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Siddhasana


Siddhasana (Sanskrit: सिद्धासन siddhāsana n.) die "vollkommene (Siddha) Sitzhaltung (Asana)", die "Sitzhaltung der Vollkommenen"; Meditationsstellung, eine Asana im Hatha Yoga. In der Hatha Yoga Pradipika (1. Kapitel, Verse 37 - 39) werden vier Varianten dieser Stellung beschrieben. Eine Variante davon ist Vajrasana.

Siddhasana: Eine Ferse zwischen Geschlechtsorganen und Anus (am Perineum bzw. vor der Scheide), die andere Ferse am Schambein.

Siddhasana ist eine der populärsten Meditationsstellungen und eine von neun Sitzhaltungen für Pranayama und Meditation. Siddhasana ist ein Sanskritbegriff, der aus zwei Sanskrit Wörtern besteht: Siddha heißt der Vollkommene, Asana heißt Stellung, Sitzhaltung. Siddhasana ist also die vollkommene Sitzhaltung bzw. der Meditationssitz des Vollkommenen. Allerdings ist dies nur eine Stellung für Männer. Frauen praktizieren in diesem Fall Siddha Yoni Asana.

Sukadev über Siddhasana

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Siddhasana

Siddhasana ist das Sanskrit-Wort für einen speziellen Meditationssitz. Siddhasana heißt wörtlich „der Sitz des Vollkommenen“ oder „die vollkommene Sitzhaltung“. Für Siddhasana bringst du eine Ferse zwischen Geschlechtsorgane und Anus bzw. bei Frauen den hinteren Teil der Scheide. Den anderen Fuß legst du so an den Körper heran, dass die Ferse an das Schambein kommt. Das ist Siddhasana.

Die Sitzhaltung Siddhasana sorgt dafür, dass Prana in die Sushumna kommt. Die Ferse am Schambein führt dazu, dass das Prana nach innen geht, zum einen geht es zum so genannten Kanda, zur Wurzelknolle. Über Kanda gibt es auch einen Vortrag und eine Internetseite. Und so wird Kanda und damit die innere Kraft aktiviert. Zum anderen hilft es, dass die Energie nicht durch das Saraswati Nadi an der vorderen Seite nach oben steigen kann, sondern dass die Energie nach unter geschickt wird ins Muladhara Chakra. Die Ferse zwischen Geschlechtsorgan und Anus ist unter dem Kanda und bringt das Prana in die Sushumna, in die feinstoffliche Wirbelsäule.

Wenn du in dieser Stellung meditierst, hilft es, dass die Energie durch die Sushumna, die feinstoffliche Wirbelsäule nach oben steigt, und das wiederum sorgt für eine gewisse Tiefe der Meditation. So ist Siddhasana ein sehr guter Sitz für tiefe Erfahrungen in Meditation und Pranayama. Natürlich solltest du Siddhasana nur üben, wenn es angenehm für dich ist. Patanjali sagt im Yoga Sutra: „Sthiram Sukham Asanam. Die Asana sollte fest und angenehm sein.“ Wähle also eine Asana aus, die fest und angenehm ist. Wenn Siddhasana für dich fest und angenehm ist, so dass du die Stellung für eine längere Zeit halten kannst, dann meditiere in dieser Asana. Wenn dir das nicht angenehm ist, gibt es viele andere Asanas.

Wenn du mehr über Meditationshaltungen wissen willst, dann siehe weiter unten unter der Rubrik "Weblinks". Die Links führen auf unsere Internetseiten unter www.yoga-vidya.de. Und wenn du nach „Meditationshaltung“ suchst, dann findest du die verschiedenen Stellungen für die Meditation und für das Pranayama. Du findest die Hauptstellungen, genannt Sukhasana, Siddhasana, Muktasana, Padmasana, Swastikasana und Vajrasana. Das sind alles wichtige Asanas für die Meditation. Und du bekommst Zwischenübungen oder Vorübungen, die dir helfen, leichter in einer kreuzbeinigen Stellung zu sitzen.

Sitzhaltung Siddhasana

Praxisvideo - Sitzhaltung Siddhasana

Sukadev zeigt dir in diesem Video, wie du die Sitzhaltung Siddhasana einnimmst.

