Kularatnamala 20 Verse für die spirituelle Praxis

Aus Yogawiki

Kularatnamala 20 Verse für die spirituelle Praxis bietet 20 unterschiedliche vollständige Strophen aus dem sicher zugeordneten Bestand der Kularatnamala. Die Auswahl bewahrt zusammenhängende Passagen über höchste Wirklichkeit, Überlieferung, Wirklichkeitsprinzipien und Befreiung. Sie ist keine Kurzfassung des gesamten ursprünglichen Werkes.

Die zugängliche und geprüfte Grundlage dieser Bearbeitung umfasst 32 sichere vollständige Strophen und sechs Fragmente. Eine Auswahl von 108 geeigneten unterschiedlichen Originalversen lässt sich daraus nicht erstellen. Die hier verwendeten KRM-Kennungen sind redaktionell; Fundstellenzahlen gehören zu den zitierenden Werken. Die vier Parallelfassungen des Guru-Verses sowie die unsicher zugeschriebenen Śrīmālā-Strophen werden nicht mehrfach oder zusätzlich gezählt.

Weitere Ausgaben: Kularatnamala · Kularatnamala Sanskrit Devanagari

Shiva und Parvati: ergänzende Darstellung des göttlichen Paares, keine Illustration einer nachgewiesenen Kularatnamala-Handschrift.

Die Auswahlübersetzungen sind eigenständig und sprachlich vereinfacht. Erläuterungen stehen jeweils getrennt; als heutige Übertragung bezeichnete Anregungen sind keine zusätzlichen Sanskritaussagen. Quellenlesungen und ausführlichere Erklärungen finden sich im Hauptartikel.

Höchste Wirklichkeit und lebendige Überlieferung

Die ersten elf Strophen werden in ihrer belegten Fundstellenfolge gelesen. Die sechs Strophen Q005–010 bilden ein zusammenhängendes Zitat; mehrere Sätze laufen über die Versgrenze. Die Göttinnennamen und göttlichen Lehrer gehören zur Sprache dieser Überlieferung.

1. Die Wirklichkeit, die sich nicht greifen lässt

Originalposition: KRM-Q001; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: TAV 1.274; KSTS-TAV-I, gedruckte S. 282; PDF-S. 292.[1]

adṛṣṭaṃ nirguṇaṃ yacca heyopādeyavarjitam |
tattattvaṃ sarvatattvānāṃ pradhānaṃ paripaṭhyate ||

Vereinfachte Übersetzung: Was unsichtbar ist, keine Eigenschaften hat und weder angenommen noch verworfen werden muss: Das gilt als das höchste Wirklichkeitsprinzip unter allen Prinzipien.

Die Aussage bezeichnet die höchste Wirklichkeit. Sie hebt die Unterscheidung zwischen hilfreichem und schädlichem Handeln im Alltag nicht auf.

2. Aus der Stille tritt Kraft hervor

Originalposition: KRM-Q002; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: TAV 1.274; KSTS-TAV-I, gedruckte S. 282; PDF-S. 292.[1]

adṛṣṭavigrahaścaiva sa śānta iti gīyate |
tasyecchā nirgatā śaktistaddharmaguṇasaṃyutā ||

Vereinfachte Übersetzung: Seine Gestalt ist unsichtbar; man nennt ihn den Ruhenden. Sein Wille tritt als Shakti hervor und trägt seine Wesenszüge und Eigenschaften.

Shakti bedeutet göttliche Kraft. Der Vers verbindet die Ruhe der höchsten Wirklichkeit mit ihrem schöpferischen Hervortreten.

3. Die höchste Beziehung durchdringt die Folge

Originalposition: KRM-Q003; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: TAV 1.274; KSTS-TAV-I, gedruckte S. 282; PDF-S. 292.[1]

sṛṣṭimārgānusāreṇa āyātaścāvanītale |
kathito devi ṣaṣṭhastu yathāveśasvarūpataḥ ||

Vereinfachte Übersetzung: Dem Gang der Schöpfung folgend gelangt [diese Beziehung] bis auf die Erde. Sie wird, o Göttin, als sechste bezeichnet, entsprechend ihrer jeweiligen Gestalt als göttliche Ergriffenheit.

