Gunatita
gunatita (Sanskrit: gunātīta adj. und m.) = über die gunas hinausgegangen, der auf absoluter Ebene, im Selbst begründet ist.
Gunatita (गुणातीत) setzt sich aus zwei Teilen zusammen: „Guna“ (Eigenschaft, Qualität, vor allem die drei Grundqualitäten der Natur: Sattva, Rajas, Tamas) und „Atita“ (darüber hinausgegangen, transzendiert). Du kannst Gunatita also mit „jenseits der Gunas“ oder „der die drei Qualitäten überstiegen hat“ übersetzen. Es beschreibt einen Zustand oder einen Menschen, der nicht mehr von den drei Eigenschaften der materiellen Natur – Reinheit/Leichtigkeit (Sattva), Aktivität/Leidenschaft (Rajas) und Trägheit/Dunkelheit (Tamas) – bestimmt oder gefangen gehalten wird.
Im Yoga und in der Bhagavad Gita ist das ein sehr hohes spirituelles Ziel. Du kennst sicher das Modell der drei Gunas: Sie sind wie die drei Farben, aus denen die gesamte Schöpfung gemischt ist. Solange du dich mit deinem Körper, deinen Gedanken und deinen Emotionen identifizierst, wirst du von diesen Qualitäten hin und her geworfen. Mal bist du voller Energie (Rajas), dann wieder müde (Tamas), dann vielleicht klar und friedvoll (Sattva). Gunatita zu sein bedeutet nicht, dass diese Qualitäten verschwinden – sie sind ja Teil der Natur. Aber du identifizierst dich nicht mehr mit ihnen. Du bist wie der Himmel, der hinter den Wolken (den Gunas) immer gleich bleibt, ganz egal, ob es stürmt oder die Sonne scheint.
Ein passendes Zitat dazu findest du in der Bhagavad Gita (Kapitel 14, Vers 22-25). Dort beschreibt Krishna den Gunatita: „Wer nicht Abscheu empfindet, wenn Licht (Sattva), Aktivität (Rajas) oder Täuschung (Tamas) wirken, und wer sich nicht nach ihnen sehnt, wenn sie verschwinden; wer wie ein Unbeteiligter dasitzt und von den Gunas nicht erschüttert wird, der hat die Gunas überstiegen.“ – Das ist ein sehr konkreter Hinweis für deine Praxis: Versuche in den nächsten Tagen einfach mal, eine Emotion oder einen körperlichen Zustand zu beobachten, ohne ihn sofort zu bewerten oder zu bekämpfen. Du wirst merken, wie befreiend das ist – ein kleiner Vorgeschmack auf Gunatita.
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