Sanskrit Kurs Lektion 77: Unterschied zwischen den Versionen

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In [[Sanskrit Kurs Lektion 76|Lektion 76]] haben wir den Singular und Plural der weiblichen [[Sanskrit Substantiv|Substantiv]]e auf '''-ā''' betrachtet. Hier folgt ein weiterer Beispielvers aus der Hatha Yoga Pradipika.
  
  
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:'''dṛḍhābhyāsena''' : durch intensives, unnachgiebiges, dauerhaftes ([[Dridha]]) Üben, Praktizieren ([[Abhyasa]], Instr. Sg. n.)
 
:'''dṛḍhābhyāsena''' : durch intensives, unnachgiebiges, dauerhaftes ([[Dridha]]) Üben, Praktizieren ([[Abhyasa]], Instr. Sg. n.)
 
:'''yoginām''' : der Yogis [[Yogin]], Gen. Pl. m.)  
 
:'''yoginām''' : der Yogis [[Yogin]], Gen. Pl. m.)  
:'''āsana-prāṇa-saṁyāma-mudrābhiḥ''' : durch Körperhaltungen ([[Asana), Kontrolle ([[Samyama]]) der Lebensenergie ([[Prana]], Atemregulierung, d.h. [[Pranayama]] und Siegel ([[Mudra]], Instr. Pl. f.)
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:'''āsana-prāṇa-saṃyāma-mudrābhiḥ''' : mit Körperhaltungen ([[Asana), Kontrolle ([[Samyama]]) der Lebensenergie ([[Prana]], Atemregulierung ([[Pranasamyama]] steht für [[Pranayama]]) und Siegeln ([[Mudra]], Instr. Pl. f.)
 
:'''saralā''' : gerade ([[Sarala]], Nom. Sg. f.)
 
:'''saralā''' : gerade ([[Sarala]], Nom. Sg. f.)
 
:'''bhavet''' : wird ([[bhu|bhū]], Verb)   
 
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:Dieser mittlere Energiekanal (Sushumna) der Yogis wird durch intensives Üben der Körperhaltungen, der Atemregulierung und der Mudras gerade.
 
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*Das [[Sanskrit Pronomen|Demonstrativpronomen]] '''iyam''' "diese" bezieht sich auf '''nāḍī''' und steht daher ebenfalls im Nominativ Singular Femininum.
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*Die [[Nipata|Partikel]] '''tu''' "aber, jedoch, wiederum"  steht häufig ''metri causa'', d.h. "aus metrischen Gründen" bzw. "um das [[Vritta|Versmaß]] aufzufüllen".
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*Das [[Sanskrit Adjektiv‏‎|Adjektiv‏‎]] '''madhyamā''' ist eine nähere Bestimmung ([[Visheshana]]) zu '''nāḍī''' und steht daher auch im Nominativ Singular Femininum.
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*Der Nominativ ([[Prathama]]) '''nāḍī''' ist das logische Subjekt ([[Kartri]]) der Verbform '''bhavet'''.
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*Der Instrumental ([[Tritiya]]) '''dṛḍhābhyāsena''' bezeichnet das Instrument der Handlung ([[Karana]]). Es handelt sich um ein Kompositum ([[Samasa]]) des Typs [[Karmadharaya]] und besteht aus den beiden Gliedern '''dṛḍha''' ([[Dridha]]) und '''abhyāsa''' ([[Abhyasa]]). Das Adjektiv '''dṛḍha''' ist ein von der Wurzel [[drih|dṛh]] "fest sein" abgeleitetes [[Partizip Präteritum Passiv]].
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*Der Genitiv ([[Shashthi]]) '''yoginām''' "der Yogis", d.h. "den Yogis, für die Yogis" steht hier im Sinne eines Dativs ([[Chaturthi]]) und bezeichnet den Empfänger bzw. Nutznießer der Handlung ([[Sampradana]]).
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*Der Instrumental '''āsana-prāṇasaṃyāma-mudrābhiḥ''' ist ein Kompositum vom Typ [[Dvandva]], das mit "und" aufzulösen ist: "mit Körperhaltungen, Atemregulierung und Mudras". In der deutschen Übersetzung wurde die Bedeutung des Instrumentals etwas freier im Sinne eines Genitivs übersetzt: "(durch intensives Üben) der (statt "mit") Körperhaltungen, ...".
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*Das Adjektiv‏‎ '''saralā''' ist eine nähere Bestimmung ([[Visheshana]]) zu '''nāḍī''' und steht daher auch im Nominativ Singular Femininum.
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*Die [[Sanskrit Verb‏‎|Verbform]] '''bhavet''' ("sie wird, sollte sein") ist die 3. Person Singular [[Optativ]] der Gegenwart der Verbalwurzel [[bhu|bhū]] "sein, werden" (1. bzw. [[Bhu Klasse]]). Der Optativ drückt hier eine Möglichkeit aus, die in der Zukunft eintritt.
  
