Shiva Pratah Smarana Trishloki
Shiva Pratah Smarana Trishloki – vom Gottesbild zur Einheit am Morgen ist eine morgendliche Erinnerungs- und Verehrungsfolge mit drei Hauptstrophen. Zuerst erscheint Shiva als Gangadhara und Segenspender, dann in Einheit mit Parvati, schließlich als grenzenlose, von Unterschieden freie Wirklichkeit. Die Schlussstrophe bestimmt das tägliche Lesen nach dem morgendlichen Aufstehen und dem bewussten Denken an Shiva.
Vorbereitung
Stehe morgens auf und nimm an einem ruhigen Platz einen bequemen Sitz ein. Das Sitzen ist eine praktische Hilfe; der Text fordert keine besondere Asana. Ein Shiva-Bild kann die Erinnerung stützen. Äußere Gaben, ein Lingam-Bad und Feuer werden nicht vorgeschrieben. Ein vollständiger Durchgang mit den drei Strophen und dem Schluss genügt für die hier dargestellte Form.
Ablauf
1. Shiva bewusst erinnern
Lass das Bild des gütigen Gottes entstehen. Beginne mit Om und sprich die erste Strophe. Die Hände der Gottheit zeigen Schutz und Freigebigkeit.
2. Die Einheit mit Parvati betrachten
Beim zweiten Vers erinnere Ardhanarishvara, den Herrn, dessen eine Hälfte Girija ist. Neige auf Wunsch den Kopf als sichtbare Begleitung der ausgesprochenen Verehrung.
3. Bei der grenzenlosen Wirklichkeit verweilen
Sprich den dritten Vers und die Phalashruti. Lass nach der anschaulichen Gestalt die Gegenwart ohne begrenzenden Namen in den Vordergrund treten.
Vollständiger Text
IAST
oṃ |
prātaḥ smarāmi bhavabhītiharaṃ sureśaṃ
gaṅgādharaṃ vṛṣabhavāhanamambikeśam |
khaṭvāṅgaśūlavaradābhayahastamīśaṃ
saṃsārarogaharamauṣadhamadvitīyam || 1||
prātarnamāmi giriśaṃ girijārdhadehaṃ
sargasthitipralayakāraṇamādidevam |
viśveśvaraṃ vijitaviśvamano'bhirāmaṃ
saṃsārarogaharamauṣadhamadvitīyam || 2||
prātarbhajāmi śivamekamanantamādyaṃ
vedāntavedyamanaghaṃ puruṣaṃ mahāntam |
nāmādibhedarahitaṃ ṣaḍabhāvaśūnyaṃ
saṃsārarogaharamauṣadhamadvitīyam || 3||
prātaḥ samutthāya śivaṃ vicintya ślokāṃstrayaṃ ye'nudinaṃ paṭhanti |
te duḥkhajātaṃ bahujanmasañcitaṃ hitvā padaṃ yānti tadeva śambhoḥ || 4||
Devanagari
ॐ ।
प्रातः स्मरामि भवभीतिहरं सुरेशं
गङ्गाधरं वृषभवाहनमम्बिकेशम् ।
खट्वाङ्गशूलवरदाभयहस्तमीशं
संसाररोगहरमौषधमद्वितीयम् ॥ १॥
प्रातर्नमामि गिरिशं गिरिजार्धदेहं
सर्गस्थितिप्रलयकारणमादिदेवम् ।
विश्वेश्वरं विजितविश्वमनोऽभिरामं
संसाररोगहरमौषधमद्वितीयम् ॥ २॥
प्रातर्भजामि शिवमेकमनन्तमाद्यं
वेदान्तवेद्यमनघं पुरुषं महान्तम् ।
नामादिभेदरहितं षडभावशून्यं
संसाररोगहरमौषधमद्वितीयम् ॥ ३॥
प्रातः समुत्थाय शिवं विचिन्त्य श्लोकांस्त्रयं येऽनुदिनं पठन्ति ।
ते दुःखजातं बहुजन्मसञ्चितं हित्वा पदं यान्ति तदेव शम्भोः ॥ ४॥
Bedeutung
Om.
1. Am Morgen erinnere ich den Götterherrn, der die Furcht vor dem Werden hinwegnimmt,
den Träger der Ganga, der auf dem Stier reitet und Herr Ambikas ist,
den Herrn mit Schädelstab, Dreizack und den Gesten von Gabe und Furchtlosigkeit:
das unvergleichliche Heilmittel gegen das Leiden am Samsara.
2. Am Morgen verneige ich mich vor dem Bergherrn, dessen eine Hälfte Girija ist,
dem Urgott, Ursache von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung,
dem Weltenherrn, der die Welt überwunden hat und den Geist erfreut:
das unvergleichliche Heilmittel gegen das Leiden am Samsara.
3. Am Morgen verehre ich den einen, grenzenlosen, ursprünglichen Shiva,
den makellosen großen Purusha, durch Vedanta erkennbar,
frei von Unterschieden wie Namen und frei von den sechs Arten der Abwesenheit:
das unvergleichliche Heilmittel gegen das Leiden am Samsara.
4. Wer täglich morgens aufsteht, an Shiva denkt und diese drei Strophen liest,
lässt nach der Verheißung das in vielen Geburten angesammelte Leid zurück und gelangt zu Shambhus Zustand.
Abschluss
Verweile kurz ohne weitere Worte. Die wiederholte Heilmittel-Metapher bezieht sich auf die Bindung an den Kreislauf des Werdens. Nimm die empfundene Weite in den Tag mit und wiederhole die Folge am nächsten Morgen.
Quellen
- Shiva Pratah Smarana Stotra, Verse 1–4: Sanskrit Documents, Dhrup Chand; Korrektur Rama Swamy, C. V. S. Rao und P. S. A. Easwaran. Die Edition nennt Shridhara Venkatesha als Verfasser. Verwendet wird ihre Lesung ṣaḍabhāvaśūnyam in Vers 3, nicht die verbreitete Variante ṣaḍbhāvaśūnyam; daher lautet die Übersetzung „sechs Arten der Abwesenheit“.