Vishvakarma Sukta
Vishvakarma Sukta 1 (Sanskrit: विश्वकर्मसूक्तम्, IAST: viśvakarmasūktam, n.) – die erste der beiden Rigveda-Hymnen an Vishvakarman, den Allschöpfer (Rigveda 10.81). Der Seher fragt wie ein Handwerker: Wo stand der Schöpfer, und aus welchem Holz fügte er Himmel und Erde? Diese anschaulichen Fragen öffnen einen Weg vom eigenen Schaffen zum Staunen über die Welt.

Vishvakarman ist der Allschöpfer, dessen Wirken die ganze Welt umfasst. Die Hymne fragt nach seinem Standort, seinem Werkzeug und dem Stoff der Schöpfung. Sie stellt sich Himmel und Erde wie ein Werk vor und schaut zugleich auf ein göttliches Wesen, dessen Augen, Hände und Füße überall sind. Zum Schluss wird Vishvakarman als Herr der Sprache angerufen. Für unseren Glauben öffnet dieser Text den Blick auf die schöpferische Gegenwart Gottes. Auch das menschliche Schaffen kann dadurch eine geistige Bedeutung erhalten: Was wir gestalten, kann zu einer Gabe werden.
Siehe auch Vishvakarma Sukta 2.
Herkunft und Verwendung
Rigveda, Mandala 10, Sukta 81, Verse 1–7: RV 10.81.1–7.
Vollständiger Sanskrittext in IAST
oṃ ya imā viśvā bhuvanāni juhvad ṛṣir hotā ny asīdat pitā naḥ |
sa āśiṣā draviṇam icchamānaḥ prathamacchad avarāṃ ā viveśa || 1 ||
kiṃ svid āsīd adhiṣṭhānam ārambhaṇaṃ katamat svit kathāsīt |
yato bhūmiṃ janayan viśvakarmā vi dyām aurṇon mahinā viśvacakṣāḥ || 2 ||
viśvataścakṣur uta viśvatomukho viśvatobāhur uta viśvataspāt |
sam bāhubhyāṃ dhamati sam patatrair dyāvābhūmī janayan deva ekaḥ || 3 ||
kiṃ svid vanaṃ ka u sa vṛkṣa āsa yato dyāvāpṛthivī niṣṭatakṣuḥ |
manīṣiṇo manasā pṛcchated u tad yad adhyatiṣṭhad bhuvanāni dhārayan || 4 ||
yā te dhāmāni paramāṇi yāvamā yā madhyamā viśvakarmann utemā |
śikṣā sakhibhyo haviṣi svadhāvaḥ svayaṃ yajasva tanvaṃ vṛdhānaḥ || 5 ||
viśvakarman haviṣā vāvṛdhānaḥ svayaṃ yajasva pṛthivīm uta dyām |
muhyantv anye abhito janāsa ihāsmākam maghavā sūrir astu || 6 ||
vācas patiṃ viśvakarmāṇam ūtaye manojuvaṃ vāje adyā huvema |
sa no viśvāni havanāni joṣad viśvaśambhūr avase sādhukarmā || 7 ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Vollständige deutsche Übersetzung
Om.
1 Er, unser Vater, der Rishi, setzte sich als Hotri nieder und brachte alle Welten dar. Mit seinem Segenswunsch nach Fülle strebend, verbarg er den ersten Ursprung und trat in die späteren Gestalten ein.
2 Was war sein Standort? Was sein Halt? Wie war es beschaffen, als Vishvakarman, der Allsehende, die Erde hervorbrachte und mit seiner Größe den Himmel ausspannte?
3 Augen hat er überall, Antlitze überall, Arme überall und Füße überall. Mit seinen Armen und seinen Schwingen fügt er alles zusammen: der eine Deva, der Himmel und Erde hervorbringt.
4 Was war das Holz? Welcher Baum war es, aus dem sie Himmel und Erde zimmerten? Ihr Einsichtigen, fragt danach in eurem Geist: Worauf stand er, als er die Welten trug?
5 Deine höchsten Wohnstätten, deine untersten und diese mittleren, o Vishvakarman, zeige deinen Freunden beim Yajna, du aus eigener Kraft Wirkender. Verehre selbst dein eigenes Wesen und entfalte deine Größe.
6 Vishvakarman, durch die Opfergabe gestärkt, verehre selbst die Erde und den Himmel. Mögen die anderen Menschen ringsum im Irrtum bleiben; hier möge uns ein freigebiger, weiser Schutzherr zuteilwerden.
7 Heute rufen wir um Hilfe und Kraft Vishvakarman an, den Herrn der Sprache, schnell wie der Gedanke. Möge er all unsere Anrufungen wohlwollend annehmen, der allen Segen schenkt, der gute Werke vollbringt.
Om. Frieden, Frieden, Frieden.
Vollständiger Sanskrittext in Devanagari
ॐ य इमा विश्वा भुवनानि जुह्वद् ऋषिर् होता न्य् असीदत् पिता नः ।
स आशिषा द्रविणम् इच्छमानः प्रथमच्छद् अवरां आ विवेश ॥ १ ॥
किं स्विद् आसीद् अधिष्ठानम् आरम्भणं कतमत् स्वित् कथासीत् ।
यतो भूमिं जनयन् विश्वकर्मा वि द्याम् और्णोन् महिना विश्वचक्षाः ॥ २ ॥
विश्वतश्चक्षुर् उत विश्वतोमुखो विश्वतोबाहुर् उत विश्वतस्पात् ।
सम् बाहुभ्यां धमति सम् पतत्रैर् द्यावाभूमी जनयन् देव एकः ॥ ३ ॥
किं स्विद् वनं क उ स वृक्ष आस यतो द्यावापृथिवी निष्टतक्षुः ।
मनीषिणो मनसा पृच्छतेद् उ तद् यद् अध्यतिष्ठद् भुवनानि धारयन् ॥ ४ ॥
या ते धामानि परमाणि यावमा या मध्यमा विश्वकर्मन्न् उतेमा ।
शिक्षा सखिभ्यो हविषि स्वधावः स्वयं यजस्व तन्वं वृधानः ॥ ५ ॥
विश्वकर्मन् हविषा वावृधानः स्वयं यजस्व पृथिवीम् उत द्याम् ।
मुह्यन्त्व् अन्ये अभितो जनास इहास्माकम् मघवा सूरिर् अस्तु ॥ ६ ॥
वाचस् पतिं विश्वकर्माणम् ऊतये मनोजुवं वाजे अद्या हुवेम ।
स नो विश्वानि हवनानि जोषद् विश्वशम्भूर् अवसे साधुकर्मा ॥ ७ ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
Vertiefende Erläuterungen

