Vairini

Aus Yogawiki

Vairini (Sanskrit: वैरिणी vairiṇī f.) = Feindin.

Der Sanskrit-Ausdruck “Vairini” leitet sich von “Vairin” ab, was so viel wie “Feind” oder “Gegner” bedeutet. Im weiteren Sinne bezeichnet Vairini jedoch nicht einen äußeren Feind, sondern vielmehr die inneren Hindernisse und feindseligen Kräfte, die in dir selbst wirken. In der yogischen und hinduistischen Philosophie wird Vairini oft als eine der Schattenseiten des Geistes beschrieben – jene unbewussten Muster, die dich davon abhalten, in Frieden mit dir selbst und der Welt zu leben. Es sind die inneren Widerstände, die sich in Form von Ärger, Groll, Neid oder Verbitterung zeigen und dich von deiner wahren Natur entfremden.

Im Kontext von Yoga und Spiritualität begegnet dir Vairini vor allem in der Lehre der Kleshas, den fünf Grundleiden, die das menschliche Bewusstsein trüben. Besonders eng ist Vairini mit dem Klesha “Dvesha” verwandt, der Abneigung oder Aversion. Wenn du in deiner Yogapraxis auf eine Haltung stößt, die dir unangenehm ist – vielleicht eine tiefe Vorbeuge oder eine fordernde Atemtechnik –, dann meldet sich oft Vairini: ein innerer Widerstand, der sagt: “Das mag ich nicht, das will ich nicht.” Doch genau hier liegt die Chance. Indem du diesen inneren Feind nicht bekämpfst, sondern ihn als Lehrer annimmst, kannst du ihn in einen Verbündeten verwandeln. Die Yogapraxis lehrt dich, Vairini mit Achtsamkeit und Mitgefühl zu begegnen, statt ihn zu unterdrücken oder ihm nachzugeben.

Ein passendes Zitat aus der Bhagavad Gita (Kapitel 3, Vers 34) lautet: “Anhaftung und Abneigung sind in den Sinnen verankert – lass dich nicht von ihnen beherrschen, denn sie sind deine Feinde auf dem Weg.” Das bedeutet für deine Praxis: Stell dir vor, du sitzt in der Meditation und spürst plötzlich Ungeduld oder Gereiztheit aufsteigen. Vielleicht bist du genervt von den Geräuschen um dich herum oder von deinen eigenen Gedanken. Anstatt diese Gefühle wegzudrücken oder dich von ihnen mitreißen zu lassen, kannst du innehalten und sie bewusst willkommen heißen. Du sagst innerlich: “Ah, da bist du also, mein Vairini. Ich sehe dich, aber ich lasse mich nicht von dir bestimmen.” Indem du diesen inneren Feind mit freundlicher Aufmerksamkeit betrachtest, nimmst du ihm seine Macht. So wird aus einem Hindernis ein Werkzeug der Selbsterkenntnis – und du kommst deinem wahren, friedvollen Wesen einen Schritt näher.

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