Ushas Sukta

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Ushas Sukta (Sanskrit: उषस्सूक्तम्, IAST: uṣassūktam, n.) – eine Hymne des Rigveda (1.113) an Ushas, die Morgenröte. Die Göttin weckt Menschen und Tiere und öffnet die Tore des Tages. Zugleich erinnert sie an alle, die vor uns denselben Morgen gesehen haben. Das macht ihre Verse zu einem Gebet für die erste stille Stunde des Tages.

Der Sonnenaufgang veranschaulicht Ushas, die vedische Morgenröte.

Ushas öffnet die Tore des Tages. Als junge Göttin im leuchtenden Gewand weckt sie Menschen und Tiere, bringt das Opferfeuer zum Brennen und gibt den Tätigkeiten ihren Anfang. Die Hymne spricht zugleich von der Vergänglichkeit: Frühere Menschen haben dieselbe Morgenröte gesehen, spätere werden sie sehen. Für uns verbindet sich dieses Gebet mit der frühen Sadhana, mit Dankbarkeit für den neuen Tag und mit dem bewussten Umgang mit unserer Lebenszeit.

Herkunft und Verwendung

Rigveda, Samhita 1.113.1–20.

Vollständiger Sanskrittext in IAST

oṃ idaṃ śreṣṭhaṃ jyotiṣāṃ jyotir āgāc citraḥ praketo ajaniṣṭa vibhvā |
yathā prasūtā savituḥ savāyaṃ evā rātry uṣase yonim āraik || 1 ||

ruśadvatsā ruśatī śvetyāgād āraig u kṛṣṇā sadanāny asyāḥ |
samānabandhū amṛte anūcī dyāvā varṇaṃ carata āmināne || 2 ||

samāno adhvā svasror anantas tam anyānyā carato devaśiṣṭe |
na methete na tasthatuḥ sumeke naktoṣāsā samanasā virūpe || 3 ||

bhāsvatī netrī sūnṛtānām aceti citrā vi duro na āvaḥ |
prārpyā jagad vy u no rāyo akhyad uṣā ajīgar bhuvanāni viśvā || 4 ||

jihmaśye caritave maghony ābhogaya iṣṭaye rāya u tvam |
dabhram paśyadbhya urviyā vicakṣa uṣā ajīgar bhuvanāni viśvā || 5 ||

kṣatrāya tvaṃ śravase tvam mahīyā iṣṭaye tvam artham iva tvam ityai |
visadṛśā jīvitābhipracakṣa uṣā ajīgar bhuvanāni viśvā || 6 ||

eṣā divo duhitā praty adarśi vyucchantī yuvatiḥ śukravāsāḥ |
viśvasyeśānā pārthivasya vasva uṣo adyeha subhage vy uccha || 7 ||

parāyatīnām anv eti pātha āyatīnām prathamā śaśvatīnām |
vyucchantī jīvam udīrayanty uṣā mṛtaṃ kaṃ cana bodhayantī || 8 ||

uṣo yad agniṃ samidhe cakartha vi yad āvaś cakṣasā sūryasya |
yan mānuṣān yakṣyamāṇāṃ ajīgas tad deveṣu cakṛṣe bhadram apnaḥ || 9 ||

kiyāty ā yat samayā bhavāti yā vyūṣur yāś ca nūnaṃ vyucchān |
anu pūrvāḥ kṛpate vāvaśānā pradīdhyānā joṣam anyābhir eti || 10 ||

īyuṣ ṭe ye pūrvatarām apaśyan vyucchantīm uṣasam martyāsaḥ |
asmābhir ū nu praticakṣyābhūd o te yanti ye aparīṣu paśyān || 11 ||

yāvayaddveṣā ṛtapā ṛtejāḥ sumnāvarī sūnṛtā īrayantī |
sumaṅgalīr bibhratī devavītim ihādyoṣaḥ śreṣṭhatamā vy uccha || 12 ||

śaśvat puroṣā vy uvāsa devy atho adyedaṃ vy āvo maghonī |
atho vy ucchād uttarāṃ anu dyūn ajarāmṛtā carati svadhābhiḥ || 13 ||

vy añjibhir diva ātāsv adyaud apa kṛṣṇāṃ nirṇijaṃ devy āvaḥ |
prabodhayanty aruṇebhir aśvair oṣā yāti suyujā rathena || 14 ||

