Bhavapushpa Darbringung der fünfzehn inneren Blumen
Bhavapushpa Darbringung der fünfzehn inneren Blumen ist ein inneres Opfer aus dem Kaulavali Nirnaya. An die Stelle gepflückter Blüten treten fünfzehn geistige Haltungen. Die Göttin wird mit Aufrichtigkeit, Nichtverletzen, Mitgefühl, Erkenntnis und weiteren inneren „Blumen“ verehrt. Es geht um tatsächlich vollzogene Hinwendung, nicht um das bloße Aufsagen einer Tugendliste.
Zweck, Gelegenheit und Umfang
Die Passage gehört zur Antaryaga, der inneren Verehrung vor der äußeren Kaula-Puja. Sie kann an dieser Stelle in eine bereits unterwiesene Devi-Praxis eingefügt werden. Dieser Artikel arbeitet die einzelne Darbringung der fünfzehn Blumen vollständig aus. Er ist keine vollständige Kulachakra-Puja und behauptet keine Ersetzung ihrer übrigen Riten.
Für das Gedankenopfer werden weder physische Blumen noch Feuer gebraucht. Der Quellabschnitt gibt keine fünfzehn neu zu bildenden Namah-Mantras und keine besondere Wiederholungszahl vor. Deshalb werden die Tugendwörter unten nicht nachträglich zu vermeintlich überlieferten Mantras umgebaut. Die Sanskritverse enthalten die vollständige Liste und die Handlungsanweisung; die tatsächliche Gabe ist die innere Haltung.
Die Einbettung in eine formale Kaula-Puja setzt deren Unterweisung voraus. Für das Verständnis und die eigenständige Betrachtung dieses klar begrenzten inneren Opfers reichen Sanskrit- und Puja-Grundkenntnisse. Ein besonderer Tages- oder Mondtermin wird für diese Gabe nicht festgelegt.
1. Die verehrte Gegenwart im Herzen sammeln
Setze dich ruhig hin. Innerhalb einer bereits begonnenen Puja halte die dort angerufene Göttin im Herzlotus gegenwärtig; für eine gesonderte Betrachtung vergegenwärtige Devi im Herzen als die heilvolle Shiva beziehungsweise Kameshvari, an die sich der Quellzusammenhang richtet. Sammle den Geist bei ihr. Für diese einzelne Gabe wird keine neue äußere Bildweihe eingerichtet.
Stelle dir eine Blüte in den inneren Händen vor. Sie ist das Bild einer Haltung, die du jetzt wirklich anbieten willst. Die konkrete Anleitung, je eine Haltung zu prüfen und einzeln darzubringen, entfaltet praktisch das saṃpūjayet des Quellverses; sie ist keine zusätzliche geheime Liturgie.
2. Die fünfzehn Gaben nacheinander vollziehen
Für jede Zeile: Nenne die Haltung innerlich auf Deutsch oder Sanskrit, prüfe sie für einen Augenblick in dir und lege die gedachte Blüte vor die Göttin. Du musst nicht behaupten, die Haltung bereits vollkommen verwirklicht zu haben. Bringe deine gegenwärtige Bereitschaft und einen konkreten Entschluss dar.
| Nr. | Sanskrit-Bezeichnung | Die innere Blume | Konkreter Vollzug |
|---|---|---|---|
| 1 | amāya | Aufrichtigkeit | Lass den Wunsch los, vor der Göttin einen anderen Menschen darzustellen, als du bist. |
| 2 | anahaṅkāra | Freiheit von Ichüberhebung | Lege den Anspruch ab, Mittelpunkt und alleiniger Urheber der Handlung zu sein. |
| 3 | arāga | Unangehaftetheit | Lass eine konkrete Anhaftung locker, ohne die geliebten Menschen oder Dinge abzuwerten. |
| 4 | amada | Nüchternheit gegenüber eigener Größe | Gib den Genuss daran hin, dich anderen überlegen zu fühlen. |
| 5 | amoha | Klarheit | Lass eine beschönigende Vorstellung über dich oder dein Handeln fallen. |
| 6 | adambha | Ungekünsteltheit | Verzichte darauf, die Praxis zur Darstellung eigener Besonderheit zu verwenden. |
| 7 | adveṣa | Nichtfeindschaft | Lege den Willen ab, einen anderen Menschen innerlich zu verletzen. |
| 8 | akṣobha | Unerschütterlichkeit | Lass die Aufmerksamkeit ruhen, ohne jeder aufsteigenden Regung sofort zu folgen. |
| 9 | amātsarya | Freiheit von Neid | Gönne einem anderen sein Glück oder seine Fähigkeit, ohne dich dadurch zu verkleinern. |
| 10 | alobha | Nichtgier | Gib den Anspruch auf, immer noch mehr für dich festhalten zu müssen. |
| 11 | ahiṃsā | Nichtverletzen | Bringe den Entschluss dar, Körper, Rede und Geist nicht zur Verletzung zu gebrauchen. |
| 12 | indriyanigraha | Sammlung der Sinne | Sammle Sehen, Hören und die übrigen Sinne für diesen Augenblick bei der Göttin. |
| 13 | dayā | Mitgefühl | Lass das Leiden eines Wesens zu Herzen gehen, ohne es für deine Selbstdarstellung zu benutzen. |
| 14 | kṣamā | Geduld und Nachsicht | Lege den Drang zur Vergeltung ab; notwendige klare Grenzen dürfen bestehen bleiben. |
| 15 | jñāna | Erkenntnis | Bringe die Einsicht dar, dass Verehrende, Gabe und Göttin im Bewusstsein verbunden sind. |
Die Blumen werden in dieser Reihenfolge dargebracht. Wenn du an einer Stelle bemerkst, dass dir die Haltung schwerfällt, ist genau diese Wahrnehmung Teil des ehrlichen Vollzugs. Verweile kurz und gehe dann weiter; die Quelle schreibt keine minutengenaue Dauer vor.
