Matrika Nyasa nach dem Brihat Tantrasara

Aus Yogawiki

Matrika Nyasa nach dem Brihat Tantrasara führt die Kräfte der Sanskrit-Laute in Hände, Körper und innere Lotuszentren ein. Die Sprache wird als lebendige Gestalt der Göttin Sarasvati verehrt. Der Ritus gehört in der allgemeinen Paddhati nach die Bhutashuddhi und vor den besonderen Nyasa der gewählten Gottheit.

Aufgabe, Zeitpunkt und Voraussetzungen

Dieser Artikel ist eine vollständige Anleitung für den Matrika-Nyasa als eigenständigen Abschnitt der tantrischen Vorbereitung. Er ist keine komplette Puja und keine Einweihung. Er richtet sich an für Nyasa unterwiesene Puja- und Sanskrit-Kundige. Benötigt werden saubere Hände, ein ruhiger Sitz und Kenntnis der hier ausgeschriebenen IAST-Laute.

Setze dich nach der äußeren Reinigung und Bhutashuddhi aufrecht hin. Der gereinigte Körper wird im Folgenden als Ort der göttlichen Sprache vergegenwärtigt. Die äußere Reihe folgt der konkreten längeren Lesefassung der Vorlage, einschließlich des zweiten laṃ vor kṣaṃ. Die innere Reihe hat 50 Laute, die äußere dadurch 51 Einsetzungen; dieser Unterschied wird nicht durch Weglassen einer Körperstelle verdeckt.

Ablauf

Sprich zunächst die Zuordnung des Mantras:

asya mātṛkāmantrasya brahmā ṛṣiḥ gāyatrī chandaḥ mātṛkāsarasvatī devatā halo bījāni svarāḥ śaktayo mātṛkānyāse viniyogaḥ |

Für diesen Matrika-Mantra ist Brahma der Seher, Gayatri das Metrum und Matrika-Sarasvati die Gottheit; die Konsonanten sind die Keimsilben, die Vokale die Kräfte. Seine Anwendung ist der Matrika-Nyasa.

Berührung Formel Bedeutung
Scheitel oṃ brahmaṇe ṛṣaye namaḥ Verehrung Brahma als Seher.
Mund oṃ gāyatrīchandase namaḥ Verehrung dem Gayatri-Metrum.
Herz oṃ mātṛkāsarasvatyai devatāyai namaḥ Verehrung der Gottheit Matrika-Sarasvati.
Unterleibsregion, über der Kleidung oṃ vyañjanebhyo bījebhyo namaḥ Verehrung den Konsonanten als Keimkräften.
Füße oṃ svarebhyaḥ śaktibhyo namaḥ Verehrung den Vokalen als Kräften.

1. Hand-Nyasa

Handlung Vollständige Formel Bedeutung
Beide Daumen mit den Zeigefingern berühren. aṃ kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ āṃ aṅguṣṭhābhyāṃ namaḥ Die genannten Lautkräfte werden in beiden Daumen eingesetzt; namaḥ.
Beide Zeigefinger mit den Daumen berühren. iṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ īṃ tarjanībhyāṃ svāhā Die genannten Lautkräfte werden in beiden Zeigefingern eingesetzt; svāhā.
Beide Mittelfinger mit den Daumen berühren. uṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ ūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ Die genannten Lautkräfte werden in beiden Mittelfingern eingesetzt; vaṣaṭ.
Beide Ringfinger mit den Daumen berühren. eṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ aiṃ anāmikābhyāṃ huṃ Die genannten Lautkräfte werden in beiden Ringfingern eingesetzt; huṃ.
Beide kleinen Finger mit den Daumen berühren. oṃ paṃ phaṃ baṃ bhaṃ maṃ auṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ Die genannten Lautkräfte werden in beiden kleinen Fingern eingesetzt; vauṣaṭ.
Mit der jeweils anderen Hand über Handfläche und Handrücken streichen. aṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ aḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ Die genannten Lautkräfte werden in Handflächen und Handrücken eingesetzt; phaṭ.

