Matsyendra Samhita Ausgewählte Verse
Matsyendra Samhita Ausgewählte Verse versammelt 108 Verse in deutscher Übersetzung für Yoga-Aspiranten und spirituell interessierte Leser. Zehn Themenbereiche führen von der Suche nach Erkenntnis über innere Klarheit, Meditation und Verehrung bis zu Befreiung und dem Wohl anderer. Die Seite eignet sich für persönliches Svadhyaya, gemeinsame Lektüre und stille Betrachtung.

Die Auswahl ist redaktionell und bezieht sich auf die in dieser Wiki-Ausgabe zugänglichen Teile der Matsyendra Samhita. Sie beansprucht keine Rangfolge aller Verse des Gesamtwerkes. Jeder Vers behält seine ursprüngliche Kapitel- und Versnummer. Die deutschen Wiedergaben entsprechen der Seite mit IAST und deutscher Übersetzung; sie sind keine frei formulierten Sinnsprüche. Ein Link nach jedem Vers führt zum Sanskrittext, zur ausführlicheren Anmerkung und zu den benachbarten Versen.
Die kurzen Einleitungen und Reflexionsfragen sind heutige Hilfen zur Lektüre. Historische Wirkungsversprechen bleiben Aussagen der Schrift. Technische Ritualbegriffe, Geheimhaltungsforderungen und Körperbeschreibungen werden in ihrem damaligen Zusammenhang gelesen; eine heutige Praxis achtet Freiwilligkeit, persönliche Grenzen, Einvernehmlichkeit, körperliche Sicherheit und verantwortliche Anleitung. Die eigene Erfahrung muss keiner im Text beschriebenen Erfahrung gleichen.
Anregung zum Lesen
Lies jeweils wenige zusammenhängende Verse. Lass ein Wort oder Bild nachklingen und frage dich, was es in deinem Alltag beleuchten kann. Wo eine Aussage fremd oder widersprüchlich wirkt, hilft der verlinkte Zusammenhang. Du darfst verstehen wollen, ohne alles unmittelbar übernehmen zu müssen.
Einige Begriffe: Guru bezeichnet den spirituellen Lehrer; Vidya eine vermittelte Erkenntnis oder Mantra-Lehre; Puja die Verehrung; Pratyahara den Rückzug der Sinne; Samadhi die Versenkung. Siddhi kann Vollendung und besondere Fähigkeiten meinen, Jivanmukti die Befreiung zu Lebzeiten. Ihre jeweilige Bedeutung ergibt sich aus dem Zusammenhang.
1. Sich für die Lehre öffnen
Lobpreis, die Suche nach Vollendung und aufrichtige Fragen eröffnen den Weg. Die ersten Verse ehren Shiva, Ganesha, die Göttin der Rede und Matsyendra. Die Frage nach heiligen Orten im eigenen Körper zeigt bereits, wie stark das Werk die innere Erfahrung gewichtet.
1.1
Om. Ich verehre Shambhu, den Herrn der Welt, dessen Wesen die Einsicht in alles Wissen ist: Ishvara, den Ozean und die Heimstatt der großen Juwelen aller Agamas.
Vers 1.1 im Zusammenhang · Devanagari
1.2
Ich verehre Herambha, den Sohn der Shambhavi, den die ganze Welt verehrt: die Grundlage unermesslicher Vorzüge, der alle Früchte göttlicher Macht gewährt.
Anmerkung: Herambha ist ein Name Ganeshas.
Vers 1.2 im Zusammenhang · Devanagari
1.3
Ich verehre Vagishvari, die Trägerin aller Wissenschaften und Künste, die Allwissenheit gewährt, damit Meisterschaft der Rede erlangt werde.
Vers 1.3 im Zusammenhang · Devanagari
1.5
Ich verneige mich vor Matsyendranatha, dem Allwissenden, dem Besten der Yogis, der sich im Ozean der Shiva- und Shaiva-Agamas im Spiel erfreut.
Anmerkung: Der erste Versfuß folgt dem von Kiss 2011 mitgeteilten Handschriftenbefund; die übrige Textgrundlage folgt Sensharma 1994. Die Einzelheiten sind auf der verlinkten Textseite erläutert.
Vers 1.5 im Zusammenhang · Devanagari
1.6
Ich verehre den makellosen Matsyendranatha, durch den der schwer zugängliche Kern der Lehre, aus Shambhus Mund verkündet, auf rechte Weise zu Gehör gebracht wurde.
Vers 1.6 im Zusammenhang · Devanagari
1.7
Einst wanderte ein hervorragender Yogi auf dieser Erde umher. Er suchte die eigene Vollendung, frei von Besitzdenken und Ichhaftigkeit.
Vers 1.7 im Zusammenhang · Devanagari
1.24
„Was begehrst du: Reichtum, den wir dir schenken, oder etwas anderes, das dir lieb ist? Oder eine besonders schwer zugängliche Vidya? Sage, was du im Sinn hast.“
Anmerkung: Vidya bezeichnet hier eine durch Unterweisung und Einweihung vermittelte Erkenntnis beziehungsweise Mantra-Lehre.
Vers 1.24 im Zusammenhang · Devanagari
1.25
So von ihnen angesprochen, erwiderte er mit ehrfürchtig gefalteten Händen: „Ich wünsche die überaus schwer zugängliche Vidya als Gabe von euch.“
Vers 1.25 im Zusammenhang · Devanagari
2.4
Dieser Ort ist menschenleer, friedlich und frei von Störungen. Darum erkläre mir hier den Kern des Yoga so, wie er ist.
Vers 2.4 im Zusammenhang · Devanagari
2.5
Wie geschieht die Reinigung des Körpers, o Gott? Wie ist die Folge der Asanas? Wie wird Pranayama gelehrt, und wie vollzieht sich der Rückzug der Sinne?