Begleittext - Sitzhaltung Siddhasana

(unbearbeitete Transkription)


Siddhasana, eine der neun Sitzhaltungen für die Meditation. Siddhasana heißt „die Stellung des Vollkommnen“. Siddha ist der Vollkommene. Siddhasana ist auch die Stellung, die dich zur Vollkommenheit führen will. Die Hatha Yoga Pradipika lobt Siddhasana im besonderen Maße.

Siddhasana geht so, dass eine Ferse unter dem so genannten Kanda-Punkt ist, das ist im Perineum, zwischen Geschlechtsorgan und Anus, bzw. bei Frauen im hinteren Teil der Scheide. Und die andere Ferse ist am Schambein gelegen. Also, die eine Ferse zwischen Geschlechtsorgan und Anus, die andere am Schambein. Es gibt dabei verschiedene Varianten, z.B. so, wo die Beine relativ weit auseinander sind und die Fersen nur leicht anliegen. Es gibt es auch als Variante, wo man fast auf der Ferse draufsitzt und wo der Fuß so ein bisschen nach hinten raus ragt und die andere Ferse so ist. Da muss man etwas üben, dass dabei das Becken nicht schief ist. Für die meisten Menschen ist es aber leichter, mit Kissen zu sitzen, das heißt, der größte Teil des Gewichtes ist auf den beiden Sitzhöckern auf dem Kissen und die Ferse berührt nur sanft.

Und die andere Ferse ist entweder so, dass der Fußrücken auf dem Oberschenkel ist, es gibt es aber auch, dass die Fußkante so zwischen Unterschenkel und Oberschenkel ist, manche mögen dort auch nur die Zehen dort so haben und dann kann die Ferse das Schambein so gut berühren. Probiere es aus, dieses Siddhasana hat eine gute Wirkung auf insbesondere zwei Reflexpunkte von Prana, eben die eine Ferse ist an dem Kanda-Punkt, da, wo Ida, Pingala und Sushumna, die drei wichtigen Energiekanäle sich miteinander verbinden und wo der untere Teil von dem so genannten Kanda ist, dem Ei, das vom Beckenboden bis tief in den Bauch hineingeht und wo alle 72.000 Nadis ihren Beginn haben.

Und der andere Fuß ist vor dem Swadhisthana Chakra. Wenn die Ferse an dieser Stelle ist, dann sorgt das auch dafür, dass Saraswati Nadi, das ist der Energiekanal, der an der Vorderseite des Körpers sich befindet und der auch der Sushumna entspricht, dass auch dieser Energiekanal eine gewisse Stimulierung bekommt, aber auch, dass das Prana mehr durch die Sushumna nach oben steigt und weniger durch das vordere Saraswati Nadi. Es ist wichtig, dass Siddhasana sich angenehm anfühlt, es sollte weder unangenehm in den Fußrücken sein, noch in den Knien, noch am Kanda-Punkt selbst. Wenn es unangenehm ist, wäre es vielleicht gut, einen Yogalehrer, eine Yogalehrerin zu fragen und zu schauen, wie du es vielleicht so machen kannst, dass es für dich funktioniert. Oder übe eben eine andere Sitzhaltung. Das war also Siddhasana, die Stellung des Vollkommenen, in verschiedener Variation. Eine besonders gute Stellung für Pranayama, auch eine gute Stellung für die Meditation.

Weitere Hinweise zur Ausführung

Setze eine Ferse an den Anusschließmuskel (Guda), die Hauptöffnung des Verdauungstrakts. Lasse die andere Ferse an der Wurzel des Geschlechtsorgans. Die Füße oder Beine sollten so arrangiert und platziert werden, dass die Fußgelenke einander berühren. Die Hände können, so wie in Padmasana vorgestellt, abgelegt werden.

Wirkungen von Siddhasana

Durch Siddhasana wird die Energie der unteren Zentren durch die Wirbelsäule nach oben gelenkt. Dadurch wird das Gehirn angeregt und das ganze Nervensystem beruhigt. Die Haltung des unteren Fußes drückt auf den Damm (Perineum), aktiviert somit Muladhara Chakra und löst Mulabhanda aus.

Generell lässt sich sagen, lässt sich dadurch Kontrolle über die Fortplanzungshormone gewinnen, was natürlich ganz wichtig ist, soll aus spirituellen Gründen Brahmacharya ausgeführt werden.

