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Mathilde Ludendorff


Mathilde Friederike Karoline Ludendorff, 1877-1966, war die zweite Ehefrau von Erich Ludendorff (General im ersten Weltkrieg), eine bekannte Vertreterin der völkischen Bewegung, überzeugte Antisemitin und Yoga Bekämpferin.

Mathilde Ludendorff war eine deutsche Lehrerin, Ärztin und Schriftstellerin. Sie begründete die völkische Bewegung der „Deutschen Gotterkenntnis“ und veröffentlichte zusammen mit ihrem Mann verschwörungstheoretisch orientierte Schriften, die ein politisches Wirken der – von ihr so bezeichneten und verstandenen – „Überstaatlichen Mächte“ des Judentums, der Jesuiten und der Freimaurer behaupteten.

Mathilde Ludendorff wurde geboren am 4. Oktober 1877 in Wiesbaden. Sie starb am 12. Mai 1966 in Tutzing;

Mathilde Ludendorff war gebürtig Mathilde Spieß, verheiratet. und verwitwete von Kemnitz, verheiratet und geschiedene Kleine.

Leben von Mathilde Ludendorff

  • 1877 4. Oktober: Mathilde Spieß wird als Tochter des Pastors Bernhard Spieß in Wiesbaden geboren. Ausbildung als Lehrerin für mittlere und höhere Töchterschulen.
  • 1904 Heirat mit dem späteren Privatdozenten für Zoologie und vergleichende Anatomie Gustav Adolf von Kemnitz. Sie unterbricht ihr Studium der Medizin.
  • 1910/11 Fortsetzung des Medizinstudiums in München
  • 1913 Promotion. In ihrer Doktorarbeit vertritt sie die These, daß geschlechtsspezifische Unterschiede der geistigen Fähigkeiten von Mann und Frau erst nach einer über mehrere Generationen andauernden Gleichberechtigung festzustellen seien. Schon hier war sie also feministisch aktiv. Anschließend Tätigkeit als Assistenzärztin
  • 1917 Tod ihres Mannes Gustav Adolf von Kemnitz
  • ab 1917 Leiterin eines privaten Kurheims.
  • 1919 Heirat mit dem Major a.D. Edmund Georg Kleine. Die Ehe hält nur kurz
  • 1921 Scheidung.
  • 1926 Heirat mit Ludendorff in Tutzing/Oberbayern.

Zusammen mit ihrem Mann rege Vortragstätigkeit.

  • 1930 März: Gründung des religiösen Vereins "Deutschvolk".
  • 1949 Mathilde Ludendorff äußert im Spruchkammerverfahren weiterhin antisemitische Überzeugungen.
  • 1950 Mathilde Ludendorff wird im Entnazifizierungsverfahren als "Hauptschuldige" eingestuft, 1951 auf "Belastete" herabgesetzt.
  • 1961 Auflösung des "Bundes für Gotterkenntnis" aufgrund verfassungsfeindlicher Betätigung, (1977 Aufhebung des Verbots)
  • 1966 24. Juni: Mathilde Ludendorff stirbt in Tutzing/Oberbayern.

Mathilde Ludendorff als "völkische Feministin"

Mathilde Ludendorff war eine selbstbewusste Frau, die eine "völkischen Feminismus" vertrat: Anders als sonst im Nationalsozialismus üblich, sah sie die Rolle der Frau nicht untergeordnet sondern als gleichrangig mit dem Mann.

Mathilde Ludendorff als Anhängerin und Bekämpferin des Nationalsozialismus

Mathilde Ludendorff engagierte sich schon seit dem Ende des Ersten Weltkriegs für die "Völkischen", gegen Demokratie etc. Sie hatte durch den General Erich Ludendorff auch mehrere persönliche Begegnungen mit Adolf Hitler, schon vor dessen Putsch 1923.

1924 kam es zum Bruch zwischen Erich Ludendorff und Adolf Hitler. Die Ludendorffs bekämpften in der Zeitschrift "Ludendorffs Volkswarte" öffentlich die Nationalsozialisten. So wurde diese Zeitschrift 1933 verboten.

Rassistin und Verschwörungstheorien-Verbreiterin

Mathilde Ludendorff veröffentlichte neben ihren weltanschaulichen Werken (Hauptwerk Triumph des Unsterblichkeitwillens) auch viele politische Schriften, Bücher und Aufsätze, überwiegend völkischen Inhalts, geprägt von Verschwörungstheorien gegen Juden, Jesuiten und Freimaurer, von denen sie annahm, sie arbeiteten als „überstaatliche Mächte“ teils gemeinschaftlich, teils miteinander konkurrierend daran, Deutschland und andere Länder ins Verderben zu treiben. Neuheidnische religiöse Vorstellungen spielten ebenfalls eine große Rolle im Denken von Mathilde Ludendorff. Grundlage war ihre Überzeugung, dass jeder Rasse sich die Erkenntnis Gottes auf eine jeweils besondere Weise offenbare. „Rassenvermischung“ führe zum Verlust dieser speziellen Gotteserkenntnis. Ihre Ansichten waren so stark von der Ariosophie geprägt.

