Medina

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Medina (/mɛˈdiːnə/;arabisch: اَلْمَدِينَة اَلْمَنَوَّرَة‎, offiziell al-Madīnah al-Munawwarah, “die strahlende Stadt”, oder اَلْمَدِينَة al-Madīnah, auch oft Madinah von der saudischen Regierung (und generell in moderner islamischer Literatur) transkribiert. Medina ist eine moderne Stadt der Hejaz Region im Westen Saudi Arabiens, und ist die Hauptstadt der Provinz Al Madinah. Sie ist auch bekannt unter dem Namen "Madinat Al-Nabi" („die Stadt des Propheten“, d. h. Mohammed). Das arabische Wort "Madinah" bedeutet ganz einfach Stadt.

Ansichten von Medina Copyright

Vor dem Beginn des Islams wurde die Stadt "Yathrib" genannt, sie wurde jedoch von Mohammed persönlich umbenannt. Sie ist die Ruhestätte des islamischen Propheten Mohammed und die zweitheiligste Stadt im Islam nach Makkah (im Folgenden Mekka geschrieben). Medina erlangte ihre Bedeutung in der islamischen Geschichte als Mohammeds letzter religiöser Sitz nach Hijrah und als der Ort seines Todes 632 n. Chr.

Medina war der Machtsitz in den ersten hundert Jahren der islamischen Geschichte: Sie war der Ort, wo sich die frühe muslimische Gemeinschaft (Ummah) zunächst unter Mohammeds Führung bildete, dann unter den ersten vier Kalifen des Islam: Abu Bakr, Omar, Othman und Ali. Tatsächlich markiert das Jahr 1 des islamischen Kalenders das Jahr der Übersiedlung (oder Hijra (هِجْرَة)) von Mohammed und seinen Anhängern (Muhajirun) von Mekka nach Medina im Jahre 622 n. Chr.

Medina ist Berichten zufolge Heimat der drei ältesten Moscheen im Islam, die zur Zeit Mohammeds gebaut wurden, nämlich an-Nabawi (Moschee des Propheten), Quba (die erste Moschee in der Geschichte des Islams), und al-Qiblatain (Moschee der zwei Qiblahs – Die Moschee, wo die Richtung des muslimischen GebetsGiblah – von Jerusalem zu Mekka wechselte). Wie auch in Mekka ist der Zutritt zum heiligen Inneren von Medina den Moslems vorbehalten, der Rest der Stadt ist frei zugänglich. Moslems glauben daran, dass die letzten Kapitel (Surahs) des Korans dem Propheten chronologisch in Medina offenbart wurden, weswegen sie "Medinan Surahs" genannt werden, in Abgrenzung zu den vorhergehenden "Mekkan Surahs".

Übersicht

2006 zählte die Stadt Medina ca. 1,3 Mio. Einwohner. Während der vorislamischen Zeit bis 622 n. Chr. War diese Oase in der Wüste unter dem Namen "Yathrib" bekannt. Zusätzlich zu den arabischen Einwohnern, war die Stadt bevölkert von jüdischen Flüchtlingen, die das Kommen des Propheten laut ihren Schriften im 2. Jahrhundert n. Chr. erwarteten. Später wurde der Name der Stadt in Madīnat an-Nabiy (مَدِينَةُ ٱلنَّبِيّ "Stadt des Propheten") oder Al-Madīnat(u) 'l-Munawwarah (اَلْمَدِينَةٌ ٱلْمٌنَوَّرَة "die erleuchtete Stadt" oder "die leuchtende Stadt") umgeändert. Noch später wurde die Stadt bloß Medina genannt und wird dafür gelobt, die Moschee von Mohammed erhalten, und Zuflucht für ihn und seine Anhänger gegeben zu haben. Und so hat sie sich zu Recht den zweiten Platz der heiligsten islamischen Städte nach Mekka verdient. Mohammed, wie auch die ersten zwei islamischen Kaliphen (Rashidun) wurden in Medina unter dem grünen Dom (das frühere Haus des Proheten) begraben.

Medina liegt 340 km nördlich von Mekka und ca. 190 km von der Küste des Roten Meeres entfernt. Sie liegt in der fruchtbarsten Gegend des Hejaz Territoriums. Die Flüsse der Umgebung treffen hier aufeinander. Eine große Ebene dehnt sich in den Süden aus. Wo man auch schaut, trifft der Blick auf Hügel und Berge.

