A No Bhadrah Sukta
A No Bhadrah Sukta (Sanskrit: आ नो भद्राः सूक्तम्, IAST: ā no bhadrāḥ sūktam, n.) – ein Segenshymnus des Rigveda (1.89), benannt nach seiner Bitte, gute Gedanken mögen aus allen Richtungen zu uns kommen. Viele Devas werden angerufen; im Schlussvers weitet sich der Blick auf Aditi, die Mutter, Vater und Kind umfasst. Mit diesem Gebet kann ein gemeinsames Studium beginnen.

„Mögen gute Gedanken aus allen Richtungen zu uns kommen.“ Mit dieser Bitte beginnt eine Hymne an die Gesamtheit der Devas. Sie enthält vertraute Segensverse und führt zur Schau Aditis als umfassender göttlicher Wirklichkeit. Für Yoga Vidya verbindet sie Offenheit, Dankbarkeit und das Vertrauen in die Einheit des Lebens.
Herkunft und Verwendung
Rigveda, Shakala-Samhita 1.89.1–10.
Vollständiger Sanskrittext in IAST
oṃ ā no bhadrāḥ kratavo yantu viśvato 'dabdhāso aparītāsa udbhidaḥ |
devā no yathā sadam id vṛdhe asann aprāyuvo rakṣitāro dive-dive || 1 ||
devānām bhadrā sumatir ṛjūyatāṃ devānāṃ rātir abhi no ni vartatām |
devānāṃ sakhyam upa sedimā vayaṃ devā na āyuḥ pra tirantu jīvase || 2 ||
tān pūrvayā nividā hūmahe vayam bhagam mitram aditiṃ dakṣam asridham |
aryamaṇaṃ varuṇaṃ somam aśvinā sarasvatī naḥ subhagā mayas karat || 3 ||
tan no vāto mayobhu vātu bheṣajaṃ tan mātā pṛthivī tat pitā dyauḥ |
tad grāvāṇaḥ somasuto mayobhuvas tad aśvinā śṛṇutaṃ dhiṣṇyā yuvam || 4 ||
tam īśānaṃ jagatas tasthuṣas patiṃ dhiyañjinvam avase hūmahe vayam |
pūṣā no yathā vedasām asad vṛdhe rakṣitā pāyur adabdhaḥ svastaye || 5 ||
svasti na indro vṛddhaśravāḥ svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ |
svasti nas tārkṣyo ariṣṭanemiḥ svasti no bṛhaspatir dadhātu || 6 ||
pṛṣadaśvā marutaḥ pṛśnimātaraḥ śubhaṃyāvāno vidatheṣu jagmayaḥ |
agnijihvā manavaḥ sūracakṣaso viśve no devā avasā gamann iha || 7 ||
bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devā bhadram paśyemākṣabhir yajatrāḥ |
sthirair aṅgais tuṣṭuvāṃsas tanūbhir vy aśema devahitaṃ yad āyuḥ || 8 ||
śatam in nu śarado anti devā yatrā naś cakrā jarasaṃ tanūnām |
putrāso yatra pitaro bhavanti mā no madhyā rīriṣatāyur gantoḥ || 9 ||
aditir dyaur aditir antarikṣam aditir mātā sa pitā sa putraḥ |
viśve devā aditiḥ pañca janā aditir jātam aditir janitvam || 10 ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Vollständige deutsche Übersetzung
Om.
1 Mögen gute Gedanken und Entschlüsse aus allen Richtungen zu uns kommen: ungetäuscht, ungehindert, die Hindernisse durchbrechend. Mögen die Devas uns stets zum Wachstum verhelfen, unermüdliche Beschützer, Tag für Tag.
2 Die gütige Zuwendung der aufrechten Devas komme zu uns; ihre Gaben mögen uns erreichen. Wir suchen die Freundschaft der Devas. Mögen sie unsere Lebenszeit verlängern, damit wir leben.
3 Mit der alten Anrufung rufen wir sie: Bhaga, Mitra, Aditi, den unfehlbaren Daksha, Aryaman, Varuna, Soma und die Ashvins. Die segensreiche Sarasvati möge uns Freude schenken.
4 Der Wind wehe uns das beglückende Heilmittel zu, ebenso Mutter Erde und Vater Himmel. Die Steine, die Soma pressen, mögen uns Freude bringen. Ihr beiden weisen Ashvins, hört unsere Bitte.
5 Den Herrscher über alles Bewegte und Ruhende, den Herrn, der unsere Einsicht belebt, rufen wir um Beistand. Pushan möge unseren Wohlstand mehren, als untrüglicher Hüter und Beschützer zu unserem Wohlergehen.
6 Indra, dessen Ruhm groß ist, schenke uns Segen. Pushan, der alles weiß, schenke uns Segen. Tarkshya, dessen Rad unversehrt ist, schenke uns Segen. Brihaspati schenke uns Segen.
7 Die Maruts mit ihren gescheckten Pferden, die Söhne Prishnis, die strahlend dahinfahren und zu den heiligen Versammlungen kommen, die Weisen mit Agni als Zunge und der Sonne als Auge: Alle Devas mögen mit ihrem Beistand hierherkommen.
8 Ihr Devas, mögen wir mit unseren Ohren Gutes hören. Ihr Verehrungswürdigen, mögen wir mit unseren Augen Gutes sehen. Mit festen Gliedern, mit kräftigem Leib euch preisend, mögen wir die Lebenszeit erfüllen, die uns die Devas schenken.
9 Hundert Herbste liegen vor uns, ihr Devas, in denen ihr unsere Körper zum Alter heranreifen lasst, in denen die Söhne selbst zu Vätern werden. Verletzt unseren Lebenslauf nicht, ehe er vollendet ist.
10 Aditi ist der Himmel. Aditi ist der Luftraum. Aditi ist die Mutter, der Vater und der Sohn. Aditi ist alle Devas und die fünf Völker. Aditi ist das Geborene und das, was geboren werden wird.
Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.
Vollständiger Sanskrittext in Devanagari
ॐ आ नो भद्राः क्रतवो यन्तु विश्वतो ऽदब्धासो अपरीतास उद्भिदः ।
देवा नो यथा सदम् इद् वृधे असन्न् अप्रायुवो रक्षितारो दिवे-दिवे ॥ १ ॥
देवानाम् भद्रा सुमतिर् ऋजूयतां देवानां रातिर् अभि नो नि वर्तताम् ।
देवानां सख्यम् उप सेदिमा वयं देवा न आयुः प्र तिरन्तु जीवसे ॥ २ ॥
तान् पूर्वया निविदा हूमहे वयम् भगम् मित्रम् अदितिं दक्षम् अस्रिधम् ।
अर्यमणं वरुणं सोमम् अश्विना सरस्वती नः सुभगा मयस् करत् ॥ ३ ॥
तन् नो वातो मयोभु वातु भेषजं तन् माता पृथिवी तत् पिता द्यौः ।
तद् ग्रावाणः सोमसुतो मयोभुवस् तद् अश्विना शृणुतं धिष्ण्या युवम् ॥ ४ ॥
तम् ईशानं जगतस् तस्थुषस् पतिं धियञ्जिन्वम् अवसे हूमहे वयम् ।
पूषा नो यथा वेदसाम् असद् वृधे रक्षिता पायुर् अदब्धः स्वस्तये ॥ ५ ॥
स्वस्ति न इन्द्रो वृद्धश्रवाः स्वस्ति नः पूषा विश्ववेदाः ।
स्वस्ति नस् तार्क्ष्यो अरिष्टनेमिः स्वस्ति नो बृहस्पतिर् दधातु ॥ ६ ॥
पृषदश्वा मरुतः पृश्निमातरः शुभंयावानो विदथेषु जग्मयः ।
अग्निजिह्वा मनवः सूरचक्षसो विश्वे नो देवा अवसा गमन्न् इह ॥ ७ ॥
भद्रं कर्णेभिः शृणुयाम देवा भद्रम् पश्येमाक्षभिर् यजत्राः ।
स्थिरैर् अङ्गैस् तुष्टुवांसस् तनूभिर् व्य् अशेम देवहितं यद् आयुः ॥ ८ ॥
शतम् इन् नु शरदो अन्ति देवा यत्रा नश् चक्रा जरसं तनूनाम् ।
पुत्रासो यत्र पितरो भवन्ति मा नो मध्या रीरिषतायुर् गन्तोः ॥ ९ ॥
अदितिर् द्यौर् अदितिर् अन्तरिक्षम् अदितिर् माता स पिता स पुत्रः ।
विश्वे देवा अदितिः पञ्च जना अदितिर् जातम् अदितिर् जनित्वम् ॥ १० ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
Vertiefende Erläuterungen

