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Spiritualität


Spiritualität (von spiritus: Geist) ist der Weg des geistigen Übens mit dem Ziel der Vereinigung mit einer höheren Wirklichkeit (Gott, Transzendenz, inneres Glück). Spiritualität verbindet alle Religionen miteinander - und kann auch ohne konkrete Religionsangehörigkeit geübt werden. Spiritualität heißt Ausrichtung des Lebens auf die Erfahrung einer höheren Wirklichkeit. Spiritualität heißt, nach einem höheren Sinn zu streben und sein Leben nach diesem höheren Sinn auszurichten.

Ein Sadhu vor einer Shivastatue am Ganges

Was ist Spiritualität?

- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2019 -

Ausprägungen der Spiritualität unterscheiden sich. Der Psychologe Rudolf Sponsel definiert Spiritualität als mehr oder minder bewusste Beschäftigung „mit Sinn- und Wertfragen des Daseins, der Welt und der Menschen und besonders der eigenen Existenz und der Selbstverwirklichung im Leben“.

(Rudolf Sponsel: „Spiritualität – Eine psychologische Untersuchung“) So umfasst Spiritualität auch eine besondere, nicht notwendig im konfessionellen Sinne verstandene religiöse Lebenseinstellung eines Menschen, der sich auf das transzendente göttliche Sein konzentriert bzw. auf das Prinzip der transzendenten, nicht-personalen letzten Wahrheit oder höchsten Wirklichkeit.

Die Bedeutungsinhalte der Spiritualität hängen nach Untersuchungen von Büssing et al. (2006) vom weltanschaulichen Kontext ab, und beziehen sich immer auf eine immaterielle, nicht sinnlich fassbare Wirklichkeit (Gott, Wesenheiten, Kräfte), die dennoch erfahr- oder erahnbar ist (Erwachen, Einsicht, Erkennen). Zu unterscheiden sind hier eine suchende Haltung - von einer glaubend-annehmenden bis hin zu einer wissend-erkennenden Einstellung.

Definition Spiritualität nach Graf Dürckheim

Graf Dürckheim, einer der Pioniere fernöstlicher Spiritualität in Europa, definierte Spiritualität wie folgt:

"Spiritualität ist die Transparenz zum immanent Transzendenten"

Diese Definition beinhaltet drei wichtige Wörter charakteristisch für Spiritualität:

  • Transzendent: Spirituelle Traditionen gehen davon aus, dass es eine höhere Wirklichkeit gibt, die das Verstehen und das sinnlich Wahrnehmbare übersteigt, transzendiert
  • Immanent: Dieses Transzendente, diese Göttliche, ist allem innewohnend. Das heißt, Gott ist nicht einfach im Himmel. Vielmehr ist das Göttliche in allem anwesend, es ist innewohnend (immanent)
  • Transparenz: Durchlässigkeit. Spiritualität heißt, das immanent Transzendente zu erfahren, indem das Denken durchlässig wird. Spiritualität heißt, den Ruf der Seele zu verspüren, indem man durchlässig wird.

So bedeutet diese Definition:

  1. Spiritualität heißt, durchlässig für das Göttliche in einem selbst zu werden, das heißt das Göttliche in sich selbst zu erkennen
  2. Spiritualität heißt, das Göttliche durch sich wirken zu lassen - zu spüren, dass ein Göttliches durch sich sprechen will: Fühle dich als Instrument, nicht als Handelnder
  3. Spiritualität heißt, in den Ereignissen das Wirken Gottes zu spüren
  4. Spiritualität heißt, das Göttliche in jedem Menschen, in jedem Wesen, in allem zu spüren, wahrzunehmen

Spirituelle Praktiken wie Meditation dienen dazu, sich transparent zu machen, sodass das Göttliche überall erfahren werden kann.

7 Prinzipien spiritueller Philosophie

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Sukadev Volker Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya, definiert Spiritualität gerne über das Konzept "Sieben Wörter spiritueller Philosophie". Diese 7 Grundprinzipien kann man religionsübergreifend sehen - und erkennen, dass sie das Gemeinsame aller spirituellen Traditionen beschreiben. Jedes spirituelle System beschreibt diese 7 Prinzipien in einer anderen Sprache. Auf Sanskrit heißen diese 7 Prinzipien:

  1. Brahman, das Göttliche: Es gibt eine Höhere Wirklichkeit, die hinter allem steckt. Diese Höhere Wirklichkeit zu erfahren, ist tiefe Sehnsucht des Menschen
  2. Maya, Täuschung: So wie man die Welt im Normalbewusstsein wahrnimmt, so ist sie nicht. Das menschliche Wahrnehmen, Denken und Fühlen ist fehlerhaft. Das Alltagsbewusstsein mag den Menschen als von der Schöpfung und von den anderen Geschöpfen getrennt wahrnehmen, die Welt in Zeit und Raum erfahren - dies ist aber eine Täuschung, denn in Wahrheit ist alles miteinander verbunden und Manifestation des gleichen Göttlichen. Spirituelle Menschen haben daher einen tiefen Humor und können über sich selbst lachen: Alles ist der Täuschung unterworfen - so können wir alles mit einer gewissen Leichtigkeit anschauen
  3. Dukha, existentielles Leiden: Solange man sich in der Maya befindet, ist man im Leiden: Auf einer materiellen Ebene ist alles begrenzt, sterblich bzw. der Veränderung unterworfen und kann uns keine dauerhafte Befriedigung schenken. Leiden ist nicht wegen der Umstände - sondern weil man das Göttliche nicht verwirklicht hat.
  4. Kaivalya bzw. Moksha, Erleuchtung, Gottverwirklichung, Selbstverwirklichung: Es ist möglich, das Göttliche vollständig zu erfahren, mit dem Göttlichen zu verschmelzen. Das ist Sinn und Zweck des menschlichen Daseins. Bewusst oder unbewusst strebt jeder Mensch nach der Erleuchtung - und ist deshalb mit nichts anderem dauerhaft zufrieden. Alle Traditionen der Spiritualität sagen: Es ist für jeden möglich, die Erleuchtung zu erlangen. Es ist es wert, danach zu streben.
  5. Abhyasa, spirituelle Praxis: Um zur Verwirklichung zu kommen, gilt es zu praktizieren, sich selbst zu bemühen. Es reicht nicht aus, Bücher zu lesen und zu hoffen. Vielmehr gilt es, Meditation und andere spirituelle Praktiken zu üben, und sich darin zu schulen, in allem das Göttliche zu sehen. Jede Tradition der Spiritualität hat dafür ihr eigenes Übungssystem entwickelt.
  6. Karma, Leben als Schule: Was auf uns zukommt, ist nicht einfach nur Zufall. Leben hat einen Sinn: Das Leben gibt dir genau die Erfahrungen, die du brauchst, um in deiner Spiritualität voranzuschreiten. Leben ist Schule. Das Schicksal ist dir geschickt, damit du daran wächst. Und es ist notwendig, dass du dich engagierst für eine gute Sache, um auf dem Weg der Spiritualität voranzuschreiten
  7. Kripa, Gnade: Du kannst dir die Erleuchtung nicht selbst erarbeiten, erzwingen. Vielmehr kommt spirituelle Erfahrung und Fortschritt auf dem Weg der Spiritualität als Gnade Gottes. Letztlich ist spirituelle Entwicklung ein Zusammenspiel dieser drei Faktoren: Abhyasa (eigenes Bemühen), Karma (Annehmen der Aufgaben des Lebens), Kripa (Öffnen für die göttliche Gnade)

Videovortrag - 7 Spirituelle Prinzipien - Yoga und christlich-lutherische Theologie

In diesem Vortragsvideo macht Sukadev einen kleinen Ausflug in die Theologie – und in das Thema Yoga und Christentum. Sukadev spricht darüber, wie man die sieben spirituellen Prinzipien auch in der christlich-lutherischen Theologie finden kann. Sukadev zeigt dir so Gemeinsamkeiten. Denn er meint, dass die Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen spirituellen und religiösen Traditionen sehr viel größer sind als die Unterschiede. Letztlich sind die Unterschiede innerhalb einer jeweiligen großen spirituellen bzw. einer jeweiligen religiösen Tradition sehr viel größer als die Unterschiede zwischen spirituellen und religiösen Traditionen. Kleine Anmerkung: Sukadev ist kein akademischer Theologe. Erwarte also keinen intellektuellen Vortrag auf hohem akademischen Niveau. Vielmehr geht es hier darum, Yoga Begriffe in einen christlichen Kontext der Tradition Martin Luthers zu bringen .

