Bhasmasnana nach dem Suprabheda Agama
Bhasmasnana nach dem Suprabheda Agama ist die rituelle Reinigung mit heiliger Asche vor der Shiva-Verehrung. Das Suprabheda Agama ordnet die Aschegaben fünf Körperbereichen und fünf Brahma-Gestalten Shivas zu. Die Handlung wird hier mit vollständig ausgeschriebenen Mantras aus der verwandten Shaiva-Siddhanta-Paddhati Kriyakramadyotika ausführbar gemacht. Diese Verbindung zweier Quellen ist eine begründete praktische Rekonstruktion, keine Behauptung eines wortgleichen Suprabheda-Mantrapaddhati-Textes.
Wozu, wann und für wen
Der Agama beschreibt das Aschebad als heiligend, glückbringend und als Vorbereitung der Verehrung. Es erinnert an die Vergänglichkeit körperlicher Formen und vergegenwärtigt den Körper im Schutz der Shiva-Mantras. Es steht gewöhnlich nach dem Wasserbad und vor der eigentlichen Archana.
Die hier verwendete Form ist für in die entsprechenden Shaiva-Mantras unterwiesene Puja-Kundige bestimmt. Wer einer Linie mit eigener Suprabheda-Mantrarezension folgt, verwendet deren autorisierte Fassung; die Artikelrekonstruktion ersetzt sie nicht. Die hier ausgeschriebenen Formeln genügen für den beschriebenen Vollzug. Es werden weder neue Mantras verschlüsselt gelassen noch vedische Mantras nur durch ihren Anfang angedeutet.
Material und Vorbereitung
Bereite saubere, für das rituelle Auftragen bestimmte Vibhuti in einem kleinen Gefäß vor. Suprabheda 6.27 erlaubt ausdrücklich Asche aus einem Agnihotra; alternativ setzt es besonders bereitete Kuhdungasche voraus. Die Herstellung dieser Asche ist ein eigener Vorgang. Für das hier beschriebene Aschebad wird fertige, geeignete Ritualasche benutzt. Asche aus lackiertem Holz, Abfällen, Duftbriketts oder unbekannten Brandrückständen eignet sich nicht.
Halte saubere Kleidung, Wasser zum Waschen von Händen und Füßen sowie etwas Trinkwasser für Achamana bereit. Bade beziehungsweise wasche dich und trockne die Haut. Verwende wenig feine Asche; streue sie nicht in Augen oder Atemwege. Das Ritual ist keine Einnahme von Asche.
1. Die Asche mit Shiva-, Brahma- und Anga-Mantras besprechen
Setze dich ruhig hin und halte das Aschegefäß vor dir. Schaue die Asche gesammelt an. Rezitiere zuerst das Shiva-Mula, dann die fünf Brahma- und die fünf Anga-Formeln je einmal. Diese elf Formeln entsprechen der Samhita-Gruppe in der hier herangezogenen Aghorashiva-Paddhati. Suprabheda 6.29 verlangt die Besprechung mit Shiva-, Brahma- und Anga-Mantras.
oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ |
Om, Hāṃ, Hauṃ. Verehrung Shiva. Die Bijas rufen seine Mantrakraft auf.
| Brahma-Gestalt | Vollständiger Mantra | Bedeutung |
|---|---|---|
| Ishana | oṃ hoṃ īśānamūrdhāya namaḥ | Verehrung dem Haupt als Ishana. |
| Tatpurusha | oṃ heṃ tatpuruṣavaktrāya namaḥ | Verehrung dem Gesicht als Tatpurusha. |
| Aghora | oṃ huṃ aghorahṛdayāya namaḥ | Verehrung dem Herzen als Aghora. |
| Vamadeva | oṃ hiṃ vāmadevaguhyāya namaḥ | Verehrung dem verborgenen Körperbereich als Vamadeva. |
| Sadyojata | oṃ haṃ sadyojātamūrtaye namaḥ | Verehrung der Gestalt als Sadyojata. |
| Anga | Vollständiger Mantra | Bedeutung |
|---|---|---|
| Herz | oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ | Verehrung dem Herzen. |
| Haupt | oṃ hīṃ śirase namaḥ | Verehrung dem Haupt. |
| Shikha | oṃ hūṃ śikhāyai namaḥ | Verehrung dem Scheitelbüschel. |
| Kavacha | oṃ haiṃ kavacāya namaḥ | Verehrung der schützenden Hülle. |
| Astra | oṃ haḥ astrāya namaḥ | Verehrung der Schutzwaffe. |
Halte die Unterscheidungen der Vokale und des Anusvara beziehungsweise Visarga ein: hoṃ, heṃ, huṃ, hiṃ, haṃ bei den Brahmas; hāṃ, hīṃ, hūṃ, haiṃ, haḥ bei den fünf Angas.
