Kriyakramadyotika Rituale Teil 3
Kriyakramadyotika Rituale Teil 3 erklärt konkrete Handlungen für Japa, Guru-Verehrung, Speisegaben und die Darbringung von Damanaka und Pavitra. Jede Handlung wird mit ihren Rezitationen und deren deutscher Übersetzung dargestellt. Der gemeinsame Grundgedanke ist Hingabe: Die eigene Übung, die Gaben der Natur und das Wirken eines ganzen Jahres werden Shiva anvertraut.
Unterschiedliche Verwendung: Japa-Widmung, Guru-Gruß und kleine Gaben sind überschaubare Abschnitte. Das Pavitra-Anlegen gehört dagegen in einen bereits vorbereiteten, sachkundig geleiteten Jahresritus. Bei Damanaka werden die erhaltenen Kernhandlungen erklärt und von einer gekürzten Andachtsform unterschieden. Keiner dieser Abschnitte behauptet, sämtliche Vor- und Nachriten eines Tempelfestes abzubilden.
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1. Shiva-Japa mit Darbringung von Wiederholung, Handeln und eigenem Selbst
Zweck: Vertiefung der Sammlung und Hingabe der Früchte der Praxis. Die drei abschließenden Gebete gehören zu drei verschiedenen Gaben: zuerst Jap, dann Karma, schließlich das eigene Selbst.
Wer: Für Praktizierende, die in das verwendete Shiva-Mantra unterwiesen sind. 1.51 gehört zur eingeweihten Shaiva-Puja; besonders das zweite Gebet spricht aus dieser Einweihungssituation. Eine Anwendung als Gebet nach einer anderen persönlichen Praxis wäre eine Übertragung, keine wortgetreue Vollziehung der ursprünglichen Liturgie.
Bereitlegen: Mala, eine Blüte, Arghya-Wasser, ein Löffel und eine Auffangschale. Die Puja ist bis zu ihrer Japa-Phase vollzogen; in der kurzen Puja ist dies Schritt 13.
Quelle: 1.51 und Prabhā, Druckseiten 303–311. Der folgende Ablauf erläutert das Mula-Japa und seine Hingabe. Die im Vollritus zusätzlich anschließenden Brahma- und Anga-Japas sind nicht Bestandteil dieses einzelnen Moduls.
Schritt 1: Blüte und Mala nehmen
Tun: Lege mit der rechten Hand eine Blüte in die linke. Verehre die Mala mit dem Herzmantra und nimm sie in die rechte Hand.
Sprechen: oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ
Bedeutung: „Om. Verehrung dem Herzen.“
Der Kommentar nennt für das Zählen Ringfinger und Daumen. Lass die Perlen über den Ringfinger laufen und ziehe sie mit dem Daumen weiter. Überschreite die Hauptperle, den Meru, nicht; wende gegebenenfalls die Mala. Der Text kennt auch kleinere Malas: Entscheidend ist hier die Gesamtzahl der Wiederholungen, nicht eine bestimmte heutige Mala-Ausführung.
Schritt 2: 108 vollständige Wiederholungen
Tun: Wiederhole das Mula-Mantra 108-mal, gesammelt und in gleichmäßigem Tempo, weder hastig noch gedehnt. Der Kommentar nennt geistige, leise und hörbare Wiederholung als Möglichkeiten.
Sprechen: oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ
Übersetzung: „Om. Verehrung Shiva.“ Hāṃ und hauṃ bleiben unübersetzte Bija-Silben.
Zur ausgeschriebenen Form: 1.51 sagt mūlamantra. Die hier verwendete Namensform mit Herzbija und Prasada ist im Prabhā-Kommentar derselben Datei ausdrücklich belegt. Wer durch seine Unterweisung eine bestimmte Uccara-Form des Prasada erhalten hat, behält deren Vollzug bei; die ausgeschriebene Namensform erklärt nicht alle inneren Uccara-Stufen.
Schritt 3: Das Japa in der Blüte sammeln und umhüllen
Tun: Vergegenwärtige die vollzogene Wiederholung in der Blüte der linken Hand. Halte die rechte Hand darüber und setze innerlich von unten nach oben die Folge Astra – Kavacha – Hridaya, dann die umgekehrte Folge Hridaya – Kavacha – Astra. Das ist die im Kommentar erläuterte Samputikarana, das Einfassen. Sprich:
oṃ haḥ astrāya namaḥ – „Verehrung der Mantrawaffe.“
oṃ haiṃ kavacāya namaḥ – „Verehrung dem Schutzpanzer.“
oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ – „Verehrung dem Herzen.“
oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ – „Verehrung dem Herzen.“
oṃ haiṃ kavacāya namaḥ – „Verehrung dem Schutzpanzer.“
oṃ haḥ astrāya namaḥ – „Verehrung der Mantrawaffe.“
Tun: Zeige anschließend eine kleine Schnippbewegung mit oṃ haḥ astrāya phaṭ – dem Schutzmantra – und eine umhüllende Kreisbewegung des rechten Zeigefingers mit oṃ haiṃ kavacāya namaḥ. Nimm dann die Blüte in die rechte Hand und gib etwas Arghya-Wasser dazu.