2. Sechsgliedriger Körper-Nyasa

Handlung Vollständige Formel Bedeutung
Mit Mittel-, Ring- und Zeigefinger das Herz berühren. aṃ kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ āṃ hṛdayāya namaḥ Dem Herzen: Verehrung.
Mit Mittel- und Zeigefinger den Scheitel berühren. iṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ īṃ śirase svāhā Dem Haupt: dargebracht.
Mit dem Daumen die Shikha-Stelle am hinteren Scheitel berühren. uṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ ūṃ śikhāyai vaṣaṭ Der Shikha: Bekräftigung.
Die Arme kreuzen; beide Hände an die gegenüberliegenden Oberarme legen. eṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ aiṃ kavacāya huṃ Der schützenden Hülle: huṃ.
Zeige-, Mittel- und Ringfinger vor rechtem Auge, Stirnmitte und linkem Auge halten; die Augen nicht drücken. oṃ paṃ phaṃ baṃ bhaṃ maṃ auṃ netratrayāya vauṣaṭ Den drei Augen: Weihe.
Mit Zeige- und Mittelfinger in die gegenüberliegende Handfläche klatschen und den Schutz nach außen vergegenwärtigen. aṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ aḥ astrāya phaṭ Der Schutzwaffe: phaṭ.

3. Innere Matrika

Vergegenwärtige die folgenden Lotuszentren im Körper. Sprich die Lautreihe langsam und setze jeweils einen Laut auf ein Blütenblatt, vom vorderen Blatt aus im Umlauf. Es handelt sich um innere Einsetzung, nicht um Berührung innerer Organe. Die hier gewählte allgemeine Fassung setzt die Bindu-Laute ohne zusätzliche Namah-Endung ein; der Text nennt daneben eine besondere vaishnavitische Form mit Namah.

Zentrum Vollständige Lautfolge
Hals, 16 Blätter aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ eṃ aiṃ oṃ auṃ aṃ aḥ
Herz, 12 Blätter kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ ṭaṃ ṭhaṃ
Nabel, 10 Blätter ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ paṃ phaṃ
Svadhishthana, 6 Blätter baṃ bhaṃ maṃ yaṃ raṃ laṃ
Muladhara, 4 Blätter vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ
Ajna zwischen den Brauen, 2 Blätter haṃ kṣaṃ

Die Laute sind die Matrika, die „Mutterkräfte“ der Sprache. Sie haben an dieser Stelle keine einzeln übersetzbare Satzbedeutung. Die beiden aṃ in der Vokalreihe sind kein Druckfehler: am Anfang steht der mit Bindu versehene Vokal a, an der vorletzten Position Anusvara.

4. Äußere Matrika

Stelle dir die weiße, dreiäugige Göttin der Sprache vor: Die Matrika-Schriftlaute bilden ihren Leib; Mondsichel, Perlenkette, Nektargefäß, Wissensbuch und Handgeste vergegenwärtigen ihre Kräfte. Dies ist eine Visualisierungsanweisung, kein zusätzlich zu rezitierender Mantra.

Benutze für Stirn Mittel- und Ringfinger; für den Gesichtsumriss die drei mittleren Finger; vor den Augen Daumen und Ringfinger; an den Ohren die Daumen; an den Nasenflügeln Daumen und kleinen Finger; an den Wangen die drei mittleren Finger; an den Lippen den Mittelfinger; an den Zahnreihen den Ringfinger, ohne unrein gewordene Finger anschließend an Gaben zu bringen; am Scheitel den Mittelfinger, am Mund Mittel- und Ringfinger. Für Gliedmaßen, Flanken und Rücken nimm Mittel-, Ring- und kleinen Finger, am Nabel zusätzlich den Daumen, am Bauch alle fünf Finger. Herz, Schultern und Nacken berühre mit der Handfläche. Die letzten sechs Einsetzungen führen vom Herzen zum Zielort. Berühre nur die Körperoberfläche; bei bekleideten oder schwer erreichbaren Stellen vergegenwärtige die Berührung.

Sprich zu jeder Stelle genau die ausgeschriebene Formel. Alle bedeuten: „Verehrung der hier eingesetzten Lautkraft.“

