Gangashtaka Prabhata Pathana
Gangashtaka Prabhata Pathana – den Morgen der göttlichen Ganga widmen ist ein morgendliches Gebetsritual mit dem Ganga Ashtakam des Anantananda Sarasvati. Der Hymnus verehrt Ganga als Mutter, göttlichen Fluss und fließende Gestalt der Durga. Sein Schlussvers nennt ausdrücklich die reine, gesammelte Rezitation am Morgen.
Vorbereitung
Wasche dich und bereite einen sauberen Gebetsplatz vor. Das setzt die Textangabe śuci, rein, praktisch um; eine besondere Badezeremonie ist nicht beschrieben. Halte alle neun Strophen bereit. Ein Bild Gangas kann die Betrachtung unterstützen. Gangeswasser, ein bestimmtes Gefäß und Opfergaben werden für die morgendliche Rezitation nicht verlangt. Die Anleitung kann am Fluss oder fern von ihm ausgeführt werden.
Ablauf
1. Am Morgen gesammelt beginnen
Setze dich ruhig hin. Vergegenwärtige Ganga als mütterliche Gegenwart. Die Sitzhaltung ist frei gewählt; eine zusätzliche Eröffnungsformel ist im Text nicht angegeben.
2. Den vollständigen Hymnus lesen
Sprich die acht Gebetsstrophen und unmittelbar anschließend den neunten Vers. Ein vollständiger Durchgang ist die hier gewählte praktische Einheit; eine höhere Zahl nennt die Quelle nicht.
IAST
na śaktāstvāṃ stotuṃ vidhihariharā jahnatanaye
guṇotkarṣākhyānaṃ tvayi na ghaṭate nirguṇapade |
ataste saṃstutyai kṛtamatirahaṃ devi sudhiyāṃ
vinindyo yadvedāścakitamabhigāyanti bhavatīm || 1||
tathā'pi tvāṃ pāpaḥ patitajanatoddhāranipuṇe
pravṛtto'haṃ stotuṃ prakṛticalayā bālakadhiyā |
ato dṛṣṭotsāhe bhavati bhavabhāraikadahane
mayi stutye gaṅge kuru parakṛpāṃ parvatasute || 2||
na saṃsāre tāvatkaluṣamiha yāvattava payo
dahatyārye sadyo dahana iva śuṣkaṃ tṛṇacayam |
palāyante dṛṣṭvā tava paricarānantakajanā
yathā vanyā vā'nye vanapatibhayād vāmanamṛgāḥ || 3||
janā ye te mātarnidhanasamaye toyakaṇikāṃ
mukhe kṛtvā prāṇāñjahati surasaṅghairanuvṛtā |
vimāne krīḍanto'marapatipadaṃ yānti niyataṃ
kathā teṣāṃ kā vā janani tava tīre nivasatām || 4||
śivaḥ sarvārādhyo janani viṣatāpopaśamanaṃ
carīkartuṃ gaṅge kalikaluṣabhaṅge paśupatiḥ |
jaṭāyāṃ sandhatta lalitalaharīṃ tvāṃ suranadī
tvadanyā kā vandyā paramamahitā vā tribhuvane || 5||
janastāvanmātarduritabhayato bibhyati sṛtau
na yāvattvattīraṃ nayanapathamāyāti vimalam |
yadāptaṃ tvattīraṃ tadanu duritānāṃ na gaṇanā
tato gaṅge vandyā munisamudayāstvāṃ na jahati || 6||