Schritt 4: Japa darbringen
Tun: Knie vor dem Altar nieder. Der Kommentar nennt das rechte Knie am Boden. Wenn du nicht knien kannst, vollziehe die Gabe sitzend mit einer Verneigung; das ist eine praktische Anpassung, keine zusätzliche Quellenvorschrift.
Zeige die im Kommentar beschriebene Udbhava-Geste: kleiner Finger eingezogen, Zeigefinger ausgestreckt, die übrigen Finger leicht gebeugt. Halte die Geste so, dass Blüte und Wasser sicher liegen. Stelle dir Shivas gewährende Hand vor und gib Blüte und Wasser am Ende des Gebets in die Schale am Linga.
Sprechen:
oṃ hāṃ guhyātiguhya goptā tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhir bhavatu me yena tvatprasādāt tvayi sthite ||
Übersetzung: „Om. Du über alles Verborgene hinaus Verborgener, du bist der Hüter. Nimm die von uns vollzogene Mantrawiederholung an. Möge mir durch sie, durch deine Gnade und da du als tragender Grund gegenwärtig bist, Vollendung zuteilwerden.“
Lesung: Guhyātiguhya wird mit dem Prabhā-Kommentar als Anrede verstanden, goptā tvam als eigener Satzteil. Das in der Vorlage über den Seitenwechsel zerrissene japam wird wieder zusammengesetzt. Die letzte Wendung tvayi sthite wird entsprechend der Kommentarerklärung auf die bewahrende Gegenwart Shivas bezogen.
Schritt 5: Das Handeln darbringen
Tun: Nimm erneut etwas Arghya-Wasser und, wenn vorhanden, eine weitere Blüte. Die wiederholte kleine Einzelgabe macht die drei Widmungen praktisch unterscheidbar; der Grundtext ordnet die drei Gebete ihren drei Gegenständen zu. Übergib die Gabe mit:
oṃ hāṃ yat kiṃcit karma he deva sadā sukṛtaduṣkṛtam |
tan me śivapadasthasya bhuṅkṣva kṣapaya śaṅkara ||
Übersetzung: „Om. Was immer ich, o Gott, an Handlung vollziehe, gut oder schlecht: Nimm es von mir, der ich in Shivas Stand eingesetzt bin, an und tilge es, Shankara.“
Lesung und Sinn: Bhuṅkṣva ist die grammatisch hergestellte Imperativform für das verkürzte bhukṣva der Vorlage. Der Kommentar erklärt den Satz aus der durch Diksha begründeten Beziehung zu Shiva. Das Gebet ist keine Freistellung von Verantwortung und keine Aufforderung, absichtlich Unrecht zu tun; der Kommentar grenzt solche Handlungen ausdrücklich von der hier gemeinten Tilgung ab.
Schritt 6: Sich selbst darbringen
Tun: Gib eine dritte kleine Gabe. Lege danach die Hände zusammen und bleibe einen Augenblick still.
Sprechen:
oṃ hāṃ śivo dātā śivo bhoktā śivaḥ sarvam idaṃ jagat |
śivo yajati sarvatra sa śivaḥ so ’ham eva tu ||
Übersetzung: „Om. Shiva ist der Geber, Shiva ist der Empfänger; Shiva ist dieses ganze All. Shiva vollzieht überall die Verehrung. Dieser Shiva – der bin auch ich.“
Zur Auslegung: Der Prabhā-Kommentar versteht Shiva hier besonders als Reiniger und Bewahrer. Das „Ich“ des Verehrenden ist der rituell gereinigte, Shiva zugewandte Mensch. Die Strophe sollte deshalb nicht ohne Weiteres als Beleg für eine von der Shaiva-Siddhanta-Lehre losgelöste Identitätsphilosophie behandelt werden.
Abschluss: Das Mula-Japa und seine dreifache Hingabe sind beendet. Fahre in der Puja mit Lobpreis und Abschluss fort. Wer den vollständigen Originalritus vollzieht, schließt die für ihn unterwiesenen Brahma- und Anga-Japas an, die 1.51 als ein Zehntel nennt; diese Anleitung legt dafür keine unbelegte Rundungsregel fest.
2. Guru-Verehrung und Verehrung der Schrift
Zweck: Dankbarkeit gegenüber dem Lehrer und der Überlieferung. Im Werk erscheinen Lehrerverehrung und Schriftenverehrung nach dem Japa.
Wer: Die kurze Verneigung und das Gebet sind als Andachtsabschnitt verständlich. Die vollständige rituelle Einsetzung Shivas in die Guru-Gestalt aus 1.53 setzt die entsprechende Unterweisung voraus. Die folgende kleine Gabe ist eine gekürzte Andachtsform aus 1.53–1.54.
Bereitlegen: Ein Guru-Bild beziehungsweise einen würdigen Erinnerungsplatz, ein Textbuch auf sauberer Unterlage, Blüten und gegebenenfalls Sandelpaste. Stelle das Guru-Bild südöstlich vom Shiva-Platz und das Buch westlich davon auf, wenn der Aufbau die im Werk genannten Richtungen erlaubt.
