Shraddha Sukta
Shraddha Sukta (Sanskrit: श्रद्धासूक्तम्, IAST: śraddhāsūktam, n.) – eine Hymne des Rigveda an Shraddha, das lebendige Vertrauen. Es begleitet die Gabe ins Feuer, das Schenken und sogar schon den Wunsch zu geben. Morgens, mittags und abends lässt sich der Schlussvers als persönliche Bitte an die Göttin sprechen.

Shraddha bedeutet Vertrauen und Glaube. Die Hymne verehrt Shraddha als Göttin und bittet um ihre Gegenwart beim Yajna, beim Geben und während des ganzen Tages. Für unseren Weg des Yoga Vedanta brauchen wir dieses Vertrauen: in die Möglichkeit der Erkenntnis, in die Lehre und in die eigene Fähigkeit, zu wachsen. Shraddha gibt uns die Kraft, eine Praxis aufzunehmen und sie mit Hingabe fortzusetzen. Der letzte Vers ist ein unmittelbares Gebet an die Göttin: „O Shraddha, erwecke in uns Vertrauen.“
Herkunft und Verwendung
Rigveda, Mandala 10, Sukta 151, Verse 1–5: RV 10.151.1–5. Om und der Shanti-Ruf gehören zum Rezitationsrahmen.
Vollständiger Sanskrittext in IAST
oṃ śraddhayāgniḥ sam idhyate śraddhayā hūyate haviḥ |
śraddhām bhagasya mūrdhani vacasā vedayāmasi || 1 ||
priyaṃ śraddhe dadataḥ priyaṃ śraddhe didāsataḥ |
priyam bhojeṣu yajvasv idam ma uditaṃ kṛdhi || 2 ||
yathā devā asureṣu śraddhām ugreṣu cakrire |
evam bhojeṣu yajvasv asmākam uditaṃ kṛdhi || 3 ||
śraddhāṃ devā yajamānā vāyugopā upāsate |
śraddhāṃ hṛdayyayākūtyā śraddhayā vindate vasu || 4 ||
śraddhām prātar havāmahe śraddhām madhyandinam pari |
śraddhāṃ sūryasya nimruci śraddhe śrad dhāpayeha naḥ || 5 ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Vollständige deutsche Übersetzung
Om.
1 Durch Shraddha wird Agni entzündet. Durch Shraddha wird die Opfergabe dargebracht. Mit unserem Wort preisen wir Shraddha als Krone des Segens.
2 Sei denen wohlgesinnt, die geben, o Shraddha, und denen, die geben möchten. Sei den Freigebigen wohlgesinnt, die Yajna vollziehen. Lass mein gesprochenes Gebet Segen bringen.
3 Wie die Devas ihr Vertrauen in die mächtigen Asuras setzten, so lass auch unser Gebet wirksam werden für die Freigebigen, die Yajna vollziehen.
4 Die Devas und die Menschen, die Yajna darbringen, wenden sich Shraddha zu, behütet von Vayu, dem Windgott. Mit dem tiefen Streben ihres Herzens verehren sie Shraddha. Durch Shraddha wird Fülle gewonnen.
5 Am Morgen rufen wir Shraddha an, zur Mittagszeit rufen wir Shraddha an, beim Sinken der Sonne rufen wir Shraddha an. O Shraddha, erwecke in uns Vertrauen.
Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.
Vollständiger Sanskrittext in Devanagari
ॐ श्रद्धयाग्निः सम् इध्यते श्रद्धया हूयते हविः ।
श्रद्धाम् भगस्य मूर्धनि वचसा वेदयामसि ॥ १ ॥
प्रियं श्रद्धे ददतः प्रियं श्रद्धे दिदासतः ।
प्रियम् भोजेषु यज्वस्व् इदम् म उदितं कृधि ॥ २ ॥
यथा देवा असुरेषु श्रद्धाम् उग्रेषु चक्रिरे ।
एवम् भोजेषु यज्वस्व् अस्माकम् उदितं कृधि ॥ ३ ॥
श्रद्धां देवा यजमाना वायुगोपा उपासते ।
श्रद्धां हृदय्ययाकूत्या श्रद्धया विन्दते वसु ॥ ४ ॥
श्रद्धाम् प्रातर् हवामहे श्रद्धाम् मध्यन्दिनम् परि ।
श्रद्धां सूर्यस्य निम्रुचि श्रद्धे श्रद् धापयेह नः ॥ ५ ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
Vertiefende Erläuterungen

Shraddha gibt deiner Praxis Kraft. Wenn du ein Mantra rezitierst, bringe dein Herz hinein. Wenn du etwas gibst, gib mit Liebe. Der zweite Vers schließt bereits den Wunsch zu geben in den Segen ein. Eine gute Absicht kann der Anfang einer Veränderung sein.
Auch Fragen haben auf dem spirituellen Weg ihren Platz. Du kannst die Lehre prüfen, mit anderen darüber sprechen und durch eigene Praxis Erfahrung sammeln. Daraus kann Vertrauen wachsen. Der Hinweis auf die mächtigen Asuras im dritten Vers bewahrt die alte vedische Bildwelt; der Name Asura kann in den Veden auch göttliche Macht bezeichnen.
Der letzte Vers gibt dem Tag eine einfache geistige Ausrichtung. Morgens kannst du um Vertrauen für das Kommende bitten. Mittags erinnerst du dich an deine Praxis. Abends übergibst du Gott, was du erlebt hast. Auch wenn dein Vertrauen schwach ist, kannst du dieses Gebet sprechen.
Video zur Vertiefung
Shraddha – Glaube, Vertrauen - Sanskrit Wörterbuch
Anregungen für die eigene Praxis

- Sprich die Anrufung morgens mit einer einfachen Absicht für deine Praxis.
- Erinnere dich an eine Erfahrung, in der geduldiges Üben etwas zum Guten verändert hat.
- Gib heute etwas mit innerer Beteiligung: Zeit, Aufmerksamkeit oder eine hilfreiche Gabe.
- Lass eine offene Frage ausdrücklich offen und suche eine verlässliche Antwort. Vertrauen und Prüfung können zusammengehören.
- Schließe den Tag mit Dank und übergib Gott auch das, was unvollendet geblieben ist.
Video zur begleitenden Praxis und Auslegung
Die 9 Bhakti Praktiken: Wie man Hingabe entwickelt
Abschließende Worte
In dieser Hymne zählt schon der Wunsch zu geben. Welcher kleine Schritt könnte heute aus diesem Wunsch eine Gabe machen?
Siehe auch
Quellen und Literatur
- Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Shraddha Sukta“.
- Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 7: „Śraddhā Sūktam“.
- Rigveda, Mandala 10, Sukta 151, Verse 1–5: RV 10.151.1–5. Om und der Shanti-Ruf gehören zum Rezitationsrahmen.
- Sanskrittext zum Nachlesen: GRETIL: Rigveda, Mandala 10.
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