Ravi Varma: Alter Öldruck von Medina, 1890

Die historische Stadt wies eine ovale Form auf, die von einer beeindruckenden Mauer umgeben war, mit einer Höhe von 9-12 Metern, die im 12. Jahrhundert errichtet wurde. Die Mauer wurde flankiert von Türmen und schützte eine Burg. Von den vier Toren der Stadt war das Bab-al-Salam, das ägyptische Tor, für seine Schönheit bekannt.

Jenseits der Stadtmauern – westlich und südlich – sah man Vororte mit niedrigen Häusern, Gärten, Höfen und Plantagen. Diese Vororte waren auch von Mauern umgeben. Trotzdem wurden sie fast alle während der Saudi-Ära zerstört. Die wiederaufgebaute Stadt wurde um das Gebiet der Moschee des Propheten „Al-Masjid al-Nabawi“ errichtet. Alle wichtigen Gräber sind hier zu finden: Das Grab von Fatima (Mohammeds Tochter) und Hasan (Mohammeds Enkelsohn), Abu Bakr (erster islamischer Kalif und Vater von Mohammeds Frau Aisha) und von Umar ibn Al-Khattab (der zweite Kalif). Die Moschee wurde zu Mohammeds Lebzeiten gebaut, wurde jedoch seitdem zweimal im Feuer zerstört und wieder aufgebaut.

Die saudi-arabische Regierung befürchtete, dass die historischen Anlagen Gegenstand von unkontrollierbarer Vergötterung werden könnten. Deswegen wurden viele islamischen Denkmäler in Medinas vernichtet.

Religiöse Bedeutung im Islam

Medinas Bedeutung als religiöse Stätte leitet sich von der Gegenwart der Al-Masjid al-Nabawi, die Moschee des Propheten ab. Die Grabkammer des Propheten Mohammed wurde später teil der Moschee, als diese von Umayyad Caliph Al-Walid I. erweitert wurde. Der Berg Uhud befindet sich ebenso nördlich von Medina und war Schlachtfeld des zweiten Kampfes zwischen Moslems und Mekka-Truppen.

Die erste Moschee, die zur Zeit Mohammeds erbaut wurde, befindet sich in Medina und wird Masjid Quba genannt. Sie wurde durch einen Blitzeinschlag um 850 n. Chr. zerstört, und die Gräber gerieten in Vergessenheit. 892 wurden die Gräber wiederentdeckt und eine Moschee erneut gebaut. Diese wurde 1257 wiederum völlig vom Brand zerstört, diesmal jedoch sofort neu gebaut. Qaitbay, der ägyptische Herrscher, renovierte sie 1487.

Masjid al-Qiblatain ist eine weitere Moschee, die auch historische Bedeutung für die Moslems hat. Dies ist der Ort, wo der Prophet laut Sunni hadiths die Gebetsrichtung umänderte: Statt Jerusalem war Mekka nun das Zentrum.

Wie man es von Mekka kennt, ist Medina nur den Moslems vorbehalten, obwohl das Haram (Gebiet, das für nicht Moslems Tabu ist) in Medina viel kleiner ist, als in Mekka, mit dem Resultat, das viele Einrichtungen außerhalb des Harams auch für Nicht-Moslems zugänglich sind, wohingegen das ganze bebaute Gelände von Mekka Tabu ist.

Beide Städte weisen eine große Anzahl an Moscheen auf, und diese sind die Zielpunkte der Pilgerreisen für viele Moslems auf ihrer Umrah (die zweite Pilgerreise nach Hajj). Hunderttausende Moslems besuchen jährlich Medina, um die Grabstätte des Propheten zu besuchen. Al-Baqui ist ein bedeutender Friedhof in Medina, wo viele Familienmitglieder von Mohammed sowie Kalifen und Gelehrte begraben sind.

Islamische Schriften betonen die Heiligkeit von Medina. Medina wird viele Male im Koran als heilig bezeichnet, z. B. in ayah; ; 9:101, 9:129, 59:9, und ayah 63:7. Die Medina-Suren sind typischerweise länger, als die Mekka-Suren. Es gibt zudem ein Buch innerhalb des Hadith von Bukhari mit dem Titel „Die Tugenden Medinas“.