Video - Vortrag von Sukadev über Spiritualität

Sukadev spricht über die verschiedenen spirituellen Entwicklungsstufen, über die Phasen der spirituellen Entwicklungen und deren Abzweigungen. Es gibt verschiedene Weisen, diesen Weg zu gehen. Es heißt ja: es gibt so viele Wege wie es Pilger gibt. Darüber hinaus geht Sukadev in diesem Video den Fragen nach: Was heißt Spiritualität? ? Was ist Spirituelles Leben? Was heißt Weg? Wie geht man den Spirituellen Weg? Welche Stufen gibt es auf dem spirituellen Weg? Welche Aufgaben hat man auf verschiedenen Phasen des spirituellen Weges? Welche Fallstricken und Fallen gilt es zu vermeiden auf dem spirituellen Weg?

Ausdrucksformen der Spiritualität

Als Ausdrucksformen der Spiritualität konnten mit Hilfe von Fragebogenkonstrukten mindestens sieben Faktoren differenziert werden:

(Siehe auch: Arndt Büssing: VAS-Verlag für Akademische Schriften (2006)")

Sattwige, rajassige und tamasige Spiritualität

Namaste - ich grüße das Göttliche in dir

- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2019 -

Om namah shivaya und herzlich willkommen zu einem Text im Rahmen der Reihe „Der spirituelle Weg“, im Rahmen der Reihe „Ganzheitliche Yoga Vidya Schulung“.

Sattwige, rajassige und tamasige Spiritualität. Spiritualität - ausrichten des Lebens auf eine höhere Wirklichkeit.

Spiritualität heißt sein Leben so zu leben das man ein Göttliches erfahren kann. Das kann man auf sattwige, rajassige und tamasige Weise tun.

Wie soll das gehen Spiritualität? Spiritualität kann sein sattvig, rajasig und tamassig.

Tamasige Spiritualität

Zunächst einmal was heißt tamasige Spiritualität? Tamassige Spiritualität heißt unethische Spiritualität, ungesunde Spiritualität, Spiritualität, die einen selbst und Andere ins Verderben stürzt.

Zum Beispiel Gewalttätigkeit im Namen von Spiritualität. Es ist das Jahr 2017 und es gibt einige fundamentalistische Gewalttäter, die immer wieder in den Nachrichten sind. Gerade gestern gab es wieder einen Anschlag wo mehrere Menschen getötet wurden im Namen einer religiösen Richtung. Ich hoffe das dieser Text noch in ein paar Jahren online ist. Und das diese eine Religion, die in den letzten Jahren wegen fundamentalistischen Gewalttätern besonders in die Schlagzeilen gekommen ist dann nicht mehr in den Schlagzeilen ist.

Auf jeden Fall ist eine Religiosität, die zur Gewalttätigkeit führt, und die zu Attentaten führt, Selbstmordattentaten führt tamasig.

Auch eine Religion, die Empfehlungen hat, auch spirituelle Richtungen, die ungesund sind, die das Leben von Menschen negativ beeinflussen, wäre auch tamassig.

Ich möchte dort grade etwas erwähnen. Es gibt in Amerika eine philosophische Richtung, die nennt sich der Philosophische Pragmatismus. Ein bekannter Vertreter dieser Richtung war William James. William James war auch der Begründer der Religionswissenschaft, auch ein Philosoph, ein Religionswissenschaftler, jemand der den spirituellen Richtungen, den religiösen Richtungen mit großem Respekt gegenüber stand, der auch mit Vertretern von östlichen Religionen in Kontakt stand. Und er hat gesagt wir können den Wahrheitsgehalt von Religionen nicht überprüfen. Und kein Mensch sollte sich das anmaßen. Wir können auch nicht die Korrektheit der philosophischen Richtungen überprüfen oder beurteilen. Was wir aber machen können, wir können schauen welche Auswirkungen hat es wenn Menschen eine gewisse Spiritualität leben.

Rechtes Verhalten erzeugt blühende Landschaften

Wenn Menschen eine gewisse Religiosität oder Spiritualität leben und dazu gebracht werden das sie dann gesünder sind, wenn sie dabei ein glücklicheres Leben führen und wenn sie sich dadurch mehr engagieren für das Wohl Anderer, dann wäre das eine gute Religiosität.

Wenn aber eine bestimmte religöse Richtung dazu führt das Menschen entweder ungesünder sind, unglücklicher sind, höhere Selbstmordrate haben, höhere psychische Erkrankungsrate haben, wenn die Kriminalitätsrate steigen würde oder wenn sie aggressiv gegenüber Mitmenschen sind, dann wäre da keine gute Religion, religiöser Glaube, spirituelle Richtung.

Und die Betrachtungsweise dieses amerikanischen Pragmatismus hat sich durchaus bewusst oder unbewusst in die moderne Gesellschaft eingegraben könnte man sagen. Und es ist sinnvoll. Und wir würden vom Yoga her sagen eben spirituelle religiöse Richtungen, die Menschen unethisch machen vom Standpunkt einer übergeordneten Ethik, Menschenrechte, nicht töten, nicht verletzen, nicht lügen, nicht stehlen, Vermeidung sexuellen Fehlverhaltens, Unbestechlickeit, also wenn von diesem Standpunkt und auch den Menschenrechten der Mensch zu unethischem Verhalten gebracht wird ist es tamassige Spiritualität. Und bei der tamassigen Spiritualität würde man sagen, das soll ich so nicht tun.

Eine Spiritualität dagegen, die dich erhebt, die dich gesünder macht, die dich in deine Kraft hinein bringt, die ein zufriedenstellendes Leben ermöglicht, die dir hilft für Andere Gutes zu tun, dich zu einem ethischen Menschen macht, das ist dann eher ein sattwige Spiritualität.

Rajassige Spiritualität

Rajassige Spiritualität ist eine Spiritualität, die den Menschen arrogant macht und überheblich macht. Rajasige religiöse Richtungen sind solche, die Alleinvertretungsanspruch haben. Die sagen nur durch meine Religiösität kommst du zu Gott. In früheren Zeiten haben das zum Beispiel christliche Konfessionen behauptet. Sie haben gemeint nur durch diese konkrete Richtung kommt man in den Himmel. Die Evangelischen haben gesagt die Katholiken kommen in die Hölle. Für die Katholiken war klar die Evangelischen Sektierer gehören in die Hölle, und die Moslems sowieso und die hinduistischen und die afrikanischen Barbaren sowieso.

Heutzutage haben die Christen dort etwas anderes. Die großen Kirchen, Evangelische und Katholische Kirche haben anerkannt, zumindest in ihren offiziellen Doktrinen, ihren offiziellen Theologien das es verschiedene Wege zum Heil gibt und das Gott sich in verschiedenen Kulturen unterschiedlich offenbart hat und das es unterschiedliche Weisen gibt Religion zu leben. Und das gilt es auch anzuerkennen das die großen christlichen Kirchen dort eine große Wende vollzogen haben.

Und auch die großen muslimischen Universitäten stehen auch auf den Standpunkt das man auf verschiedene Weisen zu Gott kommen kann und dass das Heil auch im Christentum, im Judentum und in anderen Religionen zu finden ist. Es ist wenig bekannt aber die großen islamischen Universitäten und die großen Gelehrten der islamischen Welt vertreten diesen Standpunkt in ihren Verlautbarungen recht klar.

Im Judentum war es immer schon angelegt. Die Juden sehen sich als auserwähltes Volk an aber sie erkennen an, das es außerhalb des Judentums Wege zum Heil gibt. Und die fernöstlichen Religionen und die Schamanistischen Religionen gehen sowieso davon aus. Da gibt es überhaupt nicht die Frage. Für einen Buddhisten gibt es überhaupt keine Frage ob es auch außerhalb des Buddhismus einen Weg gibt zum Heil. Für Hindus gibt es auch keine Frage das es andere Wege zum Heil gibt. Für Taoisten, Konfuzianer und die Schamanistischen Religionen sowieso nicht.

Rajasige Spiritualität könnte auch heißen: mein Weg ist besser als andere. Natürlich muss man auch sagen typischerweise werden Aspiranten sagen das ihr Weg ganz besonders gut ist. Wenn man nämlich annehmen würde das ein anderer Weg besser ist dann würde man den anderen gehen. Warum würde man einen Weg gehen und finden der andere wäre besser.

