Die Verwirklichung des Absoluten - Ganzheitlichkeit und Bestrebung
Die Verwirklichung des Absoluten - Ganzheitlichkeit und Bestrebung
Die Verwirklichung des Absoluten
- Ganzheitlichkeit und Bestrebung
- Die Methode der bewussten Ausdehnung
- Die Wahrheit und ihre Suche
- Abstufungen innerhalb der empirischen Wirklichkeit
- Die Methode der reinen Erkenntnis
- Der Weg zum Gesegnet sein
Ganzheitlichkeit und Bestrebung
Das Erreichen von VOLLKOMMENHEIT ist die BEWUSSTE VERGANZHEITLICHUNG des SEINS. Dies ist das zentrale Thema der UPANISHADEN. Die UPANISHADEN sind intuitive Offenbarungen, und Intuition ist eine ganzheitliche Erfahrung. Ihren Verlautbarungen mangelt es nicht darin, in sich selbst die absolute Bandbreite der verschiedenen Methoden zur Annäherung an die EINE WIRKLICHKEIT zu sein, denn GANZHEITLICHKEIT schließt nichts aus. Keine zwei Individuen denken das gleiche, denn das Denken, die objektive Bewegung der Spirituellen Kraft, unterscheidet sich in seiner Art und Bestimmung aufgrund verschiedener Druckpunkte in der Ganzheitlichen Existenz. Aber dennoch müssen alle Individuen trotz dieser, aufgrund ihrer unterschiedlichen Denkweise bestehenden Trennung, das Erreichen eines gemeinsamen Zieles, d.h. den Erwerb eines gemeinsamen Zweckes ansteuern, denn es gibt für alle nur EINE WAHRHEIT und alle Wege müssen sich in der EINEN VOLLKOMMENHEIT treffen. Vollkommenheit oder Wahrheit kann nicht geteilt sein, und es kann keine zwei Absolutheiten geben. Deshalb müssen die Methoden zur Annäherung an die Wirklichkeit alle fundamentalen Naturkräfte oder Qualitäten erben, welche zur eigenen Natur der Reinen EXISTENZ gehören. Es ist diese unleugbare Tatsache, die sich anschickt, die logische Übereinstimmung zu beweisen und die inmitten der Vielzahl der von den relativen Individuen angewendeten Methoden zur Erfahrung der Wahrheit, wie sie wirklich ist, existiert.
Der eine und wohl wichtigste Punkt, an den wir uns in all den Prozessen zum Durchdenken der Natur der Existenz erinnern müssen ist der, daß wir in ihr nicht, - aus Treue zur Vernunft - , solche relativen Unterscheidungen wie 'subjektiv' und 'objektiv' machen, da diese Differenzen natürlich auf rein eigenmächtigen Vorstellungen und Wahrnehmungen beruhen. Wir trennen im reinen SEIN das Subjekt und Objekt nur aus dem Zugeständnis zu einem Glauben in eine 'Innerlichkeit' und 'Äußerlichkeit', die sich auf eine, jeder Verständlichkeit beraubten, unmittelbare empirische Erfahrung stützt. Die objektive Welt und der subjektive Körper befinden sich beide im Verhältnis zum erkennenden Wesen, doch EXISTENZ ist eine unterschiedslose Erkenntnismasse, deren Tatsache durch das Nichterklärbare einer objektiven Erfahrung, die frei ist von unserem Beharren auf einer bewußten Wirklichkeit, die beides, sowohl das Subjekt als auch das Objekt beinhaltet, bewiesen wird. Die Wirklichkeit des Universums ist, sowohl in ihren objektiven als auch subjektiven Aspekten, in sich EXISTENZ, die erst erkannt werden kann, wenn sie zum Inhalt des Bewußtseins selbst wird. Wenn dieser Inhalt nicht verschieden vom Bewußtsein ist, wird er keine Beziehung zum Bewußtsein haben und somit auch nicht erkannt werden. EXISTENZ muß dasselbe wie BEWUSSTSEIN sein, damit Existenz überhaupt erkannt werden kann. Wird sie nicht erkannt, dann ist sie auch nicht existent. Existenz ist wahrhaftig die EXISTENZdes BEWUSSTSEINS. Dasjenige Organ, das erkennt und welches das zugrundeliegende Bewußtsein abändert, geht aus der Existenz hervor. Doch da Bewußtsein unteilbar ist, wird eine solche Unterscheidung innerhalb der Existenz anhand des Untrennbaren in dem Nichtunterscheidbaren, die weder ein innen noch ein außen hat, zu einem natürlichen Erkennungsmerkmal verengt. Nichts, was mit etwas in Beziehung steht, ist wirklich. Beziehung bedeutet immer gegenseitige Abhängigkeit und nicht ‘Selbständige Existenz’. EXISTENZ ist immer absolut, - ohne jede Ausnahme. Die gewöhnliche Wahrnehmung ist jedoch kein geeignetes Kriterium