Medina Haram am Abend

Sahih Bukhari schreibt: „Der Prophet sagte :‘Medina ist ein Heiligtum von hier nach dort. Ihre Bäume sollten nicht geschnitten werden, keine Ketzerei sollte hier initiiert werden, keine Sünde sollte in ihr begangen werden. Wer hier Ketzerei oder Sünden begeht, der nimmt den Fluch Allahs, der Engel und des ganzen Volkes auf sich.‘“

Geschichte

Jüdischer Einfluss

In der älteren arabischen Stadt von Yathrib ließen sich Juden im 2. Jahrhundert nieder. Es gab drei signifikante jüdische Stämme, die die Stadt bis ins 7. Jahrhundert bewohnten: Der Banu Qaynuqa, der Banu Qurayza und Banu Nadir. Ibn Khordadbeh berichtete später, dass der Banu Qurayza Stamm während der persischen Herrschaft in Hejaz die Steuergelder für den Shah eingetrieben hatte.

Die Situation änderte sich nach der Ankunft von zwei neuen arabischen Stämmen aus dem Jemen; Banu Aws und Banu Khazraj. Zunächst verbündeten sich diese Stämme mit jüdischen Herrschern, später rebellierten sie jedoch und wurden unabhängig. Gegen Ende des 5. Jahrhunderts mussten die jüdischen Machtinhaber die komplette Kontrolle über die Stadt an die Araber übergeben. Einer jüdischen Enzyklopädie zufolge gelang den Arabern die Machtübernahme durch „Hilfe von Außen, und indem sie die Juden-Anführer bei einem Festessen heimtückisch abschlachteten“. Nun waren die Araber an der Macht.

Die meisten modernen Historiker sind sich einig, dass die Juden nach dieser Revolte mehr oder weniger Sklaven von den Aws und den Khazraj wurden. Dem islamischen Gelehrten William Montgomery Watt zufolge begann ihre Abhängigkeit jedoch nicht erst mit diesem historischen Ereignis, und er behauptet, dass die jüdische Bevölkerung eine gewisse politische Unabhängigkeit behielt.

Der frühe Islam-Chronist Ibn Ishaq berichtet von vorislamischen Konflikten zwischen dem letzten Jemen-König des Himyarit-Königreichs und den Einwohnern von Yathrib. Als der König die Oase besuchte, töteten die Bewohner seinen Sohn und der König drohte, jede einzelne Palme abzuholzen und alle Bewohner umzubringen. Laut Ibn Ishaq hielten ihn zwei Rabbis des Banu Qurayza Stammes davon ab, indem sie ihn anflehten, die Oase zu schonen, da dies der Ort sei, „wo ein Prophet des Quraysh Stammes sich niederlassen würde und die Oase würde sein Zuhause und letzte Ruhestätte werden“. Daraufhin verschonte der Jemen-König die Oase und konvertierte zum Judentum. Er nahm die Rabbis mit sich und in Mekka erkannten sie den Kaaba Tempel wieder, der von Abraham gebaut worden war, und rieten dem König „zu tun, was das Volk Mekkas tat: Um den Tempel herumgehen, den Tempel verehren und seinen Kopf rasieren und sich äußerst demütig zu verhalten, bis er den Tempelbereich verlassen hat“. Auf dem Weg nach Jemen ließen die Rabbis ein Wunder geschehen: Sie entkamen einem Feuer unverletzt, und so akzeptierten die Jemeniten das Judentum.

Mit der Zeit wurden die Banu Aws und die Banu Khazraj Feinde und zur Zeit der Emigration von Mohammed (Hijra) nach Medina (622 n. Chr, Jahr 1 des islamischen Kalenders) hatten sie schon 120 Jahre gegeneinander gekämpft und waren erbitterte Feinde. Die Banu Nadir und die Banu Quraya waren Alliierte der Aws, während die Banu Qaynuqa auf der Seite der Khazraj waren. Insgesamt kämpften sie in vier Kriegen gegeneinander.

