Lingashtaka Sannidhi Pathana
Lingashtaka Sannidhi Pathana – vor dem Lingam mit acht Strophen Verehrung darbringen ist eine eigenständige Leseandacht in Shivas Gegenwart. Acht Strophen betrachten das Lingam als Zeichen göttlicher Gegenwart, und jede endet mit einer Verneigung in Worten. Die Schlussstrophe nennt ausdrücklich das Lesen in Shivas Nähe als Anwendung. Diese Andacht eignet sich für Menschen, die an einem bestehenden Shiva-Heiligtum oder vor dem eigenen Lingam gesammelt beten möchten.
Die Anleitung folgt dem traditionellen Lingashtaka. Sie führt seine Leseanwendung vollständig aus. Die im Lied beschriebenen Salbungen, Girlanden und Schmuckstücke sind Bilder der Verehrung; sie werden vom Anwendungssatz nicht sämtlich als neu zu beschaffende materielle Gaben gefordert. Deshalb ist die Andacht auch ohne aufwendige Ausstattung vollziehbar.
Vorbereitung
Wähle einen zugänglichen Verehrungsplatz vor einem Shiva Lingam. Im Tempel halte dich an den für Besuchende vorgesehenen Platz und an die Ordnung der Gemeinschaft. Zu Hause stelle sicher, dass der Platz sauber und ruhig ist. Die Quelle nennt weder einen bestimmten Wochentag noch eine Uhrzeit oder ein Fasten.
Du brauchst den vollständigen Text. Eine zusätzliche Wassergabe, Abhisheka, Bilvarchana oder ein Feueropfer ist für diese Leseanwendung nicht vorgeschrieben. Wenn du sonst eine regelmäßige Haus-Puja vollziehst, kann die Andacht daran anschließen; ihre hier beschriebene selbstständige Form benötigt diese Erweiterung nicht.
Vollständiger Ablauf
1. In Shivas Gegenwart ankommen
Stelle oder setze dich so vor das Lingam, dass du ruhig lesen kannst. Vergegenwärtige Sadashiva, die beständige göttliche Gegenwart. Eine kurze Kopfverneigung ist eine passende praktische Einleitung; eine bestimmte Verneigungstechnik wird im Lied nicht festgelegt.
2. Die acht Strophen aufmerksam lesen
Sprich jede Strophe vollständig, einschließlich ihrer wiederkehrenden Schlusszeile. Lass die beschriebene Gestalt innerlich gegenwärtig werden. Du musst die einzelnen Bilder nicht durch acht zusätzliche materielle Handlungen darstellen. Der Refrain selbst spricht die Verneigung aus.
IAST
brahmamurārisurārcitaliṅgam nirmalabhāsitaśobhitaliṅgam |
janmajaduḥkhavināśakaliṅgam tat praṇamāmi sadāśivaliṅgam || 1||
Devanagari
ब्रह्ममुरारिसुरार्चितलिङ्गम् निर्मलभासितशोभितलिङ्गम् ।
जन्मजदुःखविनाशकलिङ्गम् तत् प्रणमामि सदाशिवलिङ्गम् ॥ १॥
Bedeutung
Vor dem von Brahma, Murari und den Göttern verehrten Lingam, das in reinem Glanz erstrahlt,
vor dem Lingam, das aus Geburt erwachsendes Leid auflöst, vor diesem Sadashiva-Lingam verneige ich mich.
IAST
devamunipravarārcitaliṅgam kāmadaham karuṇākara liṅgam |
rāvaṇadarpavināśanaliṅgam tat praṇamāmi sadāśiva liṅgam || 2||
Devanagari
देवमुनिप्रवरार्चितलिङ्गम् कामदहम् करुणाकर लिङ्गम् ।
रावणदर्पविनाशनलिङ्गम् तत् प्रणमामि सदाशिव लिङ्गम् ॥ २॥
Bedeutung
Vor dem von den vorzüglichsten Göttern und Weisen verehrten Lingam, das Begehren verbrennt und Mitgefühl schenkt,
vor dem Lingam, das Ravanas Hochmut bricht, vor diesem Sadashiva-Lingam verneige ich mich.
IAST
sarvasugandhisulepitaliṅgam buddhivivardhanakāraṇaliṅgam |
siddhasurāsuravanditaliṅgam tat praṇamāmi sadāśiva liṅgam || 3||
Devanagari
सर्वसुगन्धिसुलेपितलिङ्गम् बुद्धिविवर्धनकारणलिङ्गम् ।
सिद्धसुरासुरवन्दितलिङ्गम् तत् प्रणमामि सदाशिव लिङ्गम् ॥ ३॥
Bedeutung
Vor dem mit allen Wohlgerüchen gesalbten Lingam, das Einsicht wachsen lässt,
vor dem von Siddhas, Göttern und Asuras verehrten Lingam, vor diesem Sadashiva-Lingam verneige ich mich.
IAST
kanakamahāmaṇibhūṣitaliṅgam phaṇipativeṣṭita śobhita liṅgam |
dakṣasuyajñavināśana liṅgam tat praṇamāmi sadāśiva liṅgam || 4||
Devanagari
कनकमहामणिभूषितलिङ्गम् फणिपतिवेष्टित शोभित लिङ्गम् ।
दक्षसुयज्ञविनाशन लिङ्गम् तत् प्रणमामि सदाशिव लिङ्गम् ॥ ४॥
Bedeutung
Vor dem mit Gold und kostbaren Edelsteinen geschmückten Lingam, das vom Schlangenkönig umwunden erstrahlt,
vor dem Lingam, das Dakshas großes Opfer auflöste, vor diesem Sadashiva-Lingam verneige ich mich.
