Mantrapushpa
Mantrapushpam (Sanskrit: मन्त्रपुष्पम्, IAST: mantrapuṣpam, n.) – „Mantrablüte“: eine yajurvedische Rezitation, die bei der Darbringung von Blumen erklingt. Wasser, Feuer, Wind und Mond werden als Stätten füreinander besungen. Die wiederkehrende Frage nach dem, was trägt und selbst getragen wird, gibt der Meditation ihren Rhythmus.
Mantrapushpam wird bei der Darbringung von Blumen rezitiert. Sein Kern betrachtet die Wasser und ihre Verbindung mit Feuer, Wind, Sonne, Mond, Sternen, Regen und dem Jahr. Wer diese Zusammenhänge erkennt, findet Halt. Die Wiederholungen tragen die Meditation und gehören zum Gebet. Der abschließende Ruf an Kubera ist bei Yoga Vidya als „Rajadhi Rajaya Arati“ vertraut. So verbinden sich kosmische Betrachtung und persönliche Hingabe.
Herkunft und Verwendung
Krishna-Yajurveda, Taittiriya-Aranyaka 1.22; abschließendes Kubera-Mantra: 1.31.6. Einleitendes Friedensgebet: Rigveda 1.89.8 und 1.89.6. Rezitationsfolge nach Vedamantramanjari 1.
Die wiederkehrenden Aussagen über die Stätten der Wasser werden vollständig gesprochen. Das Friedensgebet und die Kubera-Anrufung bilden den liturgischen Rahmen. Ihre Herkunft ist von der zentralen Betrachtung in Taittiriya-Aranyaka 1.22 zu unterscheiden.
Vollständiger Sanskrittext in IAST
oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ |
bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvāṃsastanūbhiḥ |
vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ |
svasti na indro vṛddhaśravāḥ |
svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ |
svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ |
svasti no bṛhaspatirdadhātu ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ |
oṃ yo'pāṃ puṣpaṃ veda |
puṣpavān prajāvān paśumān bhavati |
candramā vā apāṃ puṣpam |
puṣpavān prajāvān paśumān bhavati |
ya evaṃ veda |
yo'pāmāyatanaṃ veda |
āyatanavān bhavati |
agnirvā apāmāyatanam |
āyatanavān bhavati |
yo'gnerāyatanaṃ veda ||
āyatanavān bhavati |
āpo vā agnerāyatanam |
āyatanavān bhavati |
ya evaṃ veda |
yo'pāmāyatanaṃ veda |
āyatanavān bhavati |
vāyurvā apāmāyatanam |
āyatanavān bhavati |
yo vāyorāyatanaṃ veda |
āyatanavān bhavati ||
āpo vai vāyorāyatanam |
āyatanavān bhavati |
ya evaṃ veda |
yo'pāmāyatanaṃ veda |
āyatanavān bhavati |
asau vai tapannapāmāyatanam |
āyatanavān bhavati |
yo'muṣya tapata āyatanaṃ veda |
āyatanavān bhavati |
āpo vā amuṣya tapata āyatanam ||
āyatanavān bhavati |
ya evaṃ veda |
yo'pāmāyatanaṃ veda |
āyatanavān bhavati |
candramā vā apāmāyatanam |
āyatanavān bhavati |
yaścandramasa āyatanaṃ veda |
āyatanavān bhavati |
āpo vai candramasa āyatanam |
āyatanavān bhavati ||
ya evaṃ veda |
yo'pāmāyatanaṃ veda |
āyatanavān bhavati |
nakṣatrāṇi vā apāmāyatanam |
āyatanavān bhavati |
yo nakṣatrāṇāmāyatanaṃ veda |
āyatanavān bhavati |
āpo vai nakṣatrāṇāmāyatanam |
āyatanavān bhavati |
ya evaṃ veda ||
yo'pāmāyatanaṃ veda |
āyatanavān bhavati |
parjanyo vā apāmāyatanam |