Ihre letzte und zugleich blutigste Schlacht war die Schlacht von Bu´ath, die wenige Jahre vor der Ankunft Mohammeds stattfand. Das Resultat der Schlacht war nicht eindeutig und die Fehde setzte sich fort. Abd-Allah ibn Ubayy, ein Khazraj Führer, hatte sich geweigert, an der Schlacht teilzunehmen, was ihm den Ruf gab, ein friedliebender und fairer Zeitgenosse zu sein. Bis zur Ankunft Mohammeds, war er der am meisten respektierte Einwohner von Yathrib. Um die anhaltenden Unruhen zu lösen, trafen sich besorgte Bewohner der Stadt heimlich mit Mohammed in Aqaba, und luden ihn und seine kleine Gruppe von Anhängern nach Yathrib ein, wo der Prophet als unparteiischer Mediator im Konflikt dienen konnte. Als Lohn würde seine Gemeinde ihren glauben dort frei praktizieren können.

Mohammeds Ankunft

622 n. Chr., bzw. 1. Jahr im islamischen Kalender, verließen Mohammed samt rund 70 Anhänger Mekka, um in Yathrib um Asyl zu bitten. Dieses Ereignis sollte die religiöse und politische Landschaft der Stadt von Grund auf verändern: Die langwierige Feindschaft zwischen den Aws und den Khazrajs kam zur Ruhe, nachdem viele Mitglieder beider Stämme und sogar einige dort ansässige Juden den Islam annahmen. Mohammed, der durch seine Urgroßmutter mit dem Stamm Khazraj verwandt war, wurde zu einer Art Bürgermeister gewählt. In Yathrib geborener Konvertiten wurden Ansar genannt („Die Helfer“), ob sie nun vor der Konvertierung zum Islam heidnische Araber oder Juden gewesen waren.

Laut Ibn Ishaq unterzeichneten die lokalen heidnischen arabischen Stämme, die moslemischen Muhajrun aus Mekka, die lokalen Moslems (Ansar) und die jüdische Bevölkerung der Region die Verfassung von Medina, die alle Parteien zu gegenseitiger Kooperation unter der Führung von Mohammed verpflichteten. Der Inhalt der Verfassung, wie er von Ibn Ishaq festgehalten und von Ibn Hisham übersetzt, hat einen Disput unter westlichen Historikern verursacht: Einige sind der Auffassung, dass diese „Verfassung“ wahrscheinlich nur eine Collage verschiedener eher mündlich getroffener Abmachungen war. Und so gibt es auch kein Entstehungsdatum. Andere Wissenschaftler, sowohl westliche als auch muslemische, vertreten die Auffassung, dass die Vereinbarung – ob sie nun ursprünglich ein einzelnes Dokument war oder viele – immerhin einer der wahrscheinlich ältesten islamischen Texte sind, die wir besitzen.

Die Schlacht von Badr

Die Schlacht von Badr war eine entscheidende Schlacht in der Anfangszeit des Islams und ein Wendepunkt in Mohammeds Kampf gegen seine Kontrahenten unter den Quraysh in Mekka. Im Frühling 624 erhielt Mohammed eine Nachricht von seinem Geheimdienst, dass eine Handelskaravane, angeführt von Abu Sufyan ibn Harb und von 30-40 Männern bewacht, sich auf dem Weg zwischen Syrien und Mekka befand. Mohammed stellte die größte moslemische Armee bis Dato auf die Beine. Viele Quellen – auch der Koran – berichten, dass kein Blutbad erwartet wurde, und dass der zukünftige Kalif Uthman ibn Affan daher auch daheim bleiben konnte und seine kranke Frau pflegen.

Als die Karavane nun Medina erreichte, bekam der Anführer der Karavane Wind von dem geplanten Überfall aus dem Hinterhalt. Er sandte einen Boten namens Damdam nach Mekka, um die Quraysh zu warnen und Verstärkung zu holen. Dies versetzte natürlich die Quraysh in höchste Alarmbereitschaft, und sie stellten eine Armee von 900-1000 Männern zusammen. Viele ehrwürdige Qurayshi-Mitglieder, wie Amr ibn Hishām, Walid ibn Utba, Shaiba und Umayyah ibn Khalaf zogen mit. Ein Teil der Armee wurde jedoch vor der Schlacht wieder nach Hause geschickt.

