mitte Dezember, abhängig von der Mondphase, wird Gita Jayanti gefeiert. Wir wollen den Geburt…
Vani Devi Beldzik
26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung

Du interessierst dich für indische Rituale? Du hast die einzigartige Gelegenheit, in dieser Rituale Ausbildung bei Yoga Vidya die kleine Puja, große P…
Sukadev Bretz, Shankari Winkelbauer

Bhakti Yoga

10.11.2026 - 10.11.2026 Mantra-Konzert

Aleah Gandarvika & Friends
18:45-19:45 Uhr
Aleah Gandarvika
15.11.2026 - 20.11.2026 HerzKraft - Mantrasingen, Harmoniumspiel und Trommeln lernen

Wir begehen den uralten Pfad des Bhakti-Yoga, den Yoga der Hingabe, und singen gemeinschaftlich herzstärkende Mantren aus eigener Komposition sowie and…
Shankara Stefan Maune, Sven Helbig

Quellen und redaktionelle Hinweise

Brihat Tantrasara von Kṛṣṇānanda Āgamavāgīśa, IAST-Projektfassung, Teil 1, nach dem elektronischen Text M00013 auf Grundlage des Drucks Calcutta 1896. Die angegebenen Versnummern sind abschnittsinterne Nummern. Vishnu-/Ashtakshara-Abschnitt, lokaler Vers 99 und anschließende Prosa: Besprechung der Speise, fünf Prana-Mudras, Aniruddha-Formel, vier Tarpana-Gaben und abschließendes Wasser. Die im Text verwendeten Stellvertreter amukadevatā sind durch Narayana ersetzt; jede Formel steht vollständig. Die Druckformen „apānāyā“ und „svāha“ sind zu apānāya und svāhā normalisiert. Die ungewöhnliche Bija-Lesung ṭhrauṃ wird beibehalten. Statt der im Quellablauf zusätzlich genannten Chakra-Mudra wird eine einfache Schutzgeste ausdrücklich als praktische Vereinfachung beschrieben. Die vorangehende vollständige äußere Vishnu-Puja mit Gefolge gehört nicht zu diesem Speiseritual. Die Handzuordnungen folgen dieser Quelle; sie sind nicht mit Mantramahodadhi 22.132–134 vereinheitlicht.