Schritt 1: Den Lehrer grüßen
Tun: Lege eine Blüte vor dem Lehrerbild nieder und verneige dich. Sprich:
śrīmaddeśikapādebhyaḥ saśaktibhyo namo namaḥ |
sadā śiṣṭātmacidvyaktikāraṇebhyo namo namaḥ ||
Übersetzung: „Wieder und wieder Verehrung den Füßen des ehrwürdigen Lehrers mitsamt ihren Kräften. Wieder und wieder Verehrung ihnen, die beständig Ursache dafür sind, dass das Bewusstsein der unterwiesenen Seelen offenbar wird.“
Tun: Verweile still mit der Erinnerung an eine konkrete empfangene Unterweisung. Diese kurze persönliche Erinnerung ist eine redaktionelle Praxisanregung. Der Quelltext selbst trägt das Gebet in einer umfassenderen Guru-Puja vor.
Schritt 2: Den Platz der Schrift ehren
Tun: Lege eine Blüte auf die Unterlage des Buches, ohne Schrift oder Buchseiten zu beschädigen.
Sprechen: oṃ hāṃ yogapīṭhāya namaḥ
Übersetzung: „Om. Verehrung dem Sitz des Yoga.“
Tun: Lege eine zweite Blüte vor das Buch.
Sprechen: oṃ hāṃ hauṃ vidyāpīṭhāya namaḥ
Übersetzung: „Om. Verehrung dem Sitz der Erkenntnis.“
Schritt 3: Mit Körper, Sprache und Geist verneigen
Tun: Füge die Hände zusammen und neige dich vor der Schrift. Die dort vermittelte Erkenntnis wird als Gegenwart des Herrn verehrt. Sprich:
sakalājñānahaṃ viśvavijñānapradam īśvaram |
vidyāpīṭhastham āhṛtya manovāgvigrahair namaḥ ||
Übersetzung: „Dem Herrn, der alle Unwissenheit vernichtet und umfassende Erkenntnis schenkt, den ich auf den Sitz der Erkenntnis herbeigerufen habe: Verehrung mit Geist, Sprache und Körper.“
Lesung: Die in der Vorlage zusammengezogene Form sakalājñānahaṃ wird im Sinn „alle Unwissenheit beseitigend“ gelesen. Die syntaktisch knappe Schlussformel bleibt im überlieferten Wortlaut erhalten.
Abschluss: Verneige dich nochmals. Ein anschließendes bewusstes Lesen eines Abschnitts ist eine sinnvolle heutige Ergänzung, nicht ein hier vorgeschriebener zusätzlicher Mantra-Ritus.
3. Kurze Bali-Gabe an die Hüter und Wesen der Umgebung
Zweck: Einbeziehung der umgebenden Wesen und Bitte um ungestörte Vollendung. Der Grundtext beschreibt zunächst eine ausführliche Gabe an viele Empfänger und erlaubt dann ausdrücklich die folgende zusammenfassende Form.
Wer: Unterwiesene Praktizierende im Rahmen ihrer Shaiva-Puja. Bali bezeichnet hier die Speisegabe; die folgende Anleitung enthält kein Tieropfer.
Bereitlegen: Eine kleine eigene Portion gekochten Reis oder der für diesen Zweck vorgesehenen Speise, ein Blatt oder ein kleines Schälchen und etwas Wasser. Stelle es seitlich des Hauptaltars auf einen sauberen Platz. Die kleine Schale ist eine praktische Umsetzung; die ausführliche Grundtextform verwendet eigens angelegte Mandalas.
Quelle: 1.60, ausdrücklich eingeleitet mit yadi vā saṃkṣepeṇa – „oder in verkürzter Form“.
Schritt 1: Gabe halten und die Empfänger vergegenwärtigen
Tun: Nimm die kleine Speiseportion in die Hand oder halte das Schälchen vor dich. Vergegenwärtige die im Gebet genannten friedvollen und machtvollen Wesen und Hüter in allen Richtungen. Beginne die folgende Formel. Bei den Worten imāṃ balim lege die Gabe nieder, wie in Schritt 2 erläutert, und sprich die Formel zu Ende:
oṃ hāṃ
ye rudrā raudrakarmāṇo raudrasthānanivāsinaḥ |
saumyāś caiva tu ye kecit saumyasthānanivāsinaḥ ||
mātaro raudrarūpāś ca gaṇānām adhipāś ca ye |
vighnabhūtās tathā cānye digvidikṣu samāśritāḥ ||
sarve suprītamanasaḥ pratigṛhṇantv imāṃ balim |
siddhiṃ juṣantu naḥ kṣipraṃ bhayebhyaḥ pāntu māṃ sadā ||
Übersetzung: „Om. Welche Rudras furchtbare Werke vollziehen und furchtbare Orte bewohnen, und welche friedvollen Wesen an friedvollen Orten wohnen; die Mütter von machtvoller Gestalt und die Herren der Scharen sowie die anderen, die als Hinderniswesen in den Haupt- und Zwischenrichtungen weilen: Mögen alle freudigen Herzens diese Gabe annehmen. Mögen sie sich bald unserer Vollendung erfreuen und mich stets vor Gefahren behüten.“
Lesung: Das beschädigte pratigṛhva?nvimāṃ der Vorlage ist hier konjektural zu pratigṛhṇantv imāṃ berichtigt: „sie mögen diese annehmen“. Diese grammatische Herstellung ist eine redaktionelle Konjektur; sie wurde nicht an einer unabhängigen Textfassung bestätigt.