Der Kampf wurde mit den Champions der jeweiligen Armeen eröffnet: Die Moslems sandten Ali, Ubbaydah ibn al-Harith (Obeida) und Hamza ibn ´Abd al-Muttalib. Die Moslems fertigten die Mekka-Champions ab: Hamzah tötete sein Opfer mit dem ersten Schlag, obwohl Ubaydah zuvor tödlich verwundet worden war.

Jetzt begannen die Armeen gegeneinander zu kämpfen; Pfeile flogen hin und her. Zwei Moslems und eine unbekannte Anzahl Quraysh-Mitglieder wurden getötet. Bevor der Kampf anfing, hatte Mohammed die Anweisungen gegeben, die Gegner nur aus der Ferne zu beschießen, bis diese selber einen Angriff starteten. Erst dann sollten die Nahkampfwaffen eingesetzt werden. Nun gab er den Befehl, anzugreifen, indem er eine handvoll Kieselsteine gegen die Mekka-Armee warf, was wahrscheinlich die damalige arabische Tradition war, während er rief: „Entstellt sollen diese Gesichter werden!“. Die moslemische Armee rief: "Yā manṣūr amit!" und eilte zur Verteidigungslinie der Quraysh. Die Mekka-Soldaten gaben schnell auf und flüchteten, obwohl sie in der Überzahl waren. Der Kampf selber dauerte nur einige Stunden, und gegen Abend kehrte wieder Ruhe ein. Der Koran beschreibt die Stärke des moslemischen Angriffes in vielen Versen, die auch davon sprechen, wie tausende Engel vom Himmel kamen, um die Quraysh-Soldaten abzuschlachten. Frühe moslemische Quellen nehmen diese Verse wörtlich, und es gibt zahöreiche Hadiths, in denen Mohammed den Engel Jibreel und dessen Rolle in der Schlacht beschreibt.

Ubaydah ibn al-Harith (Obeida) erhielt die Ehre, derjenige zu sein „der den ersten Pfeil für Islam abfeuerte“, als Abu Sufyan ibn Harb den Kurs änderte, um der Schalcht zu entkommen. Als Vergeltungsmaßnahme für diesen Angriff forderte Abu Sufyan ibn Harb eine neue Armee aus Mekka. Während des Winters und Frühlings des Jahres 623 wurden weitere Truppen von Mohammed aus Medina gesandt.

Die Schlacht von Uhud

Der Berg Uhud

Im Jahre 625 leitete Abu Sufyan ibn Harb, König von Mekka, der regelmäßig Steuergelder an das byzantinische Reich bezahlte, erneut ein Feldzug gegen Medina. Mohammed wollte der Armee entgegenmarschieren, doch bevor es soweit kam, zog sich ein Drittel der Truppe unter der Leitung von Abd-Allah ibn Ubayy zurück. Mit dieser geschrumpften Truppe, mussten die Moslems trotzdem einen Weg finden, die Oberhand zu behalten. Einige Bogenschützen blieben in den Hügeln, um die Mekka-Armee im Auge zu behalten, und den Moslems von hinten Deckung zu geben.

Als die Schlacht losging, wurde es eng für die Mekka-Truppe, und sie wurde zunehmend zurückgedrängt, sodass die Bogenschützen gar nichts zu tun hatten, außer dem Geschehen zu beobachten. Damit wollten sich einige Bogenschützen nicht zufrieden geben: Sie wollten Teil der Schlacht sein, und verließen ihren Posten, um die Mekka-Truppe weiter in die Flucht zu schlagen. Eine kleine Anzahl an Bogenschützen blieben aber dort, wo es ihnen befohlen worden war: Ihr Flehen, die eifrigen Kammeraden mögen bei ihnen bleiben, wurde nicht gehört.

Dabei war der Rückzug der Mekka-Armee bloß eine fingierte Strategie, die sich auszahlen sollte: So wurden die Bogenschützen in den Hügeln von ihren Posten weggelockt und die Mekka-Armee konnte nunmehr diesen Posten und die übrig gebliebenen Bogenschützen von hinten überwältigen, während die anderen Moslems hilflos und überrascht von unten zuschauen mussten. So verloren die Moslems diese Schlacht. Die Mekka-Armee ließ die Stadt Medina unberührt und kehrte wieder nach Mekka zurück. Die Moslems hatten große Verluste erlitten und Mohammed war verletzt.