Vers 2.5 im Zusammenhang · Devanagari
2.6
Was ist der gewöhnliche Yoga, und wie ist der Yoga der Meditation beschaffen? Wie vollzieht sich der ehrwürdige Kundalini-Yoga, und was ist mit der dreifachen Linga-Gestalt gemeint?
Anmerkung: Die Frage nach der dreifachen Linga-Gestalt erlaubt an dieser Stelle noch keine sichere Bestimmung des zugehörigen Ritualbegriffs.
Vers 2.6 im Zusammenhang · Devanagari
2.7
Welche heiligen Stätten befinden sich in diesem Körper, welche Pilger- und Übergangsorte, o Shankara? Welches ist das höchste Bad, das alle anderen Bäder übertrifft, o höchster Herr?
Vers 2.7 im Zusammenhang · Devanagari
Zur eigenen Vertiefung: Welche Frage an deinen spirituellen Weg ist dir heute besonders wichtig?
2. Innere Klarheit und angemessenes Üben
Die Verse 2.65–67 schließen an rituelle Reinigungen an und betonen deren innere Voraussetzung. Die folgenden Stellen behandeln schrittweises Lernen, eine passende Haltung und regelmäßiges Üben nach den eigenen Kräften. Absolute Wirkungsversprechen bleiben Aussagen des historischen Textes.
2.65
Die Siddhis treten nach Aussage des Textes bald hervor; andernfalls kann das Verfahren Unheil bewirken. Wer zugleich in seiner inneren Haltung gereinigt ist, erlangt den ganzen Yoga.
Anmerkung: Mit dem „Verfahren“ sind die vorausgehenden rituellen Reinigungen gemeint. Die anschließenden Verse unterstreichen die Bedeutung der inneren Haltung.
Vers 2.65 im Zusammenhang · Devanagari
2.66
Wer ohne diese innere Haltung ist, erlangt keine Siddhi, selbst in Zehntausenden von Jahren nicht. Auch tausend Wasserkrüge oder hundert Adhaka-Maße Erde reichen dazu nicht aus.
Anmerkung: Adhaka ist ein traditionelles Mengenmaß. Der Satz führt in Vers 2.67 weiter.
Vers 2.66 im Zusammenhang · Devanagari
2.67
Selbst in tausend Jahren wird nicht rein, wessen innere Haltung verdorben ist. Darum soll man diese Handlungen, o Herrin der Götter, mit gereinigter innerer Ausrichtung vollziehen. Wer so sechs Monate lang gereinigt wurde, erlangt nach dem Versprechen der Schrift den Yoga auf rechte Weise, meine Liebe.
Vers 2.67 im Zusammenhang · Devanagari
3.1
Nun werde ich zum Wohl der Übenden die Reihenfolge der Asanas erläutern. Durch das schrittweise Einüben dieser Folge soll sich Festigkeit leicht einstellen.
Anmerkung: Der Versanfang folgt der von Kiss 2011 mitgeteilten Lesung. Einzelheiten stehen beim Grundtext.
Vers 3.1 im Zusammenhang · Devanagari
3.37
Man soll eine dieser Haltungen wählen, entsprechend den eigenen Möglichkeiten und ihrer Eignung. Ist die Haltung richtig beherrscht, folgt die Beherrschung aller Sinne.
Anmerkung: „Entsprechend den eigenen Möglichkeiten“ ist eine vorsichtige Deutung einer sprachlich unebenen Druckform aus dem Zusammenhang.
Vers 3.37 im Zusammenhang · Devanagari
3.38
Der Körper wird fest, und ebenso kommt der Geist zur Ruhe. In eben dieser eingeübten Haltung soll der Yogi bei Tag und Nacht sitzen und den im folgenden Vers beschriebenen Yoga üben.
Anmerkung: Die Wiedergabe folgt einer begründeten Worttrennung des gedruckten Sanskrittextes. Die Aussage über das Üben setzt sich in 3.39 fort.
Vers 3.38 im Zusammenhang · Devanagari
3.39
Man soll Yoga an einem abgeschiedenen, stillen, von Tieren oder Ungeziefer freien Ort üben, auf ebenem, gut gereinigtem Boden, von Düften und Räucherwerk erfüllt.
Vers 3.39 im Zusammenhang · Devanagari
3.40
Man soll in einem Shiva-Heiligtum, in einer Höhle oder in einem abgeschiedenen Haus üben, selbstbeherrscht und im Bewusstsein vom ehrwürdigen höchsten Nektar erfüllt.
Anmerkung: Die Aussage über das vom Nektar erfüllte Bewusstsein beruht auf einer kontextuellen Deutung; die Wortverbindung im Druck ist nicht eindeutig.
Vers 3.40 im Zusammenhang · Devanagari
3.44
Wird Yoga auf einmal oder übermäßig betrieben, verursacht er viele Störungen im Körper. Deshalb gelangt der Yoga durch wiederholtes Üben allmählich zur Vollendung.
Anmerkung: „Übermäßig“ erläutert hier den Zusammenhang der wörtlichen Formulierung „auf einmal“.
Vers 3.44 im Zusammenhang · Devanagari
11.53
Der Schüler verehrt den Guru erneut mit Schmuck und Gewändern. Tag für Tag soll er nach seinen Kräften die Vidya rezitieren, mit heiterem Geist.
Vers 11.53 im Zusammenhang · Devanagari
Zur eigenen Vertiefung: Was wäre ein kleiner, beständiger Schritt, der deinen heutigen Kräften entspricht?
