Mystik

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Die Mystikerin Hildgard von Bingen empfängt eine göttliche Inspiration

Mystik kommt aus dem Griechischen und bedeutet geheimnisvoll. Gemeint ist damit alles rund um die Erfahrung des Göttlichen, seien es spezielle Praktiken, um eine solche Erfahrung machen zu könnnen oder eben auch die Erfahrung selbst.

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Mystik in der Antike

Sokrates: Was ist der Weg des wahren Lebens?

Sokrates

Sokrates (* 469 v. Chr. in Athen; † 399 v. Chr.) ist ein für das abendländische Denken grundlegender griechischer Philosoph. Michel de Montaigne nannte ihn den „Meister aller Meister“ und Karl Jaspers schrieb: „Sokrates vor Augen zu haben, ist eine der unerlässlichen Voraussetzungen unseres Philosophierens.“ (Zitiert nach Eva-Maria Kaufmann: Sokrates. München 2000, S. 93 (Montaigne), S. 8 (Jaspers).)

Sokrates war ein erleuchteter Meister (Mystiker).[1] Er besaß die Eigenschaften Gelassenheit, Güte und Heiterkeit. Es gibt viele Berichte von seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten. Er konnte stundenlang in Meditation fallen, im Winter barfuss gehen und sehr viel Alkohol trinken, ohne jemals betrunken zu sein. Er lebte in strenger Führung durch seine innere Stimme, deren Herkunft er als göttlich ansah. Er betete regelmäßig.

Wir können Sokrates als den geistigen Vater der heutigen wissenschaftsbetonten Zeit ansehen. Er war ein Anhänger der Vernunft. Er beschäftigte sich intensiv mit der Frage nach der Wahrheit. Was ist wahr und was ist falsch? Was ist der Weg des wahren Lebens? Sokrates gab keine fertigen Antworten. Er überließ es jedem seiner Schüler selbst, seinen eigenen Weg der Wahrheit zu finden. Sokrates war ein Lehrer des individuellen Glücksweges. Drei Dinge gab er seinen Schülern mit auf den Weg: 1. Bemühe dich um Einsicht und Wahrheit. 2. Bemühe dich darum, dass deine Seele so gut wie möglich werde. 3. Um eine gute Seele zu erhalten, solltest du die vier Tugenden Weisheit, Mäßigung, Tapferkeit und Gerechtigkeit pflegen. (Platon, Apologie, Stuttgart 1982, S. 36.)

Antisthenes

Antisthenes war ein Schüler von Sokrates. Er lebte von 445 v. Chr. bis 365 v. Chr. in Athen. Er gilt als Begründer des Kynismus und Ahnherr der stoischen Philosophie. Sein wichtigster Schüler war Diogenes, der einer Legende nach in einer Tonne lebte. Der Glücksweg von Antisthenes ähnelt der Philosophie des Buddhismus und des indischen Yoga. Durch ein Leben der Ruhe, der Bescheidenheit und der Gedankenarbeit löst man seine inneren Verspannungen auf. Sind der Körper und der Geist entspannt, entstehen von alleine (durch Gnade) innerer Frieden, inneres Glück und Erleuchtung.

Epikur

Epikur lebte von 341 bis 270 vor Christus in der Nähe von Athen mit seinen Freunden auf einem schönen Grundstück mit einem Garten. Epikuräer werden in der westlichen Philosophie oft mit den Hedonisten, den Anhängern der Genussphilosophie von Aristippos, verwechselt. Beides sind aber völlig verschiedene philosophische Wege. Ein Epikuräer verkörpert einen gemäßigten Weg des inneren Glücks (der Mystik) und ein Hedonist den Weg des extremen äußeren Glücks.