āyatanavān bhavati |
yaḥ parjanyasyāyatanaṃ veda |
āyatanavān bhavati |
āpo vai parjanyasyā'yatanam |
āyatanavān bhavati |
ya evaṃ veda |
yo'pāmāyatanaṃ veda ||
āyatanavān bhavati |
saṃvatsaro vā apāmāyatanam |
āyatanavān bhavati |
yassaṃvatsarasyāyatanaṃ veda |
āyatanavān bhavati |
āpo vai saṃvatsarasyāyatanam |
āyatanavān bhavati |
ya evaṃ veda |
yo'psu nāvaṃ pratiṣṭhitāṃ veda |
pratyeva tiṣṭhati ||
oṃ rājādhirājāya prasahyasāhine |
namo vayaṃ vaiśravaṇāya kurmahe |
sa me kāmānkāmakāmāya mahyam |
kāmeśvaro vaiśravaṇo dadātu |
kuberāya vaiśravaṇāya |
mahārājāya namaḥ ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Vollständige deutsche Übersetzung
Das Friedensgebet
Om. Devas, mögen wir mit unseren Ohren Gutes hören. Ihr Verehrungswürdigen, mögen wir mit unseren Augen Gutes sehen. Mit starken Gliedern und gesunden Körpern euch preisend, mögen wir die Lebenszeit erfüllen, die uns die Devas zugemessen haben. Indra, dessen Ruhm gewachsen ist, schenke uns Heil. Pushan, der alles weiß, schenke uns Heil. Tarkshya, dessen Radkranz unversehrt ist, schenke uns Heil. Brihaspati schenke uns Heil. Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.
Die Wasser und ihre Stätten
Om. Wer die Blüte der Wasser kennt, wird reich an Blüten, Nachkommen und Tieren. Chandra, der Mond, ist wahrlich die Blüte der Wasser. Er wird reich an Blüten, Nachkommen und Tieren. So ist es für den, der dies weiß.
Wer die Stätte kennt, in der die Wasser ruhen, gewinnt festen Halt. Agni ist wahrlich die Stätte der Wasser. Er gewinnt festen Halt. Wer die Stätte Agnis kennt, gewinnt festen Halt. Die Wasser sind wahrlich die Stätte Agnis. Er gewinnt festen Halt. So ist es für den, der dies weiß.
Wer die Stätte kennt, in der die Wasser ruhen, gewinnt festen Halt. Vayu ist wahrlich die Stätte der Wasser. Er gewinnt festen Halt. Wer die Stätte Vayus kennt, gewinnt festen Halt. Die Wasser sind wahrlich die Stätte Vayus. Er gewinnt festen Halt. So ist es für den, der dies weiß.
Wer die Stätte kennt, in der die Wasser ruhen, gewinnt festen Halt. Jener dort, der Wärme spendet, Surya, ist wahrlich die Stätte der Wasser. Er gewinnt festen Halt. Wer die Stätte jenes Wärmespendenden kennt, gewinnt festen Halt. Die Wasser sind wahrlich die Stätte jenes Wärmespendenden. Er gewinnt festen Halt. So ist es für den, der dies weiß.
Wer die Stätte kennt, in der die Wasser ruhen, gewinnt festen Halt. Chandra ist wahrlich die Stätte der Wasser. Er gewinnt festen Halt. Wer die Stätte Chandras kennt, gewinnt festen Halt. Die Wasser sind wahrlich die Stätte Chandras. Er gewinnt festen Halt. So ist es für den, der dies weiß.
Wer die Stätte kennt, in der die Wasser ruhen, gewinnt festen Halt. Die Nakshatras, die Sterne, sind wahrlich die Stätte der Wasser. Er gewinnt festen Halt. Wer die Stätte der Nakshatras kennt, gewinnt festen Halt. Die Wasser sind wahrlich die Stätte der Nakshatras. Er gewinnt festen Halt. So ist es für den, der dies weiß.
