Bhojana – die tägliche Mahlzeit als heilige Gabe

Aus Yogawiki

Bhojana – die tägliche Mahlzeit als heilige Gabe macht das Essen zu einem bewussten Empfangen und Weitergeben von Nahrung. Vor der Mahlzeit segnet die essende Person ihre Speise, umgrenzt den Essplatz mit Wasser und bietet kleine Bissen den Lebenskräften dar; nach dem Essen folgt eine Wassergabe für leidende Wesen. Diese Bhojana-Ordnung des Puranokta Purva Prayoga ist für häusliche Mahlzeiten am Tag und am Abend bestimmt. Eine zweite Person reicht die Speisen und Wasser. Die Pranahuti richtet sich auf die im Körper wirkenden Lebenskräfte; sie ist keine vorgelagerte Speisen-Puja an einer Krishna-Murti.

Die Dankbarkeit für Nahrung verbindet die eigene Mahlzeit mit der Fürsorge für andere Wesen.

Vorbereitung

Benötigt werden eine vegetarische Mahlzeit mit gekochtem Reis, ein gut gewaschenes Bananenblatt als Essunterlage, Trinkwasser in einem Gefäß rechts, Wasser zum Waschen und ein Auffangplatz links. Ein Teller auf abwaschbarer Unterlage ist eine heutige praktische Anpassung; gieße nicht auf Tischgeräte. Trage saubere Kleidung; die Quelle nennt unbedeckten Kopf und mehr als ein Kleidungsstück. Eine helfende Person serviert zuerst die Beilagen, zuletzt den Reis. Kleine Reisbissen müssen bequem schluckbar sein; die Quellenregel, sie unzerkaut zu schlucken, wird nicht auf große Portionen übertragen.

Durchführung

1. Reinigen und Platz nehmen
Wasche Hände und Füße. Für das vorbereitende Achamana nimm zu jedem der drei Namen einen kleinen Schluck frischen Wassers aus der rechten Hand und reinige anschließend die Hand. Diese Kurzform steht im selben Handbuch bei der täglichen Praxis. Reinige den Essplatz mit etwas Wasser und lege das gewaschene Blatt darauf.

oṁ acyutāya namaḥ |
oṁ anantāya namaḥ |
oṁ govindāya namaḥ |

Verneigung vor Acyuta, dem Unvergänglichen; vor Ananta, dem Unendlichen; vor Govinda.

2. Die Nahrung begrüßen
Nachdem die Speisen gereicht wurden, verneige dich innerlich vor der Nahrung.

asmākam nityam astvetat |

Möge uns dies immer zuteilwerden – möge es uns niemals an Nahrung fehlen.

3. Die Speise besprengen und innerlich darbringen
Besprenge die Speise mit wenig Wasser. Die zweite Formel begleitet die innere Darbringung an die Gottheit im Herzen; das Handbuch nennt sie ausdrücklich für das Essen im Haus anderer.

oṁ bhūr bhuvas suvaḥ |
oṁ antaryāmine namaḥ |

Om: Erde, Zwischenraum und Himmel. Verneigung vor dem inneren Lenker.

4. Den Essplatz mit Wasser umkreisen
Lass Wasser durch die Finger der rechten Hand außerhalb des Blattes zweimal im Uhrzeigersinn um den Essplatz fließen. Wasser soll nicht auf Gefäße fallen. Dieses Parishinchana begleitet am Tag die erste, am Abend ausschließlich die zweite Formel.

oṁ bhūr bhuvas suvaḥ | satyaṁ tvartena parisiñcāmi |
oṁ bhūr bhuvas suvaḥ | ṛtaṁ tvā satyena parisiñcāmi |

Am Tag: Om, Erde, Zwischenraum, Himmel. Dich, die Wahrheit, umgieße ich mit der kosmischen Ordnung. Am Abend: Om, Erde, Zwischenraum, Himmel. Dich, die kosmische Ordnung, umgieße ich mit der Wahrheit.

5. Den ersten Wasserschluck empfangen
Nimm wenig Trinkwasser in die rechte Hand und trinke es vom Bereich an der Daumenwurzel, dem Brahma Tirtha.

amṛto’pastaraṇam asi |

Du bist die Unterlage der Unsterblichkeit.