Epikur lehrte das positive Denken. Ein Leben wird dann glücklich, wenn man sich beständig im positiven Denken übt. Epikur nannte es "philosophieren." Ein Mensch sollte jeden Tag philosophieren. Er sollte über den Sinn des Lebens nachdenken und sich immer wieder auf seine positiven Ziele besinnen. Er sollte es vermeiden, sich zu viele Sorgen zu machen. Ein Leben wird nach Epikur dann glücklich, wenn man alle Dinge im richtigen Maß lebt. Jeder Mensch sollte das für ihn persönlich genau richtige Maß an den äußeren Dingen des Lebens finden. Das innere Glück kommt aus der inneren Ruhe. Wenn die Gedanken zur Ruhe kommen, entsteht Erleuchtung. Epikur empfahl es, in der Ruhe und aus der Ruhe heraus zu leben: "Dann lebt man wie ein Gott (Buddha) unter seinen Mitmenschen." (Johannes Mewaldt, Philosophie der Freude, Seite 48.)

Mystik im Mittelalter

Der mystische Kirchenlehrer Augustinus

Augustinus von Hippo

Nach Augustinus von Hippo, der von 354 bis 430 lebte, liegt das Endziel alles menschlichen Strebens in der mystischen Glückseligkeit. Glückseligkeit könne der Mensch nicht durch viele weltliche Güter erhalten, sondern allein durch Gott. Dauerhaftes Glück sei nur durch ein Leben in Gott möglich. Gott sei das höchste Glück, dass ein Mensch erreichen kann: "denn du hast uns zu dir hin geschaffen und ruhelos ist unser Herz, bis es ruht in dir." (Augustinus: Confessiones 1,1)

Pseudo-Dionysius Areopagita

Der wichtigste Vertreter der sogenannten mystischen Theologie ist Dionysius Areopagita (um 500 nach Christus). Nach ihm sehnt sich die menschliche Seele nach Gott. Dieses Sehnen kann nur durch die mystische Vereinigung mit Gott befriedigt werden. Über den Dreischritt Reinheit (katharsis), Erleuchtung (photismos) und Einigung (teleiosis) lässt sich die Erkenntnis Gottes erreichen.

"Denn durch diese Ekstase, (...) wirst du, nachdem du dir alles entfernt hast und von allem gelöst bist, zu dem überwirklichen Strahl des göttlichen Schattens gebracht. (Pseudo-Dionysius Areopagita: Über mystische Theologie, I.1.) Das göttliche Dunkel ist das unzugängliche Licht, in dem (...) Gott wohnt. (...) Darin befinden sich alle, die würdig geworden sind, Gott zu erkennen und zu schauen.(Pseudo-Dionysius Areopagita: Brief V) Es ist notwendig, (...) in die Finsternis hineingehen, wo der, der jenseits von allem ist, wie die Schrift sagt, sich wirklich befindet." (Pseudo-Dionysius Areopagita: Über mystische Theologie, I.3.)

Franz von Assisi

Franz von Assisi (* 1181/1182 in Assisi, Italien; † 1226) lebte streng nach dem Vorbild des Jesus von Nazaret (sogenannte Imitatio Christi). Er nahm den Begriff Armut in der Bergpredigt wörtlich und führte ein spirituelles Leben der Armut und der Liebe zum Nächsten. Diese Lebensweise zog viele gleichgesinnte Gefährten und Nachahmer an. Franz von Assisi führte in seiner Jugend ein ausschweifendes Leben, aber es machte ihn innerlich nicht glücklich. Nach einer Sinnkrise änderte er sein Leben radikal und begann als Einsiedler zu leben. Er pflegte die Aussätzigen, die außerhalb der Stadtmauern leben mussten. Der Weg der umfassenden Liebe aktivierte seine Erleuchtungsenergie (Kundalini). Wer sich in seinen Mitwesen sieht und allen Wesen Glück wünscht, der gelangt dadurch in ein Einheitsbewusstsein und erweckt sein inneres Glück. In seinem Testament schrieb er: Und der Herr selbst hat mich unter sie geführt, und ich habe ihnen Barmherzigkeit erwiesen. Und da ich fortging von ihnen, wurde mir das, was mir bitter vorkam, in Süßigkeit der Seele und des Leibes verwandelt. (Testament 1-3, zitiert nach Franziskanische Quellenschriften, Band 1)