Die Grabenschlacht

627 führte Abu Sufyan ibn Harb ein weiteres Mal eine Mekka-Armee gegen Medina an. Das Volk von Medina hatte um die Stadt einen Graben ausgehoben, um sich zu schützen, weshalb diese Schlacht als „Die Grabenschlacht“ bekannt wurde. Nach einer langwierigen Belagerung und etlichen Auseinandersetzungen, zogen sich die „Mekkaner“ wieder zurück. Während der Belagerung hatte Abu Sufyan ibn Harb die verbliebenen jüdischen Stammesmitglieder von Banu Qurayza kontaktiert und mit ihnen abgemacht, dass sie von hinten angreifen würden. Diese Abmachung kam aber den Moslems zu Ohren und wurde vereitelt.

Da dies auch eine Verletzung der Konstitutionellen Verfassung Medinas darstellte, wurden die Juden nach dem Rückzug von den „Mekkanern“ von Mohammed überwältigt. Einige Mitglieder des Stammes Banu Aws intervenierten nun im Interesse ihrer früheren Alliierten, und Mohammed stimmte der Vereinbarung zu, dass einer von ihren Anführern, Sa´ad ibn Mua`dh, als Richter agieren sollte.

Sa’ad richtete getreu jüdischem Gesetz, dass sämtliche Männer des Stammes umgebracht werden sollten, die Frauen und Kinder hingegen nur versklavt, wie es im Alten Testament als Strafe für Hochverrat üblich war. Die Strafe war eine Abwehrmaßnahme, die dem zukünftigen Überleben der Moslems in Medina dienen sollte. Der Historiker Robert Mantran behauptet, dass aus dieser Perspektive die Maßnahme erfolgreich war: Von nun an waren die Moslems nicht länger primär mit dem Überleben beschäftigt, sondern konnten sich der Expansion durch Eroberung zuwenden.

Hauptstadt des frühen Islams und des Kalifats

In den zehn Jahren nach dem Hijra, bildete Medina als Basis der Angriffe von Mohammed und seiner Armee, und hier wurden sie selber wiederum etliche Male angegriffen. Von Medina aus startete Mohammeds Armee Richtung Mekka, um die Stadt kampflos in Besitz zu nehmen und einstimmig im Jahre 629 zu ihrem Anführer gewählt zu werden.

Trotz Mohammeds Stammeszugehörigkeit zu Mekka und trotz der Wichtigkeit Mekkas für die islamische Pilgerreise, kehrte Mohammed nach Medina zurück, die die nächsten Jahre die wichtigste Stadt des Islams und die Hauptstadt des frühen Kalifats wurde.

Die heidnische Bezeichnung Yathrib wurde zu Gunsten von “Medina” fallen gelassen, um das Prophetentum und den Tod Mohammeds in der Stadt zu ehren. Lucien Gubbay gibt zu Protokoll, dass “Medina” auch einen anderen ethymologischen Hintergrund haben könnte: Das aramäische Wort “Medinta” könnte der Ursprung gewesen sein, welches die jüdische Bevölkerung für die Stadt benutzt haben könnten.

Unter den ersten drei Kalifen, Abu Bakr, Omar und Othman, wurde Medina die Hauptstadt eines schnell wachsenden moslemischen Reiches. Während der Herrschaft von Othman, wurden einige Araber jedoch zunehmend unzufrieden mit dessen politischen Entscheidungen und griffen Medina 656 an, im Zuge dessen Othman in seinem eigenen Haus umgebracht wurde. Ali, der vierte Kalif, sah lieber die Hauptstadt des Kalifats in Kufa (Irak) positioniert, und so schwand die politische Bedeutung Medinas langsam dahin.

Nach der Zerstückelung des Kalifats, wurde die Stadt von einem Herrscher zum nächsten weitergereicht, u. a. den Mamluks von Kairo im 13. Jahrhundert und schließlich im Jahre 1517 den Türken.