3. Den Geist sammeln und die Sinne zurückführen
Der Rückzug der Sinne, Pratyahara, wird als wiederholtes Zurückholen beschrieben. Anschließend ordnet der Text Sinne und Tätigkeiten den Elementen zu. Diese Zuordnung gehört zu seiner historischen Vorstellung von Körper und Wahrnehmung. Vers 5.2 ist wegen einer ungeklärten Wortfolge nicht in die Auswahl aufgenommen; der übrige Zusammenhang lässt sich auf der verlinkten Kapitelseite nachlesen.
5.1
Nun soll man das Bewusstsein zurückholen, das aus Verlangen nach Genuss nach außen geströmt ist – wohin auch immer der bewegliche, unstete Geist wandert.
Anmerkung: Die Übersetzung folgt dem im Druck vorgeschlagenen Verb „zurückholen“. Der anschließend nicht ausgewählte Vers 5.2 enthält eine ungeklärte Wortfolge.
Vers 5.1 im Zusammenhang · Devanagari
5.3
Göttin, wenn bei einem dem Pranayama zugewandten Menschen der vielfältig umherschweifende Geist nicht bei der Wirklichkeit verweilt, auf die er sich gerichtet hat,
Vers 5.3 im Zusammenhang · Devanagari
5.4
soll der Yogi ihn immer wieder zügeln und zu größerer Festigkeit führen. Die an ihren Gegenständen haftenden Sinne soll er nach und nach zurücknehmen,
Vers 5.4 im Zusammenhang · Devanagari
5.5
indem er sie einsammelt und festhält; so soll er den Geist stets zurückziehen. Denn der Geist selbst, große Herrin, ist die Ursache von Bindung und Befreiung.
Vers 5.5 im Zusammenhang · Devanagari
5.6
Deshalb soll man den Geist mit aller Anstrengung zur Klarheit führen – den Geist, der sich nach allen Seiten Frauen, Speisen und Getränken zuwendet.
Anmerkung: Der historische Text spricht hier aus der Perspektive eines männlichen Übenden über konkrete Gegenstände des Begehrens.
Vers 5.6 im Zusammenhang · Devanagari
5.7
Man soll ihn mit Sorgfalt zurückhalten und in der reinen Wirklichkeit ruhen lassen. Göttin, wenn der Geist gesammelt ist, bleibt er durch eben diese Bemühung beständig.
Anmerkung: Die deutsche Fassung folgt einer im Druck ausdrücklich vorgeschlagenen Korrektur, die eine Verneinung betrifft. Der Befund ist auf der Textseite dokumentiert.
Vers 5.7 im Zusammenhang · Devanagari
5.8
Indem man den Geist immer wieder sorgfältig zurückholt, soll man ihn unter eigene Führung bringen. Die Überwindung des Geistes ist Yoga; die Überwindung des Geistes ist Askese.
Vers 5.8 im Zusammenhang · Devanagari
5.9
Die Überwindung des Geistes ist Erkenntnis. Deshalb soll man den Geist zurückholen; der Verständige soll auch alle Sinne allmählich zurückziehen.
Vers 5.9 im Zusammenhang · Devanagari
5.10
Herrin, das Hörvermögen gehört zum Raum und hat die subtile Klangqualität zu seinem Kennzeichen. Man soll es im Raum sammeln und auch seine Tätigkeit zurücknehmen.
Vers 5.10 im Zusammenhang · Devanagari
5.11
Göttin, die Haut ist dem Wind zugehörig und hat die subtile Berührungsqualität zu ihrem Kennzeichen. Man soll sie im Wind aufgehen lassen und ihre Tätigkeit überschreiten.
Vers 5.11 im Zusammenhang · Devanagari
5.12
Man soll wissen, dass das Sehvermögen aus Feuer besteht und die subtile Gestaltqualität zu seinem Kennzeichen hat. Man soll es im Feuer sammeln und seine Tätigkeit zurücknehmen.
Vers 5.12 im Zusammenhang · Devanagari
5.13
Göttin, die Zunge ist dem Wasser zugehörig und hat die subtile Geschmacksqualität zu ihrem Kennzeichen. Man soll sie eben darin versenken und ihre Tätigkeit zurücknehmen.
Anmerkung: Die Zuordnung zum Wasser folgt einer ausgewiesenen Druckkorrektur; die abweichende Lesung ist beim Grundtext verzeichnet.
Vers 5.13 im Zusammenhang · Devanagari
5.14
Man soll wissen, dass das Riechvermögen aus Erde besteht und die subtile Geruchsqualität zu seinem Kennzeichen hat. Man soll es eben dort aufgehen lassen und seine Tätigkeit zurücknehmen.
Vers 5.14 im Zusammenhang · Devanagari
5.15
Die Dreiheit von Rede, Händen und Füßen sowie das Paar von Ausscheidungs- und Geschlechtsorgan soll man der Reihe nach in die Elemente zurückführen und ihre Tätigkeit zurücknehmen.
Vers 5.15 im Zusammenhang · Devanagari
5.16
Göttin, wann immer der Geist und die Sinne zu ihren Tätigkeiten hervortreten und sich ihnen zuwenden, große Herrin, soll man sie jeweils zurückrufen.
Vers 5.16 im Zusammenhang · Devanagari
5.17
Man soll die Sinne und ebenso den Geist zurückhalten und festigen. Wenn der Geist zusammen mit allen Sinnen unbeweglich wird, soll man durch allmähliche Einübung den Pratyahara beginnen.
Vers 5.17 im Zusammenhang · Devanagari
Zur eigenen Vertiefung: Wie kannst du eine Ablenkung bemerken und zur Sammlung zurückkehren, ohne dich dafür abzuwerten?
