Dana Sukta
Dana Sukta (Sanskrit: दानसूक्तम्, IAST: dānasūktam, n.) – eine Hymne des Rigveda (10.117) über das Geben. Sie fragt ganz konkret, was ein satter Mensch dem Hungernden schuldet, der bei ihm anklopft. Wer die Verse rezitiert, wird eingeladen, Dana nicht nur zu preisen, sondern etwas vom eigenen Tisch zu teilen.

Wer Nahrung hat, soll sie teilen. Mit großer Klarheit spricht diese Hymne über Großzügigkeit, Freundschaft und die Vergänglichkeit des Besitzes. Dana, das Geben, gehört zu den Grundlagen des Dharma. Für Yoga Vidya verbindet sich damit die Bereitschaft, Zeit, Wissen, Kraft und materielle Güter zum Wohl anderer einzusetzen.
Herkunft und Verwendung
Rigveda, Shakala-Samhita 10.117.1–9.
Vollständiger Sanskrittext in IAST
oṃ na vā u devāḥ kṣudham id vadhaṃ dadur utāśitam upa gacchanti mṛtyavaḥ |
uto rayiḥ pṛṇato nopa dasyaty utāpṛṇan marḍitāraṃ na vindate || 1 ||
ya ādhrāya cakamānāya pitvo 'nnavān san raphitāyopajagmuṣe |
sthiram manaḥ kṛṇute sevate puroto cit sa marḍitāraṃ na vindate || 2 ||
sa id bhojo yo gṛhave dadāty annakāmāya carate kṛśāya |
aram asmai bhavati yāmahūtā utāparīṣu kṛṇute sakhāyam || 3 ||
na sa sakhā yo na dadāti sakhye sacābhuve sacamānāya pitvaḥ |
apāsmāt preyān na tad oko asti pṛṇantam anyam araṇaṃ cid icchet || 4 ||
pṛṇīyād in nādhamānāya tavyān drāghīyāṃsam anu paśyeta panthām |
o hi vartante rathyeva cakrānyam-anyam upa tiṣṭhanta rāyaḥ || 5 ||
mogham annaṃ vindate apracetāḥ satyam bravīmi vadha it sa tasya |
nāryamaṇam puṣyati no sakhāyaṃ kevalāgho bhavati kevalādī || 6 ||
kṛṣann it phāla āśitaṃ kṛṇoti yann adhvānam apa vṛṅkte caritraiḥ |
vadan brahmāvadato vanīyān pṛṇann āpir apṛṇantam abhi ṣyāt || 7 ||
ekapād bhūyo dvipado vi cakrame dvipāt tripādam abhy eti paścāt |
catuṣpād eti dvipadām abhisvare sampaśyan paṅktīr upatiṣṭhamānaḥ || 8 ||
samau cid dhastau na samaṃ viviṣṭaḥ sammātarā cin na samaṃ duhāte |
yamayoś cin na samā vīryāṇi jñātī cit santau na samam pṛṇītaḥ || 9 ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Vollständige deutsche Übersetzung
Om.
1 Die Devas haben den Hunger keineswegs zur einzigen Todesursache gemacht; auch den wohlgenährten Menschen ereilt der Tod. Der Reichtum des Gebenden erschöpft sich nicht. Wer nichts gibt, findet niemanden, der sich seiner erbarmt.
2 Wer Nahrung besitzt und sein Herz verhärtet gegen den Schwachen, der hungrig zu ihm kommt, wer vor ihm sein Mahl genießt, findet selbst niemanden, der sich seiner erbarmt.
3 Großzügig ist, wer dem Bedürftigen gibt, der abgemagert umhergeht und Nahrung sucht. Dem Gebenden steht ein Helfer zur Seite, wenn er ihn auf seinem Weg ruft; auch für kommende Zeiten gewinnt er einen Freund.
4 Kein Freund ist, wer dem Freund keine Nahrung gibt, dem Gefährten, der sich ihm angeschlossen hat. Von ihm gehe man fort; dort ist keine Heimstatt. Man suche einen anderen, der gibt, selbst wenn er ein Fremder ist.
5 Wer mehr besitzt, möge den Bedürftigen beschenken und den längeren Weg des Lebens bedenken. Denn wie die Räder eines Wagens drehen sich die Reichtümer: Sie gelangen bald zu diesem, bald zu jenem.
6 Vergeblich erlangt der Unverständige seine Nahrung. Ich sage die Wahrheit: Sie wird ihm zum Verderben. Er nährt weder Aryaman noch einen Freund. Wer allein für sich isst, nimmt allein Schuld auf sich.
7 Der Pflug schafft Nahrung, indem er die Erde durchfurcht. Der Wanderer bewältigt den Weg mit seinen Schritten. Der Brahman-Priester, der spricht, ist hilfreicher als der schweigende. Ein gebender Verwandter übertrifft den, der nichts gibt.
8 Der Einfüßige schreitet weiter als der Zweifüßige. Der Zweifüßige folgt dem Dreifüßigen nach. Der Vierfüßige kommt auf den Ruf der Zweifüßigen; er tritt heran und überschaut die Reihen.
9 Zwei Hände sind einander gleich und leisten doch Verschiedenes. Zwei Kühe derselben Mutter geben verschieden viel Milch. Selbst Zwillinge haben verschiedene Kräfte; auch zwei Verwandte geben in verschiedenem Maß.
Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.
Vollständiger Sanskrittext in Devanagari
ॐ न वा उ देवाः क्षुधम् इद् वधं ददुर् उताशितम् उप गच्छन्ति मृत्यवः ।
उतो रयिः पृणतो नोप दस्यत्य् उतापृणन् मर्डितारं न विन्दते ॥ १ ॥
य आध्राय चकमानाय पित्वो ऽन्नवान् सन् रफितायोपजग्मुषे ।
स्थिरम् मनः कृणुते सेवते पुरोतो चित् स मर्डितारं न विन्दते ॥ २ ॥
स इद् भोजो यो गृहवे ददात्य् अन्नकामाय चरते कृशाय ।
अरम् अस्मै भवति यामहूता उतापरीषु कृणुते सखायम् ॥ ३ ॥
न स सखा यो न ददाति सख्ये सचाभुवे सचमानाय पित्वः ।
अपास्मात् प्रेयान् न तद् ओको अस्ति पृणन्तम् अन्यम् अरणं चिद् इच्छेत् ॥ ४ ॥
पृणीयाद् इन् नाधमानाय तव्यान् द्राघीयांसम् अनु पश्येत पन्थाम् ।
ओ हि वर्तन्ते रथ्येव चक्रान्यम्-अन्यम् उप तिष्ठन्त रायः ॥ ५ ॥
मोघम् अन्नं विन्दते अप्रचेताः सत्यम् ब्रवीमि वध इत् स तस्य ।
नार्यमणम् पुष्यति नो सखायं केवलाघो भवति केवलादी ॥ ६ ॥
कृषन्न् इत् फाल आशितं कृणोति यन्न् अध्वानम् अप वृङ्क्ते चरित्रैः ।
वदन् ब्रह्मावदतो वनीयान् पृणन्न् आपिर् अपृणन्तम् अभि ष्यात् ॥ ७ ॥
एकपाद् भूयो द्विपदो वि चक्रमे द्विपात् त्रिपादम् अभ्य् एति पश्चात् ।
चतुष्पाद् एति द्विपदाम् अभिस्वरे सम्पश्यन् पङ्क्तीर् उपतिष्ठमानः ॥ ८ ॥
समौ चिद् धस्तौ न समं विविष्टः सम्मातरा चिन् न समं दुहाते ।
यमयोश् चिन् न समा वीर्याणि ज्ञाती चित् सन्तौ न समम् पृणीतः ॥ ९ ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
Vertiefende Erläuterungen