Meister Eckhart

Eckhart von Hochheim, bekannt als Meister Eckhart (* um 1260; † vor dem 30. April 1328 in Avignon) war ein bedeutender spätmittelalterlicher Theologe und Philosoph. Er ist ein wichtiges Verbindungsglied der westlichen Philosophie zu den östlichen Religionen, weil er ein unpersönliches Gottesbild hat und einen meditativen Erleuchtungsweg lehrt. Gott ist in der Stille, im Sein, in der Gelassenheit und in der inneren Abgeschiedenheit von den weltlichen Mitmenschen zu finden. Meditieren ist nach Meister Eckhart hilfreich bei einem Leben in Gott: Ganz still zu stehen und so lange wie möglich, das ist dein Allerbestes. (Josef Quint (Hrsg.): Meister Eckehart. Deutsche Predigten und Traktate. München 1979, Seite 435.) Gleichzeitig ist es aber auch wichtig den Weg der tätigen Nächstenliebe zu gehen: Als Maria zu Füßen unseres Herrn saß, da lernte sie. (...) Aber späterhin, als Christus gen Himmel gefahren war und sie den Heiligen Geist empfangen hatte, da (...) lehrte sie und ward eine Dienerin der Jünger.(Quint, a.a.O., Seite 289.)

Teresa von Avila

Teresa von Avila schreibt Die innere Burg

Teresa von Ávila (* 28. März 1515 in Ávila, Spanien; † 4. Oktober 1582) soll abschließend auch noch genannt werden, obwohl sie kurz nach dem Ende des Mittelalters gelebt hat. Die Philosophie des Mittelalters war von der christlichen Mystik geprägt; dazu gehört Teresa von Avila als wichtige Vertreterin. 1554 sah Teresa eine Darstellung des gekreuzigten Christus. Sie identifizierte sich mit seinem Leid, konnte dadurch ihr eigenes Leid auf einer tiefen Ebene annehmen, löste so die inneren Verspannungen (Ängste) auf und erweckte auf diese Weise die Erleuchtungsenergie (Kundalini) in sich.

Als Haupttechnik praktizierte sie die vier Stufen der Versenkung (das innere Gebet), die auch Buddha zum Kern seines spirituellen Übungsweges gemacht hatte. Bei Buddha bestehen die vier Stufen der Meditation aus dem Nachdenken (Probleme lösen, positive Gedanken finden), zur Ruhe kommen (Gedankenstopp), inneres Glück (Erwachen der Kundalini-Energie) und Samadhi (Egoauflösung, Erleuchtung, Verweilen im Nirwana). Die ersten beiden Stufen sind durch Willenskraft erreichbar, die zweiten beiden Stufen erfolgen aus Gnade. Teresa von Avila nannte diese vier Stufen: Gebet der Sammlung (über das Leben Nachdenken), Gebet der Ruhe (Kontemplation), Gebet der beginnenden Einigung (Glücklichsein in Gott) und Gebet der Einigung (Unio Mystica). (Erika Lorenz (Hrsg.): Lockruf des Hirten. Teresa von Avila erzählt ihr Leben. Kösel Verlag, München 1999, Seite 112 ff.) „Was ist doch die Seele in diesem Zustand! Sie möchte nichts als Zungen haben, um den Herrn zu preisen.“(Erika Lorenz, a.a.O., Seite 126.)

Heutige Mystik

Frère Roger

Frère Roger während eines Gebets

Frère Roger Schutz (* 12. Mai 1915 in Provence, Schweiz; † 16. August 2005 in Taizé, Frankreich) war der Gründer und lebenslanger Prior der ökumenischen Bruderschaft von Taizé. Bekannt ist Taizé durch die ökumenischen Jugendtreffen, zu denen jährlich etwa 200.000 Besucher vieler Nationalitäten und Konfessionen kommen.