3. Vollständiger Sanskrittext der Blumenpassage
amāyam anahaṅkāram arāgam amadaṃ tathā |
amohakam adambhaṃ ca adveṣākṣobhakau tathā ||
amātsaryam alobhaṃ ca daśapuṣpaṃ vidur budhāḥ |
ahiṃsā paramaṃ puṣpaṃ puṣpam indriyanigraham ||
dayāpuṣpaṃ kṣamāpuṣpaṃ jñānapuṣpaṃ ca pañcamam |
iti pañcadaśair bhāvapuṣpaiḥ saṃpūjayec chivām ||
Täuschungslosigkeit, Freiheit von Ichüberhebung, Unangehaftetheit und Freiheit von Hochmut; Unverblendung, Ungekünsteltheit, Nichtfeindschaft und Unerschütterlichkeit; Freiheit von Neid und Nichtgier – diese kennen die Weisen als zehn Blumen. Nichtverletzen ist die höchste Blume; eine Blume ist die Sammlung der Sinne. Hinzu kommen die Blume des Mitgefühls, die der Nachsicht und als fünfte die Blume der Erkenntnis. Mit diesen fünfzehn inneren Blumen soll man die heilvolle Göttin verehren.
Du kannst diese Verse vor der Darbringung zur Orientierung oder danach als bewusste Zusammenfassung lesen. Die Quelle macht aus ihrer Erklärung keinen zusätzlich zu zählenden Bija-Japa. Für die Ausführung genügt die tatsächliche Darbringung der fünfzehn Haltungen; eine Sanskrit-Rezitationspflicht wird hier nicht erfunden.
4. Die Gabe im Handeln fortsetzen
Lass alle fünfzehn Blumen als einen Kranz vor der Göttin ruhen. Bleibe einen Augenblick gesammelt. Wähle anschließend eine der dargebrachten Haltungen, die du in einer konkreten Situation dieses Tages umsetzen willst. Diese Übertragung in den Alltag ist eine praktische Auslegung der Blumenbilder.
Innerhalb der formalen Antaryaga folgen im Quelltext weitere innere Blumen-, Duft-, Licht- und Speisegaben. Sie gehören nicht zum hier begrenzten Fünfzehn-Blumen-Ritus. Eine vollständige Kaula-Puja ist deshalb mit diesem Artikel nicht abgeschlossen. Bei gesonderter Betrachtung beende die Sammlung, ohne eine äußere Visarjana vorzutäuschen.
Quelle
Kaulāvalīnirṇaya des Jñānānanda Paramahaṃsa, Ullasa 3, Verse 38–40; Zusammenhang der inneren Verehrung 3.1–59. Grundlage: Muktabodha M00231, kaulAvalInirNaya-M00231-IAST.txt, nach Arthur Avalons Ausgabe in der Tantrik Text Series, 1927, gedruckte S. 52 an der Blumenpassage.
Die praktischen Erläuterungen in der letzten Tabellenspalte sind deutsche Handlungsauslegungen der Sanskritbegriffe, keine zusätzlichen übersetzten Sanskritverse. Indriyanigraha wurde als bewusste Sammlung und Führung der Sinne ausgelegt. Die fünfzehn Einträge und ihre Reihenfolge stammen aus der Quelle.