Go Prasthana Pratiagamana

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Go Prasthana Pratiagamana – die Herde beim Weidegang und Heimkehren segnen begleitet den täglichen Weidegang der Rinder vom Aufbruch bis zur Rückkehr in den Stall. Die betreuende Person spricht Segensworte, während sie die Tiere hinausführt, auf der Weide begleitet und wieder aufnimmt. In den Gebeten werden Pushan, der Hüter der Wege, sowie weitere vedische Gottheiten um sichere Wege, gute Nahrung und das Gedeihen der Herde gebeten. Die Andacht eignet sich dort, wo Menschen tatsächlich Verantwortung für eine Herde tragen; sie ist keine symbolische Kuhverehrung vor einem Bild.

Die Anleitung folgt dem Shankhayana Grihya Sutra III.9, einer Hausüberlieferung des Rigveda. Sie umfasst den gesamten dort vorgeschriebenen Tageszusammenhang. Ein bestimmter Festtermin, Fasten oder Feueropfer wird nicht verlangt. Eine Person spricht die Verse und führt die gewöhnliche Tierbetreuung fort; eine zweite Person kann die Herde sichern, damit die Rezitation ruhig erfolgen kann.

Vorbereitung

Sorge zunächst für eine geeignete Weide, sauberes Tränkwasser und einen geordneten Stall. Öffne die Wege und Tore, bevor du mit der Herde aufbrichst. Für die Segenshandlung selbst werden keine Opfergaben und keine besonderen Gefäße gebraucht. Lege den vollständigen Rezitationstext so bereit, dass du ihn an den verschiedenen Stationen lesen kannst. Die Anleitung ordnet die Texte ihrem jeweiligen Moment zu; sie werden nicht alle schon vor dem Austrieb gesprochen.

Die Hymnen stammen aus einer Viehhalterkultur und sprechen von Milch, Nachwuchs und Besitz. Ihre vollständige Übersetzung lässt diesen Zusammenhang erkennbar. Für die heutige Praxis kann auch eine betreute Herde ohne wirtschaftliche Milchnutzung begleitet werden. Fürsorge, Ruhe und das Befinden der Tiere bestimmen dabei den tatsächlichen Ablauf.

1. Beim Hinausgehen der Herde

Wenn die Kühe zum Weideplatz aufbrechen, sprich zunächst die beiden im Sutra selbst überlieferten Zeilen:

IAST
pari vaḥ sainyādvadhādvyāvṛñjantu ghoṣiṇyaḥ |
samānastasya gopatergāvo aṃśo na vo riṣat ||

Devanagari
परि वः सैन्याद्वधाद्व्यावृञ्जन्तु घोषिण्यः ।
समानस्तस्य गोपतेर्गावो अंशो न वो रिषत् ॥

Bedeutung
Die Tönenden mögen euch vor dem tödlichen Angriff eines Heeres bewahren.
Der ganze Anteil dieses Herdenhüters, ihr Kühe, möge unter euch unversehrt bleiben.

Die „Tönenden“ werden in der traditionellen Erklärung als Winde verstanden. Schließe unmittelbar den vorgeschriebenen Vers Rigveda 6.54.5 an:

IAST
pūṣā gā anvetu naḥ pūṣā rakṣatvarvataḥ |
pūṣā vājaṃ sanotu naḥ ||

Devanagari
पूषा गा अन्वेतु नः पूषा रक्षत्वर्वतः ।
पूषा वाजं सनोतु नः ॥

Bedeutung
Pushan möge unseren Kühen folgen; Pushan möge die Pferde schützen.
Pushan möge uns Nahrung und Kraft gewinnen.

Führe die Herde nun ruhig weiter. Der Text bestimmt weder die Himmelsrichtung des Weges noch eine Umrundung.

2. Wenn die Tiere auf der Weide umhergehen

Sobald die Tiere sich auf der Weide verteilen und umhergehen, sprich Rigveda 6.54.10. Das Gebet begleitet die wache Aufmerksamkeit des Hirten:

IAST
pari pūṣā parastāddhastaṃ dadhātu dakṣiṇaṃ |
punarno naṣṭamājatu ||

Devanagari
परि पूषा परस्ताद्धस्तं दधातु दक्षिणं ।
पुनर्नो नष्टमाजतु ॥

Bedeutung
Pushan möge von fern seine rechte Hand schützend ausstrecken.
Was uns verloren ging, möge er wieder herbeiführen.