Der Bezug von „diese Beziehung“ wird aus Jayarathas Erklärung ergänzt. Er versteht die sechste Beziehung als das Höchste, das die fünf anderen durchdringt. Die verdichtete Schlusswendung bleibt auslegungsbedürftig.

4. Fünf Formen der Weitergabe

Originalposition: KRM-Q004; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: TAV 1.274; KSTS-TAV-I, gedruckte S. 282; PDF-S. 292.[1]

mahānavāntaro divyo divyādivyaścaturthakaḥ |
itaretaramārgeṇa pañcadhā bhinnalakṣaṇaḥ ||

Vereinfachte Übersetzung: Es gibt die große, die vermittelnde und die göttliche Beziehung; als vierte die zugleich göttliche und nichtgöttliche. Mit dem Weg der gegenseitigen Weitergabe sind es fünf verschiedene Arten.

Die folgenden sechs Strophen entfalten diese Übersicht als zusammenhängenden Überlieferungsweg.

5. Shakti und das freie Wirken

Originalposition: KRM-Q005; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: TAV 1.274; KSTS-TAV-I, gedruckte S. 283; PDF-S. 293.[1]

śivasya paripūrṇasya parasyāmitatejasaḥ |
tacchaktiścaiva sādākhyā svecchākartṛtvagocarā ||

Vereinfachte Übersetzung: Shiva ist vollkommen, höchster Herr und von grenzenlosem Glanz. Seine Shakti heißt Sādākhyā; sie wirkt im Bereich des Handelns aus eigenem Willen.

Sādākhyā ist der Name der hier genannten Kraft. Die anschließenden Strophen beschreiben ihre Stellung im Überlieferungsweg.

6. Der erste und der vermittelnde Zusammenhang

Originalposition: KRM-Q006; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: TAV 1.274; KSTS-TAV-I, gedruckte S. 283; PDF-S. 293.[1]

sattvaṃ tena ca saṃprāptaṃ saṃbandhaṃ prathamaṃ viduḥ |
avāntaraśca yogena sādākhyātkramaśaḥ punaḥ ||

Vereinfachte Übersetzung: Durch ihn ist Sein erlangt; das nennt man die erste Beziehung. Die vermittelnde Beziehung geht dann, durch Verbindung, der Reihe nach von Sādākhya aus …

Der Satz geht im nächsten Vers weiter. Die auffällige Formulierung über das erlangte „Sein“ und der knappe Bezug von „durch ihn“ bleiben ebenso unsicher wie in der Hauptübersetzung.

7. Göttliche Träger der Lehre

Originalposition: KRM-Q007; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: TAV 1.274; KSTS-TAV-I, gedruckte S. 283; PDF-S. 293.[1]

prāpto'nanteśadevena dvitīyastena kīrtitaḥ |
tṛtīyastu punardevi śrīkaṇṭho nandinā saha ||

Vereinfachte Übersetzung: … und wird vom Gott Anantesha empfangen. Deshalb heißt sie die zweite. Bei der dritten, o Göttin, treten Shrikantha und Nandin gemeinsam auf …

Mit dem vorigen und dem folgenden Vers zusammen lesen. Anantesha, Shrikantha und Nandin sind Gestalten der religiösen Überlieferung.

8. Von den Göttern zu den Sehern

Originalposition: KRM-Q008; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: TAV 1.274; KSTS-TAV-I, gedruckte S. 283; PDF-S. 293.[1]

dvābhyāṃ devāttu matvaivaṃ tena divyaḥ prakīrtitaḥ |
ṛṣīṇāṃ ca samāsena nandinā pratipāditam ||

Vereinfachte Übersetzung: … nachdem beide so die Lehre von dem Gott verstanden haben; daher nennt man diese Beziehung göttlich. Nandin legt den Sehern die Lehre in zusammengefasster Form dar.

„Die Lehre“ ergänzt das im Sanskrit nicht eigens genannte Objekt. Die Weitergabe an die Seher bereitet die vierte Beziehung vor.