Dalai Lama

Der Dalai Lama wurde 1989 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Er setzt sich für einen friedlichen Dialog der Menschen ein. Dazu hat er eine große Zahl von Vortragsreisen rund um den Globus durchgeführt und viele Bücher geschrieben. Er hat den Buddhismus zu einer modernen westlichen Glücksphilosophie gewandelt.(Wikipedia: Glück)

Einer seiner wichtigsten westlichen Schüler ist Matthieu Ricard, der sich von Gehirnforschern untersuchen ließ und seitdem scherzhaft als der glücklichste Mensch der Welt gilt. Über seinen Weg der Erleuchtung schrieb er: Ich kann wirklich von mir sagen, dass ich ein glücklicher Mensch bin. (...) Das intensive Gefühl des inneren Wohlbefindens, das ich heute in jedem Moment meines Lebens verspüre, entstand erst im Lauf der Zeit. (...) Wirklich unverzichtbar war für mich, meinen spirituellen Meistern zu begegnen und ihre Unterweisungen zu erhalten. (Matthieu Ricard: Glück, Seite 371 f.)

Bede Griffiths

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Bede Griffiths wurde 1906 in England geboren und starb 1993 in Indien. Er machte Vortragsreisen durch den Westen und löste dort Wellen der Begeisterung aus. Er schrieb viele Bücher. Ein gutes Buch über sein Leben und seine Lehre hat Shirley du Boulay geschrieben: "Überwindung der Dunkelheit" (2001).

Bede Griffiths war eine große Inspiration für viele heutige Christen. Bei ihm fanden sie die Liebe, die Authentiziät und den inneren Frieden, den sie schon immer gesucht hatten. Seine letzten Worte waren: "Ich bin so glücklich, ich bin so voller Liebe. Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt. In diesem Gebot ist das ganze Evangelium enthalten."

Bede Griffiths ist der christliche Meister der Einheit aller Religionen und der Anpassung des Christentums an die heutige Zeit. Er lehrte, dass sich die Offenbarungen aller Religionen ergänzen. Erst alle heiligen Bücher aller Religionen ergeben gemeinsam das Ganze. Als spiritueller Mensch kann und sollte man aus allen Büchern aller Religionen lernen.

Bede Griffiths war wie viele große Heilige für seine Kirche sehr unbequem. Er erklärte, dass sich die katholische Kirche verändern müsse. Sie muss neue Wege finden, um die christliche Botschaft auszudrücken. Sie sollte die Liebe und nicht die Sünde in den Mittelpunkt stellen.

Bede Griffiths trat für die Abschaffung des Zwangszölibates für Priester, das Priestertum der Frauen und für die Einrichtung interreligiöser Kommunitäten ein. In seinen Ashram in Indien kamen Menschen aus allen Religionen. Er selbst praktizierte eine Mischung aus Christentum, Hinduismus, Buddhismus und Taoismus (chinesische Philosophie/Natur als Mittelpunkt). Er schickte seine christlichen Schüler zu Meistern anderer spiritueller Traditionen, damit jeder genau den zu ihm persönlich passenden Weg zur Erleuchtung finden konnte.

---> Siehe Video (unten zweites Video über die Erfahrung der umfassenden Liebe)

Diskussion

(Zitat aus dem Buch Erleuchtung, Gott und Gottesbeweis/Philosophieforen f.)

Shui: Wenn Buddha vom Nirvana spricht, meint er etwas anderes, als der Taoist, der vom Tao spricht und wieder etwas anderes, als der Christ, der von Gott redet.

Nils: Alle Erleuchteten sehen das Gleiche und benennen es nur unterschiedlich.(...)

rebecca: Wenn du ein Anhänger Epikurs bist - warum willst du dann die Existenz Gottes beweisen? Die "Götter" spielen bei Epikur jedenfalls eine andere Rolle...

Nils: Nach Epikur gibt es die Götter, aber es sind vorwiegend in sich selbst ruhende Wesen. Es gibt Erleuchtete, die ruhen in ihrem Glück und kümmern sich nicht um ihre Mitwesen. Es gibt aber auch den Erleuchtungsweg der umfassenden Liebe, wie er von Jesus Christus und vielen heutigen erleuchteten Meistern (Dalai Lama, Amma, Mutter Meera, Swami Sivananda) gelehrt wird. Ich folge dem letzteren Weg.