Betreue die Tiere während des Tages wie gewöhnlich. Die Quelle schreibt für die Weidezeit keine fortlaufende Rezitation oder Wiederholungszahl vor.

3. Die heimkehrenden Kühe begrüßen

Wenn die Herde zurückkommt, begrüße sie vor dem Eintritt in den Stall mit dem folgenden Sutra-Gebet:

IAST
yāsāmūdhaścaturbilaṃ madhoḥ pūrṇaṃ ghṛtasya ca |
tā naḥ santu payasvatīrbahvīrgoṣṭhe ghṛtācyaḥ ||

Devanagari
यासामूधश्चतुर्बिलं मधोः पूर्णं घृतस्य च ।
ता नः सन्तु पयस्वतीर्बह्वीर्गोष्ठे घृताच्यः ॥

Bedeutung
Deren Euter mit vier Öffnungen voll von Süße und Butterfülle ist:
Sie mögen uns milchreich sein, zahlreich im Stall und reich an nährender Fülle.

Sprich danach die ersten sieben Strophen des Kuhhymnus Rigveda 6.28. Die achte Strophe bleibt für den eigentlichen Eintritt in den Stall zurück.

Rigveda 6.28.1

IAST
ā gāvo agmannuta bhadramakrantsīdaṃtu goṣṭhe raṇayaṃtvasme |
prajāvatīḥ pururūpā iha syuriṃdrāya pūrvīruṣaso duhānāḥ ||

Devanagari
आ गावो अग्मन्नुत भद्रमक्रन्त्सीदंतु गोष्ठे रणयंत्वस्मे ।
प्रजावतीः पुरुरूपा इह स्युरिंद्राय पूर्वीरुषसो दुहानाः ॥

Bedeutung
Die Kühe sind gekommen und haben Gutes gebracht. Sie mögen im Stall ruhen und uns erfreuen.
Mit Nachwuchs und vielerlei Gestalt mögen sie hier sein, an vielen Morgen für Indra Milch gebend.

Rigveda 6.28.2

IAST
iṃdro yajvane pṛṇate ca śikṣatyupeddadāti na svaṃ muṣāyati |
bhūyobhūyo rayimidasya vardhayannabhinne khilye ni dadhāti devayuṃ ||

Devanagari
इंद्रो यज्वने पृणते च शिक्षत्युपेद्ददाति न स्वं मुषायति ।
भूयोभूयो रयिमिदस्य वर्धयन्नभिन्ने खिल्ये नि दधाति देवयुं ॥

Bedeutung
Indra hilft dem Opfernden und Freigebigen. Er gibt hinzu und nimmt das Eigene nicht fort.
Immer wieder mehrt er dessen Besitz; den Gottesverehrer lässt er auf unversehrtem Grund bestehen.

Rigveda 6.28.3

IAST
na tā naśaṃti na dabhāti taskaro nāsāmāmitro vyathirā dadharṣati |
devāṃśca yābhiryajate dadāti ca jyogittābhiḥ sacate gopatiḥ saha ||

Devanagari
न ता नशंति न दभाति तस्करो नासामामित्रो व्यथिरा दधर्षति ।
देवांश्च याभिर्यजते ददाति च ज्योगित्ताभिः सचते गोपतिः सह ॥

Bedeutung
Sie gehen nicht verloren, kein Dieb schädigt sie, kein feindlicher Angriff überwältigt sie.
Mit ihnen verehrt und beschenkt man die Götter; lange bleibt ihr Hüter mit ihnen vereint.

Rigveda 6.28.4

IAST
na tā arvā reṇukakāṭo aśnute na saṃskṛtatramupa yaṃti tā abhi |
urugāyamabhayaṃ tasya tā anu gāvo martasya vi caraṃti yajvanaḥ ||

Devanagari
न ता अर्वा रेणुककाटो अश्नुते न संस्कृतत्रमुप यंति ता अभि ।
उरुगायमभयं तस्य ता अनु गावो मर्तस्य वि चरंति यज्वनः ॥

Bedeutung
Kein staubaufwirbelndes Pferd erreicht sie; sie gehen nicht zur Schlachtstätte.
Auf weitem, furchtlosem Gelände ziehen die Kühe des opfernden Menschen umher.

