Buddhanatur

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In uns allen ist ein göttlicher Kern, die Anlage zur völligen Glückseligkeit. Im Buddhismus wird er als Buddhanatur bezeichnet.

Buddhanatur beschreibt das Wesen des Buddha

Ausschnitt aus der Legende des Jotishka aus „Buddhistische Legenden“ von Heinrich Zimmer

Indessen gibt es nichts, was den Erhabenen Buddhas unerkannt, unerschaut, unbemerkt und unbewusst bliebe. Das gehört zum Wesen der Erhabenen Buddhas.

Sie sind die All-Barmherzigen und wandeln, aller Welt zu genügen. Ihr Wesen ist: ganz und gar Hüter zu sein.
Sie weilen in Geduldigkeit und fernster Überschau,
sie sind kundig der drei Bereiche der Selbstbeherrschung: Tat, Rede und Gedanken,
sie haben die vier Ströme des Verdienstes überquert, die Sohlen ihrer Füße haben festen Grund gefasst in den vier Wunderkräften,
viererlei gute Werke haben sie lange Zeit aufgehäuft,
sie vertrauen in vierfachem Selbstvertrauen auf ihre eigene Vollendung,
sie haben die fünf Glieder wahnvollen Daseins hinter sich gelassen,
sind hinaus über die fünf Pfade des Lebens als Gott, Mensch oder Tier, als Gespenst oder Höllenwesen,
sie haben die sechs übermenschlichen Fähigkeiten,
sind ganz erfüllt von den sechs Vollkommenheiten und leben von allem gelöst,
sie haben die Blumen der sieben Glieder der Erleuchtung,
sie lehren den achtgliedrigen Pfad der Erlösung und sind mit den neun Stufen übersinnlicher Erkenntnis, wie sie einander folgen, vertraut, und,
sie lehren den achtgliedrigen Pfad der Erlösung und sind mit den neun Stufen übersinnlicher Erkenntnis, wie sie einander folgen, vertraut,
sie haben die Kraft der zehn Kräfte, ihr Ruhm erfüllt alle zehn Richtungen des Weltraums,
sie sind erhabener als zehnmal hundert Götter, die „nach Willen walten“.
Dreimal des Nachts und dreimal des Tages überschauen sie rings mit ihrem Buddhaauge die Welt, und Wissens¬schau breitet sich in ihnen: »wer nimmt ab? wer wächst? wer ist in Ungemach geraten? wer ist in Enge geraten? wer ist in Bedrängnis geraten? wer ist in Ungemach und Enge und Bedrängnis geraten? wer neigt sich dem Untergange zu? wer drängt dem Untergange zu? wer fällt dem Untergange zu? wen soll ich aus dem Untergange herausheben und in Himmel und Erlösung versetzen? in wen soll ich Wurzeln des Guten pflanzen, der ihrer bar ist? bei wem soll ich eingepflanzte Wurzeln des Guten zur Entfaltung bringen? bei wem soll ich die entfalteten der Erlösung dienen lassen?«
Und er sprach:
»Das Meer wird eher überschreiten die Grenze, die es ewig hält, eh' aus den Grenzen seiner Zeiten der Buddha einen ließe gleiten,
den zur Erlösung zu geleiten ihm gefällt.«

Da ließ der Erhabene — er weilte irgendwo abseits — ein Lächeln über sein Antlitz gleiten.

Das ist fürwahr immer so: wenn Erhabene Buddhas ein Lächeln über ihr Antlitz gleiten lassen, dann brechen blaue, gelbe, rote und weiße Strahlen aus ihrem Angesicht hervor. Ein Teil von ihnen geht niederwärts, ein Teil von ihnen geht aufwärts.

