Vata Sukta

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Vata Sukta (Sanskrit: वातसूक्तम्, IAST: vātasūktam, n.) – eine Hymne des Rigveda (10.168) an den Wind. Vata ist hörbar, doch niemand sieht seine Gestalt. Vier Verse genügen, um aus dieser Alltagserfahrung eine Frage nach dem Unsichtbaren zu machen. Beim nächsten Windstoß lässt sich die Hymne unmittelbar nachempfinden.

Die Aufmerksamkeit auf den Atem kann die Betrachtung des Prana begleiten.

Vata ist der Wind. Man hört sein Brausen und sieht die Bäume sich bewegen; seine eigene Gestalt bleibt unsichtbar. Die Hymne preist seine Macht und fragt nach seinem Ursprung. Sie nennt ihn den Atman der Devas und den Keim der Welt. Für Yoga Vedanta öffnet dieses Bild einen Zugang zu jener unsichtbaren Wirklichkeit, deren Gegenwart wir an ihren Wirkungen erkennen.

Herkunft und Verwendung

Rigveda, Samhita 10.168.1–4.

Vollständiger Sanskrittext in IAST

oṃ vātasya nu mahimānaṃ rathasya rujann eti stanayann asya ghoṣaḥ |
divispṛg yāty aruṇāni kṛṇvann uto eti pṛthivyā reṇum asyan || 1 ||

sam prerate anu vātasya viṣṭhā ainaṃ gacchanti samanaṃ na yoṣāḥ |
tābhiḥ sayuk sarathaṃ deva īyate 'sya viśvasya bhuvanasya rājā || 2 ||

antarikṣe pathibhir īyamāno na ni viśate katamac canāhaḥ |
apāṃ sakhā prathamajā ṛtāvā kva svij jātaḥ kuta ā babhūva || 3 ||

ātmā devānām bhuvanasya garbho yathāvaśaṃ carati deva eṣaḥ |
ghoṣā id asya śṛṇvire na rūpaṃ tasmai vātāya haviṣā vidhema || 4 ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Om.

1 Nun preise ich die Größe von Vatas Wagen. Zerbrechend fährt er dahin; donnernd ist sein Brausen. Er berührt den Himmel und lässt rötliche Farben entstehen; er fährt über die Erde und wirbelt ihren Staub empor.

2 Die Windströme eilen gemeinsam auf Vatas Bahnen. Sie kommen zu ihm wie Frauen zum Fest. Mit ihnen vereint fährt der Deva auf demselben Wagen, der König dieser ganzen Welt.

3 Auf den Pfaden des Luftraums zieht er dahin; an keinem Tag kommt er zur Ruhe. Freund der Wasser, erstgeboren, dem Rita treu: Wo wurde er geboren? Woher ist er gekommen?

4 Er ist der Atman der Devas, der Keim der Welt. Dieser Deva wandert, wie es ihm gefällt. Sein Brausen hört man; seine Gestalt sieht man nicht. Vata wollen wir mit unserer Gabe verehren.

Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.

Vollständiger Sanskrittext in Devanagari

ॐ वातस्य नु महिमानं रथस्य रुजन्न् एति स्तनयन्न् अस्य घोषः ।
दिविस्पृग् यात्य् अरुणानि कृण्वन्न् उतो एति पृथिव्या रेणुम् अस्यन् ॥ १ ॥

सम् प्रेरते अनु वातस्य विष्ठा ऐनं गच्छन्ति समनं न योषाः ।
ताभिः सयुक् सरथं देव ईयते ऽस्य विश्वस्य भुवनस्य राजा ॥ २ ॥

अन्तरिक्षे पथिभिर् ईयमानो न नि विशते कतमच् चनाहः ।
अपां सखा प्रथमजा ऋतावा क्व स्विज् जातः कुत आ बभूव ॥ ३ ॥

आत्मा देवानाम् भुवनस्य गर्भो यथावशं चरति देव एषः ।
घोषा इद् अस्य शृण्विरे न रूपं तस्मै वाताय हविषा विधेम ॥ ४ ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Vertiefende Erläuterungen

Rigveda-Handschrift: Bildbeispiel vedischer Textüberlieferung; ein Beispiel für die handschriftliche Überlieferung.

Wind lässt sich hören und auf der Haut spüren. Seine Gegenwart ist gewiss, auch wenn wir keine Gestalt von ihm festhalten können. So kann diese Hymne zur Meditation anregen: Achte auf den Atem. Spüre, was sich bewegt. Werde dir dann dessen bewusst, der diese Bewegung wahrnimmt.

Vata bleibt zugleich eine machtvolle Gottheit, die Erde und Himmel berührt. Wir verehren ihn mit Dankbarkeit für die Luft, die alles Lebendige miteinander verbindet. Mit jedem Atemzug empfangen wir aus dieser gemeinsamen Welt.

Video zur Vertiefung

Prana die Lebensenergie - YVS089

Anregungen für die eigene Praxis

Swami Sivananda mit einer Mala: Rezitation, Sammlung und Hingabe können einander vertiefen.
  1. Setze dich aufrecht und bequem und beobachte einige natürliche Atemzüge.
  2. Lies, wie der Text Atem und kosmisches Leben miteinander verbindet.
  3. Rezitiere in einem angenehmen Tempo; mache bei Bedarf eine natürliche Atempause.
  4. Nimm die Verbindung mit Luft, Pflanzen und anderen Lebewesen als Anlass zur Dankbarkeit.
  5. Verweile anschließend beim ruhigen Atem. Diese Betrachtung verlangt keine Atemanhalteübung.

Video zur begleitenden Praxis und Auslegung

Vayu - Wind - Windgott - Hinduismus Wörterbuch

Abschließende Worte

Höre auf das Brausen und schau, was sich bewegt. Der Wind selbst bleibt dem Auge verborgen.

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Vata Sukta“.
  • Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 39: „Vāta Sūktam“.
  • Rigveda, Samhita 10.168.1–4.

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