Schritt 2: Während der Rezitation die Gabe niederlegen
Tun: Lege die Speise bei den Worten imāṃ balim nieder beziehungsweise stelle die Schale ab. Gib etwas Wasser daneben. Für diese begleitende Wassergabe enthält der gewählte kurze Abschnitt keine eigene Rezitationsformel; sie ist eine praktische Ergänzung der Anleitung.
Schritt 3: Innerlich abschließen
Tun: Füge die Hände zusammen. Vergegenwärtige die angerufenen Mantras wieder im eigenen Herzen; dies folgt der Schlussanweisung von 1.60. Fahre mit der Widmung der Puja fort.
4. Damanaka: Pflanzendarbringung an Shiva
Zweck und Anlass: Das Damanaka-Fest ist im überlieferten Abschnitt mit dem Monat Caitra verbunden. Die duftende Pflanze wird für Shivas Verehrung angesprochen, herbeigebracht und dargebracht. Der Abschluss bittet darum, dass zu viel oder zu wenig Getanes durch göttliche Gnade zur Vollständigkeit gelangt.
Wer: Die historische Vollform setzt kundige Leiter und einen vorbereiteten Yaga voraus. Für allgemeine Puja-Erfahrene folgt am Ende eine ausdrücklich gekürzte Andachtsmöglichkeit. Eine bloße Blumen- oder Kräutergabe ist noch nicht das vollständige Damanaka-Fest.
Quellengrenze: Grundtext 3.1, Druckseiten 518–520; Prabhā 520–523. Die Herausgebernotiz erklärt ausdrücklich, dass der Kommentar auf Grundtextpassagen verweist, die in dem gedruckten Grundtext fehlen. Deshalb können Nachtvorbereitung, Zwischenhandlungen und vollständige Festentlassung aus diesem Abschnitt nicht lückenlos rekonstruiert werden. Die folgende Anleitung erläutert die erhaltenen Kernhandlungen und benennt ihre Voraussetzungen.
Bereitlegen für die erhaltene Kernhandlung: Rituell bestimmtes Damanaka-Material, soweit vorhanden mit Wurzel, Stängel, Blättern, Blüten und Frucht; eine saubere Platte, Arghya-Wasser, Erde, Amla-Frucht, Asche, ein Zahnreinigungshölzchen und Sandel. Der Text nennt diese fünf Pflanzenteile ausdrücklich. Verwende eine in deiner Tradition sicher als Damanaka bestimmte Pflanze; diese Anleitung trifft aus dem bloßen Sanskritnamen keine botanische Artbestimmung.
Schritt 1: Die Pflanze ansprechen
Tun: Gehe zu der für den Ritus bestimmten Pflanze im Garten oder Haus. Besprenge sie mit etwas Ritualwasser.
Sprechen: oṃ haḥ astrāya phaṭ
Bedeutung: „Om. Der schützenden Mantrawaffe: phaṭ.“
Für die formelle Festhandlung verlangt die Quelle anschließend Verehrung mit der Mantra-Samhita. Kacchapeśvaras Kommentar erklärt den Ausdruck für diese Paddhati als Mula-, Brahma- und Gliedmantras; das Augenmantra wird in der folgenden Auflösung mitgeführt. Die ausgeschriebene Rezitationsreihe erleichtert die Ausführung; die genaue innerliche Anwendung richtet sich nach der Unterweisung des Ritualleiters. Lege zur Verehrung eine Blüte bei der Pflanze nieder und rezitiere die Reihe:
| Sprechen | Bedeutung |
|---|---|
| oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ | „Om. Verehrung Shiva.“ |
| oṃ hoṃ īśānamūrdhāya namaḥ | „Verehrung dem Haupt als Ishana.“ |
| oṃ heṃ tatpuruṣavaktrāya namaḥ | „Verehrung dem Gesicht als Tatpurusha.“ |
| oṃ huṃ aghorahṛdayāya namaḥ | „Verehrung dem Herzen als Aghora.“ |
| oṃ hiṃ vāmadevaguhyāya namaḥ | „Verehrung dem verborgenen Bereich als Vamadeva.“ |
| oṃ haṃ sadyojātamūrtaye namaḥ | „Verehrung der Gestalt als Sadyojata.“ |
| oṃ hauṃ netrebhyo namaḥ | „Verehrung den göttlichen Augen.“ |
| oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ | „Verehrung dem Herzen.“ |
| oṃ hīṃ śirase namaḥ | „Verehrung dem Haupt.“ |
| oṃ hūṃ śikhāyai namaḥ | „Verehrung dem Scheitelbüschel.“ |
| oṃ haiṃ kavacāya namaḥ | „Verehrung dem Schutzpanzer.“ |
| oṃ haḥ astrāya namaḥ | „Verehrung der Mantrawaffe.“ |
Sprich danach zur Pflanze:
haraprasādasaṃbhūta tvam atra sannidhībhava |
śivakāryaṃ samuddiśya netavyo ’si śivājñayā ||
Übersetzung: „Du aus Haras Gnade Entstandener, sei hier gegenwärtig. Für Shivas Werk sollst du auf Shivas Geheiß herbeigebracht werden.“
Schritt 2: Zum Ritualplatz bringen
Tun: Lege die vorgesehenen Pflanzenteile auf die saubere Platte und bringe sie zum vorbereiteten Festplatz. Der Grundtext nennt das Heranbringen in die Nähe des Feuers und einen Sampata-Samskara. Dieser Schritt gehört zum bereits eingerichteten Feuer- und Festritus. Er wird hier weder durch bloßes Halten über einer Kerze ersetzt noch als durch das erste Gebet schon erledigt behauptet.