9. Erklären und verehren

Originalposition: KRM-Q009; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: TAV 1.274; KSTS-TAV-I, gedruckte S. 283; PDF-S. 293.[1]

caturthastu bhagavatā divyādivyaḥ prakīrtitaḥ |
vyākhyānakramayogena vidyāpīṭhaprapūjane ||

Vereinfachte Übersetzung: Die vierte Beziehung nennt der Erhabene göttlich und nichtgöttlich. Durch die Folge der Erklärung, bei der umfassenden Verehrung des Sitzes der Vidyā …

Die Strophe setzt sich im nächsten Vers fort. Vidyā kann göttliches Wissen und eine weiblich gedachte Mantrakraft bezeichnen; der heilige „Sitz“ wird hier nicht mit einer heutigen Institution gleichgesetzt.

10. Lehrer und Schüler als lebendige Verbindung

Originalposition: KRM-Q010; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: TAV 1.274; KSTS-TAV-I, gedruckte S. 283; PDF-S. 293.[1]

śiṣyācāryasvarūpeṇa pañcamastvitaretaraḥ |
iti pañcaprakāro'yaṃ saṃbandhaḥ parikīrtitaḥ ||

Vereinfachte Übersetzung: … erscheint die fünfte, wechselseitige Beziehung in Gestalt von Schüler und Lehrer. So werden diese fünf Formen der Beziehung beschrieben.

Heutige Übertragung: Lehre weiterzugeben heißt auch, auf das Verständnis des Lernenden einzugehen. Diese Anregung ist keine zusätzliche Aussage des Sanskritverses.

11. In jeder Beziehung wirkt die höchste Kraft

Originalposition: KRM-Q011; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: TAV 1.275; KSTS-TAV-I, gedruckte S. 284; PDF-S. 294.[1]

saṃbandhaḥ parameśāni sarvaḥ parakalāmayaḥ |
mahānavāntaro divyo miśro'divyaśca tatparaḥ ||

Vereinfachte Übersetzung: O höchste Göttin, jede dieser Beziehungen besteht aus der höchsten göttlichen Kraftentfaltung: die große, die vermittelnde, die göttliche, die gemischte und schließlich die nichtgöttliche.

Die letzte Bezeichnung meint nach der Erklärung die menschliche Weitergabe. Die spirituelle Quelle bleibt für den Text auch dort gegenwärtig.

Eine ungewöhnliche Schau der Wirklichkeitsprinzipien

Die folgenden fünf Strophen sind als vollständiger Zitatblock ausgewählt. Ihre verschlüsselten Bilder verlangen Erläuterung. Gerade darin liegt ihr Wert für erfahrene Leser: Sie zeigen, dass vertraute Wörter wie Chakra, Nāda oder Kuṇḍalī innerhalb eines Textes eine besondere, nicht beliebig austauschbare Ordnung bilden.

Heutiges Symbolbild des Kosmos; keine historische Darstellung der 38 Tattvas.

12. Den Weg der Wirklichkeit verstehen

Originalposition: KRM-Q012; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: TAV 11.28; KSTS-TAV-VII, gedruckte S. 20; PDF-S. 2303.[2]

tattvādhvānaṃ pravakṣyāmi yathā jñāsyasi suvrate |
caraśaktidvayaṃ pūrvaṃ tadūrdhvaṃ pañcakaṃ smṛtam ||

Vereinfachte Übersetzung: Ich werde dir den Weg der Wirklichkeitsprinzipien erklären, damit du ihn verstehst, du Treue in deinen Gelübden. Zuerst steht das Paar der Bewegungskraft; darüber nennt man ein Fünfergebilde …

Hier beginnt ein zusammenhängender Block aus fünf Strophen. Jayaratha erklärt das Bewegungspaar über die beiden Füße und ihren tragenden Grund als Hinweis auf das Erdelement. Die Bildwörter werden nicht einfach als selbstständige Tattvas durchgezählt.

13. Die verborgene Ordnung der Bildwörter

Originalposition: KRM-Q013; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: TAV 11.28; KSTS-TAV-VII, gedruckte S. 20; PDF-S. 2303.[2]

catuṣkaṃ ca tato devi dvirandhraṃ janma eva ca |
vyāptirvaikuṇṭhasaṅghaṭṭo vyāptiścaiva tu lambikā ||

Vereinfachte Übersetzung: … und dann ein Vierergebilde, o Göttin: die doppelte Öffnung, die Entstehung, Durchdringung, Verbindung mit Vaikuntha, wieder Durchdringung und die Lambikā.