4. Herz, Licht und geistige Festigkeit
Die Vorstellung wechselt zwischen Weltall, Herzlotus und Licht. Der Text führt äußere Weite und innere Sammlung zusammen. Die Bilder stehen in einem tantrischen Meditationszusammenhang; sie werden hier als Gegenstand aufmerksamer Lektüre vorgestellt.
7.1
Nun werde ich den unübertrefflichen Yoga der Meditation erklären. Schon durch dessen Erkennen wird der Yogi nach dieser Lehre Ishvara selbst.
Vers 7.1 im Zusammenhang · Devanagari
7.2
Nachdem er die zuvor beschriebene Sitzhaltung eingeübt hat, soll er sich setzen, seine Sinne beherrschen und mit unbewegtem Inneren die höchste Wirklichkeit betrachten.
Vers 7.2 im Zusammenhang · Devanagari
7.6
Diese Welt soll man als die Haarporen des eigenen Körpers betrachten und den eigenen Leib als das ganze Weltall. So soll man die große Gestalt vergegenwärtigen, Göttin, um Festigkeit des Geistes zu erlangen.
Vers 7.6 im Zusammenhang · Devanagari
7.7
Wenn der Yogi dies auf rechte Weise betrachtet, kommen seine geistigen Bewegungen allmählich zur Ruhe, durch die Besinnung auf göttliches Wissen.
Vers 7.7 im Zusammenhang · Devanagari
7.8
Nachdem der Geist so gefestigt ist, soll er mit der folgenden Meditation beginnen: Im eigenen Herzen betrachtet er einen höchsten Lotus, dessen Wesen Shiva und Shakti sind.
Vers 7.8 im Zusammenhang · Devanagari
7.41
Oder ich erkläre dir den Yoga der Meditation auf andere Weise: Im Fruchtboden des Herzlotus erscheint eine Gestalt wie die reine Flamme einer Lampe.
Vers 7.41 im Zusammenhang · Devanagari
7.42
Sie gleicht in ihrer Größe einem Daumenglied, leuchtet wie zehn Millionen Sonnen, hat die kugelige Gestalt einer Kadamba-Blüte und steht wie eine Sternensonne da.
Anmerkung: „Sternensonne“ gibt ein ungewöhnliches zusammengesetztes Lichtbild wieder. Die genaue Beziehung seiner Bestandteile bleibt unklar.
Vers 7.42 im Zusammenhang · Devanagari
7.43
Oder man soll das ringsum leuchtende, mit Strahlen flammende Licht betrachten, das im leeren, von keiner Stütze getragenen Zustand hervortritt.
Vers 7.43 im Zusammenhang · Devanagari
7.44
Zur Verwirklichung des Yoga soll der Yogi diese Körpergestalt beständig einüben: Sie befindet sich inmitten eines göttlichen Mandalas und lässt flüssigen Nektar strömen.
Vers 7.44 im Zusammenhang · Devanagari
7.45
Er soll das göttliche Mandala der Reihe nach als ganz rot und als weiß betrachten. Auch die Meditation der Gestalt soll er in eben dieser Reihenfolge ausführen.
Anmerkung: Die Übersetzung folgt einer begründeten neuen Worttrennung bei unverändertem Buchstabenbestand. Der Textvergleich ist beim Grundtext erläutert.
Vers 7.45 im Zusammenhang · Devanagari
7.46
Man soll den Körper als von dessen Lichtfülle durchdrungen betrachten. Mit einer Vergegenwärtigung wie „Das bin ich“ soll man allmählich das „Ich“ erinnern.
Vers 7.46 im Zusammenhang · Devanagari
Zur eigenen Vertiefung: Welches Bild spricht dich besonders an, und welche Qualität weckt es in dir?
5. Shiva und Shakti im Herzen
Diese zusammenhängende Beschreibung zeigt Shiva im Herzlotus, von der Göttin umarmt. Friedvolle, schützende und machtvolle Züge gehören zu demselben Gottesbild. Auch die ungewöhnlichen Einzelheiten bleiben in der Übersetzung erhalten.
7.29
Er sitzt im Lotus des Herzens und leuchtet wie die junge Sonne. Sein Körper wird von der Göttin umarmt, deren Farbe dem Gold gleicht.
Vers 7.29 im Zusammenhang · Devanagari
7.30
Sein ganzer Körper ist mit Asche bestäubt, und er trägt ein Tigerfell. Friedvoll verweilt er auf dem Verbrennungsplatz, dreiäugig und mit dem Mond als Scheitelschmuck.
Vers 7.30 im Zusammenhang · Devanagari
7.31
Shiva ist in göttlichem Nektar gebadet, der von dem jungen Mond an seiner Stirn herabkommt. Er zeigt die Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit und trägt ein großes Beil sowie die Hirsch-Geste.
Vers 7.31 im Zusammenhang · Devanagari
7.32
Der höchste Herr ist freundlich und trägt Gebetskette und Buch. Er ist mit einem großen Mandala verbunden und von der Haube einer großen Schlange überdacht.
Vers 7.32 im Zusammenhang · Devanagari
7.33
Er erscheint in frischer Jugend, hat die Furcht vor der Zeit und weitere Bedrohungen verschlungen, besitzt ein schönes Gesicht und anmutige Glieder und ist Gegenstand verborgenen Erkennens.
Vers 7.33 im Zusammenhang · Devanagari
7.34
Er zerbricht die Menge der Fesseln des gebundenen Wesens und führt über den Ozean der Furcht. Er gewährt die weitreichende Macht des allwissenden Erkennens und schenkt alle Siddhis.
Vers 7.34 im Zusammenhang · Devanagari
7.35
So soll Mahadeva betrachtet werden: zur Befriedung allen Leidens, zur Auflösung aller Wesen und als Ursache dafür, dass alle Wünsche erfüllt werden.