namāmi tvāṃ gaṅge śrutivanavihāraikanipuṇe
jaganmātarmātastripuraharasevye vidhinute |
tvamevādyā durgā janahitakṛte tvaṃ dravamayī
svayaṃ jātā devi tvamasi paramaṃ brahma viditam || 7||
kadā gaṅge ramye taṭamadhivasaste śivanute
śive durge mātaḥ sakalaphalade devadayite |
pareśe sarveśe śrutiśatanute dakṣatanaye
sadā'haṃ sañjalpannimiṣamiva neṣyāmi divasān || 8||
gaṅgāṣṭakamidaṃ puṇyaṃ prabhāte yaḥ paṭhecchuciḥ |
sarvābhīṣṭaṃ tatastasmai dadāti suranimnagā || 9||
Devanagari
न शक्तास्त्वां स्तोतुं विधिहरिहरा जह्नतनये
गुणोत्कर्षाख्यानं त्वयि न घटते निर्गुणपदे ।
अतस्ते संस्तुत्यै कृतमतिरहं देवि सुधियां
विनिन्द्यो यद्वेदाश्चकितमभिगायन्ति भवतीम् ॥ १॥
तथाऽपि त्वां पापः पतितजनतोद्धारनिपुणे
प्रवृत्तोऽहं स्तोतुं प्रकृतिचलया बालकधिया ।
अतो दृष्टोत्साहे भवति भवभारैकदहने
मयि स्तुत्ये गङ्गे कुरु परकृपां पर्वतसुते ॥ २॥
न संसारे तावत्कलुषमिह यावत्तव पयो
दहत्यार्ये सद्यो दहन इव शुष्कं तृणचयम् ।
पलायन्ते दृष्ट्वा तव परिचरानन्तकजना
यथा वन्या वाऽन्ये वनपतिभयाद् वामनमृगाः ॥ ३॥
जना ये ते मातर्निधनसमये तोयकणिकां
मुखे कृत्वा प्राणाञ्जहति सुरसङ्घैरनुवृता ।
विमाने क्रीडन्तोऽमरपतिपदं यान्ति नियतं
कथा तेषां का वा जननि तव तीरे निवसताम् ॥ ४॥
शिवः सर्वाराध्यो जननि विषतापोपशमनं
चरीकर्तुं गङ्गे कलिकलुषभङ्गे पशुपतिः ।
जटायां सन्धत्त ललितलहरीं त्वां सुरनदी
त्वदन्या का वन्द्या परममहिता वा त्रिभुवने ॥ ५॥
जनस्तावन्मातर्दुरितभयतो बिभ्यति सृतौ
न यावत्त्वत्तीरं नयनपथमायाति विमलम् ।
यदाप्तं त्वत्तीरं तदनु दुरितानां न गणना
ततो गङ्गे वन्द्या मुनिसमुदयास्त्वां न जहति ॥ ६॥
नमामि त्वां गङ्गे श्रुतिवनविहारैकनिपुणे
जगन्मातर्मातस्त्रिपुरहरसेव्ये विधिनुते ।
त्वमेवाद्या दुर्गा जनहितकृते त्वं द्रवमयी
स्वयं जाता देवि त्वमसि परमं ब्रह्म विदितम् ॥ ७॥
कदा गङ्गे रम्ये तटमधिवसस्ते शिवनुते
शिवे दुर्गे मातः सकलफलदे देवदयिते ।
परेशे सर्वेशे श्रुतिशतनुते दक्षतनये
सदाऽहं सञ्जल्पन्निमिषमिव नेष्यामि दिवसान् ॥ ८॥
गङ्गाष्टकमिदं पुण्यं प्रभाते यः पठेच्छुचिः ।
सर्वाभीष्टं ततस्तस्मै ददाति सुरनिम्नगा ॥ ९॥
Bedeutung
1. Tochter des Jahnu, selbst Brahma, Vishnu und Shiva vermögen dich nicht angemessen zu preisen.
Von vorzüglichen Eigenschaften zu erzählen passt nicht zu dir, die jenseits der Eigenschaften ist.
Wenn ich mich dennoch entschließe, dich zu loben, erscheine ich den Weisen vermessen,
denn selbst die Veden besingen dich voller ehrfürchtigem Staunen.
2. Dennoch, du Kundige im Aufrichten der Gefallenen,
beginne ich Fehlbarer dich zu preisen, mit dem von Natur beweglichen Verstand eines Kindes.
