Govatsa Dwadashi – Kuh und Kalb für das Wohlergehen der Kinder ehren
Govatsa Dwadashi – Kuh und Kalb für das Wohlergehen der Kinder ehren ist ein häusliches Festgelübde, in dem vor allem Mütter um ein gutes und behütetes Leben ihrer Kinder bitten. Im Mittelpunkt stehen eine Kuh und ihr Kalb als lebendiges Bild von Nahrung, Fürsorge und Verbundenheit. Diese kurze, eigenständig abgeschlossene Fassung folgt dem von Drik Panchang wiedergegebenen Ablauf gemäß Bhavishyottara Purana. Der Ritus wird als Govatsa Dwadashi überliefert.
Gefeiert wird am Abend der dunklen Dwadashi vor Dhanteras, im nordindischen Vollmondkalender Kartika-Krishna-Dwadashi. Im Süden kann derselbe Mondtag dem Monat Ashvina zugeordnet sein. In Maharashtra heißt das Fest auch Vasu Baras. Die Feier wird von der gelobenden Frau beziehungsweise Familie bei einer Kuh mit Kalb durchgeführt, beispielsweise an einem Hof oder in einer Goshala. Eine mit den Tieren vertraute Person begleitet den Besuch.
Vorbereitung
Bestimme den Festtag mit einem örtlichen Panchanga, der die Pradosha-Zeit berücksichtigt. Vereinbare den Besuch bei einer Kuh mit Kalb vorher. Die Quelle bevorzugt ein Mutter-Kalb-Paar derselben Fellfarbe. Stelle Wasser, eine kleine Schale oder ein Kupfergefäß, Sandelpaste und wenige Blumen bereit. Die verwendete Fassung braucht keine Feuerstelle, keine Statue und keine lange Namenslitanei.
Unterscheide diese Abendfassung von regionalen Morgenfeiern mit gemalten Bildern, zusätzlichen Speisegaben und ausführlicher Festgeschichte. Hier wird die zusammenhängende Abendordnung des genannten Purana-Abschnittes vollzogen. Fütterung und Lichtzeremonie werden ihr nicht aus einer anderen Überlieferung hinzugefügt.
Die Tagesregel verzichtet bereits auf Kuhmilchprodukte; pflanzliche, nicht frittierte Speisen ermöglichen eine heutige vegetarische beziehungsweise vegane Durchführung. Die rituelle Verehrung darf die Ruhe des Mutter-Kalb-Paares nicht stören.
Durchführung
1. Die Tagesregel bewusst einhalten
Nimm dir morgens vor, diesen Tag der Achtung vor Kuh und Kalb und dem Wohlergehen der Familie zu widmen. Die hier gewählte Bhavishyottara-Purana-Fassung schreibt für das Essen den Verzicht auf Kuhmilch, Joghurt, Ghee, Buttermilch, Milchreis und in Öl ausgebackene Speisen vor. Plane deine Nahrung entsprechend; diese Anleitung ergänzt kein Fasten ohne Wasser, weil der verwendete Abschnitt dies nicht verlangt.
2. Am Abend bei Kuh und Kalb zusammenkommen
Komme zur Pradosha-Zeit an den vorbereiteten ruhigen Platz, entsprechend der Rückkehr der Tiere von der Weide. Die Quelle nennt eine Kuh und ein Kalb von gleicher Fellfarbe. Die betreuende Person bleibt bei den Tieren. Richte deine Aufmerksamkeit auf das Mutter-Kind-Paar und die Geborgenheit, die es verkörpert.
3. Duft und Blumen anbieten
Ehre beide mit etwas Sandelpaste und einer Blütengabe. Die Quelle nennt die Verehrung mit Duft und weiteren Gaben, schreibt dafür aber keine eigene Rezitation vor. Berühre ein Tier nur so, wie es die betreuende Person erlaubt; Blumen können auch vor dem Paar niedergelegt werden. Kein Faden und kein Schmuck darf das Tier behindern.
4. Arghya zu den Vorderfüßen
Gieße eine kleine Menge sauberen Wassers als Arghya an die Vorderfüße von Kuh und Kalb. Sprich dabei:
kṣīrodārṇava-sambhūte surāsura-namaskṛte |
sarva-deva-maye mātar gṛhāṇārghyaṃ namo ’stu te ||
Aus dem Milchozean Hervorgegangene, von Göttern und Asuras Verehrte, Mutter, in der alle Gottheiten gegenwärtig sind: Nimm diese ehrende Wassergabe an. Dir sei Verehrung!
5. Nandini um Segen bitten
Falte die Hände und richte das Gebet an die in der Kuh verehrte göttliche Mutter. Denke an das konkrete Wohlergehen deiner Kinder und Familie:
sarva-deva-maye devi sarva-devair alaṅkṛte |
mātar mamābhilaṣitaṃ saphalaṃ kuru nandini ||
Göttin, in der alle Gottheiten gegenwärtig sind, von allen Gottheiten geschmückte Mutter Nandini: Lass mein gutes Anliegen Frucht tragen.
6. Den Tag in Fürsorge vollenden
Verneige dich. Damit ist die in diesem Quellabschnitt gegebene abendliche Verehrung abgeschlossen. Halte die genannte Speiseregel bis zum Ende des Festtages ein. Räume Schalen und Blumen weg, sodass die Tiere nichts Ungeeignetes aufnehmen.
Als persönliche Fortführung kannst du der betreuenden Person bei der Versorgung der Tiere helfen oder eine Kuhschutzstätte unterstützen. Diese praktische Fürsorge ist eine heutige Anregung zum Sinn des Vrata, kein zusätzlicher verpflichtender Mantrateil.
Rezitationen in IAST, Devanagari und deutscher Übersetzung
Arghya für Kuh und Kalb
kṣīrodārṇava-sambhūte surāsura-namaskṛte |
sarva-deva-maye mātar gṛhāṇārghyaṃ namo ’stu te ||
क्षीरोदार्णव-सम्भूते सुरासुर-नमस्कृते ।
सर्व-देव-मये मातर् गृहाणार्घ्यं नमो ऽस्तु ते ॥
Aus dem Milchozean Hervorgegangene, von Göttern und Asuras Verehrte, Mutter, in der alle Gottheiten gegenwärtig sind: Nimm diese ehrende Wassergabe an. Dir sei Verehrung!
Bitte an Nandini
sarva-deva-maye devi sarva-devair alaṅkṛte |
mātar mamābhilaṣitaṃ saphalaṃ kuru nandini ||
सर्व-देव-मये देवि सर्व-देवैर् अलङ्कृते ।
मातर् ममाभिलषितं सफलं कुरु नन्दिनि ॥
Göttin, in der alle Gottheiten gegenwärtig sind, von allen Gottheiten geschmückte Mutter Nandini: Lass mein gutes Anliegen Frucht tragen.
Quellen und Vertiefung
- Drik Panchang: Govatsa Dwadashi, Abschnitt „गोवत्स द्वादशी व्रत पूजा विधि - भविष्योत्तरपुराणोक्त“: vollständige Abendordnung, beide Sanskritgebete und Speiseregel.
- V. D. N. Rao: Essence of Hindu Festivals and Austerities, S. 75, zum südlichen Monatsnamen Ashvina. Die dortige eigenständige Speise-/Lichtvariante wird nicht mit der hier ausgewählten Fassung vermischt.
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