Vishvakarma Sukta 2

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Vishvakarma Sukta 2 (Sanskrit: विश्वकर्मसूक्तम्, IAST: viśvakarmasūktam, n.) – die zweite Hymne des Rigveda an den Allschöpfer (10.82). Sie fragt nach dem ersten Keim, den die Wasser trugen, und spricht von dem Einen, auf dem die Welten ruhen. Ihr letzter Vers lädt dazu ein, beim Singen aufmerksam zu bleiben: Wen meine ich, wenn ich Gott anrufe?

Brahma, der Schöpfer, in einer späteren Bildtradition. Brahma ist vom unpersönlichen Brahman zu unterscheiden.

Die zweite Hymne an Vishvakarman fragt nach dem ersten Keim, den die Urwasser trugen. Sie beschreibt den Schöpfer als Vater, Ordner und Namengeber der Devas. Alle Welten ruhen in dem Einen, das am Nabel des Ungeborenen gegründet ist. Der Schluss wird sehr unmittelbar: Menschen können Hymnen sprechen und doch den Ursprung verkennen. Diese Mahnung ist für unseren Weg des Yoga Vedanta wichtig. Heilige Worte wollen verstanden und im eigenen Leben verwirklicht werden. Sie führen uns zur Suche nach dem, von dem sie sprechen.

Siehe auch Vishvakarma Sukta 1

Herkunft und Verwendung

Rigveda, Mandala 10, Sukta 82, Verse 1–7: RV 10.82.1–7.

Vollständiger Sanskrittext in IAST

oṃ cakṣuṣaḥ pitā manasā hi dhīro ghṛtam ene ajanan nannamāne |
yaded antā adadṛhanta pūrva ād id dyāvāpṛthivī aprathetām || 1 ||

viśvakarmā vimanā ād vihāyā dhātā vidhātā paramota saṃdṛk |
teṣām iṣṭāni sam iṣā madanti yatrā saptaṛṣīn para ekam āhuḥ || 2 ||

yo naḥ pitā janitā yo vidhātā dhāmāni veda bhuvanāni viśvā |
yo devānāṃ nāmadhā eka eva taṃ sampraśnam bhuvanā yanty anyā || 3 ||

ta āyajanta draviṇaṃ sam asmā ṛṣayaḥ pūrve jaritāro na bhūnā |
asūrte sūrte rajasi niṣatte ye bhūtāni samakṛṇvann imāni || 4 ||

paro divā para enā pṛthivyā paro devebhir asurair yad asti |
kaṃ svid garbham prathamaṃ dadhra āpo yatra devāḥ samapaśyanta viśve || 5 ||

tam id garbham prathamaṃ dadhra āpo yatra devāḥ samagacchanta viśve |
ajasya nābhāv adhy ekam arpitaṃ yasmin viśvāni bhuvanāni tasthuḥ || 6 ||

na taṃ vidātha ya imā jajānānyad yuṣmākam antaram babhūva |
nīhāreṇa prāvṛtā jalpyā cāsutṛpa ukthaśāsaś caranti || 7 ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Om.

1 Der Vater des Auges, der im Geist Weise, brachte diese beiden, sich neigenden Welten hervor, von Ghee erfüllt. Als ihre Enden am Anfang fest gegründet waren, breiteten sich Himmel und Erde weit aus.

2 Vishvakarman, von umfassendem Geist und mächtiger Kraft, ist Schöpfer, Ordner und höchster Seher. Ihre Opfergaben erfreuen sich an nährender Fülle, dort, wo sie jenseits der sieben Rishis den Einen nennen.

3 Er ist unser Vater, unser Erzeuger und Ordner. Er kennt alle Stätten und alle Welten. Er allein gab den Devas ihre Namen. Zu ihm kommen die anderen Wesen mit ihren Fragen.

4 Ihm brachten die früheren Rishis gemeinsam Fülle dar, wie Sänger in großer Zahl. Im noch unerschlossenen und im erschlossenen Raum sitzend, ordneten sie all diese Wesen.

5 Jenseits des Himmels, jenseits dieser Erde, jenseits der Devas und Asuras: Welchen ersten Keim trugen die Wasser, in dem sich alle Devas miteinander erblickten?

6 Diesen ersten Keim trugen die Wasser, in dem alle Devas zusammenkamen. Am Nabel des Ungeborenen ist das Eine gegründet, in dem alle Welten ruhen.