für den Nachweis der WAHRHEIT. Die Sonne hört nicht auf 'zu sein', selbst wenn allen Menschen und Tieren die Augen zum Sehen fehlten; noch wird sie deshalb zum ewigen Wesen, weil wir sie wahrnehmen können. Eine unbewußte Unruhe, die von jeder individualistischen Persönlichkeit in ihrem eigenen Befinden empfunden wird, wie auch die Unmöglichkeit, ewig in diesem abgesonderten Bewußtsein zu verweilen, deutet auf das Wesen des HÖCHSTEN ZUSTANDES der ABSOLUTEN VOLLKOMMENHEIT hin. Wünsche, die im allgemeinen Sprachgebrauch als Kräfte verstanden werden, die das Individuum in Richtung der verhältnismäßigen Existenz hinziehen, sind ein klarer Beweis für die Unfähigkeit des individuellen Wesens, sich mit seiner Endlichkeit zufrieden zu geben; - gekoppelt mit der Forderung nach weiteren Erfahrungen im weiten Feld des Bewußtseins. Das Verweilen in einem relativen Zustand des Bewußtseins verschafft keine Befriedigung, unabhängig davon, wie weit das Stadium seiner Ausdehnung auch sein mag im Vergleich mit den niederen Ebenen des Bewußtseins. In jedem Individuum ist ein innewohnendes Verlangen, andere Bewußtseinszustände zu erfahren und andere Spielarten von Objekten in diesem Universum zu besitzen. Dieses Verlangen findet erst Ruhe, wenn unendliche Bewußtseinszustände erfahren und unendliche Objekte besessen werden, was jedoch keine Vielfältigkeit in der Unendlichkeit bedeutet, denn das UNENDLICHE ist UNGETEILTE EXISTENZ. Selbst die Herrschaft über das gesamte Universum kann keine dauerhafte Befriedigung verschaffen, solange sie nicht dem UNENDLICHEN entspricht. Die Herrschaft über Himmel und Erde ist nur eine relative Existenz, wenn auch von einer hohen Ebene der Verdienste aus, aber die Zufriedenheit erreicht dort, - selbst für die absolute Individualität -, noch nicht ihren Höhepunkt. Vollkommene Zufriedenheit ist in keinem dualen Lebenszustand zu finden, - und sei es auchabsolute Dualität -, sondern einzig in der UNENDLICHEN ERFAHRUNG und dem UNENDLICHEN SEIN.
Die Methode der bewussten Ausdehnung
Das UNENDLICHE SEIN wird nicht durch bloße metaphysische Spekulation erfahren, vielmehr findet ES seine Bedeutung in der unmittelbaren, nicht-relativen Erfahrung. Eine ganzheitliche Erfahrung benötigt ein sich ganzheitlich darauf zuzubewegen, - eine Umwandlung der vollständigen Persönlichkeit. Das ist der Grund, warum der Intellekt, der ein Teil des vollständigen Menschen ist, die WIRKLICHKEIT, welche das GANZE ist, nicht erreicht. Das gesamte Bewusstsein muss auf das zu erreichende Ideal konzentriert werden. Bis zum Erreichen des Zieles ist es unbedingt erforderlich, die sich zerstreuenden Strahlen des persönlichen Bewusstseins in ihre ursprüngliche relative Quelle, in die Wurzel der individuellen Persönlichkeit, - in das geläuterte Ego - , zurückzuziehen. Dem geläuterten Ichbewusstsein, solchermaßen von den abweichenden Anziehungen der Sinneswahrnehmung befreit, ist es gestattet, sich selbst vollständig dem Höheren Zweck der bewussten Ausdehnung in die feineren und weiteren Zustände des Bewusstseins hinzugeben. Jeder höhere Zustand ist ausgedehnter, feiner und umfassender als die niederen Zustände, und die Kraft der VERGANZHEITLICHUNG (Integration) nimmt im Verlauf der fortschreitenden Zustände zu. Kräfte, die in einem bestimmten Zustand des Bewusstseins nicht kontrolliert werden können, fallen leicht unter die Herrschaft eines nächst höheren Zustandes, und die Fähigkeit des Individuums, einen bestimmten Zweck zu erfüllen, nimmt in ausgedehnteren Zuständen weiter zu. Demzufolge sollte die angeborene und letztendliche NATUR des BEWUSSTSEINS notwendigerweise allumfassend, äußerst ausgedehnt und deshalb unendlich sein. Das BEWUSSTSEIN und die KRAFT dieses Höhepunktes im SEIN ist unbegrenzt, da es nichts Zweites mehr zu dieser wesenhaften Bedingung der EXISTENZ gibt. Die bewusste Verankerung des Selbst in dieser homogenen Essenz wird durch ein Opfer der individuellen Getrenntheit zugunsten der FÜLLE des UNENDLICHEN erreicht. Die