Anmerkung: Die Aussage über die Auflösung aller Wesen folgt einem fragend gesetzten Verbesserungsvorschlag der Druckausgabe.
Vers 7.35 im Zusammenhang · Devanagari
Zur eigenen Vertiefung: Wie verbinden sich für dich Stille, Kraft und Geborgenheit?
6. Die innere Verehrung
Die innere Puja verwandelt Blumen, Duft, Licht und Opfergaben in Gegenstände der Vergegenwärtigung. Die Verse 8.72–74 betonen Shiva als das eigene Selbst und die Freiheit innerer Verehrung von Schädigung. Vers 8.38 beschreibt ein inneres Feueropfer; sein Bild hebt die Verantwortung für das eigene Handeln nicht auf. Ein Lobpreis der Bhairavi beschließt diesen Themenbereich.
8.1
Nun werde ich die innere Verehrung erklären, die alle Siddhis gewährt. Dafür nimmt man an einem reinen, angenehmen Ort Platz, mit fester Entschlossenheit.
Vers 8.1 im Zusammenhang · Devanagari
8.2
Mit befriedetem Inneren soll man lange nach dem zuvor beschriebenen Meditationsyoga verweilen und sich selbst im Bereich der reinen Wirklichkeit als Ishvara vergegenwärtigen.
Anmerkung: Die Selbstidentifikation mit Ishvara wird aus dem Zusammenhang verstanden; der Satzbau des Drucks ist uneben.
Vers 8.2 im Zusammenhang · Devanagari
8.3
Der Yogi soll mit heilsamen Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben verehren, die aus innerer Vergegenwärtigung bestehen: vorschriftsgemäß an den sechs Stützpunkten und besonders am Dvadashanta.
Anmerkung: Dvadashanta bezeichnet einen „Zwölfer-Endpunkt“ im yogischen Körperraum. Seine Lage wird hier nicht durch eine zusätzliche moderne Maßangabe festgelegt.
Vers 8.3 im Zusammenhang · Devanagari
8.4
Gesammelt soll er den unvergänglichen Shambhu zusammen mit Shakti verehren, Göttin, und dabei beständig den höchsten Nektarozean vergegenwärtigen.
Vers 8.4 im Zusammenhang · Devanagari
8.5
Dieser Ozean leuchtet hell wie reiner Kristall und ist von göttlichen Wogen erfüllt. In seiner Mitte soll man, Göttin, eine weite Juweleninsel vergegenwärtigen.
Vers 8.5 im Zusammenhang · Devanagari
8.38
Man soll die entsprechenden Varuna-Holzstücke und weitere innerlich hervorgebrachte Gaben opfern. Dharma und Adharma, rechtes und unrechtes Handeln, soll man im Geist als Opfergaben in das flammende Feuer des Selbst darbringen.
Anmerkung: Der Sanskritsatz ist grammatisch beschädigt. Die Wiedergabe folgt den erkennbaren Begriffen des inneren Opferns; Einzelheiten stehen auf der Textseite.
Vers 8.38 im Zusammenhang · Devanagari
8.43
In seiner Mitte soll man sich selbst als Lichtgestalt betrachten, höchste Herrin: so unbewegt wie eine Lampe an einem windstillen Ort.
Vers 8.43 im Zusammenhang · Devanagari
8.45
So betrachtet man das von Eigenschaften erfüllte Gefüge aller Gottheiten und verehrt das Eine mit Blumen, Nektar und weiteren Gaben der inneren Vergegenwärtigung.
Vers 8.45 im Zusammenhang · Devanagari
8.46
Eben diesem soll der Yogi Opfergaben darbringen, die innerlich bereitet sind. So verehrt er den makellosen Shambhu als Gestalt seines eigenen Selbst.
Anmerkung: Die folgende, hier nicht aufgenommene Stelle 8.47 schließt mit einer Verheißung yogischer Vollendung an.
Vers 8.46 im Zusammenhang · Devanagari
8.72
Wer Shiva im eigenen Selbst aufgibt und ihn außerhalb verehrt, gleicht einem Menschen, der den Milchreis in seiner Hand zurücklässt und stattdessen seinen Ellenbogen leckt.
Anmerkung: Die Wortfolge des Gleichnisses ist im Druck beschädigt. Sein erkennbarer Sinn wird wiedergegeben, ohne den Grundtext stillschweigend zu verbessern.
Vers 8.72 im Zusammenhang · Devanagari
8.73
Der höchste Shambhu hat die Gestalt des Selbst; diese Welt ruht auf ihm. Wird er verehrt, Göttin, ist damit alles Bewegliche und Unbewegliche verehrt.
Vers 8.73 im Zusammenhang · Devanagari
8.74
Da die innere Verehrung von Fehlern wie Schädigung frei ist, schenkt sie innere Befreiung. Deshalb soll man mit aller Sorgfalt Shiva im Inneren verehren.
Vers 8.74 im Zusammenhang · Devanagari
11.19
Ich verehre Bhairavi, die Herrin des Alls: Sie verkörpert die Yogavidya, die mit Allwissenheit, Siddhi und umfassender Herrschaft verbunden ist, und schenkt Befreiung zu Lebzeiten.
Vers 11.19 im Zusammenhang · Devanagari
Zur eigenen Vertiefung: Welche innere Gabe könntest du heute bewusst werden lassen: Dankbarkeit, Wohlwollen oder aufmerksames Zuhören?
7. Schrift, Guru und Unterscheidungskraft
Schrift, ihr verstandener Sinn und Unterweisung gehören zusammen. Khechari bezeichnet hier einen besonderen tantrischen Lehr- und Praxiszusammenhang; die „Zusammenkunft“ ist ein Fachbegriff dieses Zusammenhangs. Die hohe Wertschätzung des Gurus steht neben der ausdrücklichen Aufforderung, einen Lehrer ohne Erkenntnis zu verlassen. Historische Geheimhaltungs- und Gehorsamsforderungen werden dadurch nicht zu heutigen allgemeinen Verhaltensregeln.