Wer die Stätte kennt, in der die Wasser ruhen, gewinnt festen Halt. Parjanya, der Regengott, ist wahrlich die Stätte der Wasser. Er gewinnt festen Halt. Wer die Stätte Parjanyas kennt, gewinnt festen Halt. Die Wasser sind wahrlich die Stätte Parjanyas. Er gewinnt festen Halt. So ist es für den, der dies weiß.
Wer die Stätte kennt, in der die Wasser ruhen, gewinnt festen Halt. Das Jahr ist wahrlich die Stätte der Wasser. Er gewinnt festen Halt. Wer die Stätte des Jahres kennt, gewinnt festen Halt. Die Wasser sind wahrlich die Stätte des Jahres. Er gewinnt festen Halt. So ist es für den, der dies weiß. Wer das Boot kennt, das in den Wassern fest gegründet ist, der steht selbst auf festem Grund.
Verehrung Kuberas
Om. Dem König der Könige, dem machtvoll Überwindenden, Vaishravana, bringen wir unsere Verehrung dar. Er, Vaishravana, der Herr der Wünsche, gewähre mir, dem nach Erfüllung Verlangenden, meine Wünsche. Kubera, Vaishravana, dem großen König, sei Verehrung. Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.
Vollständiger Sanskrittext in Devanagari
ॐ भद्रं कर्णेभिः शृणुयाम देवाः ।
भद्रं पश्येमाक्षभिर्यजत्राः ।
स्थिरैरङ्गैस्तुष्टुवांसस्तनूभिः ।
व्यशेम देवहितं यदायुः ।
स्वस्ति न इन्द्रो वृद्धश्रवाः ।
स्वस्ति नः पूषा विश्ववेदाः ।
स्वस्ति नस्तार्क्ष्यो अरिष्टनेमिः ।
स्वस्ति नो बृहस्पतिर्दधातु ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ।
ॐ योऽपां पुष्पं वेद ।
पुष्पवान् प्रजावान् पशुमान् भवति ।
चन्द्रमा वा अपां पुष्पम् ।
पुष्पवान् प्रजावान् पशुमान् भवति ।
य एवं वेद ।
योऽपामायतनं वेद ।
आयतनवान् भवति ।
अग्निर्वा अपामायतनम् ।
आयतनवान् भवति ।
योऽग्नेरायतनं वेद ॥
आयतनवान् भवति ।
आपो वा अग्नेरायतनम् ।
आयतनवान् भवति ।
य एवं वेद ।
योऽपामायतनं वेद ।
आयतनवान् भवति ।
वायुर्वा अपामायतनम् ।
आयतनवान् भवति ।
यो वायोरायतनं वेद ।
आयतनवान् भवति ॥
आपो वै वायोरायतनम् ।
आयतनवान् भवति ।
य एवं वेद ।
योऽपामायतनं वेद ।
आयतनवान् भवति ।
असौ वै तपन्नपामायतनम् ।
आयतनवान् भवति ।
योऽमुष्य तपत आयतनं वेद ।
आयतनवान् भवति ।
आपो वा अमुष्य तपत आयतनम् ॥
आयतनवान् भवति ।
य एवं वेद ।
योऽपामायतनं वेद ।
आयतनवान् भवति ।
चन्द्रमा वा अपामायतनम् ।
आयतनवान् भवति ।
यश्चन्द्रमस आयतनं वेद ।
आयतनवान् भवति ।
आपो वै चन्द्रमस आयतनम् ।
आयतनवान् भवति ॥
य एवं वेद ।
योऽपामायतनं वेद ।
आयतनवान् भवति ।
नक्षत्राणि वा अपामायतनम् ।
आयतनवान् भवति ।
यो नक्षत्राणामायतनं वेद ।
आयतनवान् भवति ।
आपो वै नक्षत्राणामायतनम् ।
आयतनवान् भवति ।
य एवं वेद ॥
योऽपामायतनं वेद ।
आयतनवान् भवति ।
पर्जन्यो वा अपामायतनम् ।
आयतनवान् भवति ।
यः पर्जन्यस्यायतनं वेद ।
आयतनवान् भवति ।
आपो वै पर्जन्यस्याऽयतनम् ।
आयतनवान् भवति ।
य एवं वेद ।
योऽपामायतनं वेद ॥
आयतनवान् भवति ।
संवत्सरो वा अपामायतनम् ।
आयतनवान् भवति ।
यस्संवत्सरस्यायतनं वेद ।
आयतनवान् भवति ।
आपो वै संवत्सरस्यायतनम् ।
आयतनवान् भवति ।
य एवं वेद ।
योऽप्सु नावं प्रतिष्ठितां वेद ।
प्रत्येव तिष्ठति ॥
ॐ राजाधिराजाय प्रसह्यसाहिने ।