  • Pranafluss wird harmonisiert bzw. in den unteren Zentren neu ausgerichtet. Das kann bei längeren Halten (10-15 Minuten) zu einem kribbeln führen. Danach verschwindet dieses aber wieder.
  • Die Blutzirkulation wird in die untere Wirbelsäule und den Unterleib gelenkt, was den Lumbarbereich der Wirbelsäule und die Urin- und Bauchorgane anregt
  • Das Fortpflanzungssystem und der Blutdruck werden harmonisiert

Einschränkungen

Nicht geeignet bei Ischiasproblemen und Kreuzbeininfektionen.

Tipps und Tricks

In Siddhasana ist es unerheblich, welches Bein oben liegt. Achte auf Ausgleich, sodass du dich nicht schief übst.

Oft entsteht Schmerz durch den Druck der aufeinanderliegenden Fußgelenke. Nutze eine Decke oder einen Schwamm dazwischen. So wird es angenehmer.

Der anfängliche Druck auf Damm (Perineum ist der Bereich zwischen Anus und Hodensack) kann zu unangenehmen Druck führen. Nach geraumer Zeit des Übens verschwindet dieser.

Swami Sivananda über Siddhasana

Swami Sivananda am Schreibtisch

An Bedeutung steht Siddhasana direkt neben Padmasana. Einige preisen diese Asana für den Zweck der Meditation (Dhyana) sogar Padmasana überlegen. Wenn Du Meisterschaft über diese Asana erlangst, wirst Du zahlreiche Siddhis (aussergewöhliche Kräfte) erlangen.

Darüberhinaus wurde diese Asana einstmals von vielen Siddhas (vervollkommnete Yogis) praktiziert. Daher rührt der Name Siddhasana. Sogar fettleibige Personen mit dicken Oberschenkeln können diese Asana leicht üben. Tatsächlich ist diese Asana für einige Personen besser (geeignet) als Padmasana. Junge Brahmacharyas, die sich in der Festigung des Zölibates versuchen, sollten diese Asana praktizieren. Für Damen ist die Asana nicht geeignet. (Anmerkung der Yoga Wiki Redaktion: Für Frauen gibt es dafür die Siddha Yoni Asana.)

Variationen

Bei der Meditation-Sitzhaltung Muktasana liegen die Beine voreinander.

I. Guptasana (verdeckte Haltung): Die linke Ferse ist über dem Geschlechtsorgan platziert. Die rechte Hacke wird ebenso über das rechte äußere Fortpflanzungsorgan gelegt. Die beiden Fußgelenke sind eng beieinander oder berühren sich. Die rechten Zehen drücken in die Ausbuchtung zwischen linkem Oberschenkel und linkem Wadenmuskel. Die linken Zehen sind durch das rechte Bein verdeckt. Gupta bedeutet versteckt. Da in dieser Asana die Geschlechtsorgane weitestgehend versteckt sind, wird sie Guptasana genannt.

II. Vajrasana (Diamantensitz): Die linke Ferse wird unter das Geschlecht gesetzt. Die rechte Ferse wird über dem Organ platziert. Vajra bedeutet Diamant. Es gibt noch eine weitere Variante des Diamantensitzes. Anweisungen hierfür werden an anderer Stelle gegeben.

III. Baddhayonyasana: Sitze in gewöhnlicher Siddhasana und führe Yoni Mudra aus. Dies wird Baddhayonyasana genannt. Die Beschreibung des Yoni Mudras wird im Zuge der Beschreibung anderer Mudras geliefert.

IV. Kshemasana: Wenn Du in Siddhasana sitzt und die Hände gemeinsam bis auf Brusthöhe anhebst, wird dies Kshemasana genannt. Damit ist gemeint, dass Du um kshema (Wohlergehen) für die Allgemeinheit betest . Die Handflächen schauen hierbei zueinander.

V. Sthirasana (beständiger/ fester Sitz): Einige Leute nennen gewöhnliches Siddhasana Sthirasana.

VI. Muktasana: Gewöhnliches Siddhasana ist auch als Muktasana bekannt.

Dieser Abschnitt stammt aus dem Buch "Yoga Asanas" von Swami Sivananda Divine Life Society, Sivananda Ashram

Siddha und Siddhi

"Das Sanskritwort Siddha bedeutet Kraft und Vollkommenheit. Das Wort Siddhi entspringt aus Siddha und verweist auf psychische Kräfte oder Fähigkeiten, die sich durch yogische Übungen entwickeln. Unter Siddhis versteht man Hellsichtigkeit, Telepathie und viele weniger bekannte Kräfte, z.B. die Fähigkeit, vorsätzlich zu verschwinden. Von Siddhasana und Siddha Yoni Asana für Frauen nimmt man an, dass dieses Asana zu dieser Art der psychischen Kräfte führt." Swami Satyananda Saraswati in "Asana Pranayama Mudra Bandha, Seite 100, 4. Edition 2008