Die Frage nach dem Baum, aus dem Himmel und Erde gezimmert wurden, führt tief. Unsere eigenen Werke brauchen einen Stoff, einen Ort und Werkzeuge. Doch woher kommt das Ganze, in dem all dies möglich ist? Die Hymne lässt den Geist über vertraute Vorstellungen hinausfragen.
Vishvakarman wirkt durch viele Hände. Darin liegt für unsere Praxis eine Einladung: Arbeite mit Aufmerksamkeit. Sorge für das, was dir anvertraut ist. Bringe deine schöpferische Kraft in Seva ein.
Der Wunsch im sechsten Vers trägt die Stimme einer Gemeinschaft, die göttliche Gunst für sich erbittet. In unserer eigenen Gebetspraxis weiten wir diesen Wunsch auf alle aus. Möge unser Tun Segen bringen. Möge auch anderen Erkenntnis und Hilfe zuteilwerden.
Video zur Vertiefung
Was ist Vedanta – YVS563
Anregungen für die eigene Praxis

- Lies die Hymne zunächst als Ganzes und wähle dann ein Bild oder eine Frage für die Betrachtung.
- Unterscheide beim Lesen, was der Vers sagt, von dem, was du in ihm deutest.
- Verweile bei der Frage nach dem Grund des Lebens, ohne sofort eine fertige Antwort zu verlangen.
- Verbinde die Schau der Einheit mit einer konkreten achtsamen Begegnung im Alltag.
- Beende die Betrachtung in Stille. Auch das Eingeständnis einer noch offenen Frage kann Teil des Svadhyaya sein.
Video zur begleitenden Praxis und Auslegung
Vedanta Vortrag von Sukadev
Abschließende Worte
Wenn du heute etwas mit den Händen gestaltest, denke an die Frage des Sehers nach dem Holz, aus dem die Welt gezimmert ist.
Siehe auch
Quellen und Literatur
- Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Vishvakarma Sukta 1“.
- Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 12: „Viśvakarma Sūktam 1“.
- Rigveda, Mandala 10, Sukta 81, Verse 1–7: RV 10.81.1–7.
- Sanskrittext zum Nachlesen: GRETIL: Rigveda, Mandala 10.
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