Da du meinen Eifer siehst, du einzige Verbrennerin der Last des Werdens,
erweise mir höchste Gnade, lobenswerte Ganga, Tochter des Berges.
3. In dieser Wandelwelt gibt es nicht so viel Unreinheit, wie dein Wasser
sogleich verbrennt, Ehrwürdige, wie Feuer trockenes Gras.
Die Diener des Todes fliehen beim Anblick deiner Diener,
wie kleine Waldtiere aus Furcht vor dem Herrn des Waldes.
4. Mutter, Menschen, die beim Sterben einen Tropfen deines Wassers
im Mund tragen und ihren Atem aufgeben, werden von Götterscharen begleitet.
In einem Himmelswagen frohlockend gelangen sie gewiss zur Stätte des Götterherrn.
Was ließe sich erst von denen sagen, Mutter, die an deinem Ufer wohnen?
5. Shiva, den alle verehren, nimmt dich, Mutter, zur Stillung der Hitze des Giftes
in sein Haar auf, Ganga, du Brecherin der Unreinheit des Kali-Zeitalters.
Pashupati trägt dich, Götterfluss mit lieblichen Wellen, in seinen verfilzten Haaren.
Wer außer dir wäre in den drei Welten so verehrungswürdig und hochgeehrt?
6. So lange fürchten Menschen im Daseinskreislauf die Folgen ihrer Verfehlungen,
wie dein reines Ufer noch nicht in ihren Blick getreten ist.
Ist dein Ufer erreicht, verlieren diese Verfehlungen ihre Macht.
Darum verlassen dich die verehrungswürdigen Scharen der Weisen nicht, Ganga.
7. Ich verneige mich vor dir, Ganga, die du kundig im Wald der Shruti wandelst,
Mutter der Welt, von Tripurahara verehrt und von Brahma gepriesen.
Du selbst bist die ursprüngliche Durga, die zum Wohl der Menschen
aus eigenem Willen flüssige Gestalt annahm; als höchstes Brahman wirst du erkannt.
8. Wann werde ich an deinem lieblichen Ufer wohnen, Ganga, von Shiva Gepriesene,
und stets rufen: Segensreiche, Durga, Mutter, Spenderin aller Früchte, Göttergeliebte,
höchste Herrin, Herrin aller, von hundert Offenbarungsworten Gepriesene, Tochter Dakshas –
und dabei die Tage wie einen Augenblick verbringen?
9. Wer diesen heiligen achtstrophigen Ganga-Hymnus morgens in Reinheit liest,
dem gewährt der göttliche Fluss nach der Verheißung alle ersehnten Güter.
3. Die mütterliche Gegenwart nachklingen lassen
Verweile kurz bei der siebten Strophe: Die Göttin nimmt eine dem Leben dienende, fließende Gestalt an. Die stille Betrachtung ist eine freiwillige Vertiefung.
4. Den Morgen fortsetzen
Beende das Gebet und beginne deine Aufgaben. Wenn du eine tägliche Praxis daraus machst, lies an jedem Morgen denselben vollständigen Text.
Die Bildsprache der Wasserverse
Die vierte Strophe würdigt eine überlieferte Sterbepraxis. Sie ist innerhalb dieses Morgengebets ein Lobvers und keine Aufforderung, einer sterbenden Person Flüssigkeit einzuflößen. Auch eine Uferreise wird ersehnt, aber nicht als Voraussetzung der morgendlichen Rezitation vorgeschrieben. So bleibt die konkrete Durchführung bei dem im Schlussvers genannten Lesen in Reinheit.
Quellen
- Anantananda Sarasvati: Gangashtaka, acht Strophen und Phalashruti; überliefert im Brihat Stotra Ratnakara von Shivadatta Shastri. Sanskritedition: Sanskrit Documents. Eigene deutsche, bei syntaktisch lockeren Versstellen sinngemäße Übertragung. Die Anweisung zu Reinheit und Morgenrezitation steht in Vers 9.