UPANISHADEN sind das Vermächtnis derjenigen, die das endliche Bewusstsein einer erbärmlichen Individualität transzendiert und das HÖCHSTE in der GANZHEIT der ERFAHRUNG angerufen haben. Die Begrenztheit des mannigfaltigen Lebens wird durch die Tatsache betont, dass das Individuum, welches ein solches Leben lebt, dazu gezwungen wird, sich Dinge und Zustände zu wünschen, die anders sind als seine eigenen. Objektive Existenz als solche ist eine Grenzziehung in der Einheit der beständigen Natur der Existenz, und die Darstellung der Unwahrheit aller Relativität im unterschiedslosen SEIN kann schließlich keinen Sieg erringen. Selbst gegen das oberflächliche Bewusstsein stemmt sich aus den innersten Tiefen eines jeden Wesens ein Drang, mit dem ALL EINS zu werden, wobei es unwesentlich ist, ob dies als Vollkommenheit oder anders empfunden wird. Die UPANISHADEN sind die reifen Früchte solch herrlicher Blumen, wie sie im Licht der Weisheitssonne aufgeblüht sind. Sie führen uns zum GANZEN, von dem sie lediglich dessen psychologische Teile sind.
Die UPANISHADEN sind durch und durch spirituell, und sie vertreten deshalb die höchst umfassende Lehre des YOGA als VERWIRKLICHUNG der WAHRHEIT. Ihre Lehren sind nicht das Ergebnis eines intellektuellen Wunders oder irgendeiner Absonderlichkeit, sondern die Wirkung eines angestrengten und unwiderstehlichen Druckes und entsprechen somit dem praktischen Bedürfnis, aus dem Teufelskreis der Anhaftung an die individuelle Existenz emporzusteigen. Die Aufgabe der SEHER bestand darin, diese Störung im Leben zu beheben, welche, - und das verwirklichten sie, - im Bewusstsein der Getrenntheit des Wesens und dem (daraus resultierenden) Wunsch, etwas zu erwerben und zu werden, was jemand 'nicht ist', angesiedelt ist. Die Heilung liegt (allein) im Erwerb und im Werden von allem, wenn dies auch nur ungenügend durch die Worte 'UNSTERBLICHKEIT', 'UNENDLICHKEIT' usw. ausgedrückt wird. Das zentrale Problem eines jeden einzelnen von uns besteht in der Überwindung der Krankheit des individuellen Lebens und im Erwerb des Zustandes der VOLLKOMMENHEIT, des FRIEDENS und der WONNE. Die UPANISHADEN verdeutlichen den "ZWECK" und die "MITTEL" und, - da jene Weisen das GANZHEITLICHE WISSEN der WIRKLICHKEIT hatten -, betonten sie im Rahmen der Methoden zur Annäherung an das Ziel die Wertigkeit des IDEALES, vorausgesetzt, dass es ganzheitlich ist. Die Praxis eines solch idealen 'SADHANAS ' (spirituelle Praxis) zur Befreiung aus der Knechtschaft des relativen Lebens führt zur leuchtenden Region der ungetrübten Glückseligkeit. Die Unterschiede zwischen den Vorstellungen bezüglich der Wirksamkeit der verschiedenen Methoden zur Umwandlung der Persönlichkeit in das HÖHERE BEWUSSTSEIN entsprechen den verschiedenen Temperamenten und Erfahrungsebenen derjenigen, die sich mit der Aufgabe, die GÖTTLICHE EXISTENZ zu verwirklichen, befassen. Jedes Ego unterscheidet sich im Bewusstsein und in seinen Erfahrungen vom anderen. Sie alle benötigen höhere Erfahrungsberührungen, die im Grad und in der Verhältnismäßigkeit zur Feinheit der Bedingung ihres gegenwärtigen Bewusstseinszustandes voneinander abweichen. Obwohl es die, in den Erklärungen der UPANISHADEN vorliegende, grundlegende Ansicht ein vollkommener intuitiver ABSOLUTISMUS ist, die von der höchsten Klasse der Wahrheitssucher aufgegriffen wird, können wir behaupten, dass man nicht fehl damit geht, in ihnen (auch) die tiefsten Verlautbarungen zu finden, die alle Aspekte der psychischen Konstitution des menschlichen Wesens im allgemeinen berühren. Das Licht und die Wärme der Sonne sind für kein existierendes Wesen im Universum ohne jeden Nutzen, - was auch immer der Weg und der Grad sein mag, in dem es von der Gegenwart der Sonne profitiert -, so dass die Erklärungen der UPANISHADEN zur ganzheitlichen WAHRHEIT in keinerlei Hinsicht nutzlos für den Menschen und dessen Methoden zur Annäherung an die WIRKLICHKEIT sind; denn: "GANZHEITLICHES" beinhaltet alle "ASPEKTE".