IAST
kuṅkumacandanalepitaliṅgam paṅkajahārasuśobhitaliṅgam |
sañcitapāpavināśanaliṅgam tat praṇamāmi sadāśiva liṅgam || 5||
Devanagari
कुङ्कुमचन्दनलेपितलिङ्गम् पङ्कजहारसुशोभितलिङ्गम् ।
सञ्चितपापविनाशनलिङ्गम् तत् प्रणमामि सदाशिव लिङ्गम् ॥ ५॥
Bedeutung
Vor dem mit Kumkum und Sandel gesalbten Lingam, das mit Lotusgirlanden geschmückt ist,
vor dem Lingam, das angesammelte Verfehlung auflöst, vor diesem Sadashiva-Lingam verneige ich mich.
IAST
devagaṇārcita sevitaliṅgam bhāvairbhaktibhireva ca liṅgam |
dinakarakoṭiprabhākaraliṅgam tat praṇamāmi sadāśiva liṅgam || 6||
Devanagari
देवगणार्चित सेवितलिङ्गम् भावैर्भक्तिभिरेव च लिङ्गम् ।
दिनकरकोटिप्रभाकरलिङ्गम् तत् प्रणमामि सदाशिव लिङ्गम् ॥ ६॥
Bedeutung
Vor dem von den Götterscharen verehrten und umsorgten Lingam, dem man mit innerer Zuwendung und Hingabe dient,
vor dem Lingam, das den Glanz von Millionen Sonnen ausstrahlt, vor diesem Sadashiva-Lingam verneige ich mich.
IAST
aṣṭadalopariveṣṭitaliṅgam sarvasamudbhavakāraṇaliṅgam |
aṣṭadaridravināśanaliṅgam tat praṇamāmi sadāśiva liṅgam || 7||
Devanagari
अष्टदलोपरिवेष्टितलिङ्गम् सर्वसमुद्भवकारणलिङ्गम् ।
अष्टदरिद्रविनाशनलिङ्गम् तत् प्रणमामि सदाशिव लिङ्गम् ॥ ७॥
Bedeutung
Vor dem von acht Blütenblättern umgebenen Lingam, dem Ursprung allen Entstehens,
vor dem Lingam, das achtfache Armut auflöst, vor diesem Sadashiva-Lingam verneige ich mich.
IAST
suragurusuravarapūjita liṅgam suravanapuṣpa sadārcita liṅgam |
parātparaṃ paramātmaka liṅgam tat praṇamāmi sadāśiva liṅgam || 8||
Devanagari
सुरगुरुसुरवरपूजित लिङ्गम् सुरवनपुष्प सदार्चित लिङ्गम् ।
परात्परं परमात्मक लिङ्गम् तत् प्रणमामि सदाशिव लिङ्गम् ॥ ८॥
Bedeutung
Vor dem vom Lehrer der Götter und den höchsten Göttern verehrten Lingam, das stets mit Blüten himmlischer Haine verehrt wird,
vor dem höchsten, das höchste Selbst verkörpernden Lingam, vor diesem Sadashiva-Lingam verneige ich mich.
IAST
liṅgāṣṭakamidaṃ puṇyaṃ yaḥ paṭhet śivasannidhau |
śivalokamavāpnoti śivena saha modate ||
oṃ tat sat ||
Devanagari
लिङ्गाष्टकमिदं पुण्यं यः पठेत् शिवसन्निधौ ।
शिवलोकमवाप्नोति शिवेन सह मोदते ॥
ॐ तत् सत् ॥
Bedeutung
Wer dieses heilige achtstrophige Loblied in Shivas Gegenwart liest,
erlangt nach der Verheißung des Liedes Shivas Welt und erfreut sich der Gemeinschaft mit Shiva.
Om. Das ist die Wahrheit.
3. Die innere Verneigung vollenden
Verweile nach Om Tat Sat kurz still. Du kannst den Kopf noch einmal neigen und die eigene Hingabe bewusst werden lassen. Diese kurze Stille und abschließende körperliche Verneigung sind praktische Ausgestaltung, keine zusätzlich überlieferten Pflichtverse.
4. Den Platz respektvoll verlassen
Stehe ruhig auf und mache den Platz gegebenenfalls für andere frei. Der Anwendungssatz nennt eine vollständige Lesung, jedoch keine vorgeschriebene Zahl täglicher Wiederholungen. Für diese Anleitung genügt eine zusammenhängende Rezitation. Ein besonderer Abschluss mit Geldgabe oder Fastenbrechen wird nicht verlangt.
Die Bilder des Liedes verstehen
Murari bezeichnet Vishnu als Überwinder Muras; Ravana und Daksha erinnern an Erzählungen, in denen Hochmut und fehlende Ehrfurcht überwunden werden. Die Siddhas, Devas und Asuras stehen gemeinsam vor der göttlichen Gegenwart. Gold, Blüten und Düfte sind zugleich Bilder des Kostbaren, das der Mensch darbringen kann.
Die achte Strophe führt über sichtbare Gestalt hinaus zum höchsten Selbst. So kann der Gang durch die Bilder von äußerer Verehrung zu innerer Sammlung führen.
Quellen
- Lingashtaka, acht Lobstrophen, Anwendungsstrophe und Om Tat Sat. Die Hauptlesarten nirmalabhasita und ashtadaridravinashana werden beibehalten; alternative Lesarten der Edition werden nicht in den Rezitationstext gemischt. Deutsche Übersetzung neu erstellt.