नमो वयं वैश्रवणाय कुर्महे ।
स मे कामान्कामकामाय मह्यम् ।
कामेश्वरो वैश्रवणो ददातु ।
कुबेराय वैश्रवणाय ।
महाराजाय नमः ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
Vertiefende Erläuterungen

Das Friedensgebet
Wir beginnen mit einer Bitte für unsere Wahrnehmung. Was wir hören und sehen, prägt den Geist. Mögen wir offen sein für das Gute und die geschenkte Lebenszeit sinnvoll gebrauchen. Mit diesem Wunsch wird die Rezitation selbst zur Sadhana.
Die Wasser und ihre Stätten
Die Wasser ruhen im Feuer, und das Feuer ruht in den Wassern. Solche Sätze laden zum Verweilen ein. Der Text schaut auf ein gegenseitiges Getragensein. Jede Kraft hat ihre Stätte in einer anderen; der Blick wandert weiter, bis er Sonne, Sterne und Zeit umfasst.
Beim Rezitieren kann sich unser Gefühl der Abgeschlossenheit lösen. Wir atmen aus derselben Luft, leben von denselben Wassern und gehören zu derselben Welt. Yoga Vedanta lässt uns darin die Einheit des Seins erahnen. Das Boot am Schluss bewahrt dabei ein menschliches Bild: In der weiten Bewegung des Lebens suchen wir Halt. Die Erkenntnis unserer Verbundenheit kann uns diesen Halt geben.
Verehrung Kuberas
Vor Kubera dürfen wir auch unsere Wünsche aussprechen. Nahrung, ein sicheres Zuhause und Mittel zum Helfen sind kostbare Gaben. In der Hingabe prüfen wir zugleich, wozu wir sie gebrauchen wollen. Möge das Empfangene dem Dharma dienen. Möge aus Wohlstand Großzügigkeit wachsen. Mit dieser Haltung können wir das bekannte Arati-Mantra von Herzen rezitieren.
Video zur Vertiefung
Homa - Feuerritual - Sanskrit Lexikon
Anregungen für die eigene Praxis

- Nimm ein Gefäß mit sauberem Wasser bewusst wahr und erinnere dich an seine Bedeutung für das Leben.
- Lies eine Anrufung der Wasser langsam und sprich sie danach mit Dankbarkeit.
- Verbinde eine Bitte um Reinigung mit einem ehrlichen Blick auf deine Worte und Handlungen.
- Schone heute Wasser oder kümmere dich um einen gemeinsamen Lebensraum. Das ist eine heutige praktische Anwendung.
- Beende die Rezitation mit einem Friedenswunsch und einer kurzen stillen Betrachtung des gegenseitigen Getragenseins.
Video zur begleitenden Praxis und Auslegung
Die 9 Bhakti Praktiken: Wie man Hingabe entwickelt
Abschließende Worte
Achte einmal auf das Wasser in einer Blume. Die Gabe in deiner Hand erzählt schon etwas von dem Zusammenhang, den das Gebet besingt.
Siehe auch
Quellen und Literatur
- Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Mantrapushpam“.
- Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 43: „Mantrapuṣpam“.
- Krishna-Yajurveda, Taittiriya-Aranyaka 1.22; abschließendes Kubera-Mantra: 1.31.6. Einleitendes Friedensgebet: Rigveda 1.89.8 und 1.89.6. Rezitationsfolge nach Vedamantramanjari 1.
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