Siddhasana in der Hatha Yoga Pradipika

Siddhasana

- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2019 -

Siddhasana in der Hatha Yoga Pradipika. Kommentar zum 1. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika Vers 35 bis 44

Siddhasana und seine Wirkung

Svatmarama hatte im Vers 34 gesagt, es gibt 84 Asanas, die uns von Shiva gegeben wurden. Von denen werde ich die vier wichtigsten beschreiben.

Vers 35:

Es sind: Siddhasana, Padmasana, Simhasana und Bhadrasana. Von denen ist die angenehmste und vortrefflichste Siddhasana.

Er sagt also: Die angenehmste und vortrefflichste aller Asanas ist Siddhasana. Sie ist also sukha, besonders angenehm und sie ist auch die allerbeste. Also, sie ist shreshtha, die beste und daher, sie ist angenehm und so sollte man täglich darin verweilen. Deshalb heißt es, Siddhasana, es ist die Sitzhaltung der Vollkommenen. Siddha heißt ja auch vollkommen und Siddhasana ist die vollkommene Sitzhaltung. Und was ist die vollkommene Sitzhaltung?

Vers 36:

Nach der Verszählung von Swami Vishnu der 36. Vers, nach einer anderen Verszählung im 37. Vers.

„Drücke mit der Ferse fest an den Damm und bringe die andere Ferse an das Schambein. Hefte dein Kinn eng auf deine Brust. Bleibe aufrecht, deine Organe unter Kontrolle. Und richte deinen Blick zwischen den Punkt zwischen den Augen. Das wird Siddhasana genannt und beseitigt jedes Hindernis auf dem Weg zur Befreiung.“

Das klingt doch toll, beseitigt jedes Hindernis zur Befreiung. Jetzt der wichtige Teil von Siddhasana, was du vermutlich kennst ist:

Vers 37:

"Bringe die rechte Ferse über das Glied und die linke über die rechte Ferse. Das wird Siddhasana genannt."

Eine Ferse zwischen Geschlechtsorgan und Anus, was man auch nennen kann: unter den Kanda. Es wird auch gesagt: unter die Yoni. Das gilt auch für den Mann, da ist es auch der Yoni. Das ist stanaka, das ist der Ort von yoni und das ist eben der Damm, der Beckenboden, auch als Kandapunkt genannt. Bei Frauen ist das der hintere Teil der Scheide, beim Mann zwischen Hoden und Anus. Dort gibt man also eine Ferse hin und die andere Ferse gibt man vor das Schambein.

Gut, wir haben auf unseren Internetseiten noch mehr Informationen, wie die genaue Siddhasana ausgeführt wird. Und da gibt es auch die verschiedenen Varianten beschrieben. Hier will ich weitergehen, was Svatmarama dazu sagt.

Vers 37:

"Manche sagen, das sei Siddhasana, andere Vrathrasana, andere Muktasana und andere Guptasana."

Also die Normenklautur der Asanas ist nicht so eindeutig und so gibt es auch nicht nur eine Bezeichnung. Bei verschiedenen Hatha Yoga Lehrern bezeichnet manchmal der gleiche Name unterschiedliche Asanas, wahrscheinlich kennst du Vrathrasana eher als Fersensitz und er sagt, es gibt auch Menschen, die bezeichnen Siddhasana als Vrathrasana. Eventuell kennst du Muktasana, so wie wir es bei Yoga Vidya nennen, als diese Sitzhaltung, wo du einen Fuß vor den Oberschenkel gibst und den anderen Fuß vor den Unterschenkel, die befreite Stellung. Und Svatmarama sagt, für manche ist Muktasana gleichbedeutend mit Siddhasana. Und dann gibt es auch noch Guptasana. Guptasana heißt die schützende Stellung und Siddhasana kann auch als Guptasana bezeichnet werden.