Die nun folgenden Gaben setzen in der traditionellen Vollform diese Vorbereitung voraus.
Schritt 3: Fünf zugeordnete Gaben um Shiva niederlegen
Richte dich nach den wirklichen Himmelsrichtungen am Altar, nicht nach rechts und links aus deiner jeweiligen Sitzposition. Lege jede Gabe in einer kleinen Schale an der angegebenen Stelle nieder.
| Ort und Handlung | Sprechen | Übersetzung | |
|---|---|---|---|
| Westlich von Shiva: Wurzel und Erde niederlegen. | oṃ haṃ sadyojātamūrtaye namaḥ | „Om. Verehrung der Gestalt als Sadyojata.“ | |
| Nördlich: Stängel und Amla-Frucht niederlegen. | oṃ hiṃ vāmadevaguhyāya namaḥ | „Om. Verehrung dem verborgenen Bereich als Vamadeva.“ | |
| Südlich: Blatt und Asche niederlegen. | oṃ huṃ aghorahṛdayāya namaḥ | „Om. Verehrung dem Herzen als Aghora.“ | |
| Östlich: Blüte und Zahnreinigungshölzchen niederlegen. | oṃ heṃ tatpuruṣavaktrāya namaḥ | „Om. Verehrung dem Gesicht als Tatpurusha.“ | |
| Nordöstlich: Frucht und Sandel niederlegen. | tan naḥ śivaḥ pracodayāt | „Om. Wir wollen jenen großen Herrn erkennen. Wir meditieren über den in seiner Rede vollkommen Reinen. Möge Shiva uns anregen und erleuchten.“ |
Auflösung der Mantranamen: Der Abschnitt nennt Sadya, Vama, Rupin, Tatpurusha und Gayatri. Die ausgeschriebenen Formen sind mit den zuvor im Werk gegebenen Formeln verbunden; Rupin wird hier als der Aghora/Bahurupa-Zusammenhang aufgelöst. Die Pflanzenmaterialien werden nicht gegessen und die Asche nicht verbrannt, sondern als Gaben niedergelegt.
Schritt 4: Die eigene Verpflichtung aussprechen
Tun: Nimm Damanaka mit seinen fünf Teilen in die zusammengelegten Hände und sprich:
arpito ’smīha deveśa sadyaḥ kāle tvayā prabho |
kartavyaṃ tu yathālābhaṃ pūrṇaṃ parva tavājñayā ||
Übersetzung: „Herr der Götter, Gebieter, hier bin ich jetzt durch dich eingesetzt beziehungsweise hingegeben. Nach Maßgabe des Verfügbaren soll auf dein Geheiß das Fest vollständig vollzogen werden.“
Textunsicherheit: Besonders die erste Zeile ist in dieser Fassung ungewöhnlich. Die Übersetzung bewahrt das passive arpito ’smi … tvayā und ersetzt es nicht stillschweigend durch „ich bringe dir die Pflanze dar“. Für eine verbindliche Tempelrezitation sollte die überlieferte lokale Lesung maßgeblich sein.
Lege die Pflanzengabe auf beziehungsweise an das Haupt des Lingas, während du oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ sprichst – „Verehrung Shiva“. Bringe anschließend acht Blüten nach der vollständig ausgeschriebenen Ashtapushpika dar.
Schritt 5: Fünf Damanaka-Gaben mit fünf vollständigen Formeln
Tun: Teile das für diesen Schritt bestimmte Material vor Beginn in fünf kleine Portionen. Nimm jeweils eine Portion und lege sie auf beziehungsweise an das Haupt des Lingas. Diese Portionierung ist die praktische Umsetzung der nacheinander vorgeschriebenen Darbringungen; sie schreibt keine zusätzliche historische Gewichtsmenge vor.