Die Wörter verschlüsseln eine Ordnung. Jayaratha verbindet etwa die Durchdringungen mit Begehren und Zeit, die Vaikuntha-Verbindung mit Niyati, der Begrenzung und Festlegung, und Lambikā mit Māyā. Das sind Kommentarerklärungen, keine zusätzlichen Worte des Verses.

14. Halbmond, Gewundene und Punkt

Originalposition: KRM-Q014; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: TAV 11.28; KSTS-TAV-VII, gedruckte S. 20; PDF-S. 2303.[2]

randhraṃ tu aṣṭamaṃ devi ardhenduḥ kuṇḍalī priye |
śāntaṃ caiva praśāntaṃ ca vindurnityoditastathā ||

Vereinfachte Übersetzung: Dann folgen die achte Öffnung, o Göttin, der Halbmond und die Gewundene, Geliebte; das Ruhige und ganz Beruhigte, der Punkt und das immer Aufgegangene.

Die Gewundene heißt Kuṇḍalī. Diese knappe Bildfolge wird in Jayarathas Kommentar auf höhere Wirklichkeitsprinzipien bezogen. Sie schreibt keine Körpertechnik vor.

15. Klang und sechs Kreise

Originalposition: KRM-Q015; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: TAV 11.28; KSTS-TAV-VII, gedruckte S. 20; PDF-S. 2303.[2]

ūrdhve nādaṃ vijānīyātṣaṭ cakrāṇi tadūrdhvataḥ |
śaktitattvaṃ tu ṣaṭcakraṃ śivatattvaṃ tathaiva ca ||

Vereinfachte Übersetzung: Oben ist der Klang zu erkennen; darüber sind sechs Kreise. Das Shakti-Prinzip umfasst sechs Kreise, und ebenso das Shiva-Prinzip.

Nāda heißt Klang. Die sechs Kreise werden im Kommentar als sechsfache Entfaltung verstanden; sie sind hier kein belegtes Schema sechs heutiger Körperchakras.

16. Einweihung verlangt Kenntnis

Originalposition: KRM-Q016; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: TAV 11.28; KSTS-TAV-VII, gedruckte S. 20; PDF-S. 2303.[2]

aṣṭātriṃśadamī tattvāstathādhvāyaṃ varānane |
laukiko yo na jānāti kathaṃ dīkṣāṃ tu kārayet ||

Vereinfachte Übersetzung: Diese Wirklichkeitsprinzipien sind achtunddreißig: So ist der Weg, du mit dem schönen Antlitz. Wie könnte jemand, der ihn nicht kennt und weltlich gebunden ist, eine Einweihung bewirken?

38 ist die Zahl des Originals. Jayaratha vermittelt sie mit der bekannten 36er-Ordnung, indem er am höchsten Prinzip Beziehungen zwischen Erkennendem und Erkanntem unterscheidet. Die Frage des Verses betrifft die Befähigung zur Einweihung.

Befreiung, Lehrverständnis und geistige Begegnung

Diese Strophen sprechen über die Unabhängigkeit der Erkenntnis vom äußeren Ort, das Selbstverständnis der Kaula-Lehre und den Augenblick befreiender Unterweisung. Q031 und Q032 werden zusammen gelesen.

Modernes Meditationsbild als Anregung zum heutigen Studium, keine rekonstruierte Kularatnamala-Praxis.

17. Erkenntnis ist nicht an einen reinen Ort gebunden

Originalposition: KRM-Q018; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: TA 28.310 mit TAV; KSTS-TAV-XI, gedruckte S. 122; PDF-S. 3439.[3]

rathyāntare mūtrapurīṣamadhye caṇḍālagehe niraye śmaśāne |
sacintako vā gatacintako vā jñānī vimokṣaṃ labhate'pi cānte ||

Vereinfachte Übersetzung: Auf der Straße, zwischen Urin und Kot, im Haus eines Chandala, an einem elenden Ort oder auf dem Verbrennungsplatz: Ob er noch denkt oder das Denken hinter sich gelassen hat, der Erkennende erlangt auch am Ende Befreiung.