Offenheit braucht einen klaren Maßstab: Wir bitten um das Gute, das uns wachsen lässt und dem Leben dient. So können wir lernen, ohne unsere spirituelle Mitte zu verlieren. Das entspricht dem weiten Herzen des Yoga Vedanta.
Die Hymne nennt zahlreiche Gestalten göttlichen Wirkens. Die Ashvins bringen Hilfe und Heilung; Sarasvati schenkt Inspiration. Tarkshya ist ein himmlischer Schutzbringer. Prishni ist die Mutter der Maruts. Wir dürfen die Namen mit Ehrfurcht sprechen, auch wenn sich uns ihre ganze Tiefe erst nach und nach erschließt.
Der Schlussvers öffnet die Schau der Einheit. Mutter, Vater, Kind, Devas und Völker gehören zu Aditi. Vergangenes und Künftiges sind in dieser Weite enthalten. Meditiere darüber: Das göttliche Leben trägt auch die Menschen, denen du heute begegnest.
Video zur Vertiefung
Meditation der Liebenden Güte - Maitri Bhavana
Anregungen für die eigene Praxis

- Lies den Friedenswunsch langsam und nimm wahr, welche Wesen und Lebensbereiche er einschließt.
- Sprich den Sanskrittext mit ruhiger Stimme; du musst dabei keine besondere Stimmung herstellen.
- Verbinde eine Bitte mit einem Menschen oder einer Begegnung, die heute Aufmerksamkeit braucht.
- Setze den Friedenswunsch in einer kleinen versöhnlichen oder fürsorglichen Handlung um.
- Lass nach dem letzten Shanti eine kurze Stille entstehen und nimm die Ausrichtung in den Alltag mit.
Video zur begleitenden Praxis und Auslegung
Yoga und Meditation Einführung
Abschließende Worte
Vielleicht kommt heute ein guter Gedanke von jemandem, dessen Ansicht du sonst selten teilst.
Siehe auch
Quellen und Literatur
- Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „A No Bhadrah Suktam“.
- Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 53: „Ā No Bhadrāḥ Sūktam“.
- Rigveda, Shakala-Samhita 1.89.1–10.
- Sanskrittext zum Nachlesen: GRETIL: Rigveda, Mandala 1.
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