Rigveda 6.28.5

IAST
gāvo bhago gāva iṃdro me acchān gāvaḥ somasya prathamasya bhakṣaḥ |
imā yā gāvaḥ sa janāsa iṃdra icchāmīddhṛdā manasā cidiṃdraṃ ||

Devanagari
गावो भगो गाव इंद्रो मे अच्छान् गावः सोमस्य प्रथमस्य भक्षः ।
इमा या गावः स जनास इंद्र इच्छामीद्धृदा मनसा चिदिंद्रं ॥

Bedeutung
Die Kühe sind Glücksgabe, die Kühe sind Indra: Nach ihnen verlange ich. Die Kühe sind die erste Speise des Soma.
Diese Kühe, ihr Menschen, sind Indra. Mit Herz und Geist sehne ich mich nach Indra.

Rigveda 6.28.6

IAST
yūyaṃ gāvo medayathā kṛśaṃ cidaśrīraṃ citkṛṇuthā supratīkaṃ |
bhadraṃ gṛhaṃ kṛṇutha bhadravāco bṛhadvo vaya ucyate sabhāsu ||

Devanagari
यूयं गावो मेदयथा कृशं चिदश्रीरं चित्कृणुथा सुप्रतीकं ।
भद्रं गृहं कृणुथ भद्रवाचो बृहद्वो वय उच्यते सभासु ॥

Bedeutung
Ihr Kühe kräftigt selbst den Mageren; selbst den Unansehnlichen macht ihr schön.
Ihr macht das Haus gut, ihr mit guter Stimme. Groß wird eure Lebenskraft in Versammlungen gerühmt.

Rigveda 6.28.7

IAST
prajāvatīḥ sūyavasaṃ riśaṃtīḥ śuddhā apaḥ suprapāṇe pibaṃtīḥ |
mā vaḥ stena īśata māghaśaṃsaḥ pari vo hetī rudrasya vṛjyāḥ ||

Devanagari
प्रजावतीः सूयवसं रिशंतीः शुद्धा अपः सुप्रपाणे पिबंतीः ।
मा वः स्तेन ईशत माघशंसः परि वो हेती रुद्रस्य वृज्याः ॥

Bedeutung
Mit Nachwuchs, gutes Gras abweidend und reines Wasser an guter Tränke trinkend:
Kein Dieb und kein Übelwollender soll über euch verfügen; Rudras Geschoss möge euch verschonen.

4. Beim Eintritt in den Stall

Während du die Kühe in den Stall einlässt, sprich die zurückbehaltene Schlussstrophe Rigveda 6.28.8:

IAST
upedamupaparcanamāsu goṣūpa pṛcyatāṃ |
upa ṛṣabhasya retasyupeṃdra tava vīrye ||

Devanagari
उपेदमुपपर्चनमासु गोषूप पृच्यतां ।
उप ऋषभस्य रेतस्युपेंद्र तव वीर्ये ॥

Bedeutung
Diese Vereinigung möge sich an diesen Kühen vollziehen:
mit des Stieres Samen und mit deiner Kraft, Indra.

Die Strophe bittet im überlieferten Viehhalterkontext um Fortpflanzungskraft. Sie ist keine Anweisung, während dieses Segens eine Paarung herbeizuführen. Führe die Tiere an ihre gewohnten Plätze und schließe die Tore.

5. Über der angekommenen Herde sprechen

Wenn sich die Kühe im Stall befinden, sprich den ganzen vierstrophigen Hymnus Rigveda 10.169. Damit ist der vorgeschriebene Tagesritus vollständig.