Das GANZHEITLICHE des SEINS kann selbst in diesem bestehenden Leben erreicht werden. Es ist nicht notwendig, deshalb noch einige Runden im Rad von Geburt und Tod zu absolvieren, vorausgesetzt, die VERVOLLKOMMNUNG hat sich durch beständige MEDITATION auf die WIRKLICHKEIT und die Verneinung des abgeschiedenen Bewusstseins noch vor dem Ablegen der gegenwärtigen physischen Körperhülle ereignet. Die Schnelligkeit des Prozesses zum Erreichen (des Zieles) hängt von der Intensität der Kraft in der MEDITATION ab, und dies sowohl in ihren verneinenden als auch den sich behauptenden Aspekten. Ein Ent-hypnotisieren des Bewusstseins von dessen (Wahn der) Verkörperung und individualistischem Dasein ist der wahre Zweck aller Methoden der spirituellen MEDITATION.
Die Lehren der UPANISHADEN sind in der Sprache des SELBST, nicht in der des Intellektes, zum Ausdruck gekommen, und daher dringen sie nicht so leicht in die Tiefe der Seele, wenn diese nicht eine verlangende und brennende Sehnsucht nach der absoluten ERFAHRUNG besitzt. Aufgrund ihrer Abweichung von der WAHRHEIT und dem Umherwandern zwischen den Schatten ist es für die Seele schwer, die STIMME der STILLE zu vernehmen. Die UPANISHADEN betonen, dass selbst der höchste Gewinn in der relativen Welt, vom letzten gültigen Standpunkt aus gesehen, lediglich unter den fließenden Schatten angesiedelt ist. Die schmackhaften Neigungen, welche sich selbst im Prozess des Erblühens der Individualität in das UNENDLICHE hinein offenbaren, versuchen die Gegenwart der WAHRHEIT im innersten Kern unseres Wesens zu verschleiern. Solcherlei physische Schichten, wie glänzend sie auch sein mögen, sind trotz allem Schichten des Nichtseins, und sollten nicht für das WIRKLICHE gehalten werden. Selbst die feinste Schicht ist nichts als ein Schleier über der WAHRHEIT, ein 'Goldenes Gefäß', das die Essenz verbirgt und das transzendiert werden muss, bevor der wahre Kern des SEINS erreicht wird. Die Wonne des ungefesselten SEIN' übersteigt alle Zustände der relativen Freude, wie ausgefallen diese Freude auch sein mag. Die WONNE des unbegrenzten BEWUSSTSEINS ist der absolute Höhepunkt der EXISTENZ und alles andere muss als unwahr verworfen werden. Der Zustand ISHVARAS ist kein ewiger, da er in Beziehung zum Universum steht, das vergänglich ist. Ishvara taucht in Brahman ein, wenn das Bewusstsein vom Universum transzendiert wird.
Die WONNE des SELBST ist die WONNE des SEIN'. Es ist die WONNE des ABSOLUTHEITS-Bewusstsein'. Das Wesen des Bewusstseins ist das Wesen EWIGER WONNE. Es liegt nicht im ERWERB (von etwas), sondern in der VERWIRKLICHUNG und in der ERFAHRUNG; nicht in der Erfindung, sondern in der Entdeckung. Die Intensität des Bewusstseins nimmt zu, je mehr sich die objektive Existenz dem Subjekt nähert; sie wird um so vollständiger, je intimer das Verhältnis zwischen Subjekt und Objekt wird, und sie ist dann vollendet und zur ABSOLUTHEIT ausgedehnt, wenn Subjekt und Objekt identisch sind. Dieses REINE Bewusstsein ist dasselbe wie die REINE WONNE, die Quelle der KRAFT und der Gipfel der FREIHEIT. Es ist die Höchste STILLE der leuchtenden FÜLLE des WIRKLICHEN, wo das Individuum im Ozean des SEIN' ertrinkt.