Erster Weltkrieg und saudische Herrschaft

Historische Ansicht von Medina

Anfang des 20. Jahrhunderts, während des 1. Weltkriegs, erlebte Medina eine der längsten Belagerungen ihrer Geschichte. Medina war eine Stadt des Osmanischen Reiches. Vor Ort herrschte der Hashemit-Klan als Sharife bzw. Emir von Mekka. Fakhri Pasha war der osmanische Gouverneur in Medina. Ali bin Hussein - Sharif von Mekka und gleichzeitig Anführer des Hashemit-Klans - rebellierte gegen das Kalifat in Konstantinopel (Istanbul) und verbrüderte sich mit Großbritannien.

Medina wurde von den Kräften des Sharifs belagert und Fakhri Pasha blieb hartnäckig dort von 1916 bis 10. Januar 1919. Er weigerte sich, aufzugeben und hielt weitere 72 Tage nach dem Waffenstillstand von Moudros durch, bis er schließlich von seinen eigenen Männern festgenommen wurde. In Erwartung der nachfolgenden Plünderung und Zerstörung, hatte Fakhri Pasha aber heimlich die wertvollen Reliquien von Medina nach Istanbul schicken können. 1929 beschrieben die Briten Medina übrigens folgendermaßen: „ökonomisch wesentlich unabhängiger als Mekka“.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde der Hashemit Sayyid Hussein bin Ali zum König eines unabhängigen Hejaz ausgerufen. Bald darauf, im Jahre 1924, wurde er von Ibn Saud vom Thron gestürzt, der Medina und ganz Hejaz in das moderne Königreich von Saudi-Arabien integrierte.

Medina heute

Das moderne Medina, 2009

Heute ist Medina nicht nur das zweitwichtigste islamische Pilgerziel (nach Mekka), sondern auch eine wichtige Stadt der westlichen saudi-arabischen Region Al Madinah. Abgesehen vom heiligen Kern der Stadt, ist das restliche Gebiet von Medina multi-ethnisch: Zu den saudi-arabischen Einwohnern kommen zugewanderte Arbeiter vieler Nachbarländer (Ägypter, Jordanier, Libanesen) aber auch nicht-islamischer Nationen (Bangladescher, Inder, Pakistaner und Philipinen).

Historisch gesehen ist Medina bekannt für den Dattelanbau. 1920 wurden 139 verschiedene Dattelsorten gezählt. Medina ist auch für den Anbau vielerlei Gemüsesorten bekannt. Das "Medina Knowledge Economic City project“ fokussiert auf wissensbasierte Ressourcen und soll in Zukunft die Entwicklung und Beschäftigung in Medina voranbringen. Der Flughafen "Prince Mohammad Bin Abdulaziz Airport” eröffnete 1974 und fertigt 20-25 Flüge täglich ab. Während der Hajj-Saison und Ferien wird diese Anzahl jedoch verdreifacht.

Der Islam wird von der ganzen Bevölkerung in Medina akzeptiert und befolgt. Das gilt auch für die meisten anderen Städte in Saudi Arabien. Die Sunniten der verschiedenen Ausrichtungen (Hanafi, Maliki, Shafi'i und Hanbali) stellen die Mehrheit dar, während eine bedeutsame Minderheit der Shia in und außerhalb von Medina zu erwähnen ist.

Die Erde in Medina besteht zum größten Teil aus Basalt, während die Hügel, die besonders im Süden der Stadt zu beobachten sind, aus vulkanischer Asche bestehen, die auf die erste geologische Periode des Paläozoikums zurückdatiert werden kann. 1256 wurde Medina von einem Lavastrom bedroht, der dem letzten Ausbruch des Harrat Rahat entstammte.

Der saudiarabische Wahhabismus steht der Ehrerbietung der historisch-religiösen Stätten negativ gegenüber, wohl aus Angst vor `Shirk`, d.h. Vergötterung. Als Konsequenz hieraus hat Medina unter der saudischen Herrschaft die Zerstörung vieler solcher Stätten erleiden müssen. Kritiker nennen dies „saudischer Vandalismus“ und behaupten, dass in den letzten 50 Jahren 300 historische Stätten, die in Mekka oder Medina mit Mohammed irgendwie in Verbindung gebracht werden konnten, zerstört wurden. In Medina betraf diese Zerstörung u. a. die Salman al-Farsi Moschee, die Raj'at ash-Shams Moschee, den Jannat al-Baqi Friedhof und das Haus Mohammeds.