| Gabe | Sprechen | Übersetzung |
|---|---|---|
| 1 | oṃ hāṃ hauṃ ātmatattvādhipataye śivāya namaḥ | „Om. Verehrung Shiva, dem Herrn des Atma-Tattva.“ |
| 2 | oṃ hāṃ hauṃ vidyātattvādhipataye śivāya namaḥ | „Om. Verehrung Shiva, dem Herrn des Vidya-Tattva.“ |
| 3 | oṃ hāṃ hauṃ śivatattvādhipataye śivāya namaḥ | „Om. Verehrung Shiva, dem Herrn des Shiva-Tattva.“ |
| 4 | oṃ hāṃ hauṃ sarvatattvādhipataye śivāya namaḥ | „Om. Verehrung Shiva, dem Herrn sämtlicher Wirklichkeitsebenen.“ |
| 5 | oṃ hāṃ hauṃ makhaṃ pūraya pūraya śivāya namaḥ | „Om. Vervollständige, vervollständige das Opfer! Verehrung Shiva.“ |
Schritt 6: Um Vervollständigung bitten
Tun: Füge die Hände zusammen und sprich:
bhagavann atiriktaṃ vā hīnaṃ vā yan mayā kṛtam |
sarvaṃ tad astu saṃpūrṇaṃ parva dāmanakaṃ mama ||
Übersetzung: „Erhabener Herr, was ich zu viel oder zu wenig getan habe: All dies möge vollständig werden – mein Damanaka-Fest.“
Im vollständigen Fest: Anschließend sind die weiteren, im Text mit „Agni und den übrigen“ bezeichneten Empfänger mit Damanaka zu bedenken und der Yaga ordnungsgemäß abzuschließen. Der genaue Umfang der in der Vorlage fehlenden Zwischenhandlungen bleibt offen. Deshalb endet die hier belegte Kernhandlung an dieser Stelle; der geschulte Festleiter setzt den vollständigen Ritus nach seiner Überlieferung fort.
Eine gekürzte Damanaka-Andacht für die persönliche Puja
Wer in Abstimmung mit seiner eigenen Unterweisung eine überschaubare Andacht gestalten möchte, kann redaktionell gekürzt folgendermaßen verfahren:
- Vollziehe die kurze Shiva-Puja bis nach der Speisegabe.
- Lege sicher bestimmtes, für die Puja geeignetes Damanaka bereit. Sprich das Anrufungsgebet aus Schritt 1.
- Bringe die fünf Portionen mit den fünf ausgeschriebenen Mantras aus Schritt 5 dar.
- Sprich das Abschlussgebet aus Schritt 6.
- Beende die Puja mit Lobpreis, Hingabe und Vergebungsbitte aus Teil 2.
Diese Andacht lässt den Fest-Yaga, Sampata, die Richtungsdarbringungen und die mehrtägige Vorbereitung aus. Sie ist eine offen bezeichnete heutige Kurzform aus dem Werk, nicht der Anspruch, das vollständige Damanaka-Fest ausgeführt zu haben.
5. Pavitra anlegen: die zentrale Handlung des Jahresritus
Zweck: Vervollständigung der im Jahreslauf unvollkommen ausgeführten rituellen Praxis. Der Prabhā-Kommentar behandelt Pavitra als Ergänzung des täglichen Rituals, nicht als beliebige Erfüllung materieller Wünsche. Pavitra bezeichnet hier eigens vorbereitete und geweihte Fadengebilde.
Wer: Für entsprechend eingeweihte und im gesamten Festablauf unterwiesene Praktizierende beziehungsweise dessen Leiter. Der Kommentar zu 2.1 nennt mehrere Stufen von Ritualberechtigten; es wäre unzutreffend, sämtliche Teilnahme ausschließlich Acharyas zuzuordnen. Die Leitung und die einzelnen Handlungen richten sich nach der jeweiligen Befugnis.
Wichtig für die Durchführung: Die folgende Anleitung beginnt nach der Herstellung und Weihe der Pavitra, der Festvorbereitung und der vorbereitenden Shiva-Puja. Sie ist ein handhabbarer Ablauf des Anlegens, keine vollständige Pavitra-Festanleitung. Eine beliebige Schnur mit den folgenden Mantras ist nicht schon das Pavitra-Fest der Kriyakramadyotika.
Bereitlegen: Drei entsprechend vorbereitete Tattva-Pavitra, das vierte Gangavataraka-Pavitra, Durva, Blüten, Akshata, Räucherwerk und eine saubere Platte. Der Kommentar zu 2.1 nennt unter anderem drei Pavitra mit zehn gleichmäßig gesetzten Knoten und einen Gangavataraka mit achtzehn Knoten; Größen und Fadenstärken werden abgestuft behandelt. Diese Angaben sind eine Orientierung zur Art der Gegenstände, nicht eine vollständige Herstellungs- und Weiheanleitung.
Quelle: Vorabendgebet 2.27; Hauptdarbringung 2.37–2.38; soziale Gabe 2.40; Widmung des Gelübdes 2.43. Die folgenden Schritte erläutern die Rezitation und die Zuordnung der Fäden.
Am Vorabend: Einladung mit dem Gandha-Pavitra
Dieser Schritt gehört nur zu einem Fest, dessen Vorbereitung am Vorabend erfolgt. Er wird nicht zusätzlich am Morgen als beliebiges Gebet eingefügt.