Der Vers nennt bewusst Orte, die nach damaligen Reinheitsvorstellungen niedrig galten. Chandala ist eine historische Kastenbezeichnung. Die Aussage setzt Erkenntnis voraus; sie empfiehlt keinen Aufenthalt an unhygienischen oder gefährlichen Orten.

18. Der Anspruch einer zusammenführenden Lehre

Originalposition: KRM-Q028; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: TA 37.26 mit TAV; KSTS-TAV-XII, gedruckte S. 400; PDF-S. 3903.[4]

aśeṣatantrasāraṃ tu vāmadakṣiṇamāśritam |
ekatra militaṃ kaulaṃ śrīṣaḍardhakaśāsane ||

Vereinfachte Übersetzung: Die Essenz aller Tantras der linken und rechten Überlieferung ist in der Kaula-Lehre vereint: in der ehrwürdigen Lehre der „Hälfte von sechs“.

„Hälfte von sechs“ bezeichnet das Trika. Dies ist die Selbstdarstellung der zitierten Tradition. Der anschließende Text bewertet andere Wege polemisch; die Strophe wird hier zum Verständnis dieses Selbstbildes gelesen, nicht als objektive Rangliste spiritueller Schulen.

19. Erkenntnis kann im Augenblick befreien

Originalposition: KRM-Q031; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: Śivasūtravimarśinī III.42; KSTS-SSV, gedruckte S. 135; PDF-S. 159.[5]

yadā guruvaraḥ samyak kathayettanna saṃśayaḥ |
muktastenaiva kālena yantraṃ tiṣṭhati kevalam ||

Vereinfachte Übersetzung: Wenn ein hervorragender Guru die Lehre richtig vermittelt, ist der Schüler im selben Augenblick befreit. Daran gibt es keinen Zweifel: Nur der Mechanismus des Körpers lebt weiter.

Die Bilddeutung des „Mechanismus“ folgt Kṣemarāja. Entscheidend ist die rechte Unterweisung; der Vers erklärt nicht jede beliebige Äußerung eines Lehrers für befreiend.

20. Ein Augenblick in der höchsten Wirklichkeit

Originalposition: KRM-Q032; ohne überlieferte ursprüngliche Versnummer. Fundstelle: Śivasūtravimarśinī III.42; KSTS-SSV, gedruckte S. 135; PDF-S. 159.[5]

kiṃ punaścaikatānastu pare brahmaṇi yaḥ sudhīḥ |
kṣaṇamātrasthito yogī sa mukto mocayetprajāḥ ||

Vereinfachte Übersetzung: Wie viel mehr gilt dies für einen verständigen Yogi, der ganz auf das höchste Brahman ausgerichtet ist: Verweilt er darin auch nur einen Augenblick, ist er befreit und kann Menschen zur Befreiung führen.

Brahman meint hier die höchste Wirklichkeit im śivaitischen Zusammenhang. Die befreiende Kraft wird einem verwirklichten Yogi zugeschrieben; sie ist kein garantiertes Ergebnis einer beliebigen kurzen Konzentrationsübung.

Mantras aus dem Kularatnamala

Im hier bearbeiteten Bestand konnte keine zusätzliche geeignete, vollständig überlieferte Rezitationsformel gesichert werden. Diese Feststellung gilt für die 32 sicher zugeordneten Strophen, sechs Fragmente, die vier Parallelfassungen und den gesondert geprüften unsicheren Anhang; sie ist keine Aussage über jeden ursprünglich im Werk enthaltenen Text.

Der Bestand nennt unter anderem ein großes Waffenmantra, die Göttin Mālinī und eine Lautfolge von na bis pha. Eine bloße Bezeichnung, eine Buchstabenchiffre oder Anfang und Ende einer längeren Folge ergeben jedoch keine vollständig belegte Rezitationsform. Die Abschnitte zur Einweihung setzen außerdem einen mehrgliedrigen Ritualrahmen voraus. Die Ausdrücke werden deshalb nicht eigenmächtig zu Mantras ergänzt.