14.3
Khechari vernichtet Alter, Tod und Krankheit. Wer sie auf Erden aus der Schrift, aus deren Sinn sowie durch die Anwendung ihrer Übung kennt, ist der im folgenden Vers bezeichnete Lehrer.
Anmerkung: Die Satzkonstruktion ist unregelmäßig; der Zusammenhang mit dem in 14.4 genannten Lehrer ergibt sich aus beiden Versen.
Vers 14.3 im Zusammenhang · Devanagari
14.4
Diesen Menschen soll man mit ganzem Wesen als Guru anerkennen und sich ihm anvertrauen, Göttin. Schwer zu erlangen sind die Khechari-Vidya und ebenso ihre Übung.
Vers 14.4 im Zusammenhang · Devanagari
14.9
Wenn er die Zusammenkunft aus der Schrift und ihrem Sinn erlangt, erreicht er Shiva-Sein, befreit aus dem Kreislauf des Daseins.
Anmerkung: „Zusammenkunft“ gehört zur besonderen Khechari-Lehre. Die Stelle beschreibt das Verhältnis von Überlieferung, Erkenntnis und Verwirklichung in diesem Kontext.
Vers 14.9 im Zusammenhang · Devanagari
14.10
Ohne die Schrift vermögen selbst Gurus es nicht vollständig aufzunehmen. Deshalb muss diese überaus schwer zugängliche Schrift erlangt werden, Geliebte.
Anmerkung: Was genau „vollständig aufnehmen“ soll, ist im Sanskritsatz nicht ausdrücklich als Objekt genannt.
Vers 14.10 im Zusammenhang · Devanagari
14.11
Solange das Buch nicht erlangt wird, soll man diese Erde durchwandern. Sobald es erlangt ist, Göttin, liegt die Vollendung in der Hand.
Vers 14.11 im Zusammenhang · Devanagari
14.12
Ohne die Schrift gibt es keine Vollendung, selbst wenn einer die drei Welten durchwandert. Deshalb soll man den Geber der Zusammenkunft und den Übermittler der Schrift, Herrin, in der nun genannten Weise betrachten.
Vers 14.12 im Zusammenhang · Devanagari
14.13
Auch den, der ihre Übung vermittelt, soll man als Shiva ansehen und stets verehren. Viele Tantras habe ich gelehrt, Göttin, die du von den Göttern verehrt wirst.
Vers 14.13 im Zusammenhang · Devanagari
14.19
Wer den aus dem Lotus meines Mundes hervorgegangenen Nektar der Schrift ausspricht, ist wahrhaft ein Guru. Wer ihn darüber hinaus seinem Sinn nach versteht, wird im folgenden Vers noch höher gestellt.
Vers 14.19 im Zusammenhang · Devanagari
14.20
Dieser wird als höherstehend bezeichnet; kein Guru ist ihm überlegen. Hat man hier die geheime Schrift erlangt, soll man sie anderen nicht offenbaren.
Vers 14.20 im Zusammenhang · Devanagari
17.30
An einem abgeschiedenen Ort soll man zuhören, oder im Kreis von Menschen, die diese Lehre kennen, Geliebte; dabei gilt das zuvor gelehrte Verfahren nach der Unterweisung des eigenen Gurus.
Vers 17.30 im Zusammenhang · Devanagari
17.31
Nachdem der Schüler zwölf Jahre lang ordnungsgemäß und unermüdlich geübt hat, soll er diese Erde durchwandern, um den Guru der Zusammenkunft zu finden.
Vers 17.31 im Zusammenhang · Devanagari
17.32
Wenn er ihn gefunden hat, soll er ihn mit ganzem Wesen und sorgfältig verehren. Was jener zum höchsten Wohl des eigenen Selbst lehrt, soll er gewissenhaft ausführen.
Vers 17.32 im Zusammenhang · Devanagari
17.33
Selbst einen wissenden Matanga soll man zum Guru machen, Geliebte. Wer aber weder Wissen noch unterscheidende Erkenntnis besitzt, den soll man verlassen, auch wenn er die sechs Pflichten vollzieht.
Anmerkung: Matanga bezeichnet hier einen sozial niedrig eingeordneten Menschen. Die „sechs Pflichten“ können die brahmanischen Pflichten meinen; sie sind hier nicht als sechs Hatha-Yoga-Reinigungen zu verstehen.
Vers 17.33 im Zusammenhang · Devanagari
17.34
Wo immer eine besondere Einsicht zu finden ist, dort soll man Zuflucht suchen. Wer das göttliche Buch der Vidya in seiner Hand trägt, Herrin,
Vers 17.34 im Zusammenhang · Devanagari
17.35
in dessen Gestalt befindet sich, Göttin, der ganze Ozean des Wissens. Wer diese Lehre ihrem Wortlaut und ihrem Sinn nach darlegt,
Vers 17.35 im Zusammenhang · Devanagari
17.36
und zwar ohne Auslassung, Weltenmutter, der ist der höchste Guru. Diese Lehre wurde vom allwissenden Shiva ausgesprochen und ist selbst in ungezählten Geburten,
Vers 17.36 im Zusammenhang · Devanagari
17.37
schwer zu erlangen: Sie ist der Kern der Schriften und offenbart göttliche Erkenntnis. Zwei Arten von Menschen gibt es in der Welt: den Vollendeten, Siddha, und den Übenden, Sadhaka.