Logischerweise meint jeder ernsthafte Aspirant sein Weg ist besonders gut. Meine persönliche Meinung ist natürlich: der Yoga Vidya Weg ist ganz besonders gut. Er ist genial als spiritueller Weg, als Weg, der die ganze Persönlichkeit kultiviert, als Weg der integrierend ist, der auch andere Elemente hinein bringt, der spirituelle Führung verbindet mit Selbstverantwortung, einfach genial.

So, bevor ich mich jetzt weiter beweihräuchere und unser System beweihräuchere will ich auch noch einmal sagen: natürlich bin ich der Meinung unser Weg ist besonders gut. Wenn ich finden würde das irgendwo etwas besser wäre würde ich es natürlich sofort intgrieren. Da haben wir ja keine Hemmungen. Aber ich weiß auch das andere Traditionen genau so gute Gründe haben ihren Weg auch für besser zu finden als andere. Und so kann man das humorvoll nehmen und mit Respekt andere Wege anschauen und von einander lernen. Dialog zwischen spirituellen Richtungen ist wichtig.

Sattwige Spiritualität

Yogastunde: Spirituelle Praxis in Gemeinschaft

Sattwige Spiritualität, also Spiritualität mit Wunsch nach Gott, Spiritualität, die ethisch ist, Spiritualität, die auch gesund ist, Spiritualität, die einen zu einem besseren Menschen macht, im Sinne von einem ethischeren Menschen, einem engagierten Menschen, ein Mensch, der gutes bewirken will und das auf ethische Weise tut.

Auch der einzelne Mensch kann seine Spiritualität, sattwig, Rajasig, tamasig wählen oder leben. Zunächst einmal ist wichtig das man einen spirituellen Weg wählt der sattwig ist. Das ist wichtig. Es gibt genügend Menschheitsverführer, die den tamasigen Weg gehen. Und es scheint so zu sein als ob die Fanatiker ein besonderes Charisma haben. Vermutlich ist es so, wer engstirnig ist und ganz überzeugt ist, dem fällt es leichter diese Begeisterung auszustrahlen. Ein Mensch, der in der Lage ist es so zu sehen und auch anders zu sehen und zu schauen das eine ist richtig und das Gegenteil ist es auch, der hat vielleicht nicht eine solche Ausstrahlung. Daher sei besonders vorsichtig wenn du vor einer charismatischen Person bist, die vollkommen voller Begeisterung spricht:

  • Überlege was ist die spirituelle Richtung?
  • Wie gehen die Menschen um mit Andersgläubigen?
  • Wie gehen sie um mit denen, die diese spirituelle Richtung verlassen wollen?
  • Welche andere Richtungen sind in Harmonie mit dieser spirituellen Richtung?
  • Wie ist die Ethik?
  • Wie ist Ahimsa? usw.

Sattwige Spiritualität in tamasiger Weise leben

Die zweite Sache ist, wenn du selbst den spirituellen Weg gehst dann gibt es zwei Möglichkeiten das du ihn tamasig gehst wenn du eine sattwige spirituelle Richtung hast.

Eine Form von tamasiger Spiritualität wäre du praktizierst zu wenig, bist nicht konsequent genug.

Die zweite Form von tamasiger Spiritualität wäre du machst alles irgendwie schräg und eigenartig und statt das es dir besser geht, geht es dir schlechter. Wichtig, gerade am Anfang auch mal zu einem spirituellen Lehrer zu gehen, eine Yogastunde zu besuchen, vielleicht eine Zeit im Ashram zu verbringen, um sicher zu sein, dass du das was du machst auch gut machst.

Tamasig könnte könnte auch heißen das du mit dem was du tust auf irgend eine Weise Schaden zufügst, vielleicht nicht deine Aufgaben erfüllst, die du zu erfüllen hast. Vermeide also die Rajas-Falle. Rajasige Spiritualität könnte heißen Arroganz und Überheblichkeit. Wenn du dich mal sagen hörst zu einem anderen da bin ich drüber hinaus, das brauche ich nicht mehr, du bist noch nicht so weit, spätestens dann weißt du, du bist in die Arroganz-Falle getreten.

Du weißt nicht was die Zukunft bringt. Die Menschen, denen du vorwirfst das sie noch nicht so weit sind, sind vielleicht Heilige, vielleicht haben sie noch ein bisschen Karma auszuarbeiten und in ein paar Tagen erreichen sie das Erwachen. Du weißt es nicht.

Vielleicht wirst du vom spirituellen Weg abkommen. Vielleicht hält der andere seine spirituellen Erfahrungen geheim, spricht nicht darüber. Sei also vorsichtig, bleibe demütig, behandle andere voller Respekt und sei dir bewusst jeder bemüht sich auf seine eigene Weise das Richtige zu tun. Stelle dich nicht über Andere und eine andere Form von rajasiger Spiritualität wäre strebe eben nicht nach Anerkennung für deine spirituellen Heldentaten.

Es ist gut spirituell zu praktizieren und man kann auch darüber sprechen um Andere zu inspirieren. Aber erzähle nicht über deine spirituellen Heldentaten um Anerkennung zu bekommen.

Manchmal erlebt man Menschen, die in einer Gruppe immer etwas erzählen was sie gemacht haben. Manchmal tun sie es, um aus ihrer Erfahrung zu sprechen und so andere zu inspirieren. Aber manchmal merkt man sie machen es aus Geltungstrieb. Jemand sagt: Oh mir fällt es so schwer jeden Tag zu meditieren. Und jemand antwortet: Mir fällt das ganz leicht. Ich mache jeden Tag eine halbe Stunde. Ein anderer sagt: Ja mir ist es jetzt endlich gelungen jeden Tag zwei Runden Kapalabhati und drei Runden Wechselatmung zu machen. Wenn dann die Antwort ist: Ha, ich mache fünf Runden Kapalabhati und eine halbe Stunde Wechselatmung dann wird es bemerkbar da hat jemand Anerkennungsstreben und das ist nicht so gut.

Bleibe demütig. Wenn es dir um Anerkennung geht engagiere dich im Beruf. Sorge um Erfolg, da ist es gut. Aber versuche nicht über deine Spiritualität dein Ego zu befriedigen. Das ist ein Mix, der nicht besonders gut ist.

Also lebe deine Spiritualität sattwig, sei konsequent, sorge dafür das die spirituelle Praxis dir gut tut, körperlich und psychisch. Sorge dafür das deine spirituelle Praxis dir hilft dich für eine gute Sache einzusetzen und lebe ein ethisches Leben. So kommst du auf dem spirituellen Weg gut voran.

Hinweise

Mehr Informationen über den spirituellen Weg auf unseren Yoga Vidya Internetseiten. Dort ist ein Suchfeld. Dort kannst du zum Beispiel eingeben „Der spirituelle Weg“ oder eben auch „Spiritualität“ oder auch jedes andere Wort, das mit Yoga und Meditiation, Ayurveda und Gesundheit zu tun hat und du wirst etwas finden, was dich hoffentlich inspiriert.

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Alles Gute, bis zum nächsten Mal.

Video - Sattwige, rajassige und tamasige Spiritualität

Spiritualität und andere Begriffe

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Religion und Spiritualität

Es gibt Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Religion und Spiritualität. Religion ist immer auch verbunden mit sozialen, wirtschaftlichen, organisatorischen Fragen. Man kann sagen, dass eigentlich Essentielle einer Religion ist die Spiritualität. Wenn man von einer Religion die soziologischen, gesellschaftlichen und hierarchischen Teile abzieht, bleibt Spiritualität übrig.

Spiritualität kann jedoch auch religionsübergreifend sein und auch ohne konkrete Religionszugehörigkeit existieren. Die meisten großen spirituellen Meister der verschiedensten Weltreligionen haben aus verschiedenen Religionen geschöpft, haben Brücken geschlagen oder schlagen wollen zwischen Religionen.

Glaube und Spiritualität

In den Religionen kann mehr Wert auf Glaube oder mehr Wert auf Spiritualität gelegt werden:

  • Glaube heißt Vertrauen, dass man wenn man die Vorschriften seiner Religion befolgt, man nach dem Tod die Erlösung erlangt
  • Spiritualität heißt, nicht auf den Tod warten zu wollen, sondern so zu leben, dass man in diesem Leben das Göttliche erfährt

Oft haben jedoch im praktischen Alltag Glaube und Spiritualität mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Auch der spirituelle Mensch glaubt an eine höhere Wirklichkeit. Und gläubige Menschen praktizieren meist mit großer Inbrunst - und spüren die Gegenwart und Führung Gottes.