Partygänger: hey nils !! wann weiss man, dass man erleuchtet ist ?

Nils: Das ist eine spannende Frage. Nach meiner Ansicht gibt es viele Stufen der Erleuchtung. Auch ein normaler Mensch kann Gefühle wie Glück, Liebe und Frieden erfahren. Er kann sich im Einklang mit sich und der Welt fühlen. Eine zweite Stufe der Erleuchtung könnte man darin sehen, dass in einem besonderen Moment diese Gefühle sehr stark sind. Eine dritte Stufe wäre es dann, wenn ein Mensch dauerhaft auf einem hohen Glücksniveau lebt. In der vierten Stufe beginnt sich das Ego aufzulösen. Der Mensch sieht mehr seine Mitmenschen als sich selbst. Er lebt mehr im Geben als im Nehmen und ist dadurch glücklicher als seine egoistischen Mitmenschen.

Eine fünfte Stufe könnte man als Gefühl der Heiligkeit definieren. Der Mensch hat einen so hohen Energiezustand, dass er sich als Heiliger empfindet. Er spürt eine große Aura um seinen Kopf und seinen Körper. Auf dieser Stufe gibt es aber noch ein Ego und ein Ich-Bewusstsein. Auf der sechsten Stufe tritt man dann ins kosmische Bewusstsein. Man verliert sein Ich-Gefühl. Man ist eins mit allem. Man ist einfach nur Bewusstsein. Auf der siebten Stufe sieht man Gott (das Licht) in allen Wesen und überall in der Welt.

Auf der achten Stufe löst sich das Gefühl einer materiellen Welt auf. Man empfindet sich als unabhängig und über der Materie stehend. Man ist frei von Freude und Leid. Auf der neunten Stufe treten vielleicht besondere spirituelle Fähigkeiten auf. Die zehnte Stufe erreicht man dann nach dem Tod, wenn man dauerhaft in der höchsten Glücksdimension im Jenseits lebt (Paradies, Gott, Satyaloka, Ort der höchsten Wahrheit nach den Yogaschriften).

Partygänger: hallo nils !! die totale erleuchtung muss definitiv eine erfahrung sein, die alle menschlichen erfahrungsmöglichkeiten sprengt.

Nils: So ist es. Mir war danach klar, dass ich jetzt den tieferen Sinn des Lebens kenne.

Partygänger: ich stell mir immer etwas ausserkörperliches vor oder ich schweb als energiebolzen durch die milchstrasse voller unbegrenzter unbescheiblicher absoluter ultimativer psychedelischer glückseligkeit ...... es wird sich sicherlich auf jeden fall lohnen diesen zustand zu erreichen.....noch in diesem leben !!!

Nils: Erleuchtung ist gut. Nach meiner Erfahrung ist sie so gut, dass es sich lohnt alles dafür zu tun. Wobei das mit dem Tun wie bereits diskutiert schwierig zu beschreiben ist. Es ist eher ein Tun des Nichtstuns (glückliches Sein), aber manchmal auch ein sehr konsequentes Tun. Je nachdem was man gerade auf seinem Weg des inneren Glücks braucht. Als Erleuchteter ist man ein glückseliger Energiebolzen. Das kann man auf der Erde in seinem Körper und im Jenseits ohne materiellen Körper sein. Da wir hier gerade auf der Erde sind, sollten wir erstmal die Erleuchtung in unserem Körper verwirklichen. Ich bin gegen jedes Abdriften in die Außerkörperlichkeit. Man könnte Schwierigkeiten haben zurückzukommen.(...)

Thale: Gott müsste heilig sein. Außerdem müsste Gott ein Bewusstsein haben.

Nils: Gott hat kein Bewusstsein. Gott ist das höhere Bewusstsein, das höhere Informationsfeld hinter dem materiellen Kosmos. Wenn wir unser Bewusstsein reinigen, von allen Neurosen und Verspannungen befreien, dann können wir uns mit diesem höheren Bewusstsein verbinden und an seinen Eigenschaften teilhaben. Dann strahlen wir Frieden, Glück, Liebe und Wahrheit aus. Dann sind wir heilig.