Mathilde Ludendorff als Religionsbegründerin

1930 wurde der weltanschauliche Verein Deutschvolk gegründet, der Vorläufer des heutigen Bund für Deutsche Gotterkenntnis Bundes für Gotterkenntnis. Zwischen 1929 und 1933 bestand eine heftige politische Gegnerschaft zwischen den Nationalsozialisten und den Ludendorffs, die stark persönlich geprägt war. Ab 1931 fungierte Mathilde Ludendorff als Herausgeberin im Münchner Ludendorffs Verlag, wo diverse Schriften ihres Mannes noch bis zum Jahre 1940 erschienen.

Hitler erteilte kurz vor dem Tod Erich Ludendorffs diesem die Erlaubnis zur Neugründung eines nationalreligiösen Vereines, der 1937 den Namen Bund für Deutsche Gotterkenntnis erhielt. In diesem Verein und den Nachfolgeorganisationen spielte Mathilde Ludendorff die führende Rolle. Nach 1945 wurde der Verein von den Besatzungsmächten verboten, 1947 von Mathilde Ludendorff wieder gegründet unter besonderer Berücksichtung der religiösen Aspekte. Seit 1952 wurde für eine Neuanmeldung für den Bund für Gotterkenntnis eine Kirchenaustrittsbescheinigung verlangt.

Die Ideologie des Bundes für Deutsche Gotterkenntnis:

Wir sind es gewohnt, in der Familie die heilige Kraftquelle eines wurzelfesten, rassebewußten Volkes zu sehen, und zu wissen, wie sehr sie auch noch den in ihrem Artbewußtsein entwurzelten Völkern Lebenskraft sichern kann.“ – Mathilde Ludendorff: 1930; veröffentlicht in: „Mensch und Maß“ Nr.18, 9/1989, S.863, Spalte 1

Mathilde Ludendorff und Yoga

Mathilde Ludendorff war entschiedene Gegnerin von Yoga. Zum Teil kann man aus der Vehemenz ihrer Gegnerschaft gegen die Übung des Yoga schließen, wie sehr Yoga in den 1920er und 1930er Jahren war. Mathias Tietke widmet in seinem Buch "Yoga im Nationalsozialismus" dem Wüten von Mathilde Ludendorff gegen Yoga ein ganzes Kapitel.

Mathilde Ludendorff veröffentlichte 1933 ein Buch mit 158 Seiten mit dem Titel "Induziertes Irresein durch Occultlehren". In diesem Buch zieht sie her über:

Sie nennt all diese Praktiken als Künstliche Verblödung und induziertes Irresein. Das ganze 6. Kapitel ihres Buches widmet sie der "künstlichen Verblödung durch Übungen" und gibt Yoga da eine besondere Aufmerksamkeit. Sie scheint sich durchaus mit Yoga beschäftigt zu haben - hat es aber vollkommen falsch verstanden - und ähnlich wie so vieles andere diffamiert.

Auch in späteren Werken sowie in ihrer Zeitschrift zieht Mathilde Ludendorff immer wieder über Yoga und buddhistische Praktiken her. Da ihre Veröffentlichungen zum Teil eine Auflage bis 100.000 Exemplare hatten, prägten ihre Hasstiraden in breiten Teilen der Bevölkerung das Bild von Yoga und von Buddhismus.

Mathilde Ludendorff nach dem Zweiten Weltkrieg

Obgleich nach dem Zweiten Weltkrieg Mathilde Ludendorffs Reputation wegen ihrem Antisemitismus und Rechtsradikalismus gegen Null tendierte, hatte ihr "Bund für Deutsche Gotterkenntnis" wieder (kleinen) Zulauf.

Unreflektierte Übernahme der Argumente Mathilde Ludendorffs durch Sektenbeauftragte und manche Kirchenvertreter

Einige Sektenbeauftragten der evangelischen Kirche und der dänische Religionswissenschaftler Johannes Aagard übernahmen, zum Teil unbewusst, in jedem Fall unreflektiert, die Scheinargumente von Mathilde Ludendorff gegen Yoga und fernöstliche Religionen.

Manche Kirchenverteter übernahmen unreflektiert das Argument von Mathilde Ludendorff, dass man keine fremde Religion übernehmen dürfe, sondern die Religion des eigenen Landes, der eigenen Kultur. Das ist insofern eigenartig für die Vertreter der christlichen Kirchen, da dieses Argument von Mathilde Ludendorff ja auch gegen das Christentum genau wie gegen das Judentum gebraucht wurde: Schließlich stammt das Christentum aus dem Mittelmeerraum - und die Kirchen sind Weltkirchen mit Missionsanspruch auf der ganzen Welt.

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