Vers 39

In der Verszählung von Swami Vishnu: „Die Siddhas sagen, dass unter den niyamas die bedeutenste ist, niemanden irgendein Leid zuzufügen. Und unter den yamas eine gemässigte Diät“. Und so ist es mit Siddhasana unter den Asanas. Also, maßvolle Ernährung unter den yamas und Gewaltlosigkeit unter den niyamas. Vorher hat er ja gesagt, dass zu yama eben insbesondere Ahimsa gehört. Vermutlich gehört das zu den Versen, wo Svatmarama uns etwas verwirren will. Also, unter den yamas ist Ahimsa am wichtigsten. So, wie man gerne sagt: „Ahimsa baramu dharma.“ Das heißt also: Ahimsa ist die wichtigste Pflicht. Und mitahara ist auch eines der yamas und das gehört zum maßvollen Essen.

Manchmal wird aber auch gesagt, mitahara gehört auch zu den niyamas. Also, unter den yamas und unter den niyamas könnne wir auch sagen, Ahimsa ist wichtig und die richtige Ernährung. Im Hatha Yoga spielt die Ernährung eben eine sehr große Rolle. Nicht umsonst sagen wir auch bei Yoga Vidya: „Verzichte auf Fleisch, Fisch, Eier, Alkohol, Zigaretten und bewusstseinsverändernde Drogen und achte auch sonst auf sattwige Ernährung“. Dann wirken die Hatha Yoga Praktiken einfach mehr. Und sorge dafür, dass deine Hatha Yoga Praktiken dir helfen, mitfühlender zu sein und mehr Gutes zu bewirken und nutze nicht das Prana, dass du durch Hatha Yoga bekommst, um deinen egoistischen Zwecken nachzugehen. Mit anderen Worten: Ahimsa wichtig, Ernährung wichtig. Und dann sagt er, unter den Asanas ist Siddhasana am wichtigsten. Und hier macht er wieder die Schleife zu Patanjali, denn für Patanjali ist höchstwahrscheinlich unter der Asana besonders die Sitzhaltung für die Meditation gemeint. Und so dienen die anderen Asanas wie Kopfstand, Schulterstand, Vorwärtsbeuge, Drehsitz usw., dass du besser meditieren kannst.

Vers 40:

Von den 84 Asanas sollte man immer Siddhasana praktizieren. Siereinigt die 72.000 Nadis. Vielleicht möchte ich hier auch nochmal erwähnen, als er über Siddhasana gesprochen hat, heißt das nicht nur die Beinhaltung, sondern er sagt auch: „Hefte dein Kinn auf die Brust, also Jalandharabandha. Und richte deine Augen auf den Punkt zwischen den Augenbrauen“. Also, Siddhasana ist dann nicht nur die Füße, das ist einfach, sondern es steht auch für Herrschaft über das Prana, denn mit Jalandharabandha, mit Kinn auf die Brust, willst du ja das Prana in die Sushumna bekommen, in die feinstoffliche Wirbelsäule. Und durch den Blick zum Punkt zwischen den Augenbrauen willst du das Ajna Chakra aktivieren. Und wenn dir Siddhasana wirklich gelingt, heißt das nicht nur eine Haltung der Füße, sondern eben auch Kundalini erwacht, steigt durch Sushumna hoch und deine Konzentration ist im Ajna Chakra. Das ist wirkliches Siddhasana. Und so werden die 72.000 Nadis gereinigt, die 72.000 Energiekanäle. Manchmal fragen ja auch Menschen: „Muss ich wirklich schrittweise alle Nadis öffnen und alle Chakras?“ Natürlich, den meisten fällt es leichter, schrittweise die Chakras zu öffnen und es ist eben auch wichtig, durch die verschiedenen Asanas die verschiedenen Nadis zu öffnen. Indem du eine Asana übst, werden auch Nadis geöffnet. Gehst du in die Vorwärtsbeuge werden die Meridiane, die Energiekanäle an der Rückseite der Beine gedehnt und geöffnet und an der Rückseite der Wirbelsäule.

Gehst du dagegen zum Beispiel in den Halbmond, Ardha Chandrasana, dann werden die Energiekanäle in der Vorderseite des Körpers gedehnt und geöffnet. Gehst du in das Dreieck, werden die Energiekanäle in der Seite des Körpers geöffnet. Und im Drehsitz werden dann Energiekanäle geöffnet, die diagonal verlaufen. Und so aktivieren die verschiedenen Asanas die verschiedenen Energiekanäle. Aber, wenn du Siddhasana übst und dich dabei besonders auf Ajna Chakra konzentrierst und die Sushumna öffnest, öffnen sich alle anderen Nadis auch gleich mit.