Thale: Selbst wenn es eine bewusste Kraft im Universum gäbe, die uns unvorstellbare Fähigkeiten besitzt, ich glaube nicht, dass sie dazu imstande wäre, zu beweisen, dass sie Gott ist.

Nils: Gott beweist sich durch die Erleuchteten (Heiligen).

Thale: Ich tendiere zum Nihilismus. Ich glaube nicht an das Richtige, das Heilige.

Nils: Das ist ein großer Fehler. Es gibt das absolut Richtige. Es gibt den Kosmos und im Kosmos gibt es bestimmte Gesetze. Es gibt im Kosmos eine Glücksordnung. Der Sinn des Lebens ist es glücklich zu sein. Die Aufgabe des Menschen ist es in sich glücklich zu werden und eine glückliche Welt zu schaffen. Im Kosmos entwickelt sich alles zum Höheren. Das Höchste ist das Erleuchtungsbewusstsein. Die Aufgabe aller Seelen ist es sich zur Erleuchtung zu entwickeln. Dann werden die Seelen eins mit dem höchsten Bewusstsein. Es gibt eine Evolution zur Erleuchtung.

Ich habe in meinem Leben großes Leid und großes Glück erfahren. Das größte Glück habe ich in der Erleuchtung erfahren. Der Kosmos hat dem Menschen die Fähigkeit zur Weisheit gegeben. Ich kann deshalb sagen, dass ich das Leid in meinem Leben so weit wie möglich vermeiden und das Glück so weit wie möglich verwirklichen möchte. Wer intensiv das Leid und das Glück im Leben gespürt hat, der kennt seine Lebensaufgabe. Er weiß, dass es den Weg des richtigen Lebens gibt. Diesen Weg kann man als den heiligen Weg bezeichnen.

Nihilisten sind aus meiner Sicht verwirrte Menschen, die durch ihre Fehleinschätzung des Lebens sich und anderen Menschen Schaden zufügen. Die Aufgabe der Philosophie ist es den Nihilismus zu überwinden und den Menschen einen Sinn zu geben. Die größten Philosophen waren Sokrates, Buddha, Patanjali, Jesus und Laotse. Sie alle lehrten, dass das Leben einen Sinn hat.

Thale: Ununterbrochenes Empfinden von Glück. Anhand welcher Kriterien ist dies erstrebenswert?

Nils: Probiere es aus. Dann weißt du es.

Thale: Kennst du das Ende des Weges?

Nils: Der Weg der Erleuchtung ist endlos. Gott ist unermeßlich. Du kannst ewig innerlich weiter wachsen. Wenn du dich selbst gerettet hast, kannst du auch noch alle deine Mitwesen retten. Amma meditierte erst für sich selbst. Als sie genug Erleuchtungsenergie in sich hatte, begann sie auf ihre Mitmenschen zu meditieren und ihnen Glück, Weisheit, Liebe, Kraft und Frieden zu senden. Die meisten Menschen auf der Welt können noch viel von diesen Eigenschaften gebrauchen.

Thale: Ist einem Erleuchteten die Welt nicht egal?

Nils: Ein Erleuchteter hat Frieden (Gleichmut, Egalheit) in sich, aber das Leid seiner Mitwesen ist ihm nicht egal. Wer Gott in sich hat, genügt sich selbst. Aber Gott ist auch Liebe. Die Erleuchtung verwandelt den Menschen und macht ihn von einem Egoisten (Nehmenden) zu einem Liebenden (Gebenden). Sein Ego hat sich aufgelöst und dadurch erkennt er sein Selbst auch in allen seinen Mitwesen. Er sieht ihr Leid und wünscht auch sie glücklich. Die Liebe fließt von ihm zu seinen Mitwesen. Dadurch wird seine Erleuchtung noch umfassender. Ein Erleuchteter ist kein Nihilist, sondern ein Buddha, der sich um das Glück seiner Mitmenschen sorgt.(...)

blabla: "Wer sich zwölf Jahre hinsetzt und nichts denkt, gelangt zur Erleuchtung." Das ist die eigentliche Essenz, hier wird es sichtbar.