7 Ihr kennt ihn nicht, der diese Wesen hervorbrachte. Etwas anderes ist zwischen euch getreten. In Nebel gehüllt, mit leerem Gerede, nur auf die Sättigung des Lebens bedacht, ziehen die Sänger ihrer Hymnen umher.

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Vollständiger Sanskrittext in Devanagari

ॐ चक्षुषः पिता मनसा हि धीरो घृतम् एने अजनन् नन्नमाने ।
यदेद् अन्ता अददृहन्त पूर्व आद् इद् द्यावापृथिवी अप्रथेताम् ॥ १ ॥

विश्वकर्मा विमना आद् विहाया धाता विधाता परमोत संदृक् ।
तेषाम् इष्टानि सम् इषा मदन्ति यत्रा सप्तऋषीन् पर एकम् आहुः ॥ २ ॥

यो नः पिता जनिता यो विधाता धामानि वेद भुवनानि विश्वा ।
यो देवानां नामधा एक एव तं सम्प्रश्नम् भुवना यन्त्य् अन्या ॥ ३ ॥

त आयजन्त द्रविणं सम् अस्मा ऋषयः पूर्वे जरितारो न भूना ।
असूर्ते सूर्ते रजसि निषत्ते ये भूतानि समकृण्वन्न् इमानि ॥ ४ ॥

परो दिवा पर एना पृथिव्या परो देवेभिर् असुरैर् यद् अस्ति ।
कं स्विद् गर्भम् प्रथमं दध्र आपो यत्र देवाः समपश्यन्त विश्वे ॥ ५ ॥

तम् इद् गर्भम् प्रथमं दध्र आपो यत्र देवाः समगच्छन्त विश्वे ।
अजस्य नाभाव् अध्य् एकम् अर्पितं यस्मिन् विश्वानि भुवनानि तस्थुः ॥ ६ ॥

न तं विदाथ य इमा जजानान्यद् युष्माकम् अन्तरम् बभूव ।
नीहारेण प्रावृता जल्प्या चासुतृप उक्थशासश् चरन्ति ॥ ७ ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Vertiefende Erläuterungen

Rigveda-Handschrift: Bildbeispiel vedischer Textüberlieferung; ein Beispiel für die handschriftliche Überlieferung.

Der letzte Vers trifft auch uns. Ein Mantra kann vertraut sein, und doch bleibt unser Geist während der Rezitation mit anderem beschäftigt. Die Hymne fordert dazu auf, wach zu werden. Wem gilt mein Gebet? Was suche ich, wenn ich die Schriften lese?

Das Bild vom Nabel des Ungeborenen verbindet Entstehen mit dem, was selbst keinen Anfang hat. Im Vedanta richten wir uns auf Brahman als den Grund aller Namen und Formen. Ishvara, Gott als Herr der Schöpfung, wird hier als Vater und Namengeber verehrt.

Lass nach dem Lesen für einen Augenblick alle Erklärungen ruhen. Spüre die Frage nach dem Ursprung. Vielleicht wird gerade in dieser Offenheit eine tiefere Beziehung zu den heiligen Worten möglich.

Video zur Vertiefung

Was ist Vedanta – YVS563

Anregungen für die eigene Praxis

Swami Sivananda mit einer Mala: Rezitation, Sammlung und Hingabe können einander vertiefen.
  1. Lies die Hymne zunächst als Ganzes und wähle dann ein Bild oder eine Frage für die Betrachtung.
  2. Unterscheide beim Lesen, was der Vers sagt, von dem, was du in ihm deutest.
  3. Verweile bei der Frage nach dem Grund des Lebens, ohne sofort eine fertige Antwort zu verlangen.
  4. Verbinde die Schau der Einheit mit einer konkreten achtsamen Begegnung im Alltag.
  5. Beende die Betrachtung in Stille. Auch das Eingeständnis einer noch offenen Frage kann Teil des Svadhyaya sein.

Video zur begleitenden Praxis und Auslegung

Vedanta Vortrag von Sukadev

Abschließende Worte

Nimm dir nach dem letzten Vers einen Augenblick, in dem du die Frage nach dem Ursprung weder erklären noch beantworten musst.

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Vishvakarma Sukta 2“.
  • Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 13: „Viśvakarma Sūktam 2“.
  • Rigveda, Mandala 10, Sukta 82, Verse 1–7: RV 10.82.1–7.

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