Vers 17.37 im Zusammenhang · Devanagari
Zur eigenen Vertiefung: Woran erkennst du eine Unterweisung, die Klarheit fördert und deine verantwortliche Selbstständigkeit achtet?
8. Einheit und die Erkenntnis des Selbst
Die Ich-Aussagen dieser Verse gehören zur meditativen Vergegenwärtigung. Sie beschreiben die Identifikation mit göttlicher Wirklichkeit und mit Brahman. Der Abschnitt schließt mit der Aufforderung, die Einheit von Shiva und Shakti zu betrachten.
7.48
Durch diesen Yoga der Meditation wird der Yogi nach Aussage der Lehre Ishvara selbst. Er soll den eigenen Körper als leuchtend wie zehn Millionen Sonnen vergegenwärtigen.
Vers 7.48 im Zusammenhang · Devanagari
7.49
Durch rechte Unterscheidung des Selbst erlangt er bald den Yoga. Der Yogi soll sich selbst ausdrücklich als die Gestalt Ishvaras betrachten.
Anmerkung: Der Bezug der Unterscheidung auf das Selbst wird aus dem Zusammenhang erschlossen; der Satzbau ist unregelmäßig.
Vers 7.49 im Zusammenhang · Devanagari
7.58
„Ich bin die Biene am Lotus jener yogischen Vergegenwärtigung, der mit den vorzüglichen Blättern der acht Siddhis glänzt. Ich bin ewig, frei von begrifflichen Unterscheidungen, ohne Stütze und unvergänglich. Mein Wesen ist Sein, Bewusstsein und Glück. Ich bin Brahman selbst, daran besteht kein Zweifel.“
Vers 7.58 im Zusammenhang · Devanagari
7.59
„Ich bin Brahman selbst; ich bin kein im Kreislauf Gebundener. Ich bin frei.“ So soll man sich vergegenwärtigen. Durch diesen Yoga der Meditation erlangt man nach Aussage des Textes die Befreiung zu Lebzeiten.
Vers 7.59 im Zusammenhang · Devanagari
7.60
Wenn die verwickelten begrifflichen Vorstellungen in Shiva zur Auflösung kommen, erkennt der Übende das freudige Aufleuchten und schaut überall mit gleichem Blick.
Anmerkung: Der Sanskritsatz ist grammatisch unvollständig. Die Übersetzung verbindet die erkennbaren Aussagen über Auflösung, Freude und Gleichsicht.
Vers 7.60 im Zusammenhang · Devanagari
16.85
Der dort weilende höchste Shiva, die höchste Ursache, soll mit Shakti verbunden werden, Göttin. Man soll ihre Einheit vergegenwärtigen.
Vers 16.85 im Zusammenhang · Devanagari
Zur eigenen Vertiefung: Wie verändert sich dein Blick auf andere, wenn du nach dem Verbindenden hinter den Unterschieden fragst?
9. Versenkung und Samadhi
Der Text verbindet die gefestigte Meditation mit Samadhi. Seine Zeitverhältnisse und Erfahrungsbeschreibungen werden als historische Lehrangaben wiedergegeben. Für die heutige Reflexion kann besonders die Verbindung von Sammlung, ruhigen Sinnen und allmählichem Fortschreiten anregend sein.
7.74
Wann immer der Geist, in ein bestimmtes Wirklichkeitsprinzip versenkt, unbeweglich wird, soll man, große Herrin, den Yoga der Meditation aufnehmen.
Vers 7.74 im Zusammenhang · Devanagari
7.75
Ich werde nun Samadhi erklären, durch den der Yogi Shiva wird. Die Gestalt, die in der Meditation gefestigt wurde, soll er mit dem yogischen Blick betrachten.
Anmerkung: An dieser Stelle beginnt im Kapitel ein neuer Lehrabschnitt. Die Sprecherangabe lautet: „Ishvara sprach.“
Vers 7.75 im Zusammenhang · Devanagari
7.76
Wieder und wieder soll er dies mit geklärtem Inneren und seinem ganzen Geist tun. Wann immer jene Gestalt zusammen mit dem Geist in Auflösung eingeht, setzt die folgende Anweisung an.
Vers 7.76 im Zusammenhang · Devanagari
7.77
Dann soll er sie mit dem yogischen Blick wieder in eine auf ihr Ziel gerichtete Festigkeit führen. Als Samadhi wird eine Zeitspanne bezeichnet, die siebenmal so lang ist wie die Meditation.
Anmerkung: Der Faktor sieben steht ausdrücklich im Druck. Die genaue Beschreibung der Stabilisierung ist sprachlich unklar; eine moderne Zeitangabe wird daraus nicht abgeleitet.
Vers 7.77 im Zusammenhang · Devanagari
7.79
Einspitzig, unzerstreut, unbewegt und mit ruhigen Sinnen soll der in Samadhi Verweilende Sadashiva ohne Trennung vom eigenen Selbst schauen.
Vers 7.79 im Zusammenhang · Devanagari
7.80
Im Samadhi erscheint, Göttin, ein großes Leuchten wie Feuerlicht. Wenn dieses gnädig oder zufrieden ist, wird dem in Samadhi befindlichen Yogi Befreiung zuteil.
Vers 7.80 im Zusammenhang · Devanagari
7.89
So verwirklicht er Samadhi und schreitet darin allmählich voran. Damit habe ich dir, Göttin, diesen überaus schwer zugänglichen Samadhi erklärt.
Vers 7.89 im Zusammenhang · Devanagari
Zur eigenen Vertiefung: Was hilft dir, Stille zuzulassen, ohne eine besondere Erfahrung erzwingen zu wollen?