Spiritualität und Esoterik

In den 70er und 80er Jahren war der Ausdruck Esoterik sehr populär. Esoterik heißt "innerer Kreis" bzw. die inneren Praktiken und Lehren jeder Religion. In diesem Sinn ist Esoterik das gleiche was heutzutage unter Spiritualität verstanden wird. Da heutzutage oft Esoterik auf Kartenlegen, Astrologie, Channeling und Edelsteinberatung etc. reduziert wird, definiert sich Spiritualität oft in Abgrenzung von der Esoterik: Spiritualität ist lebendige Erfahrung des Göttlichen. Dazu braucht es keiner äußeren Hilfsmittel wie Horoskop, Edelsteine oder Channelmedien. Vielmehr gilt es zu praktizieren - dabei kann allerdings ein spiritueller Lehrer hilfreich sein.

Spiritualität und Philosophie

Spiritualität wird meist auf der Basis einer spirituellen Philosophie praktiziert. Philosophie ist heutzutage normalerweise hauptsächlich Gedankengebäude, basiert auf dem Intellekt. Spiritualität heißt, den Intellekt transzendieren zu wollen, sich nicht Gedankengebäude zu erbauen und ein Bild von der Wirklichkeit zu schaffen. Vielmehr heißt Spiritualität, die Wahrheit direkt wahrnehmen zu wollen. Und Spiritualität heißt, die spirituellen Überzeugungen im Alltag auch zu leben.

Von der Wortbedeutung her sind Spiritualität und Philosophie allerdings nicht so weit voneinander entfernt: Philosoph heißt "Freund (Philo) der Wahrheit (Sophie) - genau das ist ein spiritueller Mensch auch. Nur der Spirituelle Mensch will die Wahrheit auch erfahren und aus ihr heraus den Alltag leben.

Religionen

Die Religionen brachten unterscheidbare spirituelle Strömungen hervor. Dies hat zunächst mit der verschiedenen Erfahrung, Beschreibung und Benennung der höheren Instanz oder Wirklichkeit in den religiösen Traditionen zu tun: Gott (im Islam: Allah), eine Gottheit, Tao, Brahman, Maha-Atman, Shunyata u.a. Vielfach ist eine Laienspiritualität aus einer klösterlichen oder mönchischen hervorgegangen, hat diese dann aber häufig verändert. Die Ausprägung von Spiritualität ist allerdings immer sehr individuell, da Lebens- und Erfahrungsgeschichte jeden spirituell lebenden Menschen prägen.

Buddhastatue in Bodhgaya, dem Ort, wo Siddhartha Gautama die Erleuchtung erlangte

Buddhismus und Hinduismus

Das spirituelle Ziel im Buddhismus und im Hinduismus ist die Erleuchtung (Moksha). Der Weg der Erleuchtung besteht im Wesentlichen aus Gedankenarbeit (die fünf Eigenschaften innerer Frieden, umfassende Liebe, Weisheit, Selbstdisziplin und inneres Glück üben) und Meditation. Dann kommt der Geist zur Ruhe, das innere Glück erwacht und der Mensch ruht in seiner wahren Natur (Patanjali Yogasutra).

Patanjali erklärt dazu in seinem Yogasutra, dass Yoga im Wesentlichen das Beruhigen der Gedanken ist. Inneres Glück entsteht durch den Dreischritt aus Konzentration, Meditation und Samadhi. Erst bringt man durch Konzentration seine Gedanken bewusst zur Ruhe. Dann beobachtet man die Gedanken nur, lässt sie frei fließen und sich von selbst im Laufe der Zeit weiter beruhigen. Irgendwann gibt es einen inneren Umschwung, und man ist im Glück. Der Mensch ruht in Brahman, im Sat Chit Ananda (Sein-Einheitsbewusstsein-Glückseligkeit).

Eine große Gefahr auf dem spirituellen Weg ist das formale Üben, bei dem man leere Rituale praktiziert, die einen spirituell nicht wirklich voranbringen. Buddha wandte sich gegen diese Form des spirituellen Übens. Er riet den Brahmanen statt äußerlich perfekter Rituale lieber die Erleuchtung (Vereinigung mit Brahma) zu verwirklichen. Ohne eine eigene Erleuchtungserfahrung (Brahma von Angesicht sehen) blieben alle ihre spirituellen Unterweisungen nur leeres Gerede.

Dabei könne einem nur jemand helfen, der das spirituelle Ziel bereits kennt. Deshalb heben der tibetische Buddhismus und der hinduistische Yoga (Swami Sivananda, Amritanandamayi, Mutter Meera) die Bedeutung eines erleuchteten Meisters hervor. (Swami Sivananda: Göttliche Erkenntnis, Seite 58.) Andererseits gibt es gerade im Hinduismus und manchmal auch im tibetischen Buddhismus kritikwürdige Gurus. Der Dalai Lama empfiehlt deshalb jeden Meister genau zu prüfen, bevor man sich auf den Weg mit ihm begibt. (Dalai Lama: Dzogchen. Seite 40.)

Christentum

Unter christlicher Spiritualität versteht man jene spezifische Form von Spiritualität, in deren Mittelpunkt die persönliche Beziehung zu Jesus Christus steht. Sie ist immer auch biblische Spiritualität und rückgebunden an urchristliche Praktiken. Dazu zählen je nach persönlich gelebter Frömmigkeit auch Askese und Mystik. Dabei weist sie über konfessionelle Grenzen und Besonderheiten hinaus. In der christlichen Spiritualität wird individuelle Vervollkommnung nicht nur durch Techniken wie Kontemplation, Lesen der Bibel, Gebet, Nächstenliebe, Wallfahrten, Kirchenmusik) als erreichbar angesehen, sondern insbesondere als Gnade Gottes erlebt. Christliche Spiritualität umfasst nicht nur religiöse Rituale, sondern drückt sich durch die Spiritualität im Alltag aus. Auch kleine Dinge können eine religiöse Bedeutung bekommen und so zur christlichen Umformung des Menschen beitragen.

Islam

Die fünf Grundpfeiler des Islam sind Gebete, rituelle Waschungen, Pilgerfahrten, Fasten und Almosen. Den Weg der Spiritualität finden wir insbesondere im Sufismus.

Wege zur Gelassenheit – Schwerpunkt Spiritualität

Niederschrift eines Podcasts (2014) von Sukadev

Der Königsweg zur Gelassenheit, Buch von Sukadev Volker Bretz und Ulrike Schöber

Eine spirituelle Lebenseinstellung und eine tief verankerte spirituelle Erfahrung hilft dir zu tiefer Gelassenheit. Laut Jnana Yoga bist du jetzt schon vollkommen, eins mit der Weltenseele. Du brauchst dich nicht unter Stress zu setzen. Laut Bhakti Yoga macht Gott alles. Du bist nur Instrument, Gott macht alles. Er hat daher auch die Verantwortung. Laut Raja Yoga kannst du dich von der Identifikation mit deinen Emotionen lösen und dich als Führungspersönlichkeit, als Raja, als König etablieren und den Ratschlägen deiner Minister lauschen. Im Karma Yoga verrichtest du deine Aufgaben und lässt los. Kundalini Yoga hilft dir über ein gutes Energieniveau, Gelassenheit und Stärke zu erreichen. Und Kundalini Yoga hilft dir auch, höhere Bewusstseinsebenen zu erreichen. Hatha Yoga hilft dir, über Körperübungen einen gelassenen Gemütszustand zu erreichen. Letztlich ist Gelassenheit ein Mittel zur Erleuchtung. Und letztlich kann nur die Erleuchtung dir die vollste Gelassenheit bei vollem Engagement geben.

"Samatva" ist der yogische Ausdruck für Gelassenheit. Krishna definiert Yoga unter anderem als "Yoga Samatvam ucyate. Yoga heißt Gelassenheit." Aber auch "Yoga karmasu kausalam. Yoga heißt Geschick im Handeln." Der kluge, gelassene Mensch ist der, der sagt: "Das, was sofort umsetzbar ist, das setze ich sofort um. Das, worüber ich nachdenken sollte, darüber denke ich nach. Und das andere muss ja jetzt erst mal nicht sein."

Wenn ihr Jnana Yoga tief verstanden habt, dann habt ihr wirklich eine heitere Gelassenheit. Wenn ihr wirklich wisst, selbst wenn es nur intellektuelle Überzeugung ist, die vielleicht genährt wird durch die ein oder andere meditative Erfahrung: "Ich bin unsterbliches Selbst. Ich bin verbunden mit der Weltenseele. Ich bin verbunden mit allen Wesen und die ganze Welt ist ein Ausdruck davon. Und die ganze Welt ist mehr oder weniger wie ein Schauspiel Gottes oder wie ein Traum Gottes mit großem Drama und vielen Ungerechtigkeiten und Leid im Leben."

