Vicharana

Aus Yogawiki

Vicharana (Sanskrit: विचारण vicāraṇa n. und विचारणा vicāraṇā f.) die zweite der sieben Bhumikas (Stadien zur Vollkommenheit): das rechte Befragen führt zu richtiger Unterscheidung.

Der Yogi (in diesem Stadium Sadhaka genannt) hat einen Weg zur Wahrheit gefunden und praktiziert nun regelmäßig. Er ist bereit seinen niederen Geist zu überwinden. Die richtige Unterscheidung und Grundprinzipien des gewählten Weges zeigen dem Yogi, was er praktizieren soll. In diesem Stadium ist ein Guru (Spiritueller Lehrer, selbstverwirklichter Meister) hilfreich.

Der Yoga Aspirant entwickelt auf Vicharana die vier Eigenschaften weiter, die auf Subecha erwacht sind:

  • Vairagya, Verhaftungslosigkeit, Nichanhaften
  • Viveka, die rechte Unterscheidung
  • Mumukshutva, intensiver Wunsch nach Befreiung bzw. höchster Verwirklichung
  • Shatsampat, , die Tugenden von Gleichmut und geistiger Stärke

Zu den Aufgaben auf Vicharana gehört, sich selbst anzunehmen, wie man ist, zu lernen, mit sich selbst umzugehen; zu wissen, dass die Erleuchtung vermutlich nicht an einem Tag kommt und es nicht so sein wird, dass man nur ein paar Jahre durchhalten muss, um eines Tages aufzuwachen - alle Probleme sind verschwunden - und bis dahin nimmt man alles andere in Kauf. Es heißt deshalb auch: Der Weg ist das Ziel. Auch wenn das nicht immer richtig ist, stimmt es aber auf einer anderen Ebene. Man sollte nicht alles mit der Hoffnung in Kauf nehmen, vielleicht in ein paar Jahren oder in der Zukunft plötzlich aufzuwachen und alle Probleme sind verschwunden. Man sollte vielmehr auf dem spirituellen Weg lernen, ihn jetzt zu genießen und auch jetzt ein schönes Leben zu haben, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.

Auch wenn es ab und zu gilt, etwas Unangenehmes zu machen, morgens früher aufzustehen, auch wenn man keine Lust dazu hat, sich in vielerlei Hinsicht selbst zu beherrschen.

Ausschnitt eines Artikels von Sukadev Bretz im Yoga Vidya Journal

Vicharana (skt. vicāraṇā f.): rechtes Befragen Auf der Stufe von Vicharana („rechtes Streben“) befindet man sich auf dem spirituellen Weg, der Suchende sucht nicht einfach nur, sondern ist zum Sadhaka geworden, also zu jemandem, der Sadhana übt. Sadhana heißt spirituelle Praxis und dieser Ausdruck bedeutet je nach Kontext Unterschiedliches. Im engeren Sinne heißt Sadhana spirituelle Praktiken wie Asana, Pranayama, Meditation und Mantrasingen, im weiteren Sinne ist es alles, was man auf dem spirituellen Weg tut. Wenn man den spirituellen Weg geht, ist es notwendig, zu praktizieren. Wie oft soll man praktizieren? Täglich! Das ist hier das Wichtigste. Solange man nicht täglich praktiziert, ist man noch nicht auf Vicharana. Jemand, der nicht über einen längeren Zeitraum praktiziert, befindet sich nicht auf Vicharana. Vielleicht befindet er sich auf Subecha.

Was sollte man machen, wenn man keine Zeit zum Praktizieren hat? Sich Zeit nehmen und wenigstens etwas praktizieren! Ein großer Yogameister wurde einmal gefragt: „Was soll ich tun, wenn ich keine Zeit habe, zu praktizieren?“ Da hat er gesagt: „Mach dir keine Sorgen. Wenn du keine Zeit hast, hast du auch keine Lust. Wenn du keine Lust hast, ... was soll die Frage?“ Das hört sich vielleicht etwas brüsk an, deshalb hier ein paar wichtige Tipps für die Praxis:

Das Wichtigste ist, täglich etwas zu praktizieren. Ein Anfänger sollte sich eine Viertelstunde am Tag Zeit nehmen und einmal die Woche mehr. Eine Viertelstunde schafft jeder. Man kann fünf Minuten meditieren, anschließend 12 Runden Sonnengebet machen und danach noch drei Runden Wechselatmung und die Tiefenentspannung dann abends beim Einschlafen. Das macht schon Einiges aus. Es ist nur eine Viertelstunde, aber es ist eine Viertelstunde! Es muss auch nicht unbedingt das Sonnengebet sein. Die Gemütlicheren unter den Yogis machen vielleicht eine Vorwärtsbeuge, eine Rückwärtsbeuge und eventuell noch einen Drehsitz, den man etwas länger hält. Danach hat man noch Zeit für die Meditation und ein wenig Pranayama. Man muss selbst heraus finden, was für einen das Beste ist. Auf jeden Fall sollte man von der „Alles oder Nichts“-Philosophie abkommen. Viele sind mit der Aussage „entweder richtig oder gar nicht“ erzogen worden. Das führt oft zu gar nichts oder es führt zu überflüssigem Stress. Der Ausdruck „entweder richtig oder gar nicht“ ist aber auch nicht unbedingt falsch. Wir können ihn so umsetzen: Wenn wir es machen, machen wir es von ganzem Herzen. Es bezieht sich mehr auf das Herz und weniger darauf, wie vollkommen wir es äußerlich machen. Denn was können wir heutzutage äußerlich wirklich vollkommen machen? Vielleicht konnte ein Schuster in früheren Zeiten den perfekten Schuh machen. Er hat immer den gleichen Schuh gemacht und gelernt, wie man ihn optimal an den Fuß anpassen kann. Doch wer kann heutzutage noch den perfekten Schuh machen? Selbst ein Schuhmacher muss sich weniger Zeit nehmen, damit es für den Kunden bezahlbar bleibt. Äußerlich ist also wenig Perfektion möglich, aber vom Herzen her können wir ganz dabei sein. Auch hier sollte man keine zu hohen Ansprüche an sich selbst stellen. Manche Menschen meditieren zu Hause deshalb nicht, weil sie dort sofort an das denken müssen, was den ganzen Tag war. Da hören sie lieber sofort auf. Nur wenn sie ins Yogazentrum oder in den Ashram kommen, können sie meditieren. Das ist auch die „Alles oder nichts“-Philosophie.


Wenn man meditieren will, macht man es so gut man kann, von ganzem Herzen und unser Geist ist so wie er ist. Und dann geschieht in der Meditation das, was geschehen soll. Wenn der Geist noch den Tag Revue passieren oder den nächsten Tag planen muss, dann ist das notwendig. Man sollte sich bemühen, die Meditation zu vertiefen, aber wenn das nicht entspannt möglich ist, geht man einfach davon aus, dass dieses Denken für unser inneres Gleichgewicht und vielleicht sogar zur spirituellen Entwicklung notwendig ist. Aber man meditiert in jedem Fall trotzdem. Und wenn die Kinder im Raum nebenan tollen und schreien, meditiert man trotzdem. Und wenn im Nachbarraum ein Fernseher läuft, dann nimmt man z.B. Ohrenstöpsel oder meditiert trotz Fernseher.