Martanda Bhairava Arghya

Aus Yogawiki

Martanda Bhairava Arghya nach dem Gandharva Tantra ist eine tantrische Wassergabe an die solare Erscheinung Shivas und ihre Lichtkraft. Das Gandharva Tantra betont dieses Sonnen-Arghya als Bestandteil der Vorbereitung auf die Verehrung der Göttin. Die Handlung verbindet das sichtbare Tageslicht mit der inneren Vergegenwärtigung göttlichen Bewusstseins.

Wozu, wann und für wen

Das Ritual ehrt die Sonne als von allen Gottheiten durchdrungene Gegenwart und richtet die kommende Puja auf Klarheit und Sammlung aus. Die Quelle verbindet damit rituelle Läuterung und das Verdienst von Tirtha-Verehrung. Das sind traditionelle religiöse Zielangaben.

Es wird nach der Körperreinigung vor der anschließenden Gottheiten-Puja ausgeführt, besonders naheliegend am Morgen. Der Artikel behandelt genau das Sonnen-Arghya aus Kapitel 7.101–110. Die davor beschriebene vollständige Tripura-Sandhya und das danach folgende Tripura-Arghya sind eigene größere Zusammenhänge; sie werden hier nicht als bereits mit erledigt bezeichnet.

Vorausgesetzt sind Puja- und Sanskrit-Kenntnisse sowie die Unterweisung in der verwendeten tantrischen Formel mit Hrīṃ und Haṃsaḥ. Die Durchführung ist eine kleine Wassergabe und verlangt für sich weder Homa noch aufwendige Avarana-Puja.

Material und Platz

  • Ein kleines sauberes Kupfergefäß und eine Auffangschale.
  • Sauberes Wasser, etwas Durva-Gras, weißer Reis, eine rote Blüte und Sandel.
  • Ein gereinigter Verehrungsplatz, um den einmal gegangen werden kann.

Die Quelle nennt die Zutaten, aber keine Grammangaben. Kleine Mengen genügen. Das Gefäßwasser ist eine Ritualgabe und kein Getränk. Halte das verwendete Wasser von bereitgestelltem Trinkwasser getrennt.

1. Vorbereitung und Anrufung

Wasche Hände und Mund; beginne nach der persönlichen Körperreinigung. Stelle die Auffangschale so auf, dass sie einen ruhigen Wasserstrahl aufnehmen kann. Sammle dich kurz und richte die Aufmerksamkeit auf die solare Gegenwart. Ein eigener Sanskrit-Sankalpa oder eine bestimmte Mudra wird in dieser Arghya-Strecke nicht angegeben.

Bereite in einem Kupfergefäß etwas sauberes Wasser mit Durva, weißem Reis, einer roten Blüte und etwas Sandel vor. Benutze keine Puja-Muschel: Gandharva Tantra 7.106 schließt Muschelwasser für dieses Sonnen-Arghya ausdrücklich aus.

Vergegenwärtige die Sonne als Martanda Bhairava, vereint mit Prakasha-Shakti, der Kraft des Lichtes, und begleitet von ihrem Gefolge. Wende dich zur Sonne hin beziehungsweise zu ihrer gedachten Gegenwart. Schau nicht direkt in die Sonne; die Sammlung gilt ihrer göttlichen Gegenwart. Halte das Gefäß mit beiden Händen. Gieße beim vollständigen folgenden Mantra einen ruhigen kleinen Wasserstrahl in eine saubere Auffangschale beziehungsweise auf den dafür bestimmten sauberen Platz:

hrīṃ haṃsaḥ mārtaṇḍabhairavāya prakāśaśaktisahitāya idam arghyaṃ svāhā |

Hrīṃ, Haṃsaḥ. Martanda-Bhairava, vereint mit der Kraft des Lichtes, sei dieses Ehrenwasser dargebracht. Hrīṃ ruft die Shakti-Kraft auf; Haṃsaḥ ist hier die heilige Hamsa-Formel. Beide haben keine einfache Satzübersetzung.

Lass die Darbringung mit svāhā enden. Die Quelle nennt an dieser Stelle keine Zahl von drei Arghyas; eine einzelne vollständige Wassergabe setzt die beschriebene Handlung um. Die ausgeschriebene Formel bleibt auch dann vollständig, wenn nur wenig Wasser angeboten wird.

2. Verehrung und Abschluss

Bleibe einen Moment bei dem Gedanken, dass Martanda-Bhairava mit seiner Lichtkraft die göttliche Gegenwart veranschaulicht. Lege die Hände zusammen. Umschreite den dafür freigehaltenen kleinen Verehrungsplatz einmal im Uhrzeigersinn und verneige dich danach; 7.109 nennt ausdrücklich die einzelne Pradakshina. Die Umrundung gilt dem Verehrungszentrum, nicht einem Versuch, die Sonne selbst räumlich zu umrunden.

Für diese Verneigung und Umrundung schreibt die behandelte Stelle keine weitere Rezitationsformel vor. Füge daher keine ungesicherte Sonnen-Namavali als Pflichtteil hinzu. Beseitige das aufgefangene Wasser an einem sauberen, dafür geeigneten Ort und beginne die folgende Puja beziehungsweise beende die einzelne Wassergabe gesammelt.

Die Mantraformel verstehen

Mārtaṇḍabhairavāya ist der Dativ: „dem solaren Bhairava“. Prakāśaśaktisahitāya bedeutet „mit der Kraft des Lichtes vereint“. Idam arghyam bezeichnet genau diese Ehrenwassergabe. Svāhā vollzieht ihre Darbringung.

Der rituelle Ort dieser Anrufung ist die Hinwendung zum Licht und die Bereitung der eigenen Verehrung. Die Bijas werden als überlieferte Lautkräfte gesprochen und nicht durch die deutsche Erklärung ersetzt.

Quellen und Textentscheidungen

Gandharva Tantra, Kapitel 7.101–110, besonders 7.102–105 (Zutaten und verschlüsselte Mantraableitung), 7.106 (Ausschluss von Muschelwasser) und 7.107–110 (Verehrung, Pradakshina und Verneigung). Sanskritgrundlage: der bereitgestellte Muktabodha-E-Text M00646.

Die Formel ist aus der Chiffrenbeschreibung aufgelöst: Shiva-Bija ha, Feuerlaut r, langer linker Augenvokal ī sowie Nada/Bindu ergeben hrīṃ; es folgen haṃsaḥ, der Name Mārtaṇḍabhairava im Dativ, prakāśaśaktisahitāya, idam arghyam und das Feuer-Gemahlin-Wort svāhā. Die Stelle nennt das Gefolge im Handlungssatz, fügt aber in der eigentlichen Mantraableitung kein saparivārāya ein. Deshalb wurde die Formel nicht um dieses Wort erweitert.

Die praktische Gefäß- und Auffangschalenbeschreibung setzt die knappe Wassergabenanweisung um. Der Artikel beansprucht keine vollständige Rekonstruktion aller Bäder und Sandhya-Riten des Kapitels.

Siehe auch