  

Version vom 12. Dezember 2017, 13:22 Uhr

Dieser Sanskrit Kurs führt anhand einfacher Beispielsätze und -verse in die Grammatik des Sanskrit ein. Einen ausführlichen Überblick über das Sanskrit findest Du im Artikel Sanskrit. Hinweise zur indischen Schrift, der wissenschaftlichen Umschrift (Transliteration) sowie der korrekten Aussprache gibt der Artikel Devanagari. Stichwörter, nach denen Du in der Yoga Vidya Wiki suchen kannst, sind in vereinfachter Schreibweise (Transkription) wiedergegeben.

Vokalische Nominalstämme (6)

In Lektion 76 haben wir den Singular und Plural der weiblichen Substantive auf betrachtet. Hier folgt ein weiterer Beispielvers aus der Hatha Yoga Pradipika.


Beispielvers aus der Hatha Yoga Pradipika

Die gesamte Hatha Yoga Pradipika besteht aus Versen, deren häufigstes Versmaß (Chhandas) der Shloka (Anushtubh) ist. Hier folgt ein Vers aus dem dritten Kapitel (Upadesha), das der Praxis der Mudras und Bandhas gewidmet ist. Der 124. Vers steht im Kontext der Praxis der zehn Mudras, die der Reinigung der Nadis dient.


इयं तु मध्यमा नाडी दृढाभ्यासेन योगिनाम् |
आसनप्राणसंयाममुद्राभिः सरला भवेत् || ३.१२४ ||


  • wissenschaftliche Transliteration:
iyaṃ tu madhyamā nāḍī dṛḍhābhyāsena yoginām |
āsana-prāṇa-saṃyāma-mudrābhiḥ saralā bhavet || 3.124 ||


  • vereinfachte Transkription:
iyam tu madhyama nadi dridhabhyasena yoginam |
asana-prana-samyama-mudrabhih sarala bhavet || 3.124 ||


  • Wort-für-Wort-Übersetzung:
iyam : dieser (Iyam, Nom. Sg. f.)
tu : aber (Tu, Partikel)
madhyamā : mittlere (Madhyama, Nom. Sg. f.)
nāḍī : (feinstoffliche) Kanal (die Sushumna, Nom. Sg. f.)
dṛḍhābhyāsena : durch intensives, unnachgiebiges, dauerhaftes (Dridha) Üben, Praktizieren (Abhyasa, Instr. Sg. n.)
yoginām : der Yogis Yogin, Gen. Pl. m.)
āsana-prāṇa-saṃyāma-mudrābhiḥ : mit Körperhaltungen ([[Asana), Kontrolle (Samyama) der Lebensenergie (Prana, Atemregulierung (Pranasamyama steht für Pranayama) und Siegeln (Mudra, Instr. Pl. f.)
saralā : gerade (Sarala, Nom. Sg. f.)
bhavet : wird (bhū, Verb)


  • Übersetzung:
Dieser mittlere Energiekanal (Sushumna) der Yogis wird durch intensives Üben der Körperhaltungen, der Atemregulierung und der Mudras gerade.


Erläuterungen

  • Das Demonstrativpronomen iyam "diese" bezieht sich auf nāḍī und steht daher ebenfalls im Nominativ Singular Femininum.
  • Die Partikel tu "aber, jedoch, wiederum" steht häufig metri causa, d.h. "aus metrischen Gründen" bzw. "um das Versmaß aufzufüllen".
  • Das Adjektiv‏‎ madhyamā ist eine nähere Bestimmung (Visheshana) zu nāḍī und steht daher auch im Nominativ Singular Femininum.
  • Der Nominativ (Prathama) nāḍī ist das logische Subjekt (Kartri) der Verbform bhavet.
  • Der Genitiv (Shashthi) yoginām "der Yogis", d.h. "den Yogis, für die Yogis" steht hier im Sinne eines Dativs (Chaturthi) und bezeichnet den Empfänger bzw. Nutznießer der Handlung (Sampradana).
  • Der Instrumental āsana-prāṇasaṃyāma-mudrābhiḥ ist ein Kompositum vom Typ Dvandva, das mit "und" aufzulösen ist: "mit Körperhaltungen, Atemregulierung und Mudras". In der deutschen Übersetzung wurde die Bedeutung des Instrumentals etwas freier im Sinne eines Genitivs übersetzt: "(durch intensives Üben) der (statt "mit") Körperhaltungen, ...".
  • Das Adjektiv‏‎ saralā ist eine nähere Bestimmung (Visheshana) zu nāḍī und steht daher auch im Nominativ Singular Femininum.
  • Die Verbform bhavet ("sie wird, sollte sein") ist die 3. Person Singular Optativ der Gegenwart der Verbalwurzel bhū "sein, werden" (1. bzw. Bhu Klasse). Der Optativ drückt hier eine Möglichkeit aus, die in der Zukunft eintritt.


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