āvahantī poṣyā vāryāṇi citraṃ ketuṃ kṛṇute cekitānā |
īyuṣīṇām upamā śaśvatīnāṃ vibhātīnām prathamoṣā vy aśvait || 15 ||

ud īrdhvaṃ jīvo asur na āgād apa prāgāt tama ā jyotir eti |
āraik panthāṃ yātave sūryāyāganma yatra pratiranta āyuḥ || 16 ||

syūmanā vāca ud iyarti vahni stavāno rebha uṣaso vibhātīḥ |
adyā tad uccha gṛṇate maghony asme āyur ni didīhi prajāvat || 17 ||

yā gomatīr uṣasaḥ sarvavīrā vyucchanti dāśuṣe martyāya |
vāyor iva sūnṛtānām udarke tā aśvadā aśnavat somasutvā || 18 ||

mātā devānām aditer anīkaṃ yajñasya ketur bṛhatī vi bhāhi |
praśastikṛd brahmaṇe no vy ucchā no jane janaya viśvavāre || 19 ||

yac citram apna uṣaso vahantījānāya śaśamānāya bhadram |
tan no mitro varuṇo māmahantām aditiḥ sindhuḥ pṛthivī uta dyauḥ || 20 ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Om.

1 Das schönste Licht unter den Lichtern ist gekommen. Geboren ist der helle, weithin leuchtende Glanz. Wie von Savitars Antrieb fortgesandt, hat die Nacht der Morgenröte ihren Platz geräumt.

2 Die Strahlende ist mit ihrem hellen Kind gekommen; die Dunkle hat ihr die Wohnstätten überlassen. Gleichen Ursprungs, unsterblich, folgen sie einander. Die beiden Himmelsgestalten wandeln und wechseln ihre Farben.

3 Gemeinsam und endlos ist der Weg der Schwestern. Von den Devas geleitet, gehen sie ihn abwechselnd. Sie streiten nicht und bleiben nicht stehen. Nacht und Morgenröte sind eines Sinnes, verschieden in ihrer Gestalt.

4 Leuchtend erscheint die Führerin freundlicher Worte; die Strahlende hat uns die Tore geöffnet. Sie setzt die Welt in Bewegung und zeigt uns ihre Schätze. Ushas hat alle Wesen geweckt.

5 Du Gabenreiche weckst den zusammengerollt Schlafenden zum Gehen, den einen zum Genuss, den anderen zur Darbringung oder zum Erwerb. Den wenig Sehenden öffnest du den weiten Blick. Ushas hat alle Wesen geweckt.

6 Den einen zur Herrschaft, den anderen zu hohem Ruhm, den einen zum Opfer, den anderen, seinem Ziel entgegenzugehen: Du lässt die Menschen ihre verschiedenen Lebenswege erkennen. Ushas hat alle Wesen geweckt.

7 Die Tochter des Himmels ist sichtbar geworden, die junge Frau, die im strahlenden Gewand aufleuchtet. Du Herrin aller Schätze der Erde, Ushas, du Glückverheißende, leuchte heute hier für uns.

8 Sie folgt dem Weg der Morgenröten, die vergangen sind, als Erste der unzähligen, die noch kommen. Aufleuchtend ruft Ushas die Lebenden auf; doch keinen Toten vermag sie zu wecken.

9 Du hast Agni zum Entzünden gebracht, Ushas, und mit Suryas Auge die Welt eröffnet. Du hast die Menschen geweckt, die den Devas opfern wollen. Damit hast du für die Devas ein segensreiches Werk getan.

10 Wie lange währt die Folge zwischen jenen Morgenröten, die schon geleuchtet haben, und denen, die noch leuchten werden? Sehnsüchtig folgt sie den früheren; hell strahlend geht sie freudig mit den anderen dahin.

11 Fortgegangen sind die Sterblichen, die früher die Morgenröte aufgehen sahen. Jetzt ist sie unserem Blick erschienen. Und schon nahen jene, die sie in künftigen Tagen schauen werden.

12 Du vertreibst Feindschaft, hütest Rita und bist aus Rita geboren. Du schenkst Güte und lässt freundliche Worte erklingen. Du bringst Segen und Gaben zur Freude der Devas. Ushas, leuchte heute hier in deiner höchsten Schönheit.

13 Seit alten Zeiten hat die Göttin aufgeleuchtet; auch heute hat die Gabenreiche ihr Licht entfaltet. Sie wird an den kommenden Tagen aufleuchten. Alterslos, unsterblich wandelt sie aus eigener Kraft.

14 An den Rändern des Himmels erstrahlte sie in ihrem Schmuck. Die Göttin hat das schwarze Gewand abgelegt. Mit morgenroten Rossen, die Welt erweckend, kommt Ushas auf ihrem wohlbespannten Wagen.