Auch die Lehraussagen über Shiva, Shakti und den Guru sind hier keine anrufenden Gebete oder selbstständigen Lobpreisverse. Sie können aufmerksam studiert werden; eine technische Mantraeigenschaft oder eine bestimmte Wiederholungszahl ist damit nicht belegt. Die Auswahl endet daher mit den oben wiedergegebenen Versen, ohne eine ungeprüfte Mantrasammlung anzuhängen. Zu den einschlägigen Originalstellen siehe Q020 und Q022–026.[3]

Ergänzende heutige Meditationen

Ergänzende heutige Meditation mit Sukadev über reines Bewusstsein. Sie ist keine Übersetzung oder rekonstruierte Übung der Kularatnamala.

Ergänzende heutige Meditation aus einem Yoga-Vidya-Satsang; keine historische Kularatnamala-Rezitation.

Weitere Ausgaben: Kularatnamala · Kularatnamala Sanskrit Devanagari

Seminare

Das Studium der Kularatnamala kann durch Sprachkenntnisse, die Beschäftigung mit indischen Schriften und eine regelmäßige Meditationspraxis vertieft werden. Die folgenden aktuellen Yoga-Vidya-Angebote dienen dieser allgemeinen Vertiefung.

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Literatur und Quellen

  • Abhinavagupta: Tantrāloka, mit Jayarathas Tantrālokaviveka, Kashmir Series of Texts and Studies (KSTS), Band I, zu 1.274–275, S. 281–284. Zusammengesetztes Digitalisat, PDF-S. 291–294. Die Zahlen 1.274–275 gehören zum zitierenden Tantrāloka.
  • Abhinavagupta/Jayaratha: Tantrāloka mit Tantrālokaviveka, KSTS, Band VII, zu 11.28, S. 20; Erklärung im umgebenden Kommentar. Digitalisat, Zitat PDF-S. 2303.
  • Abhinavagupta/Jayaratha: Tantrāloka mit Tantrālokaviveka, KSTS, Band XI, Ahnika 28 und 29. Digitalisat. Gedruckte Seiten und abweichende PDF-Seiten sind bei jedem Zitat angegeben; die Paginierung beginnt im Band erneut.
  • Abhinavagupta/Jayaratha: Tantrāloka mit Tantrālokaviveka, KSTS, Band XII, 37.25–29, S. 400–401. Digitalisat, PDF-S. 3903–3904.
  • Kṣemarāja: Śivasūtravimarśinī, hg. von J. C. Chatterji, KSTS 1, Srinagar 1911, zu III.42, S. 135. Digitalisat, PDF-S. 159. III.43 beginnt auf der folgenden Seite; abweichende Stellenangaben in der Sekundärliteratur wurden am Druck kontrolliert.

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 Abhinavagupta: Tantrāloka, mit Jayarathas Tantrālokaviveka, Kashmir Series of Texts and Studies (KSTS), Band I, zu 1.274–275, S. 281–284. Zusammengesetztes Digitalisat, PDF-S. 291–294. Die Zahlen 1.274–275 gehören zum zitierenden Tantrāloka.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Abhinavagupta/Jayaratha: Tantrāloka mit Tantrālokaviveka, KSTS, Band VII, zu 11.28, S. 20; Erklärung im umgebenden Kommentar. Digitalisat, Zitat PDF-S. 2303.
  3. 3,0 3,1 Abhinavagupta/Jayaratha: Tantrāloka mit Tantrālokaviveka, KSTS, Band XI, Ahnika 28 und 29. Digitalisat. Gedruckte Seiten und abweichende PDF-Seiten sind bei jedem Zitat angegeben; die Paginierung beginnt im Band erneut.
  4. Abhinavagupta/Jayaratha: Tantrāloka mit Tantrālokaviveka, KSTS, Band XII, 37.25–29, S. 400–401. Digitalisat, PDF-S. 3903–3904.
  5. 5,0 5,1 Kṣemarāja: Śivasūtravimarśinī, hg. von J. C. Chatterji, KSTS 1, Srinagar 1911, zu III.42, S. 135. Digitalisat, PDF-S. 159. III.43 beginnt auf der folgenden Seite; abweichende Stellenangaben in der Sekundärliteratur wurden am Druck kontrolliert.