Vers 41:

Im 41. Vers sagt Svatmarama: „Der Yogi erlangt die Erfüllung, der Besinnung auf Atman praktiziert, eine gemässigte Ernährung beachtet und die Siddhasana 12 Jahre lang praktiziert“. Das heißt jetzt nicht, 12 Jahre am Stück, aber es soll schon heißen, über die wahre Natur meditieren. Also, wenn du Atma Dhaye, also meditierst über das Selbst und dabei maßvolle Ernährung beachtest, sattwige Ernährung, also darauf achtest, dass du nichts tamasiges isst, kein Fleisch, kein Fisch, kein Alkohol, keine Zigaretten zu dir nimmst und auch sonstige tamasige und rajasige Nahrung nicht isst. Also das musst du 12 Jahre lang machen und das regelmäßig üben. Dann erreichst du Nishpatti, den höchsten Zustand der Vollkommenheit. Das ist doch schon großartig. Also meditiere jeden Tag über den Atman in Siddhasana.

Vers 42:

„Wenn die Siddhasana gemeistert wird und Prana durch die Anwendung von Kevala Kumbhaka sorgfältig zurückgehalten wird, wozu noch die verschiedenen anderen Asanas?“ Hier wird auch noch gesagt, wozu die anderen vielen Positionen, wenn Siddhasana einmal vervollkommend ist? Der Fluß des Prana ist mit Kevala Kumbhaka gelenkt. Wahrlich, der Zustand von unmani, also der Zustand von großem Wert. Unmani ist der Zustand jenseits des Geistes; das ist eine Interpretation. Unmani ist auch der Zustand von großem Wert. Also, dieser steigt sofort, ohne Anstrengung, spontan und von alleine auf. Also, wenn Siddhasana gemeistert wird, kommt Kevala Kumbhaka. Also, zwei Dinge. Du sitzt bewegungslos, der Atem wird fast bewegungslos, Prana wird ruhig. Dann kommt die Vollkommenheit fast von selbst.

Vers 43:

“ Wenn die Siddhasana gemeistert ist, folgen unmani avastha, die Entzücken gibt. Der Mond und die drei Bandhas ohne Mühe und ganz natürlich."

Also, übe Siddhasana mit Kevala Kumbhaka und Erwachen der Kundalini und Öffnen des dritten Auges. Dann folgt unmani avastha. Unmani avastha, der Zustand jenseits des Geistes, auch manchmal genannt unmani kala, der Zustand jenseits des Geistes. Dann entstehen auch die Bandhas ohne Mühe, also ganz ohne Mühe entstehen die Bandhas, die drei Verschlüsse. Und des weiteren wird auch der Mond sehr ruhig. Und der mond heißt, der Geist wird sehr ruhig.

Vers 44:

“ Es gibt keine Asana wie die Siddhasana. Kein Kumbhaka wie das Kevala Kumbhaka, kein Mudra wie Khechari und kein laya wie nada.“

Hier sagt er nochmals, was sind die wichtigsten Übungen im Hatha Yoga. Also, die wichtigsten Übungen sind zunächst Siddhasana oder den Sitzhaltungen, womit er sagen will, alle Asanas sollen dazu führen, dass du gut meditieren kannst. Es gibt kein Kumbhaka wie das Kevala Kumbhaka. Kevala Kumbhaka ist das natürliche Aussetzen des Atems. Im 2. Kapitel beschreibt er das noch etwas mehr. Kein Mudra wie das Khechari; was heißt, die Zunge nach hinten, aber vor allen Dingen heißt das, vollkommene Ruhe des Geistes. Und es gibt kein laya; man könnte auch sagen, keine Meditationstechnik, wie die Konzentration auf nada, den inneren Klang.

Ich hoffe, du hast jetzt verstanden, wie wichtig Siddhasana ist und die Meditation. Bemühe dich, Siddhasana zu üben und nach Möglichkeit, probiere es mal aus. Auch, wenn am Anfang Siddhasana schwerfällt, langfristig können viele Menschen Siddhasana zu ihrer Hauptmeditationshaltung machen.

Video - Siddhasana in der Hatha Yoga Pradipika

In der Hatha Yoga Pradipika sagt Yogi Svatmarama, dass Siddhasana zu den wichtigsten Asanas gehört, ja sogar das wichtigste Asana sei. Hier ein Videovortrag, in dem die Verse 36-44 des ersten Kapitels der Hathapradipika erläutert werden mit dem Thema: Wirkung von Siddhasana:

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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