Die niederwärts gehen, brechen hinab in die Höllenwelten, wo zerfleischte Opfer zu neuer Qual wieder aufleben, wo sie fadendünn zerschnitten werden, wo sie zwischen glühenden Bergen zerquetscht werden, wo das Wehegeschrei erschallt, wo das Große Wehegeschrei erschallt, in die Hölle der Glut, in die Hölle der Großen Glut, in die Hölle »Wellenlos«, in die Höllen »Knoten« und »Knotenlos«, in die Höllen Atata, Hahava und Huhuva, in die beiden Lotushöllen und in die Hölle des Großen Lotus. In alle diese glühenden Höllen brechen sie kühlend ein. Damit finden die unterschiedlichen Martern der Höllenopfer ihr Ende. Es wird ihnen eigen zumute: »Wie ist uns, Freunde, sind wir von hier abgeschieden und in einer anderen Welt in ein neues Leben getreten?« — Um ihnen den Frieden zu geben, strahlt der Erhabene ein Scheinbild von sich aus. Sie werden des Scheinbildes gewahr und sagen sich: »Freunde, nicht sind wir von hier abgeschieden, auch nicht in einer anderen Welt in ein neues Leben getreten. Aber dieses Wesen hier, das wir zuvor niemals gesehen haben —, dank seiner Macht sind unsere unterschiedlichen Martern zu Ende. — Im Anblick dieses Scheinbildes bringen sie ihren Geist zu seliger Ruhe und dabei lösen sich ihre früheren Taten, die sie in den Höllen kosten müssen, auf, sie erheben sich zu den Sphären von Göttern und Menschen und werden dort zu Gefäßen der heiligen Wahrheiten.

Die Strahlen, die aufwärts gehen, kommen in die
Götterwelten der vier Großen Königlichen Welthüter und der dreiunddreißig Götter,
in den Himmel des ersten uranfänglichen Toten und in die Welt der Seligen Götter,
in die Welt der Götter, die lustvoll Scheinbilder von sich schaffen und
der Götter, die Macht über die Scheinbilder anderer haben,
in die Welt der Götter mit Brahmaleibern, der Götter, deren Priester Brahma ist, in die Welt des Großen Brahma in die Welt der Götter, deren lichter Schein endlich ist, in die Welt der Götter, deren lichter Schein unermessen ist, in die Welt der hell leuchtenden Götter, in die Welt der Götter endlichen Strahlenglanzes, der Götter unermessenen Strahlenglanzes, der Götter, die ganz strahlender Glanz sind, in die Welt der Wolkenlosen Götter, der Götter reinen Ursprungs, der Götter, die großen Lohn ernten, der Götter ohne Leid, in die Welt der Götter schönen Aussehens, der Götter schönen Anblicks, in die Welt der allerhöchsten Götter.
Sie kommen und tönen: »Alles ist unstet, Alles ist Leiden, Alles ist leer, Alles ist wesenlos«, und singen das Strophenpaar:
»Hebt an, im Abschiedsgange schreitet vor, gesellt euch zu des Buddha Lehre, und wie ein Elefant ein Haus von Rohr zermalmt vor euch des Todes Heere.
Denn wer in dieser Lehre unbeirrt und ihrem Wandel schreiten wird, entwächst dem Banne ewig zu entstehen: er wird des Leidens Ende sehen.«

Dann folgen die Strahlen, wie sie die dreitausendfache, viel tausendfache Weltsphäre ringsum durchlaufen haben, dem Erhabenen rückwärts auf seinem Gange nach und verschwinden im Antlitz des Erhabenen. Da legte der ehrwürdige Ananda seine hohlen Hände zusammen und fragte den Erhabenen:

»Tausendfarbig ein Strahlenband schimmernd deinen Lippen entfließt und wie die Sonne am östlichen Rand Licht all über die Welt ergießt«

und sprach die Strophen:

»Die Erleuchteten, denen Freuden,
Kleinmut wie Übermut unvertraut,
auf deren Grunde die Welt sich baut,
die Sieger über der Feinde Heer,
lächeln kein Lächeln von ungefähr
wie Muschel und Lotusfaser gleißend.
Zeit ist es drum: dein weißer Geist
nimmt deiner Jünger Frage wahr,
Herrscher der Weisen, den Zweifel zerreißend,
Stier der Seher, sag uns klar
letztes Wort, das uns unterweist.
Denn kein Lächeln von ungefähr
lächeln die Völlig Erleuchteten Weisen,
die den Bergen und Meeren verwandt
in Höhe und Tiefe geruhig ragen.
Aber warum die Hohen lächeln,
wüssten die Menschen gern rings umher,
dass sie es sagen.«

Siehe auch

Literatur

  • Buddhistische Legenden von Heinrich Zimmer, Insel Verlag Frankfurt am Main, 1985, 1. Auflage