Umaru Pulavar

Aus Yogawiki

Umaru Pulavar (Tamil: உமறுப் புலவர், Umaṟup Pulavar) (gewöhnlich 1642–1703 datiert) war ein bedeutender tamilisch-muslimischer Dichter. Sein Seerapuranam gestaltet das Leben des Propheten Muhammad in der Sprache und den dichterischen Formen der tamilischen Epik.

Symbolbild: Hingabe und innere Sammlung lassen das Herz weit werden.

Leben und Hintergrund

Umaru Pulavar wird mit Nagalapuram und dem Umfeld von Ettayapuram verbunden. Als sein Lehrer in tamilischer Dichtung gilt Kadikaimuthu Pulavar. Zur religiösen Unterweisung und zum Entstehen seines Epos nennt die Überlieferung Sadakathullah Appa und den Förderer Seethakathi. Viele Einzelheiten seines Lebens beruhen auf späteren Erinnerungen und sind nicht gleich sicher belegt.[1]

Geschichten über Umaru Pulavar

Eine Hirschkuh bittet um Aufschub

Die folgende Geschichte stammt aus Umaru Pulavars Seerapuranam. Sie handelt vom Propheten, nicht von einem Ereignis, das der Dichter selbst erlebt hätte. Als religiöse Erzählung lässt sie Barmherzigkeit und Treue in einer bewegenden Begegnung sichtbar werden.

Muhammad kommt in eine bewaldete Gegend und sieht eine Hirschkuh, die ein Jäger gefangen und gebunden hat. Die Schönheit der Landschaft tritt vor dem Leiden des Tieres zurück. Die Hirschkuh kann in der poetischen Welt des Epos sprechen. Sie erzählt von ihrem erst wenige Tage alten Jungen, das noch keine andere Nahrung kennt als ihre Milch. Ihre größte Sorge gilt dem verlassenen, hungrigen Kind.

Sie bittet um eine kurze Freilassung. Sie will das Junge säugen, es zur Herde bringen und anschließend zurückkehren. Der Prophet hört ihre Bitte und bietet sich dem Jäger als Bürge an. Der Jäger kann zunächst kaum glauben, dass ein freigelassenes Wildtier freiwillig wieder zu ihm kommen werde. Doch Muhammad übernimmt die Verantwortung für das gegebene Versprechen. Die Fesseln werden gelöst.

Die Freiheit und das gegebene Wort

Die Hirschkuh eilt in den Wald. Schließlich findet sie ihre Herde und ihr Junges. Sie säugt es und liebkost es. Nach der Angst der Trennung ist die Nähe wieder da. Nun könnte sie zwischen den anderen Tieren bleiben und im Schutz des Waldes verschwinden.

Als sie von ihrem Versprechen erzählt, wollen die anderen sie vom Rückweg abhalten. Wer geht freiwillig zu einem Jäger zurück, dem er gerade entkommen ist? Doch die Hirschkuh denkt an den Menschen, der für sie eingestanden ist. Seine Barmherzigkeit soll nicht durch ihre Untreue beantwortet werden.

Sie macht sich auf den Weg. Auch das Junge will den Propheten sehen und folgt ihr. So kommen Mutter und Kind gemeinsam zurück. Die Geschichte führt damit zwei Kräfte zusammen: die Liebe, die das Tier zunächst in den Wald zieht, und die Wahrhaftigkeit, die es zurückführt.

Auch der Jäger wird frei

Der Jäger sieht, dass das Versprechen gehalten wurde. Was er für unmöglich hielt, steht lebendig vor ihm. Die Rückkehr der Tiere berührt ihn und verwandelt seine Haltung. In der religiösen Deutung des Epos erkennt er Muhammad als Gesandten Gottes an und nimmt den Glauben an. Die Hirschkuh erhält ihre Freiheit und kehrt mit ihrem Jungen zur Herde zurück.

So endet die Erzählung mit mehr als der Rettung eines Tieres. Auch im Jäger löst sich eine Bindung: Er muss das Lebendige nicht länger nur als Beute ansehen. Die Barmherzigkeit des Propheten und die Treue der Hirschkuh öffnen ihm eine andere Beziehung zur Welt.[2]

Betrachtung: Vertrauen verantworten

Diese Geschichte kann dazu anregen, empfangenes Vertrauen nicht leichtfertig zu behandeln. Jemand hat für uns eingestanden, uns Zeit gegeben oder eine neue Möglichkeit eröffnet. Die Antwort darauf kann eine verlässliche Handlung sein. Zugleich lädt das Bild des berührten Jägers dazu ein, Menschen eine wirkliche Veränderung zuzutrauen.

Symbolbild für Vertrauen, Gelassenheit und eine lebendige Meditationspraxis.

Spirituelle Bedeutung

Umaru Pulavars Dichtung gehört zur islamischen Frömmigkeit in tamilischer Sprache. Muhammad wird darin als Prophet und Gesandter Gottes verehrt, nicht als Gottheit. Der Vergleich mit anderen tamilischen religiösen Dichtern kann gemeinsame ethische Anliegen sichtbar machen, ohne ihre Glaubenslehren gleichzusetzen.

Werke und weiterführende Texte

Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten

Kamban und Tolamoli Tevar bieten Vergleichspunkte für die religiöse Erzählkunst in tamilischer Sprache; eine persönliche Beziehung wird nicht behauptet. Tiruvalluvar und Kaniyan Pungundranar lassen sich über Fragen von Wahrhaftigkeit und menschlicher Verantwortung daneben lesen. Umaru Pulavars islamischer Hintergrund bleibt dabei eigenständig.

Anregungen für Yoga und Meditation

Wer Yoga übt, kann die Geschichte als Anregung zu Mitgefühl und Wahrhaftigkeit lesen. In einer stillen Meditation lässt sich fragen: Wo kann ich heute Vertrauen stärken und ein verletzliches Wesen schützen? Dies ist eine vergleichende Anregung für Yoga-Übende, keine Aussage darüber, welche Praxis Umaru Pulavar seinen muslimischen Lesern vorgeschrieben hätte.

Symbolbild für das Licht der Erkenntnis im Herzen.

Ein Gedanke für den Alltag

Erinnere dich an ein Vertrauen, das dir geschenkt wurde, und beantworte es durch eine verlässliche Tat.

Videos zur Vertiefung

Diese Videos laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen.

Satsang und Meditation mit Sukadev - Yoga Vidya Live Ritual Kirtan singen 07:00 Uhr 26.07.2020

Anahata Chakra Pendel-Meditation für Liebe und Freude

Siehe auch

Quellen und Literatur

  1. ↑ Tamil Wiki: Umaru Pulavar, biografische Übersicht mit Hinweisen zur Überlieferungslage.
  2. ↑ Umaru Pulavar: Seerapuranam, Nubuwwat-Kandam, Kapitel 12, Manukkup Pinai Ninra Patalam, Verse 812–883 der fortlaufenden Zählung dieses Kandam-Teils; tamilischer Originaltext bei Project Madurai. Eigene deutsche Nacherzählung des alten Epos.

Seminare

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