Nr. Körperstelle Formel
1 Stirn aṃ namaḥ
2 Umriss des Gesichts āṃ namaḥ
3 rechtes Auge iṃ namaḥ
4 linkes Auge īṃ namaḥ
5 rechtes Ohr uṃ namaḥ
6 linkes Ohr ūṃ namaḥ
7 rechtes Nasenloch ṛṃ namaḥ
8 linkes Nasenloch ṝṃ namaḥ
9 rechte Wange ḷṃ namaḥ
10 linke Wange ḹṃ namaḥ
11 Oberlippe eṃ namaḥ
12 Unterlippe aiṃ namaḥ
13 obere Zahnreihe oṃ namaḥ
14 untere Zahnreihe auṃ namaḥ
15 Scheitelöffnung aṃ namaḥ
16 Mund aḥ namaḥ
17 rechter Oberarmansatz kaṃ namaḥ
18 rechter Ellbogen khaṃ namaḥ
19 rechtes Handgelenk gaṃ namaḥ
20 rechte Fingerwurzeln ghaṃ namaḥ
21 rechte Fingerspitzen ṅaṃ namaḥ
22 linker Oberarmansatz caṃ namaḥ
23 linker Ellbogen chaṃ namaḥ
24 linkes Handgelenk jaṃ namaḥ
25 linke Fingerwurzeln jhaṃ namaḥ
26 linke Fingerspitzen ñaṃ namaḥ
27 rechter Beinansatz ṭaṃ namaḥ
28 rechtes Knie ṭhaṃ namaḥ
29 rechter Knöchel ḍaṃ namaḥ
30 rechte Zehenwurzeln ḍhaṃ namaḥ
31 rechte Zehenspitzen ṇaṃ namaḥ
32 linker Beinansatz taṃ namaḥ
33 linkes Knie thaṃ namaḥ
34 linker Knöchel daṃ namaḥ
35 linke Zehenwurzeln dhaṃ namaḥ
36 linke Zehenspitzen naṃ namaḥ
37 rechte Körperseite paṃ namaḥ
38 linke Körperseite phaṃ namaḥ
39 Rücken baṃ namaḥ
40 Nabel bhaṃ namaḥ
41 Bauch maṃ namaḥ
42 Herz yaṃ namaḥ
43 rechte Schulter raṃ namaḥ
44 Nacken laṃ namaḥ
45 linke Schulter vaṃ namaḥ
46 vom Herzen zur rechten Hand śaṃ namaḥ
47 vom Herzen zur linken Hand ṣaṃ namaḥ
48 vom Herzen zum rechten Fuß saṃ namaḥ
49 vom Herzen zum linken Fuß haṃ namaḥ
50 vom Herzen zum Bauch laṃ namaḥ
51 vom Herzen zum Mund kṣaṃ namaḥ

5. Abschluss und Übergang

Lege die Hände in den Schoß und vergegenwärtige den ganzen Körper als von den Lautkräften erfüllt. Die Vorlage verlangt für diesen Übergang kein zusätzliches Abschlussmantra und keine äußeren Opfergaben. Wenn eine Puja folgt, gehe zu deren Pranayama und Pitha-Nyasa weiter. Wiederhole nicht ungefragt bereits vollzogene Teile einer anderen Paddhati.

Die Quellen nennen auch eine rückläufige Samhara-Matrika und Varianten mit zusätzlichen Bijas. Das sind besondere weitere Verfahren. Der vorliegende Ablauf bleibt bei der allgemeinen vorwärts gerichteten Einsetzung; dadurch bleiben Reihenfolge und Rezitation eindeutig.

Quellen und Textgestalt

Bṛhattantrasāra des Kṛṣṇānanda Āgamavāgīśa; Sanskrit-Grundlage: Muktabodha, E-Text M00013, nach der Kalkutta-Ausgabe von 1896, die bereitgestellten Dateien Brihat_Tantrasara_Sanskrit_1.txt und Brihat_Tantrasara_Sanskrit_2.txt. Die Absatznummern beginnen innerhalb der Abschnitte wieder neu; deshalb wird immer der Abschnitt mitgenannt.

Pariccheda 2, Sāmānyapūjāpaddhati, §§ 53–54ka für Rishi, Hand-, Körper-, inneren und äußeren Matrika-Nyasa; §§ 55–58 erläutern Varianten und die Stellung innerhalb der Puja.

Die Quelle kürzt zahlreiche Formeln durch ityādi, „ebenso“, ab; jede wurde hier anhand der ausdrücklich angegebenen Endungen ausgeführt. Berichtigt sind vaṃ am Rücken zu baṃ und yaṃ auf dem Weg zur linken Hand zu ṣaṃ. Die dazugehörige Alphabetfolge begründet die Korrekturen. Im Svadhishthana sichern die ausgeschriebenen Laute ba bha ma ya ra la die Lesung gegen ein fehlerhaftes vakārādi. Die zusätzliche äußere la-Lautposition bleibt erhalten; andere Umschriften unterscheiden sie als ḻaṃ. Dies ist keine Behauptung von 51 verschiedenen gewöhnlichen Sanskrit-Phonemen.

Siehe auch