Aber vor dem Hintergrund, dass die Seele durch viele Inkarnationen hindurchgeht – wenn man das als Möglichkeit in Betracht ziehen will – kann auch ein schmerzhaftes und leidendes Leben nur eine Episode sein. Angenommen, ihr hättet Gedächtnisschwund und wüsstet nicht mehr, was gestern war, dann ist das, was an diesem Tag war, nicht so wichtig. Wenn man aber sagt, so viele Inkarnationen, dann mag das eine Leben viele schlimme Erfahrungen bringen, aber bei allem bleibt eins gleich: "Ich war, bin und bleibe unsterbliches Selbst. Zum Leben gehört auch dazu, dass ich wachse. Leben hat einen Sinn, Schicksal ist eine Chance. Es geht darum, einiges zu bewirken. Es geht darum, zu lernen und zu wachsen. Aber das Ganze ist mehr oder weniger ein Spiel. In Wahrheit bleibe ich das Unendliche und Ewige, das unendliche und ewige Selbst, der unendliche, ewige göttliche Kern."

Bhakti Yoga

Inmitten von dieser ganzen Welt – und da kommen wir zum Bhakti Yoga – gibt es eine göttliche Kraft, ob wir sie Gott nennen, Göttin , kosmische Energie, das Göttliche, dann können wir sagen: "Ja, auch hinter dem ganzen Universum ist diese göttliche Kraft, alles macht irgendwo einen Sinn. Auch wenn ich als kleines Menschlein diesen Sinn nicht erfahre und nicht verstehe - es wird schon einen Sinn machen. Und wenn es diesen höheren Sinn gibt und wenn Gott, Göttin, das Göttliche, dieses höhere Prinzip, all das schafft, dann muss Er, Sie, Es sich auch etwas dabei gedacht haben. Und dann muss ich auch so okay sein, wie ich bin, da muss auch das Universum so okay sein, wie es ist, und dann mag auch ich eine Aufgabe haben im Teil dieses göttlichen Dramas, aber ich kann gelassen herangehen."

So wie Swami Vishnu uns gerne gesagt hat: "Gott wirkt auch durch deine Fehler." Oder auch etwas, was mir eine Schülerin vom Swami Vishnu mal gesagt hatte, als ich aufgefordert wurde, etwas zu machen, nämlich als Neunzehnjähriger einen Meditationskurs zu geben, wo das durchschnittliche Alter der Teilnehmer doppelt so alt war wie meins, die zum Teil Yoga erheblich länger geübt hatten als ich. Dann hat sie so gesagt: "Wenn Gott gewollt hätte, dass dort jemand wäre, der besser ist als du, dann hätte er jemand anderes dafür gefunden. Er hat dich dorthin gestellt und deshalb bist du der Beste." In dem Fall, es gab tatsächlich niemand anderes, es wäre entweder ich gewesen oder der Kurs wäre ausgefallen. Ich habe mich nicht danach gedrängt.

Das hat mir seitdem immer wieder geholfen, wenn ich in Situationen hineingeführt wurde, wo ich gedacht habe, jemand anderes könnte die besser meistern. Ich bin nämlich keiner, der von Natur aus zu Überheblichkeit neigt, ich bin von Natur aus einer, der eher etwas schüchtern ist und eher abwartend ist, aber gelernt hat, damit gut umzugehen. Und ich brauche nicht vollkommen zu sein, denn wenn Gott gewollt hätte, dass jemand Besseres das macht, was ich mache, dann hätte er ihn oder sie in die Situation hineingestellt. Und genauso auch, wenn irgendjemand gesucht wird für etwas und dann denkt man sich ja manchmal, "der muss so und so sein", und dann sucht man nach dem oder der Idealen und nachher kommt gar niemand. Dann kann man davon ausgehen, Gott schickt dir sie oder ihn, und er oder sie ist genau der oder die Richtige, denn wenn es jemand Besseres gegeben hätte in der Situation, dann hätte Gott ihn oder sie auch geschickt.

Und manchmal wird man auch überrascht, dann kriegt man jemanden geschickt, wo man gedacht hat, hätte ja nicht besser kommen können. Und natürlich, manchmal muss man auch mal abwarten, man darf bei manchen Situationen nicht die erstbeste Entscheidung treffen, sondern manchmal gilt es abzuwarten, aber in mancherlei Situationen ist auch die erstbeste die beste Entscheidung. Das war die Perspektive Bhakti Yoga.

Raja Yoga

Zen Buddha Mönch Meditation Achtsamkeit.jpg

Karma Yoga sagt uns, das Leben hat Aufgaben, Schicksal ist eine Chance, wir wachsen, wir machen Erfahrungen, wir können einiges beitragen, und wir brauchen nicht vollkommen zu sein. Einiges aus dem Raja Yoga im Sinne von geschickter Umgang mit euren Ministern, Familienmitgliedern, inneren Anteilen, wie auch immer ihr das bezeichnen wollt, Nichtidentifikation, geschickt damit umgehen, euch nicht tyrannisieren lassen von einem, aber anerkennen, auch wenn ihr euch wehren müsst, ihr habt nur Gutes in euch von der Intention her. Von der Intention her heißt nicht, dass, wie es sich auswirkt, gut ist, und dass es gut ist für eure Gesundheit und die Gesundheit anderer, aber von der Intention her ist alles erst mal gut.

Und dieses Modell, Anteile in euch, Minister in euch, miteinander kommunizieren zu lassen, kann ein guter Ansatz sein. Den kann man ausweiten im Umgang mit anderen Menschen, anerkennen, dass auch andere alle gute Anteile haben, die manchmal nur komisch erscheinen, dass es gut ist, Herzensverbindung aufzunehmen mit anderen Menschen. Letztlich, indem man so mit sich umgeht, lernt man weniger Identifikation. Und letztlich geht es ja darum, uns wieder zu erfahren als das unsterbliche, ewige Bewusstsein. Und das fällt leichter, wenn ihr euch löst, als dass ihr versucht, gegen euch anzukämpfen.

Der Kampf gegen sich selbst, den kann man übrigens fast nie gewinnen. Druck erzeugt Gegendruck und gerade wenn man Leuten, die es gut meinen, vorwirft, sie meinen es böse, und man muss sie deshalb bekämpfen, schon weil sie es gut meinen und einen überzeugen wollen, dass sie es gut meinen, werden sie nicht nachgeben. Und dieses Raja Yoga Modell ist eine Weise, den Kampf zu beenden. Trotzdem ist das nicht so einfach. Man hat verschiedene Minister und stellt dann fest, der eine soll doch mal eine Weile nicht recht behalten und der setzt sich trotzdem zur Wehr. Es ist nicht immer ganz so leicht, wie ich gesagt habe. Nicht immer reicht das aus. Aber es ist ein zusätzlicher guter Ansatz.

Eine Hilfe ist auch, sich hinein zu versetzen in andere Menschen, die Welt durch die Augen eines anderen zu sehen, so entsteht auch Liebe und auch das ist das, was Spiritualität heißt, das Göttliche im anderen zu sehen, bedingungslose Liebe zu haben oder vielleicht auch erwartungslose Liebe oder eine Liebe, die mit eigenen Erwartungen und Bedingungen auch gleichmütiger umgehen kann. Wenn wir das dann noch ergänzen mit Praktiken, dann ist das Ganze ein schöner Weg, wobei ihr sehen könnt, was von diesem ganzheitlichen Weg zur Gelassenheit für euch hilfreich ist.

Hatha Yoga

Als Praktiken empfehle ich täglich Asanas und Pranayama. Mein Tipp wäre, macht mindestens eine Viertelstunde jeden Tag, macht das, wo ihr denkt, dass es für euch gut ist. Fortgeschrittenere machen mindestens eine Stunde am Tag alles zusammen, Asanas, Pranayama und Meditation. Die weniger Fortgeschrittenen jeden Tag etwas, z.B. eine Viertelstunde, und einmal die Woche etwas mehr, vielleicht einen wöchentlichen Yogakurs oder einmal die Woche mit einer CD oder DVD oder nach eigenem Gedächtnis oder Yogabuch.