Nils: Richtig. Die Essenz der Erleuchtung ist es im Sein (Ruhe, Stille, Gott, Nichtdenken) zu leben. Man denkt, wenn man das Denken braucht. Das Nichtdenken hört sich einfach an, aber es ist ein sehr dynamischer Prozess. Bevor die Gedanken ganz zur Ruhe kommen, steigen erst einmal alle verdrängten Gefühle und Stresssituationen aus dem Unterbewusstsein hoch und lösen sich auf. Das Denken zwanghaft zu stoppen, wäre falsch. Man setzt sich hin, wartet etwas, und dann beginnt der Tanz der Gedanken und Gefühle. Nach einiger Zeit kommt alles zur Ruhe, es entsteht innerer Frieden, Harmonie und plötzlich inneres Glück. So steigt man im Laufe der Jahre von einer Stufe zur anderen.

blabla: Nils, so langsam fange ich an zu begreifen. In der absoluten transzendenz wird Gott zu " keinerlei ahnung was das sein könnte ". Man weiss es selbst nicht, man hat keine meinung darüber, weil eine meinung ein denken oder eine vorstellung benötigen würde.

Nils: Endgültig begreift man erst in der Erleuchtung. Und damit meine ich jetzt die absolute Transzendenz. Du hast sie gut beschrieben, obwohl sie nicht wirklich beschreibbar ist. Es gibt kein Ich-Bewusstsein mehr. Alles ist reines Bewusstsein, ohne unruhige Gedankenschwingungen. Es gibt die Erleuchtung, aber keinen Erleuchteten. Man ist glücklich und gleichzeitig gibt es einen nicht mehr. Aber das Glück alleine genügt. Man hat keine Meinung mehr über die Dinge, man ist überall irgendwie dazwischen. Aber auch das ist für uns jetzt noch ein Konzept.(...)

Ra-Jah: ... wird zugunsten von persönlicher Entrückung, individuellem Ent-Leiden nicht genau das aufgegeben, was doch Ziel des Menschen ist: Mensch zu werden! Und als solcher das Leid der Mitmenschen, die Höhen und Tiefen der eigenen und der nächsten bis fernsten Existenz zu erfahren, empathisch zu reflektieren - einzuwirken.

Nils: Was bedeutet es ein Mensch zu werden? Es bedeutet zum einen genau man selbst zu sein, mit sich im Einklang zu sein, sein tiefstes inneres Wesen zu erfahren. Das tiefste innere Wesen eines Menschen ist das Ruhen im Glück (im Sat-Chid-Ananda).

Zum Zweiten bedeutet Menschwerdung Gefühle zu haben, seine Mitmenschen nachempfinden können, in der umfassenden Liebe zu leben. Ein Erleuchteter hat sein Ego aufgelöst und sieht sich dadurch in allen seinen Mitwesen. Er ist auf einer tieferen Ebene eins mit seinen Mitmenschen, als es ein nichterleuchteter Mensch jemals sein kann. Er nimmt sie in ihrer Ganzheit und auch in allen ihren Gefühlen war. Er spürt ihre Freude und ihren Kummer in sich. Und weil er sie spürt und über das höhere Informationsfeld eins mit allen Wesen ist, kann er ihnen auch mit positiven Energien und positiven Gedanken helfen.

Literatur

  • Dalai Lama: Der Weg zum Glück. Sinn im Leben finden. Herder, Freiburg im Br. 2002
  • Dalai Lama: Die Liebe. Quelle des Glücks. Herder, Freiburg im Br. 2005
  • Dalai Lama/Howard C. Cutler: Die Regeln des Glücks. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1999
  • Matthieu Ricard: Glück. Nymphenburger, München 2007

Video

Siehe auch

Weblinks