Tun: Nimm das dafür bestimmte, duftend vorbereitete kleine Gandha-Pavitra mit einer Blüte in die zusammengelegten Hände. Halte es kurz in den Räucherduft, ohne es zu verbrennen. Sprich die im Werk ausdrücklich als Alternative gegebene Einladung:
āmantrito ’si deveśa saha devyā gaṇeśvaraiḥ |
mantreśair lokapālaiś ca sahitaḥ parivārakaiḥ ||
nivedayāmy ahaṃ tubhyaṃ prabhāte tu pavitrakam |
niyamaṃ ca kariṣyāmi parameśa tavājñayā ||
Übersetzung: „Herr der Götter, du bist eingeladen, zusammen mit der Göttin, den Herren der Scharen, den Mantraherren, den Welthütern und deinem Gefolge. Morgen früh werde ich dir das Pavitra darbringen und auf dein Geheiß, höchster Herr, die auferlegte Übung einhalten.“
Tun: Lege das Gandha-Pavitra gemäß dem eingerichteten Ritus an Shiva an. Für eine unmittelbar am selben Tag vorgenommene Vorbereitung schreibt der Text vor, die Zeitangabe durch sadyaḥ kāle pavitrakam zu ersetzen: „das Pavitra jetzt, zu dieser Zeit“. Die weitere Nachtvorbereitung gehört zum vollständigen Festritus.
Schritt 1 am Haupttag: Die Gabe halten
Tun: Nach den vorbereitenden Festhandlungen nimm die geweihten Pavitra und halte sie in den Räucherduft. Vergegenwärtige Shiva als Zeugen der Zeit: Jahre, Jahreszeiten, Monate, Tage und Atemzüge sowie alles Getane und Unterlassene sind in seiner Gegenwart umfasst.
Die vorangestellten kālātmanā-Verse in 2.37 sind im bereitgestellten E-Text stark variantenbehaftet. Sie werden hier nicht als gesicherter vollständiger Rezitationstext ausgegeben. Für den vollständigen traditionellen Vollzug ist an dieser Stelle die in der eigenen Überlieferung gesicherte Lesung erforderlich. Ihre erkennbare Bitte lautet: Möge das Pavitra durch Shivas Willen die Lücken und Unvollkommenheiten des Handelns ausfüllen. Es folgt die im Text klar lesbare Formel:
oṃ pūraya pūraya makhavrataniyameśvarāya svāhā
Übersetzung: „Om. Vervollständige, vervollständige! Dem Herrn von Opfer, Gelübde und Übungsregel sei diese Gabe dargebracht.“
Schritt 2: Erstes Tattva-Pavitra anlegen
Tun: Für die hier gewählte, auf Befreiung gerichtete Reihenfolge nimm zuerst das Atma-Pavitra. Füge Durva, eine Blüte und Akshata hinzu. Lege es behutsam am Haupt des Lingas an, ohne bereits angebrachte Gaben abzureißen.
Sprechen: oṃ hāṃ hauṃ ātmatattvādhipataye śivāya svāhā
Übersetzung: „Om. Shiva, dem Herrn des Atma-Tattva, sei diese Gabe dargebracht.“
Schritt 3: Zweites Tattva-Pavitra anlegen
Tun: Nimm das Vidya-Pavitra, füge dieselben Beigaben hinzu und lege es in der vorgesehenen Anordnung am Linga an.
Sprechen: oṃ hāṃ hauṃ vidyātattvādhipataye śivāya svāhā
Übersetzung: „Om. Shiva, dem Herrn des Vidya-Tattva, sei diese Gabe dargebracht.“
Schritt 4: Drittes Tattva-Pavitra anlegen
Tun: Nimm das Shiva-Pavitra mit den Beigaben und lege es an.
Sprechen: oṃ hāṃ hauṃ śivatattvādhipataye śivāya svāhā
Übersetzung: „Om. Shiva, dem Herrn des Shiva-Tattva, sei diese Gabe dargebracht.“
Zur Reihenfolge: Für den Mumukshu, den nach Befreiung Strebenden, nennt 2.37 Atma → Vidya → Shiva. Für den Bubhukshu steht die Folge umgekehrt: Shiva → Vidya → Atma. Die verschiedenen inneren Uccara-Stufen sind Teil der Unterweisung; die drei gesprochenen Namensformeln allein erklären sie nicht.
Schritt 5: Das Gangavataraka-Pavitra anlegen
Tun: Nimm den vierten, alle Ebenen umfassenden Faden und lege ihn entsprechend seiner vorgesehenen Länge und Form an.
Sprechen: oṃ hāṃ hauṃ sarvatattvādhipataye śivāya svāhā
Übersetzung: „Om. Shiva, dem Herrn sämtlicher Wirklichkeitsebenen, sei diese Gabe dargebracht.“
Schritt 6: Die vier Hauptgaben abschließen
Tun: Lege eine Blüte dar mit oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ – „Verehrung Shiva.“ Zeige die in Teil 1 erläuterte Mahamudra. Gib Räucherwerk und Licht mit oṃ hāṃ hauṃ śivāya svāhā – „Shiva sei diese Gabe dargebracht.“
Damit sind die vier hier erläuterten Hauptfäden angelegt. Im Vollritus folgen beziehungsweise begleiten sie weitere Pavitra-Gaben an Brahma- und Gliedgottheiten, Japa, Homa, Bali, Guru- und Schriftenverehrung. Diese umfangreiche Fortsetzung ist nicht durch eine abschließende Verneigung ersetzt. Der Leiter führt sie nach der vollständigen Festordnung aus.