15 Sie bringt die köstlichen Gaben, die das Leben nähren, und entfaltet wissend ihr helles Lichtzeichen. Die jüngste der unzähligen vergangenen Morgenröten, die erste der künftig leuchtenden, ist Ushas aufgegangen.

16 Erhebt euch! Der Lebenshauch ist zu uns gekommen. Das Dunkel ist gewichen, das Licht naht. Sie hat Surya den Weg zum Wandern freigemacht. Wir sind dorthin gelangt, wo sich das Leben entfaltet.

17 Mit dem Gewebe seines Liedes erhebt sich der Sänger; er preist die leuchtenden Morgenröten. Leuchte heute für den, der dich besingt, du Gabenreiche. Schenke uns Leben und Nachkommenschaft.

18 Die Morgenröten, reich an Kühen und starken Nachkommen, die dem Sterblichen leuchten, der seine Gabe darbringt, die Rosse schenken: Sie möge der Soma-Pressende erlangen, wenn seine freundlichen Lieder ausklingen wie Vayus Wehen.

19 Mutter der Devas, Antlitz Aditis, Lichtzeichen des Yajna, du Große, strahle auf. Lass unser heiliges Wort Anerkennung finden. Erhebe uns unter den Menschen, du von allen Begehrte.

20 Welch leuchtenden Reichtum die Morgenröten bringen, Segen für den, der opfert und sich im Lob bemüht: Das mögen Mitra und Varuna uns gewähren, Aditi, Sindhu, Erde und Himmel.

Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.

Vollständiger Sanskrittext in Devanagari

ॐ इदं श्रेष्ठं ज्योतिषां ज्योतिर् आगाच् चित्रः प्रकेतो अजनिष्ट विभ्वा ।
यथा प्रसूता सवितुः सवायं एवा रात्र्य् उषसे योनिम् आरैक् ॥ १ ॥

रुशद्वत्सा रुशती श्वेत्यागाद् आरैग् उ कृष्णा सदनान्य् अस्याः ।
समानबन्धू अमृते अनूची द्यावा वर्णं चरत आमिनाने ॥ २ ॥

समानो अध्वा स्वस्रोर् अनन्तस् तम् अन्यान्या चरतो देवशिष्टे ।
न मेथेते न तस्थतुः सुमेके नक्तोषासा समनसा विरूपे ॥ ३ ॥

भास्वती नेत्री सूनृतानाम् अचेति चित्रा वि दुरो न आवः ।
प्रार्प्या जगद् व्य् उ नो रायो अख्यद् उषा अजीगर् भुवनानि विश्वा ॥ ४ ॥

जिह्मश्ये चरितवे मघोन्य् आभोगय इष्टये राय उ त्वम् ।
दभ्रम् पश्यद्भ्य उर्विया विचक्ष उषा अजीगर् भुवनानि विश्वा ॥ ५ ॥

क्षत्राय त्वं श्रवसे त्वम् महीया इष्टये त्वम् अर्थम् इव त्वम् इत्यै ।
विसदृशा जीविताभिप्रचक्ष उषा अजीगर् भुवनानि विश्वा ॥ ६ ॥

एषा दिवो दुहिता प्रत्य् अदर्शि व्युच्छन्ती युवतिः शुक्रवासाः ।
विश्वस्येशाना पार्थिवस्य वस्व उषो अद्येह सुभगे व्य् उच्छ ॥ ७ ॥

परायतीनाम् अन्व् एति पाथ आयतीनाम् प्रथमा शश्वतीनाम् ।
व्युच्छन्ती जीवम् उदीरयन्त्य् उषा मृतं कं चन बोधयन्ती ॥ ८ ॥

उषो यद् अग्निं समिधे चकर्थ वि यद् आवश् चक्षसा सूर्यस्य ।
यन् मानुषान् यक्ष्यमाणां अजीगस् तद् देवेषु चकृषे भद्रम् अप्नः ॥ ९ ॥

कियात्य् आ यत् समया भवाति या व्यूषुर् याश् च नूनं व्युच्छान् ।
अनु पूर्वाः कृपते वावशाना प्रदीध्याना जोषम् अन्याभिर् एति ॥ १० ॥

ईयुष् टे ये पूर्वतराम् अपश्यन् व्युच्छन्तीम् उषसम् मर्त्यासः ।
अस्माभिर् ऊ नु प्रतिचक्ष्याभूद् ओ ते यन्ति ये अपरीषु पश्यान् ॥ ११ ॥

यावयद्द्वेषा ऋतपा ऋतेजाः सुम्नावरी सूनृता ईरयन्ती ।
सुमङ्गलीर् बिभ्रती देववीतिम् इहाद्योषः श्रेष्ठतमा व्य् उच्छ ॥ १२ ॥