6. Die Lebenskräfte nähren
Halte den Blattrand mit den ersten drei Fingern der linken Hand. Nimm mit Daumen, Mittel- und Ringfinger rechts je einen sehr kleinen Reisbissen zu jeder der sechs Svaha-Formeln in den Mund. Schließe mit der Verneigung vor Govinda. Dies ist die Pranahuti; ein äußeres Feuer wird nicht entzündet.

oṁ prāṇāya svāhā |
oṁ apānāya svāhā |
oṁ vyānāya svāhā |
udānāya svāhā |
oṁ samānāya svāhā |
oṁ brahmaṇe svāhā |
śrī govindāya namaḥ |

Darbringung an Prana, die einwärts gerichtete Lebenskraft; an Apana, die abwärts gerichtete; an Vyana, die durchdringende; an Udana, die aufwärts gerichtete; an Samana, die ausgleichende; an Brahman. Verneigung vor Shri Govinda.

7. Gemeinsam essen
Die helfende Person gießt etwas Wasser über die linke Hand, die das Blatt hielt; fange es außerhalb der Speise auf. Iss nun in Ruhe bis zur Sättigung. In einer traditionellen Speisereihe wartet man auf die anderen. Muss jemand vorher aufstehen, beschreibt die Quelle die Verbindung der Nachbarsitze durch eine Wasserlinie oder Darbha-Gras; bei einer heutigen Tischmahlzeit genügt als praktische Höflichkeit eine kurze Absprache.

8. Die Mahlzeit schließen
Zum Uttaraposhana nimm Wasser in die rechte Hand und trinke nur einen Teil. Der Rest bleibt für die folgende Gabe.

oṁ amṛtāpidhānam asi |

Om, du bist die Bedeckung der Unsterblichkeit.

9. Wasser für die Leidenden geben
Gieße den Rest links neben das Blatt in den vorbereiteten Auffangbereich. Die Bitte gilt den leidenden Wesen in Raurava.

raurave apuṇya nilaye padmārbuda nivāsinām |
arthinām udakaṁ dattaṁ akṣayyam upatiṣṭhatu ||

Möge das gegebene Wasser den Bedürftigen, die lange im Raurava, der Stätte unheilvoller Taten, verweilen, unerschöpflich zugutekommen.

10. Abschließend reinigen
Berühre das Essblatt nach dieser Schlussgabe nicht wieder. Wasche Hände und Mund und vollziehe das abschließende Achamana mit drei kleinen Schlucken.

oṁ acyutāya namaḥ |
oṁ anantāya namaḥ |
oṁ govindāya namaḥ |

Verneigung vor Acyuta, vor Ananta und vor Govinda.

Die Mahlzeit schließt mit dem Gedanken an diejenigen, denen Nahrung und Erleichterung fehlen. Als alltagsbezogene Anregung kann daraus eine wirkliche Einladung oder das Teilen von Lebensmitteln wachsen. Essensreste werden ordentlich versorgt; das geringe aufgefangene Ritualwasser kann anschließend ausgegossen werden.

Rezitationen in drei Fassungen

1. Reinigen und Platz nehmen
IAST
oṁ acyutāya namaḥ |
oṁ anantāya namaḥ |
oṁ govindāya namaḥ |

Devanagari
ओं अच्युताय नमः ।
ओं अनन्ताय नमः ।
ओं गोविन्दाय नमः ।

Deutsch
Verneigung vor Acyuta, dem Unvergänglichen; vor Ananta, dem Unendlichen; vor Govinda.

2. Die Nahrung begrüßen
IAST
asmākam nityam astvetat |

Devanagari
अस्माकम् नित्यम् अस्त्वेतत् ।

Deutsch
Möge uns dies immer zuteilwerden – möge es uns niemals an Nahrung fehlen.

3. Die Speise besprengen und innerlich darbringen
IAST
oṁ bhūr bhuvas suvaḥ |
oṁ antaryāmine namaḥ |

Devanagari
ओं भूर् भुवस् सुवः ।
ओं अन्तर्यामिने नमः ।

Deutsch
Om: Erde, Zwischenraum und Himmel. Verneigung vor dem inneren Lenker.