„Wer mehr besitzt, möge den Bedürftigen beschenken.“ Dieser Satz braucht wenig Erklärung. Er braucht Menschen, die ihn leben. Dana öffnet das Herz und löst die enge Bindung an das Eigene. Aryaman steht hier für eine göttliche Ordnung, in der Gastfreundschaft und Verbundenheit ihren Platz haben.
Der achte Vers spricht in rätselhaften Bildern von ein-, zwei-, drei- und vierfüßigen Wesen. Auch diese Bilder gehören zur Hymne. Ihr Zusammenhang lässt uns über Bewegung, Abhängigkeit und das Zusammenwirken verschiedener Kräfte nachdenken.
Die letzten Worte lassen Raum für unterschiedliche Möglichkeiten. Jeder Mensch kann etwas geben. Frage dich: Was steht mir heute zur Verfügung? Eine Mahlzeit, eine Stunde Seva, ein offenes Ohr, eine hilfreiche Kenntnis? Gib mit Freude und mit Unterscheidungskraft.
Video zur Vertiefung
Seva spiritueller Dienst Sanskrit Lexikon
Anregungen für die eigene Praxis

- Rezitiere allein oder gemeinsam mit dem Wunsch, einander besser zu verstehen.
- Höre in einem Gespräch zu Ende zu, bevor du antwortest.
- Suche ein gemeinsames Anliegen, ohne Unterschiede zu übergehen.
- Teile heute Nahrung, Zeit oder eine Fähigkeit so, dass der andere sich geachtet fühlt.
- Betrachte am Abend eine Begegnung: Wo haben freundliche Worte oder verlässliche Hilfe Verbundenheit geschaffen?
Video zur begleitenden Praxis und Auslegung
Meditation der Liebenden Güte - Maitri Bhavana
Abschließende Worte
Wer an deine Tür kommt, braucht vielleicht Nahrung, vielleicht Zeit. Die Hymne lädt dazu ein, hinzusehen.
Siehe auch
Quellen und Literatur
- Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Dana Suktam“.
- Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 49: „Dāna Sūktam“.
- Rigveda, Shakala-Samhita 10.117.1–9.
- Sanskrittext zum Nachlesen: GRETIL: Rigveda, Mandala 10.
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