2. Das eigentliche Aschebad
Nimm für jeden Schritt eine kleine Menge Asche mit den rechten Fingerspitzen. Sprich den vollständigen Mantra und trage die Asche bei namaḥ am genannten Körperort auf. Vergegenwärtige dabei die entsprechende Shiva-Gestalt.
| Reihenfolge und Handlung | Mantra | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1. Ein wenig Asche an Scheitel/Haupt verteilen. | oṃ hoṃ īśānamūrdhāya namaḥ | Verehrung dem Haupt als Ishana. |
| 2. Wenig Asche auf dem Gesicht verteilen; Augen und Nasenöffnungen aussparen. | oṃ heṃ tatpuruṣavaktrāya namaḥ | Verehrung dem Gesicht als Tatpurusha. |
| 3. Asche im Bereich des Herzens auftragen. | oṃ huṃ aghorahṛdayāya namaḥ | Verehrung dem Herzen als Aghora. |
| 4. Asche am Nabel auftragen. | oṃ hiṃ vāmadevaguhyāya namaḥ | Verehrung dem verborgenen Körperbereich als Vamadeva. |
| 5. Etwas Asche über die übrige Körperoberfläche verteilen. | oṃ haṃ sadyojātamūrtaye namaḥ | Verehrung der Gestalt als Sadyojata. |
Die vierte Stelle ist hier ausdrücklich der Nabel, entsprechend Suprabheda 6.30. Die Bezeichnung vāmadevaguhya des ergänzend herangezogenen Mantras wird nicht zum Anlass genommen, den im Agama genannten Handlungsort stillschweigend zu ändern. Das Auftragen auf die Körperoberfläche symbolisiert den ganzen Leib; es verlangt keine Berührung von Schleimhäuten.')
s+=sec('Alternative des Textes: Tripundra statt Ganzkörper-Uddhulana','Suprabheda 6.32 erlaubt beim Ausfall des flächigen Ascheauftrags das Tripundra, drei waagerechte Aschelinien. Nach 6.33 werden dafür Zeige-, Mittel- und Ringfinger gemeinsam benutzt. Führe mit den drei nebeneinander gehaltenen, leicht mit Asche benetzten Fingerspitzen drei parallele waagerechte Linien aus.
Der Text nennt als weitere Tripundra-Orte Haupt, Stirn, Hals, Arme, Herz, Nabel, Knie und Füße (6.34–35). Die dort genannten Gottheitszuordnungen sind Deutungen dieser Stellen, keine ausgeschriebenen zusätzlichen Mantras. In dieser Alternative wird die zuvor besprochene Asche verwendet; der vorliegende Abschnitt schreibt für jede Linie keine neue Namensformel vor. Die Alternative tritt an die Stelle des flächigen Auftrags und ist nicht ein verpflichtender zweiter Durchgang danach.')
s+=sec('3. Kleidung, Waschung und Achamana','Lege saubere Kleidung an beziehungsweise ordne sie nach dem Auftragen. Wasche Hände und Füße. Führe dann die in Suprabheda 4.13–19 beschriebene Achamana-Handlung aus:
- Forme die rechte Hand zu einer kleinen, kuh-ohrähnlichen Mulde. Nimm jeweils nur so viel Trinkwasser auf, dass eine kleine Bohne darin untertauchen könnte.
- Trinke dreimal geräuschlos je diese kleine Menge. Die konkrete Passage gibt dafür keine drei separat zu sprechenden Mantras an.
- Streiche den Mundrand mit dem Daumen sauber, berühre den Mund beziehungsweise das Gesicht mit der gereinigten Hand und besprenge die Füße.
- Berühre vor den Augen mit Daumen und Ringfinger, an der Nase mit Daumen und Zeigefinger, an den Ohren mit Daumen und kleinem Finger.
- Schließe gesammelt ab und beginne die folgende Shiva-Verehrung.
Die Deutungsverse beziehen die drei Schlucke auf Rik, Yajus und Saman. Sie werden hier nicht in eine fremde moderne Achamana-Mantraserie umgewandelt. Eine äußere Gottheit wurde für dieses Reinigungsritual nicht eingeladen; eine Visarjana ist daher an dieser Stelle nicht vorgeschrieben.')
s+=sec('Quellen','* Suprabhedāgama, Kriyapada, Kapitel 6 Bhasmasnāna, besonders 6.27–35; Achamana: 4.13–19. Grundlage: Muktabodha M00090, suprabhedAgama-M00090-IAST.txt, nach der Devakottai-Ausgabe von 1931.
- Kriyākramadyotikā mit Nirmalamani-Kommentar: die im vorhandenen Artikel Aghorashiva Nityapuja, Abschnitt 2, vollständig nachgewiesene Shiva–Brahma–Anga-Gruppe; dort beziehen sich die Anker auf K 1.13, 1.29, 1.37–41 und 1.46/P, für die Samhita-Gruppe auf P zu 1.6.
Rekonstruktionsentscheidung: Suprabhedas operative Handlungsvorschrift nennt die Mantragruppen und Körperorte, ohne an dieser Stelle jede Formel auszuschreiben. Sein digital vorliegender Mantroddhara weist zahlreiche Schäden auf. Deshalb werden die Formeln nicht daraus erraten, sondern aus der genannten, bereits erschlossenen Siddhanta-Paddhati übernommen. Die hier gewählte Praxisfassung ist vollständig ausführbar, ihre beiden Textgrundlagen bleiben unterscheidbar. Eine streng allein auf Suprabhedas eigenen beschädigten Bijoddhara gestützte kritische Rekonstruktion wird nicht beansprucht.