Das ist so eine Art Grundhygiene, kann man sagen. So wie die Zähne jeden Tag Zähneputzen brauchen und die Haare für die meisten Kämmen brauchen, ihr kennt sicher noch andere hygienische Maßnahmen, die täglich sein müssen. So ähnlich ist es wie eine Art Geistes- und Prana- und Körperhygiene, jeden Tag etwas zu machen, was einem dort gut tut auf dem Gebiet Asanas, Pranayama, Meditation. Oder vielleicht habt ihr auch andere Sachen aus anderen Kontexten, die euch dort hilfreich sind. Und einige Sachen könnt ihr auch anwenden, wie Bauchatmung, Lampenfiebertransformation, Ärgertransformation, spielerisch mit Körperhaltungen experimentieren. Und besonders wichtig ist die Meditation.

Mittelfristig wird euch die Meditation gelassener machen, langfristig wird die Meditation zur Erleuchtung führen. Und wenn man die Erleuchtung hat und Einheitserfahrung hat, dann stellt sich nicht mehr die Frage: "Wie soll ich gelassen leben?" Das wird eine natürliche Swarupa, es geschieht einfach. Ein Buddha oder ein Swami Sivananda mussten nicht überlegen: "Wie bleibe ich gelassen im Alltag?" Sie waren es. Und die Gelassenheit im Alltag ist dann auch wieder in jedem Temperament etwas anders.

Krishna hat Gelassenheit definiert als: "Samatvam Yoga Ucyate. Yoga ist Gelassenheit." Und Patanjali sagt: "Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geist. Tada Drashtuh Swarupe Vasthanam. Dann ruht der Sehende in seiner wahren Natur." Und so ist es durchaus im Sinne der Gelassenheit und im Sinne des Ziels der Gelassenheit, wenn das gesamte Yogasystem abgehandelt wird unter dem Thema "Gelassenheit". Man kann das Yogasystem unter dem Gesichtspunkt Bewusstseinserweiterung abhandeln, man kann es abhandeln unter dem Gesichtspunkt Hingabe, man kann es abhandeln unter dem Gesichtspunkt Energie und Erkenntnis.

Sattwige, rajasige und tamasige spirituelle Wege

Artikel von Sukadev Bretz, erschienen im Yoga Vidya Journal März 2011

Om Mani Padme Hum

Auch wenn es viele Wege nach Rom gibt – wenn man Rom als Symbol für Erleuchtung bezeichnet – führen nicht alle Wege nach Rom, zumindest nicht kurzfristig. Langfristig ja, weil wir uns so lange inkarnieren, bis wir die Selbstverwirklichung erreichen. Es ist gar nicht möglich, die Selbstverwirklichung nicht zu erreichen. Aber es gibt Wege, die dorthin führen und andere nicht. Es gibt sattwige, rajasige und tamasige Wege.

Tamasige spirituelle Wege

Die tamasigen Wege sind gewaltsam, fanatisch oder auch selbstzerstörerisch. Alle paar Jahre gibt es eine Sekte, die ihre Anhänger zu kollektivem Selbstmord aufruft, in der Kinder missbraucht werden oder Teufelsanbeterei praktiziert wird. Das hat mit Religion wenig zu tun. Aber es gibt auch echte Satanismuskulte, die meinen, sich mit einer höheren Kraft zu verbinden.

Rajasige spirituelle Wege

Dann gibt es rajasige Wege, die glauben, sie sind die Einzigen, die Schnellsten oder die Besten. Dazu noch eine kleine Einschränkung: In der heutigen Gesellschaft haben viele Suchende eine Vata-Störung, d.h. viele Menschen wollen sich nirgendwo festlegen oder hundert Dinge gleichzeitig oder hintereinander machen, aber niemals tief. Und so wollen viele Meister ihre Schüler etwas mehr inspirieren, indem sie sagen, dass ihr Weg ganz besonders gut ist. Wenn man den Vorträgen mancher Meister zuhört, kann man denken, dass sie etwas rajasig und eingebildet sind. Da muss man schauen, ob das auch im Alltag zutrifft. Wie gehen sie mit anderen Meistern um?

Ich werde nie einen Besuch in einem indischen Ashram vergessen. Der Lehrer kam herein und so richtig indisch haben sich alle vor ihm verbeugt. Er wurde dort sehr verehrt. Mir wurde etwas mulmig dabei. In der Sivananda Tradition ist das erheblich weniger. Auch wenn es manchmal Videos gibt, wo Swami Sivananda sehr verehrt wird. Aber im Ashram haben sie mir gesagt, dass das nur als Ausnahme an Guru Purnima vorkam oder in den letzten Jahren, als Swami Sivananda nicht mehr die Kraft hatte, sich dagegen zu wehren. Normalerweise hat er sich sehr gegen Guru-Verehrung gewehrt. Und Swami Vishnu sowieso. Aber in diesem indischen Ashram war ein Lehrer, der verehrt wurde und über den dann noch großartige Lobreden gehalten wurden. Danach wurde ein anderer Meister vorgestellt, der das erste Mal in diesem Ashram war und aus einer ganz anderen Tradition kam. Jetzt wurde dieser über alle Maßen gelobt, verehrt und auf die Bühne gestellt.Jetzt war plötzlich er der Größte. Das war also einfach der Hang der Inder zur Übertreibung, wie so oft bei südländischen Völkern. Sie waren nicht fanatisch, sondern einfach überschwänglich. Westler missverstehen das häufig und nehmen es wörtlich, so dass aus einer ursprünglich sehr weiten Spiritualität plötzlich etwas Fanatisches wird.

Sattwige spirituelle Wege

Sattwige spirituelle Wege führen zur Erleuchtung, geben keine falschen Versprechen, gehen respektvoll mit anderen Traditionen um und überfordern das Individuum nicht. Sie ermöglichen die Entfaltung des Indidividuums auf dem Weg zur Erleuchtung.

Der spirituelle Weg - Aus der Sicht der Evolution bzw, Involution

Ein Artikel von Katyayani Ulbricht, veröffentlich im Yoga Vidya Journal Nr.31 - Herbst 2015

Der ganzheitliche Yoga nach Swami Sivananda lehrt die 6 Yogawege Hatha Yoga, Kundalini Yoga, Karma Yoga, Bhakti Yoga, Raja Yoga und Jnana Yoga. Jeder einzelne Weg zeigt konkrete Schritte zur Selbstverwirklichung. Dennoch durchdringen sich die Yogawege, bedingen sich gegenseitig und gelangen so zu ihrer vollen Entfaltung.

Viele Menschen fühlen sich ganz oder zeitweise von einem Yogaweg besonders angezogen. Während sie tiefer und tiefer dort eintauchen, kommen die anderen Yogawege wie von selbst dazu – ob nun bewusst oder unbewusst. Man kann, je nach Herangehensweise, die einzelnen Wege systematisch beschreiten und integrieren. Die meisten Menschen finden über Hatha Yoga zum Yoga in seiner Ganzheit. Dies kann aus Sicht unserer Evolution und Involution erklärt werden.

Das schlafende Bewusstsein

Das schlafende Bewusstsein erwacht im Laufe der Evolution, offenbart sich mehr und mehr bis es letztlich befreit ist und als reines oder universelles Bewusstsein ganz aufgeht. Als Mensch geboren kommen wir auf der Erde an. Das Erdelement steht auch für Schwere, Trägheit, Starrheit, was evolutionär betrachtet den Steinen oder den Pflanzen entspricht.

Als Babys können wir anfangs nur impulsive, instinktive Bewegungen ausführen, ähnlich den Tieren (was auch dem Sinn Riechen zugeordnet wird). Später lernen wir koordinierte Bewegung, Sprache usw. Aber bis wir unseren Körper wirklich beherrschen, braucht es eine lange Zeit; für eine vollkommene Transzendenz vermutlich mehrere Inkarnationen. Hier sind wir anfangs hauptsächlich von Unwissenheit geprägt. Zum Beispiel lernen wir zunächst bestimmte Abläufe, zeitgemäßes Verhalten, Ansichten usw. von anderen Menschen und der Gesellschaft, in der Regel ohne dies zu hinterfragen. Wir funktionieren nahezu wie eine Maschine aus dem Überlebensdrang heraus gesteuert.Mit Yoga oder anderen spirituellen Übungswegen beginnt die Involution des Menschen.

Hatha und Kundalini Yoga

Hatha Yoga und Kundalini Yoga bewirken, den eigenen Körper zu erspüren, kennenzulernen. So entsteht ein tieferes eigenes Gewahrsein. Das führt zum Entdecken des Gemüts bzw. Geistes (im Englischen eindeutiger ausgedrückt: mind). Wir werden uns unserer Gedanken- und Verhaltensmuster mehr und mehr bewusst. Wir beginnen uns selbst im Gemüt zu fühlen.