शश्वत् पुरोषा व्य् उवास देव्य् अथो अद्येदं व्य् आवो मघोनी ।
अथो व्य् उच्छाद् उत्तरां अनु द्यून् अजरामृता चरति स्वधाभिः ॥ १३ ॥

व्य् अञ्जिभिर् दिव आतास्व् अद्यौद् अप कृष्णां निर्णिजं देव्य् आवः ।
प्रबोधयन्त्य् अरुणेभिर् अश्वैर् ओषा याति सुयुजा रथेन ॥ १४ ॥

आवहन्ती पोष्या वार्याणि चित्रं केतुं कृणुते चेकिताना ।
ईयुषीणाम् उपमा शश्वतीनां विभातीनाम् प्रथमोषा व्य् अश्वैत् ॥ १५ ॥

उद् ईर्ध्वं जीवो असुर् न आगाद् अप प्रागात् तम आ ज्योतिर् एति ।
आरैक् पन्थां यातवे सूर्यायागन्म यत्र प्रतिरन्त आयुः ॥ १६ ॥

स्यूमना वाच उद् इयर्ति वह्नि स्तवानो रेभ उषसो विभातीः ।
अद्या तद् उच्छ गृणते मघोन्य् अस्मे आयुर् नि दिदीहि प्रजावत् ॥ १७ ॥

या गोमतीर् उषसः सर्ववीरा व्युच्छन्ति दाशुषे मर्त्याय ।
वायोर् इव सूनृतानाम् उदर्के ता अश्वदा अश्नवत् सोमसुत्वा ॥ १८ ॥

माता देवानाम् अदितेर् अनीकं यज्ञस्य केतुर् बृहती वि भाहि ।
प्रशस्तिकृद् ब्रह्मणे नो व्य् उच्छा नो जने जनय विश्ववारे ॥ १९ ॥

यच् चित्रम् अप्न उषसो वहन्तीजानाय शशमानाय भद्रम् ।
तन् नो मित्रो वरुणो मामहन्ताम् अदितिः सिन्धुः पृथिवी उत द्यौः ॥ २० ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Vertiefende Erläuterungen

Rigveda-Handschrift: Bildbeispiel vedischer Textüberlieferung; ein Beispiel für die handschriftliche Überlieferung.

„Erhebt euch!“ Mit diesem Ruf wird die Morgenröte zur Einladung. Wir haben einen neuen Tag erhalten. Wir können meditieren, uns versöhnen, jemandem helfen oder eine begonnene Aufgabe weiterführen. Gerade die Erinnerung an vergangene Generationen gibt dem heutigen Tag Gewicht.

Ushas und die Nacht sind Schwestern. Sie gehen ihren Weg in Eintracht. Auch unser Leben braucht Wachheit und Ruhe, entschlossenes Tun und das Loslassen am Abend. Die Morgenröte hilft uns, den Übergang bewusst zu vollziehen.

Bei Yoga Vidya können wir Ushas als Gestalt der göttlichen Mutter verehren. Sie weckt die noch verborgenen Kräfte, macht den Geist hell und öffnet das Herz für das Göttliche. Ein stiller Augenblick am Morgen genügt, um ihr zu danken und den Tag zu weihen.

Video zur Vertiefung

Surya - Sonne und Sonnengott - Hinduismus und Astrologie Lexikon

Anregungen für die eigene Praxis

Swami Sivananda mit einer Mala: Rezitation, Sammlung und Hingabe können einander vertiefen.
  1. Wende dich in einem kurzen Gebet an die göttliche Mutter und benenne deine tatsächliche Freude oder Sorge.
  2. Lies die Bilder der Hymne aufmerksam; lasse auch ihre kraftvollen oder ungewohnten Seiten stehen.
  3. Wähle ein Bild des Schutzes oder des Nährens für einige Minuten stiller Betrachtung.
  4. Bringe deine Dankbarkeit in einer fürsorglichen Handlung zum Ausdruck, etwa durch Teilen einer Mahlzeit.
  5. Schließe mit einem Friedenswunsch, der auch andere Menschen, Tiere und ihre Lebensräume einschließt.

Video zur begleitenden Praxis und Auslegung

Rig Veda - älteste indische heilige Schriften - Sanskrit Wörterbuch

Abschließende Worte

„Erhebt euch!“ Was willst du an diesem einen, unwiederholbaren Tag beginnen?

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Ushas Sukta“.
  • Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 37: „Uṣas Sūktam“.
  • Rigveda, Samhita 1.113.1–20.

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