Widmung bei der Beendigung des Gelübdes
2.43 unterscheidet zwei kurze Formeln. Sie gehören an den entsprechenden Abschluss des Festgelübdes, nicht automatisch unmittelbar hinter die vier Fadengaben.
Für das auf Befreiung gerichtete Gelübde: Verneige dich vor Shiva und sprich:
karmedam māstu me nātha bandhakaṃ
Übersetzung: „Herr, möge diese Handlung mich nicht binden.“
Für das auf eine Frucht gerichtete Gelübde: Sprich stattdessen:
bhagavan mamāstu phalasādhakam
Übersetzung: „Erhabener Herr, möge es für mich zur Erlangung der Frucht führen.“
Lesung: Die erste Formel normalisiert das zusammengezogene beziehungsweise gestörte karmedanmāstu der Vorlage zu karma idam mā astu, in Sandhi karmedam māstu.
6. Eine Gabe an eine Kuh
Zweck: Die Verehrung geht in eine konkrete Gabe an ein lebendes Wesen über. Grundtext 1.67 stellt diese Handlung nach den Abschluss der Shiva-Puja.
Wer: Als kleine Gabe und Gebet verständlich; die heutige Einzelanwendung ist aus dem umfassenderen Tagesritus herausgelöst.
Bereitlegen: Eine für die betreffende Kuh geeignete kleine Futtergabe. Stimme sie mit der für das Tier verantwortlichen Person ab; die Quelle selbst nennt hier nur einen grāsa, einen Bissen beziehungsweise eine Futterportion.
Tun: Nähere dich ruhig. Vergegenwärtige in der Kuh Surabhi, die nährende himmlische Kuh. Halte die Futtergabe bereit und sprich:
amṛtamathanotpanne surabhe lokadhāriṇi |
imaṃ grāsaṃ gṛhāṇa tvam idaṃ me vratam uttamam ||
Übersetzung: „Surabhi, beim Quirlen des Unsterblichkeitsnektars entstanden, die du die Welt trägst: Nimm diesen Bissen an. Dies ist meine vortreffliche Gelübdehandlung.“
Tun: Überreiche die vereinbarte Futterportion auf die für das Tier gewohnte Weise. Verneige dich innerlich und gehe weiter. Damit ist die hier beschriebene kleine Gabe abgeschlossen.
7. Nahrung oder Kleidung schenken und die Gabe widmen
Zweck: Der Pavitra-Ritus bezieht Fürsorge ausdrücklich ein. 2.40 nennt neben der Ehrung Eingeweihter auch Unterstützung für Bedürftige, Menschen ohne Schutz, Kinder, alte, geschwächte und kranke Menschen.
Wer: Die konkrete Hilfe kann jeder leisten. Die hier vorgeschlagene persönliche Widmung übernimmt die tatsächlich im Text genannte Formel, ohne daraus die Durchführung eines vollständigen Pavitra-Festes abzuleiten.
Bereitlegen: Eine sinnvolle, dem Bedarf entsprechende Gabe, etwa ein Essen, Kleidung oder eine unterstützende Spende. Die Erweiterung auf eine heutige Geldspende ist eine praktische Übertragung; der betreffende Grundtext nennt Nahrung, Kleidung und Ähnliches.
Tun: Übergib die Gabe respektvoll, ohne eine religiöse Mitwirkung der empfangenden Person vorauszusetzen. Sprich für dich:
anena dānena prīyatāṃ me sadāśivaḥ
Übersetzung: „Möge Sadashiva durch diese meine Gabe erfreut sein.“
Abschluss: Die konkrete Hilfe ist die Handlung. Eine anschließende lange Rezitation ist für diese kurze Widmung nicht im Text vorgeschrieben.
Quellen, Lesungen und Reichweite
Die Anleitungen beruhen auf dem Grundtext und den mitgelieferten Kommentaren der Datei Kriyakramadyotika Sanskrit IAST. Fundstellen stehen bei jedem Ritual. Wortgrenzen und geläufige Schreibungen werden lesbar gesetzt. Konjekturale Berichtigungen werden ausdrücklich benannt; besonders betrifft dies die Bali-Annahmeformel und einzelne Gebetswörter. Die unsicheren Pavitra-Vorverse und die fehlenden Damanaka-Passagen bleiben als Grenzen der vorliegenden Anleitung ausgewiesen.
Die hier beschriebenen kleinen Handlungen können als Bausteine einer verstandenen Praxis gelesen werden. Für eine vollständige traditionelle Jahresliturgie reichen die erläuterten Pavitra-Hauptgaben allein nicht aus. Gerade die sorgfältige Unterscheidung zwischen einer vollständigen Kleinhandlung, einem Festabschnitt und einer heutigen Kurzandacht bewahrt die Würde der Überlieferung.
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