4. Den Essplatz mit Wasser umkreisen
IAST
oṁ bhūr bhuvas suvaḥ | satyaṁ tvartena parisiñcāmi |
oṁ bhūr bhuvas suvaḥ | ṛtaṁ tvā satyena parisiñcāmi |

Devanagari
ओं भूर् भुवस् सुवः । सत्यं त्वर्तेन परिसिञ्चामि ।
ओं भूर् भुवस् सुवः । ऋतं त्वा सत्येन परिसिञ्चामि ।

Deutsch
Am Tag: Om, Erde, Zwischenraum, Himmel. Dich, die Wahrheit, umgieße ich mit der kosmischen Ordnung. Am Abend: Om, Erde, Zwischenraum, Himmel. Dich, die kosmische Ordnung, umgieße ich mit der Wahrheit.

5. Den ersten Wasserschluck empfangen
IAST
amṛto’pastaraṇam asi |

Devanagari
अमृतो’पस्तरणम् असि ।

Deutsch
Du bist die Unterlage der Unsterblichkeit.

6. Die Lebenskräfte nähren
IAST
oṁ prāṇāya svāhā |
oṁ apānāya svāhā |
oṁ vyānāya svāhā |
udānāya svāhā |
oṁ samānāya svāhā |
oṁ brahmaṇe svāhā |
śrī govindāya namaḥ |

Devanagari
ओं प्राणाय स्वाहा ।
ओं अपानाय स्वाहा ।
ओं व्यानाय स्वाहा ।
उदानाय स्वाहा ।
ओं समानाय स्वाहा ।
ओं ब्रह्मणे स्वाहा ।
श्री गोविन्दाय नमः ।

Deutsch
Darbringung an Prana, die einwärts gerichtete Lebenskraft; an Apana, die abwärts gerichtete; an Vyana, die durchdringende; an Udana, die aufwärts gerichtete; an Samana, die ausgleichende; an Brahman. Verneigung vor Shri Govinda.

8. Die Mahlzeit schließen
IAST
oṁ amṛtāpidhānam asi |

Devanagari
ओं अमृतापिधानम् असि ।

Deutsch
Om, du bist die Bedeckung der Unsterblichkeit.

9. Wasser für die Leidenden geben
IAST
raurave apuṇya nilaye padmārbuda nivāsinām |
arthinām udakaṁ dattaṁ akṣayyam upatiṣṭhatu ||

Devanagari
रौरवे अपुण्य निलये पद्मार्बुद निवासिनाम् ।
अर्थिनाम् उदकं दत्तं अक्षय्यम् उपतिष्ठतु ॥

Deutsch
Möge das gegebene Wasser den Bedürftigen, die lange im Raurava, der Stätte unheilvoller Taten, verweilen, unerschöpflich zugutekommen.

10. Abschließend reinigen
IAST
oṁ acyutāya namaḥ |
oṁ anantāya namaḥ |
oṁ govindāya namaḥ |

Devanagari
ओं अच्युताय नमः ।
ओं अनन्ताय नमः ।
ओं गोविन्दाय नमः ।

Deutsch
Verneigung vor Acyuta, vor Ananta und vor Govinda.

Quellen und Weiterführung

Ergänzende Vertiefung
Das Krishna-Mantra „Krishna Mahayogin“ ist eine ergänzende Hinwendung zu Gottes Gegenwart; es gehört nicht zur vorgeschriebenen Rezitationsfolge dieses Rituals.

20.12.2026 - 20.12.2026 Gita Jayanti

Die Bhagavad Gita hat Geburtstag. Immer Ende November bis Mitte Dezember, abhängig von der Mondphase, wird Gita Jayanti gefeiert. Wir wollen den Geburt…
Vani Devi Beldzik
26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung

Du interessierst dich für indische Rituale? Du hast die einzigartige Gelegenheit, in dieser Rituale Ausbildung bei Yoga Vidya die kleine Puja, große P…
Sukadev Bretz, Shankari Winkelbauer
01.12.2026 - 01.12.2026 Mantra-Konzert

Aleah Gandarvika & Friends
18:45-19:45 Uhr
Aleah Gandarvika
04.12.2026 - 06.12.2026 Bhakti Yin Yoga meets Metta und Dharma

Tauche ein in eine außergewöhnliche tiefe Praxis des Bhakti Yin Yoga mit der Weisheit des Dharma und der liebenden Güte von Metta vereint. Wir laden …
Marco Büscher, Melanie Bhavani Bergweiler