Rigveda 10.169.1

IAST
mayobhūrvāto abhi vātūsrā ūrjasvatīroṣadhīrā riśaṃtāṃ |
pīvasvatīrjīvadhanyāḥ pibaṃtvavasāya padvate rudra mṛḻa ||

Devanagari
मयोभूर्वातो अभि वातूस्रा ऊर्जस्वतीरोषधीरा रिशंतां ।
पीवस्वतीर्जीवधन्याः पिबंत्ववसाय पद्वते रुद्र मृळ ॥

Bedeutung
Erquickend wehe der Wind die Kühe an; sie mögen kräftigende Pflanzen abweiden.
Sie mögen nahrhafte, lebensfördernde Wasser trinken. Rudra, sei dem auf Füßen Gehenden zum Beistand gnädig.

Rigveda 10.169.2

IAST
yāḥ sarūpā virūpā ekarūpā yāsāmagniriṣṭyā nāmāni veda |
yā aṃgirasastapaseha cakrustābhyaḥ parjanya mahi śarma yaccha ||

Devanagari
याः सरूपा विरूपा एकरूपा यासामग्निरिष्ट्या नामानि वेद ।
या अंगिरसस्तपसेह चक्रुस्ताभ्यः पर्जन्य महि शर्म यच्छ ॥

Bedeutung
Denen von gleicher, verschiedener oder einheitlicher Gestalt, deren Namen Agni durch das Opfer kennt,
denen, die die Angiras durch ihre Glut hier hervorbrachten: Gewähre ihnen, Parjanya, großen Schutz.

Rigveda 10.169.3

IAST
yā deveṣu tanvamairayaṃta yāsāṃ somo viśvā rūpāṇi veda |
tā asmabhyaṃ payasā pinvamānāḥ prajāvatīriṃdra goṣṭhe rirīhi ||

Devanagari
या देवेषु तन्वमैरयंत यासां सोमो विश्वा रूपाणि वेद ।
ता अस्मभ्यं पयसा पिन्वमानाः प्रजावतीरिंद्र गोष्ठे रिरीहि ॥

Bedeutung
Die ihren Leib zu den Göttern erhoben, deren sämtliche Gestalten Soma kennt:
Lass sie uns, von Milch schwellend und mit Nachwuchs versehen, im Stall bleiben, Indra.

Rigveda 10.169.4

IAST
prajāpatirmahyametā rarāṇo viśvairdevaiḥ pitṛbhiḥ saṃvidānaḥ |
śivāḥ satīrupa no goṣṭhamākastāsāṃ vayaṃ prajayā saṃ sadema ||

Devanagari
प्रजापतिर्मह्यमेता रराणो विश्वैर्देवैः पितृभिः संविदानः ।
शिवाः सतीरुप नो गोष्ठमाकस्तासां वयं प्रजया सं सदेम ॥

Bedeutung
Prajapati hat sie mir gern gewährt, in Übereinstimmung mit allen Göttern und den Ahnen.
Als segensreiche ließ er sie in unseren Stall kommen; mögen wir mit ihrem Nachwuchs verbunden bleiben.

Abschluss und gelebte Fürsorge

Überprüfe nach der Rückkehr Wasser, Futter und das Befinden jedes Tieres. Diese Betreuung ist die praktische Verantwortung der Tierhaltung und keine zusätzliche Rezitationsvorschrift. Eine Lichtzeremonie, ein Opfer oder eine Gabe an einen Priester wird für diesen Abschnitt nicht genannt.

Die Gebete machen vier gewöhnliche Schwellen bewusst: hinausgehen, frei weiden, heimkommen und geborgen ruhen. Als heutige spirituelle Vertiefung können sie daran erinnern, dass die Herde keine anonyme Menge ist. Schutz zeigt sich auch darin, das einzelne Tier zu sehen und seine Bedürfnisse wahrzunehmen.


Quellen

  • Shankhayana Grihya Sutra III.9.1–5; Sanskrittext sowie Hermann Oldenberg, The Grihya-Sutras, Sacred Books of the East 29 (1886), S. 99. Die erklärende Identifikation der Tönenden mit den Winden folgt der dortigen Anmerkung.
  • Rigveda 6.54.5 und 10; 6.28.1–8; 10.169.1–4. Sanskrit ohne Akzentzeichen: 6.54, 6.28, 10.169. Eigene deutsche Übertragung für den vollständigen Ritualzusammenhang.