10. Befreiung und das Wohl der Welt
Die Matsyendra Samhita unterscheidet den Übenden, Sadhaka, vom Vollendeten, Siddha. Die folgenden Verse schildern Ungetrenntheit, Befreiung und das Bleiben im Körper zum Segen der Welten. Die Todes- und Befreiungsvorstellungen in 16.95–96 sind Teil dieser historischen Lehre, keine Aufforderung, das eigene Leben zu verkürzen. Das abschließende Bild richtet die Aufmerksamkeit auf das ganze Weltall.
17.38
Wer durch beständige Übung alles durchläuft und Vollendung für sich selbst erstrebt, dieser Yogi wird Sadhaka genannt.
Vers 17.38 im Zusammenhang · Devanagari
17.39
Wer recht geübt und erkannt hat und die Zusammenkunft in gleicher Weise vollzieht, auf einer allen gemeinsamen Grundlage und frei von der Verschlungenheit unterscheidenden Denkens,
Anmerkung: Die Formulierung über die gemeinsame Grundlage lässt die genaue Art des Gleichseins offen. Die Beschreibung des Vollendeten wird in 17.40–41 fortgesetzt.
Vers 17.39 im Zusammenhang · Devanagari
17.40
ist Schöpfer, Erhalter und Auflöser, stets erfüllt und frei von Leid. Er sieht diese ganze bewegliche und unbewegliche Welt als vom eigenen Selbst ungetrennt.
Vers 17.40 im Zusammenhang · Devanagari
17.41
Diesen allwissenden, glückverheißenden Yogi nennen die Kundigen einen Siddha. Der Sadhaka erreicht den höchsten Ort nach vielen Geburten.
Vers 17.41 im Zusammenhang · Devanagari
16.95
In die höchste, friedvolle Wirklichkeit Shivas eingegangen, wird er Shiva gleich. Selbst nach Tausenden von zehn Millionen Weltzeitaltern soll es keine Rückkehr mehr geben.
Vers 16.95 im Zusammenhang · Devanagari
16.96
Wenn er den Körper zum Segen der Welten nicht verlässt, gibt er ihn erst am Ende der Weltauflösung auf und ruht dann allein im eigenen Selbst.
Vers 16.96 im Zusammenhang · Devanagari
18.71
Wer auf dem Weg der gebundenen Wesen bleibt, gelangt stets von einem Mutterschoß in den nächsten. Deshalb soll der Mensch mit aller Sorgfalt den Guru erfreuen, höchste Herrin,
Vers 18.71 im Zusammenhang · Devanagari
18.72
und diese Schrift verstehen lernen, wenn er den Daseinskreislauf überqueren möchte. Durch sie erlangt er Vollendung: wahrlich, wahrlich, daran besteht nach dem Text kein Zweifel.
Vers 18.72 im Zusammenhang · Devanagari
19.11
Shiva-Göttin, man soll das ganze Weltall mit dem Nektar des eigenen Selbst sättigen und es als von diesem Nektarregen erfüllt betrachten, als Bewusstsein höchster Glückseligkeit.
Vers 19.11 im Zusammenhang · Devanagari
Zur eigenen Vertiefung: Welche konkrete Handlung könnte heute etwas von deiner inneren Verbundenheit sichtbar machen?
Vom Lesen ins Leben
Einige Verse sprechen von großen Vollendungen, andere von wiederholtem Üben, Verstehen und einer geklärten inneren Haltung. Für die heutige Lektüre können gerade die kleinen Schritte tragfähig sein: aufmerksam werden, maßvoll üben, eine Frage ehrlich stellen und einem anderen Menschen mit Wohlwollen begegnen. Die Verse zum Segen der Welten erinnern daran, dass innere Vertiefung im gemeinsamen Leben Gestalt annehmen kann.
Textgrundlage und weitere Wiki-Seiten
Die Auswahl folgt der Text- und Übersetzungsgrundlage der verlinkten Teilausgabe. Für Kapitel 1–13 wird Sensharma 1994 mit ausgewiesenen Einzelkorrekturen verwendet; 1.5 und 3.1 berücksichtigen Kiss 2011. Die Verse aus Kapitel 14 und 16 folgen der mit den Matsyendra-Lesarten bei Mallinson 2003 verglichenen Fassung; Kapitel 17 und 18 folgen dessen Editionen. Die Stelle aus Kapitel 19 beruht auf Sensharma 1994. Wichtige Deutungsunsicherheiten sind hier knapp, die textkritischen Einzelheiten auf der Seite mit IAST und deutscher Übersetzung angegeben.[1][2][3]
- Sanskrit in IAST und deutsche Übersetzung – alle hier erschlossenen Kapitel und Einzelstellen auf einer Seite.
- Sanskrit in Devanagari – derselbe Sanskritbestand in derselben Reihenfolge.
Quellen und Anmerkungen
- ↑ Debabrata Sensharma (Hrsg.): Matsyendra Samhita: Ascribed to Matsyendranatha. Part I. Bibliotheca Indica 318. The Asiatic Society, Calcutta 1994. Digitalisat.
- ↑ James Mallinson: The Khecarīvidyā of Ādinātha: A Critical Edition and Annotated Translation. DPhil-Dissertation, University of Oxford, benutzte Fassung mit Titelblatt vom 14. August 2003. Digitalisat.
- ↑ Csaba Kiss: The Matsyendrasaṃhitā: A Yoginī-centered Thirteenth-century Yoga Text of the South Indian Śāmbhava Cult. In: David N. Lorenzen und Adrián Muñoz (Hrsg.): Yogi Heroes and Poets: Histories and Legends of the Nāths. SUNY Press, Albany 2011, S. 143–162, zugehörige Anmerkungen S. 188–198. Publikationsnachweis.
Hauptartikel · Text und Übersetzung · Sanskrit in Devanagari