So gehen wir bewusst in Beziehung zu uns selbst und in Resonanz mit anderen. Es entsteht eine bewusste Bewegung im Geist und im Gemüt. Vom Erdelement bewegen wir uns sozusagen geistig zum subtileren Wasserelement, was auch mit dem Sinn des Schmeckens verbunden ist. Wir nehmen wahr, was uns schmeckt und was nicht (Raga - Mögen und Dwesha - Nichtmögen) und auch unsere Bindung daran. Hier wirkt insbesondere Karma Yoga, das selbstlose Dienen für andere, für einen guten ethischen Zweck und letztlich für Gott, unterstützend.

Karma Yoga

Über Karma Yoga können wir unsere Anhaftungen an das, was wir mögen bzw. nicht mögen, unser Verlangen und unsere Abneigung überwinden. Unser Gemüt wird subtiler gemacht. Wir lernen unsere Sinne zu beherrschen. Es entsteht der innere Drang, aus dieser Gebundenheit, die sich in Leid äußert, auszubrechen und das Wissen darüber, was wirklich wert ist zu suchen. Bhakti Yoga fördert diesen Prozess ebenfalls und verwandelt den Drang und Wunsch aus dem Leid nach Glück in eine innere Sehnsucht nach Einheit. Wir geben unsere ganze Liebe und Hingabe in das Dienen hinein und es entsteht der echte Wunsch nach Befreiung.

Bhakti Yoga

Durch die Entwicklung und Praxis der Hingabe und des Darbringens von allem an das Göttliche oder Überbewusste können wir unser Gemüt, unseren Geist immer weiter sublimieren. Getrieben durch den Wunsch, uns vom Leid zu befreien und Freiheit zu erlangen, beginnen wir, uns aktiv zu bemühen. Dies entspricht der Feuerenergie und dem Sinn des Sehens. Wir entwickeln Enthusiasmus und Willensstärke, nutzen diese aktiv und sehen alles zunehmend mit dem Herzen.

Raja Yoga

Nun kommt Raja Yoga mehr und mehr ins Spiel mit aktiven Techniken, um unseren Geist (Gedanken, Emotionen, Psyche – also das Gemüt) zu beherrschen. Es geschieht ein Ausdünnen unserer mentalen Konditionierung. Wir bekommen mehr Verständnis, sehen klarer, zum Beispiel unsere Swarupa (eigene Wesensnatur) und unser Swadharma (eigene Pflicht, die aus der eigenen Wesensnatur entsteht). Bis hier handeln wir aus dem Leiden heraus. Die Motivation ist der Wunsch, dieses Leiden zu überwinden. Die meisten Menschen bewegen sich auf diesen Ebenen auf und ab bzw. hin und her.

Wissen - aus uns selbst heraus

Wenn wir Hatha Yoga, Karma Yoga, Bhakti Yoga und Raja Yoga ununterbrochen und stetig praktizieren, werden wir unser Wissen aus uns selbst heraus anreichern. Und auch wenn wir augenscheinlich mehrmals an den gleichen Punkt gelangen, dann mit erweitertem Blickwinkel und Wissen. Deshalb wird der spirituelle Weg oft durch eine Spirale symbolisiert.

Jnana Yoga

Wenn reines Wissen dämmert, dann erreichen wir einen Punkt, an dem reines Wissen aufzusteigen beginnt. Hier beginnt der Weg des Jnana Yoga. Ab hier sind wir im Gleichgewicht, in Gleichmut, denn wir haben unser Gemüt sublimiert. Dies ist gekennzeichnet durch einen Zustand völliger Nichtanhaftung, unkonditionierter Sicht, fester Verankerung in der Wahrheit. Das geht einher mit der Entstehung von wahrem Mitgefühl, universeller Liebe und Ananda (Wonne, unbedingte Freude).

Das erwachte universelle Bewusstsein wird sich selbst bewusst

Das Göttliche wird in allen und allem gesehen. Wie ein universelles Fühlen. (In der Entsprechung verbunden mit dem Luftelement und dem Sinn Fühlen.) Ab hier ist die Motivation nicht mehr Leid, sondern allein die Sehnsucht nach Einheit. Dieses nun schon weit erwachte Bewusstsein dehnt sich weiter aus (Entsprechung: Ätherelement, Raum, Hören). Die Sicht des Wirklichen wird gestärkt, die Sicht des Unwirklichen (Relativen, Vergänglichen) immer mehr geschwächt.

So kommen wir in das Bewusstsein reinen Seins (Sat). Das Wissen wird klarer und klarer und dehnt sich in den kosmischen Raum aus. Wir erfahren reines Wissen (Chid). Schließlich erreichen wir das vollständige Aufgehen im universellen Bewusstsein. Das universelle Bewusstsein wird sich aus sich selbst heraus bewusst, dass es universelles reines Bewusstsein ist.

Kein Grund zu Sorge - wir sind bereits das universelle Bewusstsein

Auch wenn wir auf den höheren Stufen angelangt sind, hören die anderen Yogawege nicht auf. Sie bedingen, durchdringen und entfalten sich gegenseitig. Wenn wir eine universelle Sichtweise einnehmen, gibt es diese zeitliche evolutionäre oder involutionäre Leiter gar nicht, denn letztlich gibt es nichts zu erreichen, da wir das universelle Bewusstsein bereits sind. So brauchst du dir keine Sorgen zu machen, falls dein Einstieg Jnana Yoga oder Raja Yoga ist und du vielleicht darüber zu Hatha Yoga, Karma Yoga und/oder Bhakti Yoga gelangst. Swami Sivananda betonte stets: Tue von allem etwas, von allem ein wenig, aber tue es regelmäßig und ununterbrochen. Das ist ganzheitlicher Yoga.

Ernährung und Spiritualität

Ein Artikel von Marjolein Grislo, aus dem Yoga Vidya Journal Nr.34 - Sommer 2017

Seit 2 Jahren beschäftige ich mich mit dem Einfluss, die Ernährung auf meine spirituelle Entwicklung hat. Immer besser spüre ich das Schwingungsniveau der Ernährung und fühle wie manche Nahrung eine sehr verdichtende oder toxische Auswirkung hat. Sie macht trüb, wo andere Nahrung mich leicht macht und öffnet.

Energie der Nahrungsmittel

Ich spüre auch oft die Energie, die manche Nahrungsmittel enthalten. Energie, die z.B. bei der Zubereitung auf die Nahrung übertragen wird, je nachdem, ob das Essen mit Liebe und Achtsamkeit zubereitet wird. Wenn die Nahrung eine schlechte Energie hat, bekomme ich oft allergische Reaktionen. Dann schwillt die Schleimhaut von Mund, Kehle und Rachen an oder ich bekomme Jucken und Verdauungsbeschwerden. Auch alte, verkochte, energielose Nahrung tut mir nicht gut. Je mehr ich mich dafür öffne, umso schneller bemerke ich, ob die Nahrung mir gut tut oder ob ich sie besser nicht essen sollte.

Früher als Kind war ich übergewichtig, aber seit ich mich mit Spiritualität und Nahrung auseinandersetze, ist das nicht mehr der Fall. Als Kind konnte ich immer essen, ich war immer hungrig, eine richtige Naschkatze. Das hat sich aber geändert, denn ich bemerke, je mehr Yoga ich mache und je mehr ich mich mit Spiritualität auseinandersetze desto weniger Nahrung benötige ich. Ich ernähre mich vegan und bin jetzt auch wieder auf dem Weg mehr Rohkost zu essen (ich war auch schon ein Jahr Rohkostlerin).

Essen als Ersatz für unerfüllte Bedürfnisse

Mir ist jetzt klar geworden, dass das Essen früher ein Ersatz für ein anderes unerfülltes Bedürfnis war (so wie bei vielen Menschen)- das Bedürfnis nach etwas Wesentlichem, etwas Tieferen. Ich hatte Hunger nach mehr, wusste aber nicht nach was. Spiritualität gibt mir diese Nahrung, füllt das Loch, stillt den Hunger. Essen ist nicht mehr so relevant und wird immer weniger relevant.

Wenn ich mich auf Grund äußerer Umstände (z.B. zu viel Arbeit) weniger mit Yoga und Spiritualität beschäftigen kann als ich möchte und mir gut tut, bemerke ich, dass ich aus dem Gleichgewicht gerate, wieder mehr Hunger habe und mehr esse. Ich bekomme wieder Lust auf Kaffee und auf Süssigkeiten, was ich sonst nicht mehr habe. Aber wenn ich das dann zu mir nehme, schmeckt es mir gar nicht, ich spucke es oft wieder aus. Denn es ist nicht die Nahrung, die ich brauche, die meine Seele braucht. Manchmal merke ich, dass ich hungrig bin, obwohl ich keine Lust habe auf Essen. Ich möchte dann gar nicht essen, aber doch ist da ein Gefühl von “Hunger”. Es ist aber ein “Hunger” nach etwas Wesentlichen, Tieferen. Ein Hunger nach seelischer Nahrung.

Nahrung für die Seele

Ich glaube, dass das für viele Menschen heutzutage genau so zutrifft wie für mich. Viele Menschen versuchen mit dem Essen ein Loch zu füllen. Aber da Essen nicht die richtige Nahrung ist, nicht die, nach der wir tief im Inneren suchen und die, die wir brauchen, sind wir nie satt. Der Hunger bleibt, was dazu führt, dass man weiter isst, obwohl es vielleicht gar nicht schmeckt. Aber da wir uns nicht bewusst sind, was wir wirklich brauchen, nämlich Nahrung für die Seele, machen wir so weiter, was leider oft zu körperlichen aber auch psychischen Beschwerden führt. Denn wenn wir uns nicht auf die richtige Art und Weise ernähren, ruft die Seele weiter nach “Nahrung”. Wir vernachlässigen uns selbst und tun uns selbst nichts Gutes, indem wir uns nicht die Zeit und Ruhe gönnen, auf unser Bauchgefühl, auf unser Herz zu hören und uns das geben, was wir brauchen.

Es ist in dieser Welt aber leider nicht einfach, sich den eigenen Gefühlen und inneren Wünschen zu öffnen, da die Gesellschaft heutzutage geprägt ist von Leistungsdruck, Karriere, Geld, Stress, Materialismus, usw. Gefühle kann man dabei weniger gut brauchen. Es macht vielen Menschen Angst sich den Gefühlen zu öffnen, Angst davor, was das alles auslösen kann. Viele haben sich absichtlich für ihre Gefühle verschlossen, damit sie bestehen bleiben können in dieser Gesellschaft und mitmachen können.

Und dementsprechend haben wir unsere Nahrung darauf eingerichtet; das heißt also viele Aufputschmittel wie Kaffee und Energiedrinks, Süßigkeiten, Fastfood, Tabak, Alkohol, usw. Nur damit wir allen Erwartungen entsprechen können, denn sonst ist es kaum möglich, alles zu schaffen, was von einem verlangt wird. Aber wenn du dich selbst liebst und dir und deiner Seele etwas Gutes tun willst und du dich traust, dann öffne dich deinem Herzen. Höre was es zu dir sagt und nähre es auf die richtige Art und Weise, mit seelischer Nahrung, damit dein inneres Loch gefüllt ist und du dich wohler fühlst im Körper und im Geist.

Seit mir bewusst ist, wonach mein Herz und meine Seele sich sehnen, habe ich mich dafür entschieden, von jetzt an nur noch den spirituellen Weg und den Yogaweg zu gehen. Denn ich möchte mich nur noch auf die für mich richtige Art und Weise ernähren. Ich möchte mir die Nahrung geben, die mein Geist und meine Seele brauchen: Liebe, Wärme, Positivität, anstatt mich voll zu stopfen mit “Füllmittel”.

Über die Autorin

Marjolein Grislo stammt aus dem Norden Hollands. Sie wurde in den letzten 4 Jahren quer durch Holland und Deutschland geführt und letztendlich zu Yoga Vidya an der Nordsee. Seit Februar 2017 leitet sie dort die Küche. Sie praktiziert seit 7 Jahren leidenschaftlich Yoga und beschäftigt sich seitdem auch mit Spiritualität und dem Einfluss, die Ernährung auf Körper, Geist und Seele hat. Sie ist immer wieder erstaunt über den Zusammenhang psychischer und körperlicher Blockaden und wie Yoga und die richtige Ernährung ihre spirituelle Entwicklung unterstützt.

Spiritualität - Quintessenz

Es gibt eine höhere Wirklichkeit

- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2019 -

Om Namah Shivaya und herzlich Willkommen zu einer Zusammenfassung, zu einer Quintessenz der sieben Prinzipien der Spiritualität. Ich sage gern, man kann Spiritualität zusammenfassen in sieben Schlagworten.

  • 1. Brahman - Es gibt eine höhere Wirklichkeit, es gibt eine göttliche Wirklichkeit. Dies ist erfahrbar, aus ihr stammt alles, zu ihr geht alles zurück.
  • 2. Maya - Die Welt wie wir sie erleben ist nur Schein. Die Welt ist nicht so wie wir sie sehen, letztlich unser Involviertsein in der Welt mit allen seinen schönen Seiten und allen Leiden, ist eine Illusion.
  • 3. Dukha - Dukha heißt Leid. So lange wir in Maya sind, sind wir in Dukha, in Leid. In diesem Maya ist nicht dauerhafte Freude zu finden. Der Mensch sucht nach dem was über Maya hinausgeht. Er wird deshalb nie zufrieden sein. Daher, wenn du glücklich sein willst, dann gehe über die Maya hinaus.
  • 4. Kaivalya oder Moksha, Befreiung, Erleuchtung - Es ist möglich die Befreiung, die Erleuchtung, zu erlangen. Und der Sinn des Lebens ist dorthin zu kommen. Und letztlich, du wirst nie glücklich sein bis du diese Erleuchtung erlangt hast. Glücklicherweise musst du auch nicht warten bis zur vollen Erleuchtung, sondern sowie du schon erkennst es gibt einen Sinn im Leben, ein Ziel im Leben, Moksha zu erlangen, hat dein Leben einen neue Schönheit, eine neue Tiefe. Du kannst eine Befriedigung dort haben. Auf dem Weg dorthin, wirst du immer wieder Brahman die göttliche Wirklichkeit aufleuchten spüren. Moksha besagt also, es gibt einen Ziel im Leben, Moksha besagt Brahman leuchtet auch zwischendurch auf und langfristig gesehen wirst du deine Einheit mit dem Kosmischen verwirklichen. Um dieses zu erreichen kommen es die drei weiteren Prinzipien.
  • 5. Abhyasa - Abhyasa heißt spirituelle Praxis oder auch Bemühen, Übung. Du kannst selbst etwas tun um zur Erleuchtung zu kommen, es gilt dich selbst zu bemühen. Es reicht nicht nur aus ein Ziel zu haben, sondern du kannst auch etwas dafür tun. Abhyasa. Gerne fasse ich Abhyasa zusammen in den sogenannten vier S, die ich in einem anderen Vortrag noch einmal anders beschreiben werde, also:
1. Sadhana - spirituelle Praxis,
2. Sattva - ein reiner Lebensstil,
3. Satsang - Gemeinschaft mit anderen sprirituellen Aspiranten und
4. Seva - uneigennütziges Dienen.
  • 6. Karma - Karma bedeutet in diesem Kontext, Leben als Schule, Schicksal als Chance. Du wächst durch die Aufgaben die das Leben dir stellt und du wächst auch daran wie du darauf reagierst, wie du gutes in die Welt hineinbringst. So ist Karma das sechste Prinzip der Spiritualität.
  • 7. Kripa, Gnade - Nicht alles hast du in deiner Hand, nicht alles kannst du bewusst Wissen, sondern es bleibt ein mysteriöses, ein geheimnisvolles Element. Dies nennt sich Kripa. Letztlich wird dich langfristig die Gnade Gottes zur Erleuchtung hinführen, beflügeln und inspirieren.

Soweit die Quintessenz der Spiritualität. Auf unseren Internetseiten findest du einen sehr viel längeren Artikel mit vielen Videos zum Thema. Dies ist ja eine Zusammenfassung für diejenigen, die die Yoga Vidya Schulungsvorträge schon angehört haben und nochmal alles kurz und knackig haben wollen.

Wenn du mehr wissen willst über Yoga, Meditation, spirituelles Leben dann findest du viele Gelegenheiten in Meditationskursen, in Ashram Aufenthalten, in Seminaren, Yoga Ausbildungen und Satsangs und Yogakursen. Mehr Informationen auf den Yoga Vidya Internetseiten

Om Shanti

Video - Spiritualität – Quintessenz

Nach den vielen Infos zum Thema Spiritualität hier ein kurzes Video, in dem die wichtigsten Aspekte von Spiritualität, spirituelles Leben, spirituelle Praxis vom Yoga-Standpunkt aus zusammengefasst sind:

Siehe auch

Literatur

Seminare

Weblinks